Luzerner Totentanz, Monika Mansour, Emons
Es weihnachtet, aber nicht für jeden. Der Tod von
Abteilungsleiter Rolf Wymann sitzt Barbara noch tief in den Knochen. Obwohl das
ganze Team der Mordkommission (Leib und Leben in Luzern) Barbara ermuntert, die
Nachfolge ihres ermordeten Geliebten anzutreten, ist sie durch die Trauer und
Schuldgefühle gelähmt. Da kommt es ihr nur recht, daß sie Heilig Abend aus der
Messe zu einem Tatort in einem Stadtmauerturm gerufen wird: ein ca. 8 jähriges
Mädchen wird als Engel verkleidet betäubt schlafend unter der oberen Turmtreppe
gefunden. Die Wände sind bemalt mit Hexensymbolen in Hühnerblut. Unter dem
Strohlager des Kindes findet sich eine leere Flasche mit Lippenstiftabdruck.
Eine Hexe mit dunkel wallendem Umhang und rot wehender Mähne flieht auf einem
schwarzen Pferd, begleitet von einem großen dunklen Hund, eine Feuerspur hinter
sich herziehend. Bereits am 1. Weihnachtstag verschwindet das nächste kleine
blonde Mädchen und wird als Engel verkleidet in einem anderen Turm gefunden.
Diesmal ist die Symbolik sexueller Natur, doch dem Kind fehlt es an nichts, es
hat alles verschlafen. Luzern begibt sich auf Hexenjagd und wird nach dem Fund
eines dritten Kinderengels am 2. Weihnachtsfeiertages geradezu hysterisch. Durch die Hexensymbolik
angezogen schaltet sich der gutaussehende niederländische Journalist Marius van
Roijen in die Ermittlungen ein. Durch seine Kenntnis um die Luzerner Sagen von
der Sträggle und dem Türst scheint der Fall aber nur noch verwirrender zu
werden.
Wieder ein packender Krimi mit dem türkischstämmigen,
heißblütigen Ermittler Cem Cengiz, der diesmal tief in die mystischen Sagen des
Luzerner Umlandes.
Doch neben dem scheinbar unbegreiflichen Verbrechen an
unschuldigen Kindern gibt es auch wieder einige Gefühlswirrungen. Cems Freundin
Lila mit der zwielichtigen Vergangenheit ist über die Weihnachtsfeiertag bei
ihren francophonen, gutbürgerlichen Eltern, während das Parfum von
Staatsanwältin Eva sein Blut in Wallung bringt. Wie gut Journalist und
Hexenkenner Marius aussieht, fällt nicht nur Cem auf und so bringen die
persönlichen Geheimnisse und Empfindungen eine weitere Komponente ins Spiel.
Ist die Neue Hexe von Luzern wirklich wahnsinnig oder hat sie eine dunkle
Vergangenheit, die jemand mit ebenfalls nicht blütenreiner Weste besser
verstehen kann?
Während man als Leser über die Motive und die Identität der
„Hexe“ nachgrübelt, hat man stets den Prolog von einem jungen Mädchen, das sich
wegen Mobbings in den Tod stürzt im Hinterkopf. Was hat dieses unschuldige
Opfer mit den Kinderengeln zu tun?
Gerade die Machtlosigkeit des Mobbingopfers und die Unschuld
der kleinen Mädchen gehen unter die Haut, während der unsympathische Priester
und die Hexenmystik zu fesseln wissen.
Dabei gefiel mir sehr gut, daß der Priester zwar
unsympathisch, aber nicht böse war. Als es darauf ankommt, zeigt er Größe und
Umsicht. Das Abweichen von Clichées gefällt mir. Es ist überraschend und
unberechenbar.
Auch dieser Band zieht einen wieder in seinen Bann. Er kann
einzeln gelesen werden, aber es ist definitiv interessanter, wenn man die Reihe
von vorne beginnt, da man gerade die zwischenmenschlichen Töne so besser
versteht.
Achtung, es ist ein Schweizer Krimi, nicht nur die Sage
stammt aus Luzern, auch die Sprache. Die ersten Bände hatte noch ein
Schweizerisch – Deutsches Glossar, wer also mit Band 1 beginnt, kennt sich also
mit Begriffen wie Spital statt Krankenhaus und parkieren statt parken, schon bestens aus und für Schweizer muss es
eine Wohltat sein, mal nicht nur Duden-Deutsch zu lesen. Ich finde das sehr
charmant, aber verständlich (als Rheinländerin kann ich damit leben, das jeder
Jeck anders spricht).
Ich bedanke mich ganz herzlich beim Emons-Verlag für diesen
tollen Krimi, auf dessen Fortsetzung hoffentlich im nächsten Jahr ich mich
jetzt schon wieder richtig freue.
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