Donnerstag, 30. November 2017

Die Muskeltiere: Picandou und der kleine Schreihals, Ute Krause, gelesen von Andreas Fröhlich, cbj audio



Die Muskeltiere: Picandou und der kleine Schreihals, Ute Krause, gelesen von Andreas Fröhlich, cbj audio
Es ist Nacht und der mutige Mäuserich Picandou erwacht von einem kratzenden Geräusch am Kellerfenster. Die Rattenbande kommt während eines Zwischenstopps ihres Kreuzfahrtschiffes im Hamburger Hafen zu Besuch und stellen ihren Jüngsten, den kleinen Rattibor vor. Er ist winzig, zahnlos und kann nicht viel mehr als Mama, Papa und Tortääää sagen. Letzteres kann er sogar brüllen, wenn er nicht seinen Willen bekommt und wenn das immer noch nicht hilft, hält er die Luft an, bis er blau anläuft. Picandou ist ziemlich genervt von dem Kleinen, auch wenn der ihn besonders ins Herz geschlossen zu haben scheint. Die liebliche Rattendame seines Herzens, Gruyère Joséphine, findet ihn dennoch total süß. Nach der wilden Party erwachen die vier getreuen Freunde Picandou, Gruyère, Pomme de Terre und Hamster Bertram von Backenbart in ihrer Höhle im Keller unter dem Feinkostladen und stellen fest, daß Rattibor bei ihnen geblieben ist. Schnell machen sie sich auf den Weg, um den Kleinen in den Hafen zu bringen, ehe das Schiff gegen Mittag in den See sticht. Doch Rattibor will einfach nicht hören und so wird es eine Reise voller Abenteuer, die alles bisher Erlebte in den Schatten stellt.
Ute Krause ist nicht nur eine preisgekrönte Kinder- und Jugendbuchautorin, sondern auch eine begnadete Illustratorin. Bei dieser Reihe hat sie die Illustrationen alle selbst gefertigt und sie passen einfach hervorragend. Damit die Hörer dieser Reihe nicht völlig diesen Genuss entbehren müssen, sind auch die Tonträger mit diesen bedruckt und das Booklet enthält eine kleine Einführung in die Reihe mit einer Illustration des Feinkostladens, und der vier Muskeltiere mit Kurzvorstellung.
Andreas Fröhlich liest auch diesen Band wieder richtig großartig. Er schafft es nicht nur den hanseatischen Ton genau zu treffen, sondern trifft genau den Humor der Reihe. Gerade dieser feine Humor zwischen den Zeilen, macht diese Reihe auch für die Eltern zum Genuss. Mit dem kleinen Tortääää-Schreihals schafft er es auch dem neuen Charakter eine unvergleichliche Stimme zu verleihen.
Auch wenn dieser Band deutlich kürzer ist als die Vorgänger, so ist er wieder richtig spannend und witzig. Picandou als Vater wider Willen, ist schon sehr witzig, ebenso die Sicht der Nager auf unsere Zweibeinerwelt (immer diese weißen Schränke in den Küchen, in denen es so dunkel und kalt ist!). Trotz der veränderten Zielgruppe, blitzt der Schalk der Autorin durch, wenn sie die Tricks und Macken des kleinen ungezogenen Rattibor beschreibt und die Reaktion der Erwachsenen. Gruyère schmilzt dahin, während Picandou eigentlich nur genervt ist und alles tut, um den Kleinen wieder loszuwerden. Aber nein, dieses Buch zeigt Kindern nicht, was sie für eine Qual sind, aber es macht schon deutlich, welche Gefahren aus Ungehorsam entstehen können. Aber vor allem ist es wieder ein echtes tierisches Abenteuer, in dem nur bestehen kann, wer zusammen hält: Einer für alle, alle für einen!
Natürlich gibt es ein glückliches Ende für alle Beteiligten, nur nicht für die Tortääää!
Bei dieser Reihe ist es wirklich sehr schwierig sich zwischen dem Buch und dem Hörbuch zu entscheiden.
Meine Töchter lieben auch mit 8 und 10 Jahren die Geschichten noch, waren aber etwas traurig, daß es diesmal so kurz war. Ein längeres Abenteuer hätten Picandous und Bertrams Nerven wohl auch nicht ausgehalten!
Ein Hoch auf die Muske(l)tiere! Wie stets zauberhafte 5 von 5 Sternen und ein herzliches Dankeschön an cbj-audio für dieses umwerfende Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 29. November 2017

Eine Klasse für sich – Das Klogespenst, Pamela Butchart, Becka Moore, Orelli Füssli



Eine Klasse für sich – Das Klogespenst, Pamela Butchart, Becka Moore, Orelli Füssli
„Eine Klasse für sich“ ist ein Leseanfängerbuch mit drei Geschichten aus der sehr lebhaften und fantasievollen Klasse von Frau Miller, welche sehr bunt gemischt und multi-kulti ist.
Da es sich um ein englisches Kinderbuch handelt, sind die Namen auch für heutige Verhältnisse etwas ungewohnt, aber das wundert heute kein Kind mehr.  Da die Klasse mit Lehrern immerhin 17 Personen enthält ist vor dem Inhaltsverzeichnis noch quasi ein Klassenbild mit Namen auf 2 Seiten abgebildet. Dort kann man während des Lesens immer schnell nachschauen, wer wer ist.  Ebenso wie der Rest des Buches, bis auf das Cover, ist dieses dreifarbig illustriert von Becka Moor.
Das Buch enthält folgende Geschichten:
1.     Das Klogespenst: Einmal als Nick während des Unterrichts auf Toilette muss, kommt er klitschnass von dieser zurück. Er wollte sich doch nur nach dem Toilettengang die Hände waschen und als er den Wasserhahn aufdrehte wurde er von oben bis unten nass gespritzt, das kann nur ein Klogespenst gewesen sein. Klar daß da die Kinder nachforschen Müssen und ganz erstaunliche Entdeckungen machen.
2.     Der stinkende Zauberschuh: Die Klasse führt eine Talentshow auf und jeder muß sich eine besondere Nummer zum Vorführen ausdenken. Milo und Julian kündigen einen Zaubertrick an. Milos Schuh ist ein Zauberschuh und kann die Zukunft voraussagen! Als die erste Vorhersage zutrifft sind alle ganz beeindruckt und wollen natürlich auch wissen, was sie zu erwarten haben. Da wird es langsam kniffelig.
3.     Der uralte Fluch: Endlich ist wieder Mitbringstunde. Alle Kinder dürfen etwas von zu Hause mitbringen, nur nicht ihre Haustiere. Ben hat diesmal etwas ganz besonderes in einem festverschlossenen Schuhkarton dabei: einen uralten Fluch, den er auf dem Spielplatz im Gebüsch eingefangen hat! Kaum daß sie den Karton öffnen, fangen alle ganz verzweifelt an sich zu jucken. Wie werden sie diesen Fluch nun wieder los?
Die drei Geschichten sind sehr einfach geschrieben, wie aus Kindersicht geschildert. Dadurch ist es auch sehr einfach zu lesen, selbst für Leseanfänger. Allerdings muß man immer bedenken, daß es ein Schweizer Kinderbuch ist und die Schweizer und Österreicher bei der Rechtschreibreform ganz konsequent das „ß“ abgeschafft haben (da bin ich echt neidisch!). Beim Vorlesen spielt dies aber überhaupt keine Rolle, da die meisten Eltern die neuen Regeln wahrscheinlich immer noch nicht kennen. Die Schrift ist sehr angenehm groß und einige besonders zu betonenden Ausrufe oder Begriffe sind dann noch zur Hervorhebung oder Betonung extra fett und extra groß gedruckt. Das lockert die Geschichten zusätzlich auf und macht einfach Spaß.
Es sind einfach kleine lustige Kindergeschichten, die von kindlicher Vorstellungskraft und planmäßig ungeplanten Unsinn berichten. Dabei erweisen sich die kleinen Schüler als sehr fantasievoll aber auch als echte Einheit. Wenn es darauf ankommt halten sie zusammen, bei all den kleinen Mogeleien zwischendurch. Die Autorin Pamela Butchart unterrichtet heute Teenager in Dundee (Schottland) in Philosophie. Vielleicht sind es gerade diese Gespräche, die ihre eine treffliche Einsicht in die kindliche Denkweise ermöglichen.
Meine Kinder fanden den Titel schon toll und die Geschichten  auch sehr lustig und originell, gerade eben auch wegen der Schilderungen aus Kindersicht. Die Illustrationen gefielen ihnen aber weniger. Warum genau haben sie nicht näher begründet, was etwas erstaunlich ist, da sie nach Auspacken des Buches sofort riefen: au ja, das lesen wir!
Ach ja, und als wir das Buch beendet hatten, sagten beide: dürfen wir davon auch noch mehr Geschichten lesen? Auch wenn sich dieses Buch an die Zielgruppe der  5 – 7 Jährigen richtet kommt es auch bei Älteren noch gut an.
Ein wirklich schönes Buch, aus einer Reihe, die wir im Auge behalten werden.
Gerne vergeben wir gute 4 von 5 Sternen und bedanken uns ganz herzlich für das kurzweilige Leseexemplar beim Verlag Orelli Füssli.

Montag, 27. November 2017

Ein Einhorn taucht unter – Der Krimi für die Wanne, Claudia Puhlfürst, Edition Wannenbuch



Ein Einhorn taucht unter – Der Krimi für die Wanne, Claudia Puhlfürst, Edition Wannenbuch
Stefan liegt in der Wanne und leert angenervt die angeblich letzte Flasche Einhorn-Duschgel, mit „Glücksklee-Extrakt“, mehr farbigem Glitter und regenbogenfarbigen Schaum. Die Krönung ist natürlich der Bonbon-Geruch - widerlich! Der Einhornfimmel seiner Angetrauten Julia geht ihm auf dem Keks! Ein letztes Mal macht er gute Miene zum bösen Spiel und pfeift Mickie Krauses Einhorn-Song.
Julia steht angewidert vor der Badezimmertür. Ihr Mann ist ein ekelhaftes Riesenbaby, wie er so in der Wanne plantscht und mit den Schaummassen spielt. Schnell die Gesichtsmuskeln zurechtrücken, ehe sie ein letztes Mal das Bad betreten will, um gute Miene zum bösen Spiel zu machen und dann…
Dieser Krimi für die Wanne ist echt böse und trieft vor schwarzem Humor. Unter alldem Einhornkitsch schlummert das Böse. Die Bücher der Edition Wannenbuch versprechen, daß sie in 15 Minuten gelesen sind und absolut wasserfest! Dieses Versprechen hält dieses Buch auf jeden Fall! Das schöne ist, daß Claudia Puhlfürst, die erfolgreiche Krimiautorin es versteht, den Spaß in die Sprache zu packen. Bei diesem Krimi gibt es zwar am Ende eine echte Pointe, aber sie packt so viel schwarzen Humor in ihre Sätze, daß es auch in Kenntnis der Pointe durchaus Spaß macht, den Krimi bei einem erneuten Badegang nochmal zu lesen.
Herrlich wird der aktuelle Einhorntrend auf den Arm genommen, bei dem Einhörner auf dem Toilettenpapier, dem Duschgel, dem Sekt, den Keksen u.ä. einfach nicht fehlen dürfen.
Da es nur ein Kurzkrimi ist, kann der Leser keine komplizierte Ermittlungsarbeit erwarten, aber das ist ja auch gar nicht immer nötig. Mordwille, Mordmotiv und Mordwaffe sind auf jeden Fall da und garantieren einen Mordsspaß.
Wer also noch dringend zu Weihnachten, einen Krankenbesuch oder zum Wichteln eine Kleinigkeit benötigt, ist mit diesem Krimi für die Wanne bestens bedient – einzige Bedingung, es darf kein Schrottwichteln sein. Dafür wäre das Buch einfach zu schade. Die Geschichte ist originell, das Buch gewohnt solide und haptisch wirklich angenehm. Mit 5,- € Kaufpreis liegt das Buch auch definitiv im Wichtel-Preisrahmen und es wird sich positiv von all dem anderen Quatsch der üblicherweise absetzen. Da braucht man sich als Schenker weder zu verstecken, noch unter zu tauchen.
Prima Mitbringsel, Wichtelgeschenk oder „nur so“ Spaß! 5 von 5 Sternen für diesen kurzweiligen Wannenspaß!

Freitag, 24. November 2017

Doktor Proktor und das beinahe letzte Weihnachtsfest, Jo Nesbo, gelesen von Philipp Schepmann, der Hörverlag



Doktor Proktor und das beinahe letzte Weihnachtsfest, Jo Nesbo, gelesen von Philipp Schepmann, der Hörverlag
Dieses Hörbuch war ein Wunsch meiner Jüngsten. Ich habe es ja nicht so mit skandinavischen Autoren und vor dem Film zum ersten Band bin ich geflohen. Meine Töchter fanden das Pupspulver aber sehr witzig und so wollte Franziska gerne die Doktor Proktor Weihnachtsgeschichte. Das heißt aber auch: ich muß sie auch hören, sonst kann ich sie nicht rezensieren! Was macht man nicht alles aus Liebe zum Kind, dachte ich und wurde angenehm überrascht:
In der Kanonenstraße bereiten sich alle auf Weihnachten vor. Lise und Bulle sitzen bei Doktor Proktor dem genialen, aber verkannten Erfinder, in der Küche während Juliette herrlichen Milchreis kocht. Da wird im Radio folgende Durchsage gesendet: Der König von Norwegen hat Weihnachten an den ehemaligen Nachbarn Herrn Thrane verkauft! Nur wer für mindestens 100.000 Kronen in Herrn Thranes Kaufhaus zu Weihnachten einkauft ist Mitglied im Weihnachtsclub und hat die Erlaubnis Weihnachten zu feiern, Weihnachtslieder zu singen oder selbst „Frohe Weihnachten!“ zu wünschen! Oh je, Doktor Proktor, Juliette und Bulle können sich das nicht leisten! Wie kann der König von Norwegen überhaupt Weihnachten verkaufen, gehört es ihm denn überhaupt? Warum hat er das getan und wie können sie dieses herrliche Fest retten? Bulle besorgt schnell eine Audienz beim König, um das ganze Ausmaß der Katastrophe festzustellen und Doktor Proktor kennt zum Glück den Weihnachtsmann persönlich! (Wie gut, das Norwegen so weit im Norden liegt!) Doch auch der Besuch beim Weihnachtsmann rettet das Fest nicht, da müssen die Freunde die Rettung halt selbst in die Hand nehmen!
Meine Tochter fand die Geschichte von Anfang an urkomisch und erzählte mir immer ganz aufgeregt die witzigsten Szenen! Ich fürchtete es wäre klamaukig, aber dem war zum Glück nicht so. Stattdessen bekam ich ein wirklich spannendes, aber auch gesellschaftskritisches Abenteuer zu hören. O.k. einiges ist echt absurd, wie z.B. Australier die auf alles was fliegt ballern, oder Vampirgiraffen, die New York unsicher machen, doch es geht letztendlich um Weihnachten, daß vom Fest der netten Aufmerksamkeiten für die Lieben zu einer hoffnungslosen Konsumschlacht verkommen ist. Alles Schöne, was bislang noch umsonst ist, als allgemeines Kulturgut, wie das Singen von Weihnachtsliedern, muß nun erkauft werden! Ein schrecklicher Gedanke, so schrecklich, daß man echt mitfiebert, wie die ungleichen Freunde das wohl verhindern mögen.
Mich brauchte zudem sehr zum Schmunzeln, wie denn der König zum Verkauf des Festes gebracht wurde. Dieses Schurkenstück erinnerte mich schon sehr an Andersens „Des Kaisers neue Kleider“. Es bedarf halt oft des vorbehaltlosen Blickes eines Kindes, um die Wahrheit zu sehen.
Natürlich wird auch wieder auf altbewährtes zurückgegriffen und so benötigen die Freunde zur Rettung des Weihnachtsfestes die letzten Reste Zeitseife und das spezielle Pupspulver, um die Geschenke noch rechtzeitig auszuliefern. Teilweise geht es so übertrieben hart zur Sache, daß auch Kinder die Übertreibung merken. Selbst der fiese Bösewicht kommt nicht zu Schaden, auch wenn er leider nicht bekehrt wird, aber so können wir auf weitere Doktor Proktor Abenteuer gespannt sein.
Sehr unangenehm ist mir im Film die Figur von Bulles Mutter aufgestoßen, die selbstsüchtig und faul ist. Bei ihr hat Bulle echt nichts zu lachen, weswegen er sich zu Hause auch äußerst rar macht. Auch zu Beginn dieser Weihnachtsgeschichte ist dies so, doch dank der Rettung des Weihnachtsfest ändert sich so einiges. Das hat mir als weihnachtliche Botschaft sehr gut gefallen. Bei allem Spaß und aller Action, schaffen es die Freunde nicht nur Weihnachten zu retten, sondern auch ihren Geist der Weihnacht und der Liebe weiterzugeben. Das ist aber nicht der einzige Grund sich über ein rundum fröhliches Ende zu freuen.
Dies ist die erste Doktor Proktor Geschichte, die Philipp Schepmann liest, da der bisherige Sprecher Andreas Schmidt dieses Jahr leider viel zu früh verstorben ist. Es ist natürlich immer schwierig, eine bewährte Stimme abzulösen, aber das Problem haben wir nicht, da es unser erstes Doktor Proktor Hörbuch ist. Auch meine Sorge, daß ich ständig den kleinen Drachen Kokosnuss vor meinem inneren Auge sehen würde, war unbegründet. Philipp Schepmann verleiht Bulle, Lise, Doktor Proktor und Juliette eigene Stimmen, die nicht weniger lebendig und lebensfroh sind.
Jo Nesbo, Jahrgang 1960, arbeitete lange Jahre als Broker, wurde als Sänger von Norwegens populärer Band „Di Derre“ (kenne ich die? ) berühmt, aber Weltruhm erreichte er als Krimiautor und ist inzwischen Norwegens erfolgreichster Autor, dessen Krimi „Der Schneemann“ von Martin Scorsese verfilmt wird und auch von Doktor Proktor, seiner Kinderbuchserie, gibt es bereits zwei Kinoabenteuer, allerdings von einem anderen Regisseur. Wer nach dieser CD noch nicht genug hat, der findet im CD-Booklet nicht nur die vollständige Tracklist und alle Infos zu Buch und CD sondern auch noch eine Abbildung sämtlicher Doktor Proktor Hörbücher aus dem Programm des Hörverlags.
Anders als meine Tochter hatte ich sehr niedrige Erwartungen und bin total positiv überrascht worden! Diese Geschichte ist witzig, spannend und tatsächlich weihnachtlich, im eigentlichen Sinne. Bei Weihnachten geht es um kleine Freuden und nicht den großen Kommerz!
Wirklich begeisterte 5 von 5 Sternen!
Wir bedanken uns ganz herzlich beim Hörverlag für diese wirklich wunderbare vorweihnachtliche Überraschung!

Mittwoch, 22. November 2017

Besuch Aus Tralien, Martin Baltscheit, Maria Karipidou, Dressler



Besuch Aus Tralien, Martin Baltscheit, Maria Karipidou, Dressler
Von Martin Baltscheit haben wir letztes Jahr „Nur ein Tag“ gelesen und es war echt ein Jahreshighlight. Daher waren wir schon ganz gespannt auf die Geschichte von Dave, den Austauschschüler aus Australien.
Die gutbetuchten schicken Eltern sind von ihrem verwöhnten Sohn Piet genervt, immer meckert er nur. Eine Auszeit in Australien, wo er zwei neue Sportarten, eine neue Sprache lernen und seine Eltern wieder schätzen lernen kann, scheint die perfekte Lösung. Dafür kommt mit dem Flug 0815 Dave aus Australien in die Familie. Dave hat eine komische grüne Haut und 72 spitze Zähne. Er liegt am liebsten im Teich, spricht nur ein Wort „Koi“ und hat ein verwesendes Huhn im Koffer, das er runterschlingt. Irgendwie scheint er nicht so recht zu passen. Das Baby liebt ihn jedoch und nennt ihn fröhlich „Bokodil“. Die Erwachsenen macht das dennoch nicht stutzig. Stattdessen geben sie ihr Bestes, damit er sich einlebt. Dabei lernt er auch den merkwürdigen Nachbarn kennen, ein Treffen mit Folgen.
Bereits das Cover läßt vermuten, daß es sich bei Dave nicht um einen gewöhnlichen Austauschschüler handelt, aber daß man ein Krokodil für einen Jungen hält, ist schon ziemlich abwegig. Darüber hätten wir jedoch hinsehen können, aber schon der Einstieg war für die Kinder sehr befremdlich. Die Eltern haben keine Namen, heißen durchweg nun Mutter und Vater und sind von ihrem Sohn nur genervt. Als er endlich weg ist, beschäftigen sie sich nur mit ihren Handys und machen erstmal Wellness im Hotel. Die Eltern sind sehr distanziert und so baut auch der Leser keine richtige Bindung zu ihnen auf, zu Dave aber auch nicht. Seine Gedanken werden in krokogrün gedruckt, so daß sie deutlich als seine Gedanken gekennzeichnet sind. Beim Vorlesen führt dies allerdings zu Verwirrung. Ebenso verwirrend ist, daß relativ viel Englisch in diesem Buch für 6 - 8 Jährige abgedruckt ist. Teilweise mit der Übersetzung in den Fußnoten, teilweise aber auch als längere Passage in den Illustrationen ohne Übersetzung. Der Einstieg ist etwas abrupt und weckt wenig Neugier bei den Kindern. Als es dann auch noch etwas distanziert und seltsam weiterging, verloren sie schnell das Interesse. Für 6 Jährige ist die Schrift meines Erachtens zu klein und das Text/Bildverhältnis trotz der oft einseitigen Illustrationen ungünstig. Meine 8 Jährige Tochter konnte die recht ungewöhnlichen Fremdwörter für das Alter wie Zimmerservice, Cocktail und Massage lesen, aber für Leseanfänger doch eher ungeeignet. Dennoch fand ich das Buch stilistisch nicht ansprechend. Irgendwie fanden wir überhaupt nicht in die Geschichte hinein. Wahrscheinlich liegt es an der distanzierten Art die Geschichte zu erzählen, aber auch daran, daß das Buch nicht so recht zu wissen scheint, was es denn sein will. Groteske, Satire oder Abenteuergeschichte? Für Kinder sind die vielen sozialkritischen Themen aber dennoch zu abstrakt selbst am Beispiel von Dave kommt es einfach nicht kindgerecht rüber. Der Unsinn deutscher Bürokratie ist z.B. kein Thema für 6 – 8 Jährige, das interessiert sie einfach nicht.
Schön an dem Buch sind die zahlreichen farbigen Illustrationen, bei denen ich aber bisweilen den Eindruck hatte, daß einige logische Lücken und eine unausgegorene Story von den bunten Bildern kaschiert werden sollen.
Mit diesem Buch wurden wir leider überhaupt nicht war. Für uns ist es einfach an der Zielgruppe vorbei geschrieben, es will zu viel und verzettelt sich dabei. Ambitioniert aber leider das Ziel verfehlt. Auch wenn einige wirklich aktuelle Themen angesprochen wurden, konnte ich auch bei den Übertreibungen oder Persiflagen nicht grinsen, weil ich mich einfach zu sehr über die Schwächen geärgert habe und gleichzeitig gelangweilt, ich war echt froh, daß es doch recht kurz ist.
Leider konnte uns das Buch überhaupt nicht überzeugen, aufgrund der amüsanten Illustrationen noch 2 von 5 Sternen.

Dienstag, 21. November 2017

Wie soll ich sagen….? Jürgen von der Lippe live! Random House audio



Wie soll ich sagen….? Jürgen von der Lippe live! Random House audio
Der studierte Deutschlehrer Jürgen von der Lippe ist mit seinem Live-Programm auf Tournee. Er spricht so über dies und das, redet sich von der Seele, was ihm so in den Sinn kommt, so scheint es zumindest.  Das Ganze wird dann noch aufgelockert durch ein paar Partyspiele mit Mitspielern aus dem Publikum und einige Lieder die zum Teil auch Parodien auf bekannte deutsche Schlagergrößen oder Liedermacher sind. Ich schätze ihn eigentlich für intelligenten Spaß und besonders seine Deutschlehrer-Scherze wie z.B. über Heidi Klums rheinische Grammatik, haben mir großen Spaß gemacht, auch als selbst Betroffene (rein grammatikalisch natürlich). Auch wenn er andere Promiente durch die Kakao zieht, so macht er das meist nicht, um sie bloß zu stellen. In einem Fall, der zugegebener Weise ausgesprochen lustig war, überdehnte er den Bogen jedoch, so dass mir eine kürze Nummer über das Liebesleben dieses Boxers durchaus mehr Spaß bereitet hätte.  Die Spitzen gegen die Kirche gefallen mir allerdings weniger.
Ich habe einige Male wirklich ganz laut im Auto gelacht und auf in der Wiederholung fand ich es noch lustig. Aber, ein paar Mal waren mir die Witze zu flach und einfach nicht familientauglich. Sobald die Kinder ins Auto stiegen, habe ich auf das Radio umgeschaltet. Einige Fäkalspäße entsprachen nicht meiner Erwartung an ihn, das kenne ich gerade auch von ihm anders.
Die Partyspiele sind zwar witzig, und bieten sich sicherlich auch für Sylvester oder ähnliche Anlässe an, aber das ist für mich keine wirklich eigenständige Comedyleistung.
Gut gefiel mir wiederum die Mischung. Die humorvollen Gedanken über Sprache oder das Leben, Männer und Frauen, unterbrochen durch Lieder oder die Bühnenspiele. Am Showaufbau merkt man bereits, daß man es mit einem Profi zu tun hat!
Sehr gut gefiel mir der Ton. Obwohl es eine Live-Übertragung ist, hatte ich keinerlei Verständnisprobleme. Jede Silbe kam an, alles war gut verständlich und prima ausbalanciert. Das Problem war ein anderes: Einige Witze zünden einfach nur live. Gerade wenn Jürgen von der Lippe sich über unnötige Gesten mockiert, die begleitend zum gesprochenen Wort nicht erforderlich sind oder über Gebärdensprache, so war dies für das Saalpublikum offensichtlich erheiternd, aber für den reinen Zuhörer, etwas frustrierend. Dies kommt leider so häufig vor, daß es echt eines dicken Punktabzuges bedarf, für diejenigen, die ihn nicht live gesehen haben. Für die Besucher der Show ist es sicher dennoch urkomisch, aber ich hatte leider nicht das Vergnügen ihn live zu sehen.
Ich habe wie gesagt mehrmals richtig laut und spontan losgelacht, aber es zünden natürlich nicht alle Gags bei jedem gleich. Ich bereue es auch auf keinen Fall diese Doppel-CD gehört zu haben, denn ich hatte meinen Spaß. Dennoch komme ich wegen der vielen Gags die nicht zünden, wenn man Gestik und Mimik nicht sieht, nicht über mittelmäßige 3 Sterne hinaus. Er ist immer noch einer meiner Lieblingskomiker, aber ich würde mich künftig nicht für einen Live-Mitschnitt entscheiden, oder ihn mir stattdessen lieber selbst live ansehen.

Sonntag, 19. November 2017

Tage wie diese, Maureen Johnson, John Green, Lauren Myracle, gelesen von Julia Meier, Jacob Weigert und Leonie Landa, Goya Libre



Tage wie diese, Maureen Johnson, John Green, Lauren Myracle, gelesen von Julia Meier, Jacob Weigert und Leonie Landa, Goya Libre
Dieses Jugendhörbuch aus der Edition Goya Libre, erzählt 3 romantisch verschneite Liebesgeschichten von ganz normalen Teenagern, die doch was ganz besonderes sind. Alle drei Geschichten spielen um Heilig Abend während des größten Schneesturm der Geschichte in dem kleinen Städtchen Gracetown, wo es nicht viel mehr als einen Bahnhof, eine High School, ein Wafflehouse, einen Herzog-Minimarkt und ein Starbucks Café gibt, weshalb sich die Wege der Teenager auch alle früher oder später zu dieser magischen Weihnacht kreuzen, verbinden und somit die jeweiligen Geschichten abrunden. Es lohnt sich also genau zu zuhören, diese kleinen Begegnungen sind einfach wunderbar.
1.     Der Jubilee-Express, Maureen Johnson, gelesen von Julia Meier
Die 16 Jährige Jubiliee freut sich schon total auf ihr „einjähriges“ mit ihrem scheinbar perfekten Freund Noah, bei der traditionellen schwedischen Weihnachtsfeier bei Noahs Familie. Jubilees Eltern wollen nur kurz vorher zur Flobie Manufaktur die zu Weihnachten strenglimitierte Keramikhäuschen für das Flobie Deko-Weihnachtsdorf verkaufen. Ihre Eltern sammeln mit voller Leidenschaft und haben sogar ihre Tochter nach Gebäude Nr. 4 der Jubilee-Hall benannt. Da es dieses Jahr nur 10 Exponate gibt, kommt es zu einer Schlägerei und ihre Eltern werden verhaftet. Wegen des Schneesturms soll Julie nun zu ihren Großeltern nach Kalifornien mit dem Zug fahren. Doch der endet in einer Schneewehe in Gracetown. Um den schrecklichen Cheerleaderinnen im Zug zu entkommen, steigt sie aus und strandet vorerst in einem Wafflehouse, wo sich der junge in Tüten gekleidete Stuart ihrer erbarmt und sie zu Weihnachten mit zu sich nach Hause nimmt.
In dieser ersten Geschichte kommen, wenn man genau zuhört alle Personen schon vor, ohne dass es groß auffällt. Sowohl Julie, als auch Stuart sind echt sympathische normale High School Kids. Insofern verstehen sie sich eigentlich auch gleich auf Anhieb, käme es da nicht zu Irrungen und Wirrungen, die alles verkomplizieren, sie aber auch dazu bringen, einander wirklich kennen zu lernen und sich zu öffnen.
Julia Meier liest diese Geschichte wirklich großartig. Durch ihre geschickten Betonungen kommen der trockene Humor und die dezente Ironie richtig zur Geltung. Da besteht keine Gefahr von Kitsch, aber ich habe mich richtig amüsiert, während ich dahin geschmolzen bin. Hinzukommt, daß die geschulte Stimme der Folkwang Absolventin wirklich sehr angenehm und wandlungsfähig ist.
Im Booklet befindet sich nehmen der Tracklist zu allen drei Geschichten auch eine Kurzvita der Sprecher und Autoren
2.     Ein cheer unglaubliches Weihnachtswunder, John Green, gelesen von Jakob Weigert
Der 16 jährige Tobin sitzt mit seinen besten Freunden JP und dem Herzog zu Hause und veranstaltet eine lange James Bond Nacht. Seine Eltern sitzen wegen des Schneesturms auf einem Ärztekongress in Boston fest und rufen ständig an, weil sie ein schlechtes Gewissen haben, ihren Sohn über Weihnachten ganz alleine zu lassen. Plötzlich ruft ihr Freund Quinn an, der im Wafflehouse arbeitet: 14 Cheerleaderinnen sind durch die Schneewehe bei ihm im Laden gestrandet, sie müssten unbedingt sofort herkommen, ehe die Freunde seiner zwei Kollegen sich die Cheerleaderinnen schnappen. Die Nerds Tobin und JP sind sofort begeistert und auch die burschikose Angie, wie der Herzog wirklich heißt, zieht mit ihnen los, in die schneeverwehte Nacht, in der ein Durchkommen unmöglich scheint.
Das ist eigentlich eine richtige Jungsgeschichte, die mich an den legendären „Der Volltreffer“ mit John Cusack erinnert, ein Film den auch Mädels lieben, aus gutem Grund. Die Nerds haben nur ein Ziel vor Augen und verkennen völlig, daß Cheerleader nicht ihre Kragenweite sind. Aber es geht ja auch eigentlich um etwas ganz anderes und das worum es geht finden sie und noch viel mehr.
Jakob Weigert liest jugendlich frisch und schafft es für diese etwas verpeilten Nerds richtig Sympathien zu wecken.
3.     Der Schutzheilige der Schweine, Lauren Myracle, Leonie Landa
Es ist Heilig Abend und die junge schöne Addie hat nichts Besseres zu tun, als sich selbst zu bemitleiden! Aus reiner Theatralik und Dramabedürfnis hat sie mit ihrem Freund Schluss gemacht und bereut es nun zutiefst. Doch ihr Traumtyp Jep ist vor Weihnachten  zu seiner Familie ins Reservat gereist und nicht zu dem von ihr vorgeschlagenen Treffen erschienen. Ihre zwei besten Freundinnen Tegan und Dorrie waschen ihr gehörig den Kopf. Sie solle aufhören nur um sich selbst zu kreisen und auch mal an andere zu denken. Um zu beweisen, das mehr in ihr steckt, bietet sie an, während ihrer Schicht bei Starbucks das für Tegan an die Tierschutzstation nahe Starbucks gelieferte Tee-Tassen-Miniatur-Hausschwein abzuholen. Doch in Addies Leben überschlagen sich die Ereignisse und dieses Mini-Schwein macht es ihr nicht leicht!
Diese Odyssee der jungen Dramaqueen lässt einen beim Zuhören nicht kalt. Man kann ihre Freundinnen verstehen, warum sie Addie zu recht weisen und im Laufe der Geschichte, wird auch klar, weshalb sie beliebt ist, obwohl sie doch ständig im Mittelpunkt stehen will. Dieses Mal ist sie echt gefordert und sie muß zeigen, was in ihr steckt, falls doch etwas mehr in ihr steckt, als nur die süße, leicht egozentrische Hülle.
Am Ende laufen während Addies Schicht bei Starbucks alle Fäden zusammen und als Zuhörerin wird einem weihnachtlich warm ums Herz!
Leonie Landa hat eine sehr passende, junge und sehr weibliche Stimme, die Addie sowohl zerbrechlich und unglücklich, als auch etwas verzogen klingen lässt. Sie spricht lebendig und leicht, wirklich die perfekte Stimme für Addie am Rande der Verzweiflung.
Eine wunderbar weihnachtlich romantische Box, die amüsiert, kurzweilig unterhält und jeden glauben lässt, daß das Glück für jeden ganz nah und möglich ist! Immerhin ist Weihnachten das Fest der Liebe!
So schön, daß man es immer wieder hören kann und das warme Gefühl im Bauch kommt immer wieder!
Für dieses herrliche Weihnachtsglück ab 14 Jahren gebe ich glückliche 5 von 5 Sternen
Ich bedanke mich ganz herzlich für diese wunderbaren Hörstunden bei Goya Libre

Freitag, 17. November 2017

Der Pfad – Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit, Rüdiger Bertram, Heribert Schulmeyer, cbj



Der Pfad – Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit, Rüdiger Bertram, Heribert Schulmeyer, cbj

Europa 1941: Europa befindet sich im Krieg. Nicht nur Juden verlassen wann immer möglich Deutschland, auch die geistige und kreative Elite versucht das Land zu verlassen. Viele sind zuerst nach Paris geflohen, bis sie auch von den Franzosen als Feinde in Lager gesteckt wurden. Als die Wehrmacht in Paris einmarschierte gelang vielen die Flucht in den „freien“ unbesetzten Süden. Doch auch dort unterstützen immer mehr deutsche Soldaten die französischen Polizisten oder Soldaten bei Razzien oder Kontrollen. Die Flucht nach Amerika wird immer dringender und immer schwieriger. Der kritische deutsche Journalist Ludwig Kaiser hat bereits seit Jahren seine Heimat verlassen, sein 12 jähriger Sohn Rolf spricht inzwischen Französisch. Über das Meer gibt es keine Fluchtmöglichkeiten mehr aus Marseille, da hilft nur noch eine Flucht über die Pyrenäen nach Spanien und vor dort auf ein Schiff im Lissaboner Hafen. Endlich hat Ludwig alle gefälschten Papiere beisammen und auch von seinen letzten Ersparnissen zwei Schiffspassagen gekauft, sie verlassen die Gemeinde der Gestrandeten in Marseille, um mit Hilfe von Widerstandskämpfern die Flucht durchs Gebirge anzutreten. Für die zwei Großstädter ist dies ein harter und gefährlicher Weg, geleitet von einem Ziegenhirten in Rolfs Alter.
Diese Geschichte ist ab 12 Jahren sehr gut geeignet. Sie ist so spannend, dass kein Kind zu sagen wagen würde: bitte keine Kriegsgeschichte. Der Krieg spielt auch eher am Rande eine Rolle, es ist mehr eine Frage der Bedrohungslage. Denn Rolf und sein Vater befinden sich ja eigentlich schon im unbesetzten Teil Frankreichs und dennoch kontrollieren dort auch deutsche Nazi. Selbst hinter der spanischen Grenze treiben deutsche Soldaten ihr Unwesen. Viel haben wir in der Schule gelernt über die Judenverfolgung, die Verfolgung der Sinti und Roma, der Kommunisten, der Homosexuellen, diesmal geht es um die Verfolgung der kritischen Geister aus Sicht eines 12 Jährigen. Als Journalist, fällt Vater Ludwig die Emigration nicht leicht. Während Romanautoren auch im Exil noch auf Deutsch schreiben können, in der Hoffnung eines Tages wieder verlegt zu werden, war es schier unmöglich als deutscher Journalist in den Vereinigten Staaten Artikel an deutschsprachige Zeitungen zu verkaufen, um davon zu leben. Seine Frau hatte weniger, was sie an Deutschland hielt. Als Tänzerin kann sie überall auftreten, ohne Sprachbarriere und ist daher schon nach New York vorgereist, um für ihre Familie alles vorzubereiten. Doch die Lage in Europa hat sich anders entwickelt, als von Ludwig erhofft und so versuchen sie noch auf den letzten Routen vor den Nazis zu entkommen. Denn auch Ludwig steht auf der Liste deren, die die Nazis auf keinen Fall entkommen lassen wollen. Im Rahmen der Schilderungen lernen die Kinder viel über die Bücherverbrennung in Berlin und Erich Kästner. Diesem ist Rolf in Berlin persönlich begegnet und so begleitet ihn sein persönlich signiertes Exemplar von „Der 35. Mai“ quer durch Europa. Ich möchte nun auch unbedingt dieses Werk von Kästner lesen. Es ist aber auch eine Geschichte über großen Mut in Zeiten der Not und wahren Freundschaft, die sich auch zwischen zwei Menschen entwickeln kann, die sich auf Anhieb nicht mochten und ein Leben lang halten. Großstädter Rolf mit seinem Kuschel-Terrier und Hirtenjunge Manuel, der nicht Lesen und Schreiben kann und nicht versteht, wozu man einen Hund zum Kuscheln braucht, kommen aus ganz verschiedenen Welten. Doch wenn man eine andere Welt kennen lernt, kann man sie besser verstehen und auch schätzen. Meist macht nur das Fremde Angst, daher ist es wichtig es kennen zu lernen.
Auch wenn diese Flucht, die an wahren Schicksalen orientiert ist, eine Zeit vor über 70 Jahren betrifft ist sie nicht nur eine Geschichte wider das Vergessen. Sie ist immer noch aktuell, denn noch immer fliehen Kinder ohne Eltern zu uns nach Europa, sie sind hier noch viel fremder, als der Berliner Rolf in den Pyrenäen. Daher hoffe ich, daß dieses Buch neben Spannung und Geschichtsverständnis auch Toleranz und Neugierde auf fremde Kulturen weckt. Eigentlich bin ich mir dessen sehr sicher und wünsche mir sehr, daß dieses wirklich wertvolle Buch auch im Schulunterricht zum Einsatz kommen wird. Ich bin ganz sicher, daß nicht nur die Comics zu Beginn und zum Ende des Buches die Kinder packen wird, sondern auch die Spannung und die Emotionen. Aber Vorsicht: dieses Buch ist ab 12 Jahren und kein Disney-Film! Es ist ein Abenteuer nahe an der damaligen Realität!
Begeisterte 5 von 5 Sternen, nicht nur für Jungs und Mädels ab 12, sondern auch für deren Eltern und Lehrer!

Donnerstag, 16. November 2017

Die Haferhorde 9: Süßer die Hufe nie klingen! Suza Kolb, Nina Dulleck (Illustr.), gelesen und gesungen von Bürger Lars Dietrich, DAV



Die Haferhorde 9: Süßer die Hufe nie klingen! Suza Kolb, Nina Dulleck (Illustr.), gelesen und gesungen von Bürger Lars Dietrich, DAV
Die Weihnachtszeit ist auf dem Blümchenhof eingekehrt. Maria plant eine spektakuläre Weihnachtsdeko und scheucht Otto herum. Mit Fohlen Finchen haben sie ja jetzt noch ein weiteres Kind auf dem Hof, da muß man sich noch mehr Mühe geben. Die Ponys schauen ihr mit freudiger Erwartung zu, sind aber völlig entgeistert, als plötzlich ein leuchtender Weihnachtsmann mit Rentierschlitten vor der Tür steht. Rentiere vor dem Weihnachtsmannschlitten? Was soll das denn? Ponys können das doch viel besser! Schoko beschließt, daß es sein sehnlichster Weihnachtswunschwäre selbst ein Weihnachtsmannpony zu werden! Doch bei ihrem nächsten Ausflug in die Stadt macht Schoko-Superpony eine entsetzliche Entdeckung: Der Weihnachtsmann fährt in einem Auto auf der Rückbank sitzend an ihm vorbei. Das geht doch nicht, der Weihnachtsmann kommt doch auf einem Schlitten, der muß entführt worden sein, oder das Rentier krank! Noch während Schoko und seine Ponyfreunde grübeln, wie sie den Weihnachtsmann und damit das Fest noch retten können, setzt starker Schnellfall ein. Ein winterliches Weiß setzt sich auf alle Bäume und Sträucher, es sieht herrlich friedlich aus. Vor allem auch weil der Schnee so hoch liegt, daß für Autos kein Durchkommen mehr möglich ist. Wie sollen dann die ganzen Geschenke zu den Kindern ins Waisenhaus kommen?
Die frechen kleinen Ponys und ihre Freunde auf dem Blümchenhof sind schon richtig im Weihnachtsfieber und mit Fohlen Finchen hat Schoko so eine richtig kleine freche Verstärkung bekommen, sehr zum Leidwesen der edlen Stute „die Gräfin“ die sich Sorgen um das damenhafte Benehmen ihrer Tochter macht. Band 9 knüpft somit nahtlos an Band 8 „So ein Fohlentheater!“ an.
Auch in diesem Band erfahren wir wieder witzige Einblicke in die Gedankenwelt der Ponys und wie sie die Menschenwelt deuten. Das ist gerade für Kinder, die sich ja auch allzu oft so ihre eigenen Gedanken zur Welt um sie herum machen, sehr lustig. So kommt auch in der vorweihnachtlichen Stimmung auf dem Blümchenhof auch der Spaß nicht zu kurz. Denn natürlich ist auch auf dem Blümchenhof auch im Advent nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Bei den Schneemassen müssen die Tiere enger zusammenrücken und die Hühnerdamen sind nach wie vor nicht so gut auf die Ponys zu sprechen, da kommt es im Stall zu einigem Gegacker, Geschnaube, Gebelle und Miauen. Bürger Lars Dietrich läßt jeden zu seinem tierischen Wort kommen und vertont die einzelnen Tiere und Kinder nicht nur liebevoll sondern auch richtig lebendig, so daß man stets weiß wer wer ist.
Allerdings ist dies schon der neunte Band und es gibt keine Bildergalerie mit Namen, wie dies bei den von Nina Dulleck illustrierten Büchern der Fall ist. Für Neulinge der Serie bedarf es daher erst einmal eines Einhörens, wer denn nun Mensch und wer Tier ist. Dies gelingt Kindern aber meist viel leichter als Erwachsenen, weil sie die Dinge noch viel besser so nehmen können, wie sie kommen. Dennoch fänden wir eine Aufnahme gerade der Bildergalerie aus der Bucheinbandseiten in das CD-Innencover für Neuzugänge der Serie sehr hilfreich und für die Fans einfach nur richtig süß!
Da es sich um eine ungekürzte Lesung handelt, ist das Verständnis ohne Vorkenntnisse der Reihe jedoch deutlich einfacher, weil keine noch so kleine Information beim Kürzen verloren gehen konnte. So kommen auch alle Kinder in den vollen Genuss des herrlichen Ponygesangs von „Süßer die Hufe nie klingen!“ der ganz eigenen Version unseres altbekannten Weihnachtsliedes, bei dem Bürger Lars Dietrich sein wieherndes und schnaubendes Gesangstalent beweist.
Wieder ein sehr kurzweiliges und sehr schönes Abenteuer unserer Pony-Freunde, die meiner eigentlich „Pferde-hassenden“ großen Tochter eine Krankheitsphase versüßte. Nicht nur Pferdefans kommen hier auf ihre Kosten, sondern alle die lustig, freche Tierabenteuer lieben und deren Fantasie noch frei ist!
Gerne geben wir 5 von 5 Weihnachtssternen!
Ganz herzlich bedanken wir uns bei dem DAV für dieses zum Wiehernden vorweihnachtlichen Hörerlebnis!

Mittwoch, 15. November 2017

Bridget Jones’ Baby, Helen Fielding, Ranja Bonalana, Der Hörverlag



Bridget Jones’ Baby, Helen Fielding, Ranja Bonalana, Der Hörverlag
Bridget Jones ist Back! Naja, dies ist der 3. Teil von Bridget Jones Katastrophentagebuch, es gibt sogar schon einen 4. Teil, aber das ist an mir vorbei gegangen, bis ich die Filmplakate sah und ich den Film schon wieder verpasst hatte.
Das Hörbuch musste her!
Ja, Bridget ist sich treu geblieben, sie hat noch immer den Hang dazu in jedes Liebesfettnäpfchen zu treten, daß an sich nur vorstellen kann, ihre zwei Freundeskreise, die Singels und die „glücklich“ Verheirateten passen nicht so recht zusammen, aber immerhin ist Jelly-Fish Rebecca nicht mehr in ihrem Leben (Schade, die fand ich immer herrlich unsympathisch). Tja, in „Am Rande des Wahnsinns“ sah es so aus, also ob es ein „Happily ever after“ sei, aber 5 Jahre nach dem romantischen Ende des 2. Tagebuchs ist Bridget wieder Single! Warum es mit ihre Traummann auf den zweiten Blick Mark Darcy nun doch nicht geklappt hat, erfährt die Leserin nicht auf Anhieb, daher mag ich es auch nicht verraten, aber es ist mal wieder ein echter-Bridget-Fettnapf! Auf der Arbeit hat sie mit Miranda eine super Kollegin-Freundin, sogar mit Richard Finch klappt es, aber die Zeiten sind hart und so ist eine Unternehmensberatung zur Optimierung von „Hello Britain“ nun auf den Plan getreten und das heißt nie was Gutes! In Grafton Underwood stehen alle Kopf, denn die Queen hat sich zum Besuch angekündigt. Der Pastor soll zu ihrer Rechten sitzen dürfen, doch wer darf an ihre Linke? Diese für Mutter-Pam-Jones quälende Frage ist für Bridget plötzlich gar nicht mehr so wichtig, als sie beginnt sich zu fragen, warum ihre Tage aussetzen? Noch schlimmer, wer ist der Vater? Eigentlich hat sie ja gelebt wie eine Nonne, aber zweimal eben nicht und das war auch noch kurz hintereinander und nun kommen gleich zwei Väter in Betracht! Wer könnte das wohl sein?
Ich habe mich sehr über dieses Wiederhören mit Bridget und Co. gefreut und werde mich nun auf die Suche nach dem englischen Originalbuch begeben, denn ich fürchte, daß durch die Kürzungen mir einige Lacher vorenthalten wurden. Es ist wieder eindeutig Bridget, aber ich fand Band 2 einfach witziger. Dieser Band ist witzig und das Ende gefällt mir auch, aber bisweilen hatte ich das Gefühl, daß Bridget aus den ganzen Fettnäpfen gar nicht mehr hinaus findet! Einiges Wissen über die Schwangerschaft sollte sich auch bis zu ihr rundgesprochen haben.
Bridget schafft es in diesem Tagebuchjahr natürlich mehr als ein kapitales Problem lösen zu wollen. Erst beginnt sie die Biologische Uhr ticken zu hören, nachdem als Freunde ihrer Eltern und auch die Gäste der Taufe zu ihrem 6. Patenkind sie daran erinnern, dann nimmt die Biologie ihren Lauf, aber durch wen? Bridget’s Vater ist wieder ein Schatz während ihre Mutter wieder eine Queen des Desasters ist. Aber auch wenn die Personen oftmals vertraut sind, ist es doch nicht langweilig. Es ist eine gelungene Mischung zwischen vertrauten Personen und neuen Katastrophen, die einen amüsieren und erheitern, sich fremdschämen und unterhalten.
Sehr gelungen finde ich, daß mit Ranja Bonalana die Synchronstimme der Kinoverfilmungen mit Rénee Zellweger gewählt wurde. Da die Filme ebenfalls gekürzte Fassungen der Romane sind, bekam man beim Hören auch gleich das Kinogefühl. Besonders ist der Umsetzung der verschiedenen Frauenstimmen liegt ihre Stärke, die Herren Mark und Daniel sind ihr dagegen etwas schwächer gelungen.
Die mehrseitige Klapp-Papp-Hülle ist sehr platzsparend und doch sehr ansprechend und informativ gestaltet in babyblau.
Eine sehr kurzweilige MP3 von rund 4 ½ Stunden haben mich wieder in meine Vergangenheit begleitet, als ich Liebeskummer mit Bridget Jones‘ Geschichten auskuriert und dabei Englisch gelernt habe. 
Gerne gebe ich unterhaltsame 4 von 5 Sternen für alle Fans von echten Katastrophen, die einen vom eigenen Chaos ablenken.
Vielen lieben Dank an den Hörverlag für diese prima Chick-lit-Unterhaltung!

Montag, 13. November 2017

Du bist der Größte! Max Lucado, Tanja Husmann (Illustr.), SCM



Du bist der Größte! Max Lucado, Tanja Husmann (Illustr.), SCM
Olli lebt in der Stelzenstadt. Dort bekommen jeden Abend die beliebtesten Mitbürger Stelzen verliehen, mit denen Sie hoch über ihren Mitmenschen entlang stolzieren. Sie werden von allen bewundert. Olli träumt davon auch eines Tages ein Paar Stelzen zu erhalten, aber er ist doch so klein und unbedeutend! Als sein Traum endlich wahr wird, stellt er fest, daß es gar nicht so einfach ist, wie er dachte. Es ist sogar ganz schön anstrengend und gefährlich hoch oben in den Lüften und außerdem liebt Jesus alle Menschen, die Kleinen ebenso wie die Großen!
Dieses christliche Bilderbuch für Jungen und Mädchen ab 4 Jahren ist aus dem Englischen übersetzt worden. Das macht sich leider an den Reimen bemerkbar, die nicht immer ganz rund klingen. Aber Kinder lieben Reime und für die Sprachentwicklung sind sie auch echt wichtig!
Ich habe das Buch Johanna (10), Franziska und Antonia (8) vorgelesen. Alle drei fanden die Illustrationen mit ihren leuchtenden Farben richtig toll. Die Illustrationen wirken sehr freundlich und sind ausgesprochen detailreich. Allerdings fanden sie nur das Auftauchen von Jesus in der Geschichte sehr plötzlich (Jesus als solchen haben sie nicht in Frage gestellt, nur sein unvermitteltes Erscheinen). Hierbei ist besonders schön, daß Jesus nur als liebende Umarmung von hinten gezeigt wird. Er umarmt uns, bei ihm finden wir alle Schutz und Liebe. Johanna fand es besonders gut, daß cool zu sein, nicht wirklich erstrebenswert ist, sondern viel zu anstrengend, weil man sich ja dann eigentlich immer verstellen muss. Es ist ja viel praktischer auf seinen eigenen Füßen über den Boden zu laufen!
Meine Nachbarin hat das Buch mit ihren Max Lucardo begeisterten Kindern gelesen. Debbie ist auch tatsächlich 4 Jahre alt. Sie hat das plötzliche Auftauchen von Jesus nicht hinterfragt. Aus ihrer Perspektive war dies völlig normal. Auch Debbie und ihre Mutter fanden die Bilder richtig toll und auch die Botschaft, daß es Jesus völlig egal ist, wie groß oder bedeutend wir sind, er liebt uns alle, hat ihnen gut gefallen und meinen Mädels ebenso.
Die übersetzten Reime sind jetzt nicht wirklich schlecht und holprig, allerdings ist es sprachlich nicht optimal, weswegen wir einen Stern abziehen, so daß wir es mit guten 4 von 5 Sternen gerne weiterempfehlen.

Samstag, 11. November 2017

Monsterhotel, Thomas Montasser, Stefanie Reich (Ill.) Thienemann



Monsterhotel, Thomas Montasser, Stefanie Reich (Ill.) Thienemann
Valentina freut sich schon auf tollen Badeurlaub mit ihrer Familie und ihrem Kuscheltier Stinkebär in Griechenland.  Zu dumm nur, daß der Flieger in dem sie sitzen gar nicht nach Griechenland, sondern nach Island fliegt! Für einen Urlaub auf Island haben sie viel zu dünne Sachen dabei und alle Hotels sind wegen irgendwelchen Kongressen ausgebucht. Na ja, fast alle, hinter vorgehaltener Hand verrät man ihnen einen Geheimtipp am Stadtrand und der entpuppt sich als wahres Monsterhotel! Hier ist alles anders! Statt durch eine Tür betritt man die Zimmer durch die Wand, die Toilette ist an der Zimmerdecke angebracht und im Schrank sitzt ein Monster namens Herr Bückenbrück, daß beim Öffnen der Schranktür wunderbare Melodien auf seiner Nase fiedelt. Die Bezahlung ist etwas ungewohnt ekelig, wird aber noch von den merkwürdigen Speisen im Restaurant getoppt. Die Eltern würden am liebsten gleich abreisen, doch Valentina und ihr Bruder Nils sind begeistert!
Dieses Buch besticht durch wunderschöne farbige Illustrationen von Stefanie Reich. Da es sich an sehr junge Leser (6-8 Jahre) richtet, sind diese sehr zahlreich und die Kapitel umfassen im Schnitt nur rund 3-5 Seiten. Allerdings sind die Ideen und Einfälle so originell, daß es noch einige Szenen gegeben hätte, die wir gerne noch so schön illustriert bewundert hätten. Auch die kleinen farbigen Monster-Vignetten (jedes Kapitel hat Vignetten-Monster in einer einheitlichen Farbe) am unteren Seitenrand waren richtig süß.
Die Schrift ist wirklich groß, aber leider keine Fibelschrift mehr, sondern einer klassischer Schrifttyp mit Serifen. Für das Lesealter 6 – 8 Jahre würde ich mir weniger Text pro Seite und noch mehr Illustrationen wünschen, zum Vorlesen ist diese Verteilung allerdings völlig in Ordnung.
Die Erlebnisse in diesem erstaunlichen Hotel sind mehr witzig und überraschend als gruselig und daher sehr passend für ganz junge Leser. Dass die Monster ja eigentlich sehr freundlich sind, kann man ja schon am Cover erkennen. Allerdings sind die Sätze bisweilen etwas lang für richtige Anfänger. Die Geschichte ist gleichermaßen für Jungen und Mädchen geeignet
Sehr gut gefiel mir die Aussage des Buches (ACHTUNG: SPOILER), denn es geht nicht nur um ausgefallene Einfälle der merkwürdigen Monster, sondern auch um die Angst der Menschen vor den Monster und umgekehrt, denn auch die Monster kennen keine Menschen und was man nicht kennt, könnte ja gefährlich sind. Immerhin wird es ja so schon seit Generationen weitererzählt und was man immer wieder hört, muß ja stimmen, oder?
Meine Tochter (8 Jahre) würde gerne noch mehr Abenteuer aus diesem einmaligen Hotel kennenlernen.
Ein wirklich schönes Buch zum Thema Angst und Anderssein, mit tollen Illustrationen das wir gerne mit guten 4 von 5 Sternen weiterempfehlen.

Myriad High 2: Was Sophie verschweigt, Carly Wilson, dtv



Myriad High 2: Was Sophie verschweigt, Carly Wilson, dtv
Dies ist der zweite Band der fesselnden Myriad High Serie, die unbedingt der Reihe nach gelesen werden sollte: Myriad High ist die modernste High School mit Internat, in Stemford im Silicon Valley, Kalifornien. Dort werden so futuristische Fächer unterrichtet wie: Product-Testing, Bio-Fuse, Offline leben und Cyberspuren lesen. Die 3 Freundinnen Hannah, Sophie und Chloe könnten eigentlich glücklich sein. Sie sind auf dem mordernsten Internatscampus der Welt und sie sind mit ihren Traumtypen zusammen. Aber sind sie das wirklich? Halloween steht an, aber Ben will nicht mit Sophie hin, der Kerl serviert sie einfach für die Cheerleaderin mit der größten Klappe ab! Nunmehr knutschen die zwei überall wild auf dem Campus herum, am liebsten direkt vor Sophies Nase! Matt nimmt Hannah kaum noch wahr, geschweige denn in den Arm, da er nur noch mit seiner geheimnisvollen Herkunft beschäftigt ist. Hannah hilft ihm dennoch bei der Suche nach seiner Familie und macht dabei erschreckende Entdeckungen zum Tod ihres Vaters. Statt Chloe endlich richtig zu küssen, taucht auf Connors Halloween-Party der dubiose Ramiro auf, der auch irgendwas mit Drogen in der Bowle zu tun haben scheint. Auch Allyssa wird immer merkwürdiger, obwohl sie doch nun endlich mit Ryan zusammen ist. Immerhin scheint Evan für Sophies Schulprojekt eine echte Stütze zu sein, während Hannah mit ihrem Projektpartner Kyle wohl die totale Niete erwischt hat.
In diesem Band geht es hoch her. Auch wenn nach dem Titel Sophie und ihr Leiden nach der überraschenden Trennung von Ben im Mittelpunkt zu stehen scheint, sind es doch eigentlich die nach und nach ans Licht kommenden Enthüllungen der Geheimnisse aller und ihrer Eltern. Denn eigentlich dürften Evan, Allyssa und Ryan ja gar nicht auf die Myriad High gehen, da sie die Voraussetzungen nicht erfüllen. Doch irgendwas hat Deborah Steiner, die nun mehr, nach dem Tod von Hannahs Vater, alleinige Herrscherin über das Myriad Imperium ist, dazu bewogen, diese drei dennoch auf zu nehmen. Nach und nach kommt ein Netz aus Lügen und Intrigen ans Tageslicht, daß Deborah Steiner mit den Jahren aufgebaut hat. Während hierdurch einiges klarer wird, werden aber auch neue Fragen aufgeworfen, vor allem stellt sich die Frage: wie gefährlich ist Deborah Steiner wirklich für die jungen Freunde? Das ist unglaublich spannend und das Ende ist der absolute Knaller. Das wirklich fiese an dem Ende ist: Ich kann im Internet noch nicht herausfinden, wann denn nun endlich Band 3 erscheint!
Neben der Spannung und dem Gefühlschaos werden aber auch kritischere Töne angeschlagen. So demonstriert der Lehrer in dem Fach Cyberspuren lesen, wie leicht es auf Grund der Angaben die in sozialen Netzwerken veröffentlicht werden, Passwörter zu knacken, oder die digitale Identität eines Menschen zu stehlen. Na ja, außerdem gibt es da ja noch die geniale Chloe, die sich auch auf kompliziertere Art und Weise Zugang zu fremden Daten beschafft und die Verantwortlichen heimlich ausspäht. Im Netz ist einfach nichts sicher, daher immer schön im legalen Bereich bleiben! Matts Suche nach seinen Wurzeln führt die Leserinnen in ein abgelegenes Indianerreservat in Idaho, dessen Tristesse keine Lagerfeuerromantik aufkommen lässt. Das ganz große soziale Thema ist aber gerade in diesem Band Mobbing auf allen Ebenen, egal ob hinter vorgehaltener Hand, oder digital. Nur allzu schnell wird man Opfer, doch wie wehrt man sich? Was kann man dagegen tun? Nicht alle vermeintlichen Antworten darauf, die die Myriad Schüler zu finden scheinen, sind gut und so manches wird anschließend wieder bereut. Diese Themen zeigen schon, daß die Werbung für Band 1, daß es eine literarisch Soap für Jugendliche sei, nicht greift. Die Serie dreht sich nicht nur um Liebe und Intrigen, sondern greift Themen auf, die Jugendliche betrifft, informiert und warnt. Die Warnung fällt sicher auf fruchtbareren Boden, als alle guten elterlichen Ratschläge.
Der Stil ist wirklich schnell zu lesen, aber nicht anspruchslos. Ich bewundere Carly Wilso alias Ulrike Rylance, alias Caro Martini ja dafür, daß sie es als in den USA lebende Deutsche schafft in ihrer Muttersprache so ansprechend zu schreiben. Als Mutter von 2 Töchtern weiß sie auch genau worüber sie spricht, wenn sie das amerikanische High School Leben beschreibt.
Was ich ziemlich cool vom dtv-Verlag finde, ist daß es möglich ist, per papego das Buch mobil weiter zu lesen. Denn das Buch ist so spannend, mysteriös und emotional, daß man es unbedingt weiterlesen will, nur wie oft lässt man mal sein Buch zu Hause liegen, steht irgendwo dumm rum und wünscht sich, man könnte gerade noch 5 Minuten weiterlesen?
Eine tolle Reihe für Leserinnen von 11 – 14 Jahren und ich warte gespannt auf den 3. Teil um meine Favoritin Chloe und vergebe 5 von 5 Sternen.

Donnerstag, 9. November 2017

Der Weihnachtosaurus, Tom Fletcher, Shane Devries (Illustr.) Franziska Gehm (Übersetzung), cbj



Der Weihnachtosaurus, Tom Fletcher, Shane Devries (Illustr.) Franziska Gehm (Übersetzung), cbj
Ich las den Titel, sah das Cover und dachte, das Bilderbuch will ich lesen, das ist bestimmt ein toller Geschenktipp!
Meine Töchter 10 und 8 sind sofort auf das Cover angesprungen und dann noch der goldene Buchrücken! Doch es ist kein Bilderbuch, es hat immerhin stolze 380 Seiten und die durfte ich jetzt noch vorlesen. Im Eiltempo bitte, denn die Geschichte ist so spannend!
Also, diese bildgewaltige Geschichte kam sehr gut bei meinen Töchtern an und auf Grund des Inklusionsgedankens auch bei meinem persönlichen Förderschullehrer:
Der kleine William Trudel ist ein glückliches Kind, auch wenn seine Mutter vor Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam und er nun alleine mit seinem Vater in einem windschiefen Haus in London in bescheidenen Verhältnissen lebt. Er hat Freunde, sein Vater ist der Weltgrößte Weihnachtsfan und er der weltgrößte Dinosaurier Fan. Als sich sein Leben 3 Jahre später zum Schlechten gewandelt hat, weil die fiese Brenda Pein ihm nun an der Schule das Leben zur Hölle macht und er erstmals wahrnimmt, wie traurig sein Vater aussieht, gibt dieser ihm für seinen Weihnachtswunsch einen Rat: er solle sich das wünschen, was er am liebsten hätte, erst durch den Glauben werden Wünsche wahr! Also wünscht er sich einen Dinosaurier!
Der Weihnachtsann ist bei dem Wunsch etwas ratlos, einen echten Dinosaurier wird sich der kleine William Trudel in seinem Rollstuhl wohl kaum wünschen, aber was will er dann für einen? Wie gut, daß die Wichtel ein Dinosaurier-Ei im ewigen Nordpol-Eis gefunden haben, das der Weihnachtsmann mit seinem gigantischen Po ausgebrütet hat. Die perfekte Vorlage für einen Kuscheldino. Doch bei der Geschenkübergabe kommt alles anders, denn ein böser Jäger hat es auf die magischen, fliegenden Rentiere des Weihnachtsmannes abgesehen. Eine magische, aberwitzige und spannende Jagd beginnt!
Diese Geschichte steht in der britischen Erzähltradition von C.S. Lewis und J.K. Rowling. Fantastisch, abenteuerlich und sehr spannend. Dazu ist das Buch wirklich äußerst lebendig und liebevoll  zweifarbig von Shane Devries illustriert, der auch das Cover gestaltet hat. Die Weihnachtswichtel sprechen bzw. singen ausschließlich in Reimen, bei deren Übersetzung es des ganzen Sprachgefühls von Franziska Gehm bedurfte, diese bisweilen recht umfangreichen Botschaften in sinnvolle Reime zu verpacken. Alle Achtung für diese Leistung, ein wenig eigen wirken sie trotzdem. Meine Töchter hatten einen riesigen Spaß, mir die Wichtelreime vorzusingen, für mich hätten die Reime auch kürzer sein können, was nicht am Gesangstalent einer Töchter liegt.
Meine Kinder waren von dieser Geschichte ganz verzaubert und so widersprüchlich die Begriffe Weihnachten und Dinosaurier auch zu sein scheinen, es passt eigentlich schon gut zusammen, denn neben aller Magie und Fantasy geht es auch um weihnachtliche Botschaften wie Versöhnung, die Macht der Liebe und des Glaubens. Es hat bei Ihnen echte Emotionen hervorgerufen, sie haben an den passenden Stellen gelacht und Tränen verdrückt. Meinen Mann hat es auch sehr begeistert, daß Williams sehnlichster Wunsch es nicht war, wieder laufen zu können, denn solange er Freunde hatte, hat ihn sein Rolli nicht weiter gestört, denn er war voll in die Klasse integriert.
Bei Online Buchhändlern lese ich immer schlechte Kritiken, wenn ein Weihnachtsbuch keine 24. Kapitel hat. Hat dieses Buch wirklich nicht. Ich habe auch so meine Zweifel, dass es die meisten Vorleser schaffen würden, dieses Buch an 24 Tagen in einheitlich langen „Portionen“ vorzulesen. Es muss auch einfach mal schöne Weihnachtsgeschichten geben. Die man einfach schon im November beginnt und eventuell noch bis Neujahr weiter liest. Das gemeinsame Lesen ist auch ein schönes Ziel.
Dieses Buch ist für Jungen und Mädchen die die Narnia-Chroniken oder Harry Potter lieben gleichermaßen geeignet, also ab 8 Jahren.
Allerdings: Ja, es geht um Verzeihung und Versöhnung, aber nicht im Hinblick auf den Bösewicht! Dessen Ende hat mir in einer weihnachtlichen Kindergeschichte ab 8 Jahren nicht gefallen. Ich kann ja mit Weihnachtsdinos um Gottes Willen leben, aber das Schicksal des Schurken war mir wirklich zu unweihnachtlich. Irgendwo ist dann meine Grenze überschritten und so gibt es trotz der totalen Begeisterung meiner Töchter und meines Mannes „nur“ gute 4 von 5 Sternen.