Interviews



Interview mit Antje Szillat und Jan Birck zu Flätscher


Liebe Antje, Lieber Jan, vielen lieben Dank, dass Ihr euch die Zeit nehmt, mir ein paar neugierige Fragen zu beantworten.


Antje: Gerne doch – is ja wohl logissimo ;-)

Seit nunmehr 4 Bänden arbeitet Ihr zusammen an Flätscher, dem Meisterdetektiv. Kanntet Ihr Euch schon vor diesem gemeinsamen Projekt, oder hat Euch erst Flätscher zusammen gebracht?

Antje: Ich muss dich gleich korrigieren, es ist inzwischen schon der 5. Band. Dazu ein Spielebuch, das im November erscheint und das Freundebuch ;-) Immer nach dem Muster: Text Antje, Bilder Jan
Und ja, wir haben uns vorher gekannt, aber Flätscher hat uns tatsächlich sozusagen vereint, denn ich habe Jan gefragt, ob er Flätscher zusammen mit mir realisieren mag. Danach haben wir uns erst einen Verlag für unseren Meisterdetektiv gesucht. Wir sind also „freiwillig“ ein Team geworden ;-)



Wessen Idee war eigentlich dieses großmaulige Stinktier mit dem großen Herz und der Spürnasenambition?

Antje: Das war meine Idee. Ich kenne einen kleinen Jack-Russel-Terrier, der Fletscher heißt und habe mir ewiglang das Hirn zermartert, wer mein FlÄtscher sein könnte. Eines Tages ist es mir dann eingefallen und ich habe mir Flätscher, Theo, Cloe und Co ausgedacht. Doch ich hatte genaue Vorstellungen von ihrem Aussehen und wollte daher die Idee nicht ohne Illus an einen Verlag verkaufen, der dann vielleicht ganz andere Vorstellungen hat. Also habe ich Jan gefragt und Jan hat Flätscher dann das Aussehen verpasst, von dem ich geträumt habe. 



Flätscher ist eigentlich ein Comic-Roman, der die Lust aufs Lesen wecken soll. Inzwischen gibt es sogar schon ein Freundebuch und Hörbuchvertonungen. Habt Ihr mit diesem Erfolg gerechnet?

Antje: Gehofft! Das trifft es eher. Aber ehrlicherweise muss ich auch sagen, dass wir sehr viel dafür tun. Wir beschäftigen uns mit Flätscher sehr, sehr intensiv und ich finde, er sollte und könnte noch viel, viel erfolgreicher werden. ;-)



Lieber Jan, Du bist der optische Vater von Flätscher, konntest Du Dir eine Vertonung der Abenteuer vorstellen, ehe Du sie gehört hast?


Nein (grinst etwa so: ). Danach aber schon, denn Erkki Hopf hat`s super hinbekommen, meine Bilder mitzuvertonen, die in den Büchern ja auch immer mal wieder narrative Teile übernehmen!

Antje präsentiert auf Facebook immer wieder Fotos von sich und dem übergroßen Knuddel-Flätscher oder von gerahmten Illustrationen, die Ehrenplätze an ihrer Wand bekommen. Ganz ehrlich, sind da Deine eigenen Tiere nicht manchmal etwas eifersüchtig auf die prominente Konkurrenz?

Antje: Flätscher muss in der Tat hin und wieder um sein Stinktierleben bangen. Unser halbstarker Eddy (6 Monate alter Labrador) hat ihn sich als kleine Ausgabe schon einige Mal geschnappt und ihn ein bisschen angeknabbert. An den Großen traut er sich jedoch nicht. Der ist echt zuuuuuu groß. Aber der Meisterdetektiv trägt es mit Fassung. Schließlich ist er Profi. Durch und durch. ;-)

Welche Eigenschaft mögt Ihr an Flätscher am Liebsten und welche am Wenigsten?

Antje: Dass er sich selbst nicht so ernst nimmt. Und, dass er ein großes Herz hat und unter seinem dicken Fell (und Bauch) ein sehr sanfter und einfühlsamer Kern schlummert. Und natürlich sein kriminalistisches Gespür. Das ist genial. Flätscher ahnt einen Fall, noch bevor der Täter überhaupt zum Täter wird.

Was ich nicht mag … hm … mal überlegen. Okay, manchmal gibt er ganz schön an. Aber, da ich weiß, dass er es nicht wirklich ernst meint, kann ich ihm das nicht so richtig übel nehmen. .

Jan: Ich beneide Flätscher um seine Unbekümmertheit, die ich deshalb auch bildsprachlich gerne und überall wo es geht, verstärke – und die im Übrigen das glatte Gegenteil von mir ist. Wir decken uns dagegen in Sachen Interesse an gutem Essen (grinst schon wieder  in etwa so: )



Wenn Flätschers Magen knurrt und er nicht sofort die Knödel von Spitzenkoch Bode bekommt, sinkt seine Laune in den Keller. Was macht Euch schlechte Laune?

Antje: Schlechtgelaunte und unfreundliche Menschen. Neid! Missgunst. Negatives Denken.
Davon bekomme ich automatisch schlechte Laune.
Ansonsten versuche ich – wie Flätscher – einfach über den Dingen zu stehen und irgendwie mein Ding zu machen.

Jan: Antje, ich schließe mich an. Doch Dummheit ist das, was mir meine gute Laune zur Zeit am öftesten raubt. Besonders wenn sie zu Unmenschlichkeit und Verlogenheit führt… was aktuell beinahe jeden Morgen geschieht, wenn ich die Zeitung aufschlage und die derzeitige Anziehungskraft von Dummheit vor mir sehe.



Ich danke Euch ganz herzlich für Eure Geduld beim Beantworten der Fragen!

Antje: Sehr gerne doch. Und ein lieber Gruß von Flätscher



-------------------------------------------------------------------------------------------




    Das Interview mit Akram El-Bahay


Lieber Akram, vielen liebe Dank, daß Du bereit bist meine neugierigen Fragen zu Deinem neuesten Buch „Die Wortwächter“ zu beantworten.
In den Wortwächtern bewachen die Abbilder der größten bereits verstorbenen Autoren, die Bücher in den das Leben der Menschen niedergeschrieben wird. Da die Geschichte in England beginnt, begegnet man den Abbildern vieler großer englischer Dichter und Schriftsteller oder auch nur erfolgreicher. Welchem Abbild eines deutschen verstorbenen Autors wärst Du gerne begegnet?
Definitiv dem Abbild von Michael Ende. Für die Phantastik, „meinem“ Genre, ist er aus meiner Sicht der Urvater. Und bei jedem Kinder und Jugendbuch, mit dem ich beginne, nehme ich mir seine „Unendliche Geschichte“ zum (unerreichbaren) Vorbild. Wenn ich halb so gut wäre, könnte ich mir auf die Schulter klopfen.
Die Gehilfen des Ordens der sich dem Schutz und der Wahrung der Lebensbücher verschrieben hat, haben bisweilen erstaunliche Fähigkeiten. Steinerne Wasserspeier die fliegen können, Statuen, die durch die Themse schreiten, welche Fähigkeit hättest Du gerne?
Wahrscheinlich würde ich, meine Höhenangst zum Trotz, am liebsten fliegen können. Der Gedanke wäre wirklich reizvoll. Und wenn ich so drüber nachdenke stelle ich fest, dass in all meinen Romanen der jeweilige Hauptcharakter fliegt (auf Drachenrücken, aus eigener Kraft, mit Wasserspeiern oder im Griff geflügelter Menschen). Das scheint ein tief sitzender Wunsch zu sein, stelle ich gerade fest …
Die steinernen Bibliothekare, die Abbilder der verstorbenen Meister haben oft Spitznamen, so ist J.R.R. Tolkien „Johnny“. Da hatte ich lange gerätselt und mit Keats total daneben gelegen. Hast Du sie Dir frei erfunden, oder hast Du dir Rufnamen der Autoren recherchiert?
Nein, bis auf C.S. „Jack“ Lewis sind die Namen alle ausgedacht. Ich wollte mit ihnen eine Atomsphäre wie in einer Gruppe von guten Freunden schaffen. Es ein wenig, wie wenn man seine Freunde auf einer Party trifft. Die steinernen Bibliothekare kennen sich einfach untereinander – zum Teil seit Jahrhunderten. Auch wenn sie sich nicht alle gleich gut leiden können.
Sehr witzig finde ich ja, dass Dein männlicher Protagonist als Nachfahre des großen Shakespeare mit Büchern nichts am Hut hat, ganz anders als seine weibliche Begleiterin Joséphine Verne, die Nachfahrin des großen Jules. Wie erlebst Du es auf Deinen Lesungen, können die Kinder heute noch was mit den meisten Namen anfangen, oder brauchen sie auch Joséphines Erläuterungen?
Tatsächlich bin ich jedes Mal überrascht, dass unter meinen Zuhörerinnen und Zuhörer mindestens einer ein Zitat aus dem kleinen Hobbit, das in einer Passage meiner Wortwächter-Lesungen vorkommt, korrekt zuordnen kann. Ansonsten haben auch alle schon von Shakespeare und Verne gehört (aber natürlich nichts gelesen). Andere Autoren aber sind den meisten unbekannt. Mary Shelley zum Beispiel kennt bei Lesungen niemand. Das ist aber auch nicht schlimm. Das Ziel ist es, dass sie neugierig auf die Bücher werden, die zu den (unbekannten) Namen gehören.
Welchen Bibliothekar hättest Du denn noch gerne in Deiner Geschichte untergebracht, hast aber keine Möglichkeit für ihn gefunden?
Ich hatte tatsächlich überlegt, Jules Vernes Abbild einzubauen. Aber Jules wäre ein ziemlich dominanter Charakter geworden und hätte der Geschichte eine neue Richtung gegeben. Es wäre ziemlich technisch geworden. Daher kommt er nur ganz am Rande vor, weil er auf einer Reise nach Südamerika ist. 
Was wärst Du lieber, ein „Lesender“ der die Lebensseiten seiner Mitmenschen lesen kann, oder einer von den „Bösen“ ein Schreibender, der mit ein paar kleinen Worten aus seiner Feder, das Schicksal ein wenig umformen kann?
Natürlich ein Schreiber! Ich könnte doch der Möglichkeit nicht widerstehen, die Wirklichkeit ein wenig umzuschreiben. Fehler auszumerzen. Und Ungerechtigkeiten zu korrigieren. Nur die Sache mit den Narben fände ich nicht so schön. Also wären alle neuen Worte von mir ganz vorsichtig gesetzt.  
Tom, Joséphine und der steinerne Will müssen abenteuerlich reisen, um die gut versteckten 4 Einzelteile der Goldenen Feder eines Greifs zu finden. Wohin hättest Du sie gerne begleitet?
Nun, in Kairo, London und Paris war ich schon. Der USA-Trip wäre also schon nett. Und ich hatte am meisten Spaß dabei, die vier Präsidenten zu schreiben. Es wäre toll, sie wirklich zanken zu sehen!
Zum Abschluss möchte ich noch gerne „Toni“ aus „Wortwächter“ zitieren S. 192 „…Er war ein Schwindler. Wie alle Autoren. Lügen sind doch nur besonders glaubwürdige Geschichten“.  Vielen lieben Dank für Deine Geschichte und Deine Antworten!
Außerdem sind Autoren alle ein wenig wahnsinnig. Vielen Dank für die Fragen!



-------------------------------------------------------------------------------------------



 Foto: copyright Sybille Ortner

Interview mit Sonja Kaiblinger

Liebe Sonja Kaiblinger, vielen Dank, daß Du bereit bist, Dich unseren neugierigen Fragen zu stellen:
1.     Deine junge Heldin Chloé ist am Welttoilettentag geboren wurden und interessiert sich daher ungemein für Klos. An meinem Geburtstag feiert man in den USA den Ehrentag der schwarzen Katze. Weißt Du, für welchen Welttag, Dein Geburtstag steht?
Nein, das weiß ich gar nicht!! Wartet, ich google mal, wofür der 22. September steht...  So, habe gerade nachgeschaut. Am 22. September ist der weltweit autofreie Tag, das ist doch ein toller Tag, nicht wahr?

2.     Egal ob bei Chloé die Klo-Brille der Liebe, oder Ophelia aus „Auf den ersten Blick verzaubert“ (oder „Scary Harry“ oder „Verliebt in Serie“) Deine jungen Helden erleben stets Abenteuer jenseits des Alltäglichen oder gar gleich im Jenseits. Was reizt Dich an diesen Settings?
Da habt ihr allerdings recht! Scary Harry ist ziemlich fantastisch, teilweise spielt das Buch im Jenseits, Verliebt in Serie spielt in einer Fernsehserie, die so einige Geheimnisse umgibt und Chloé ... nun Chloé hat mit einem glamourösem und außergewöhnlichem Schulklo wohl noch das realistischste Setting , nicht wahr? ;-) Ich liebe es, Geschichten an außergewöhnlichen Plätzen spielen zu lassen! In der Fantasie kann ich den Leser/die Leserin dann dorthin mitnehmen – und das ist doch doppelt toll, wenn es fantastische, besondere Orte sind, die es in Wirklichkeit nicht gibt!

3.     Welche Gabe hättest Du am liebsten? Geister sehen und mit ihnen sprechen können wie Otto? Wie Abby in Deine Lieblingsserie eintauchen zu können, oder eine andere Gestalt annehmen zu können wie Ophelia in „auf den ersten Blick verzaubert?“ oder doch lieber wie Chloé Liebesbotin zu spielen?

Das  ist eine sehr schwere Frage! Ich glaube, Ophelias Gabe, mich in anderen Menschen oder Tiere zu verwandeln, würde mir am besten gefallen. Ich könnte einen Tag lang ein Superstar sein, bloß um hinterher erleichtert festzustellen, dass das Leben als Normalo doch viel netter ist. Oder vielleicht doch ein Tag in der Haut eines Meeresbewohners? Ich wollte z.B. immer schon mal wissen, wie sich ein Delfin im Ozean fühlt. Oder ein Vogel in der Luft? Die Möglichkeiten wären beinahe grenzenlos...

4.     Wenn eine Deiner Serien verfilmt würde, welche könntest Du Dir am ehesten vorstellen und hättest Du schon einen Hauptdarsteller im Kopf?
In der Tat gibt es seit Jahre immer wieder Pläne, Scary Harry zu verfilmen, und ich drücke fest die Daumen, das daraus tatsächlich bald etwas wird! Ich habe zwar noch keinen Hauptdarsteller für Scary Harry im Kopf (vermutlich wird es ohnehin etwas schwer, ein sprechendes, 520 Jahre altes Skelett zu finden, das in einem Film mitspielen will?), aber ich bin trotzdem schon sehr gespannt, was der Filmproduktion einfallen wird, wenn der Film denn tatsächlich gedreht wird. Man darf jedenfalls gespannt sein!

5.     Weißt Du noch, welches Dein erstes Lieblingsbuch war?#
Ich hatte ganz viele Lieblingsbücher, aber eins meiner absoluten Highlights waren „Die Kinder aus Bullerbü“ von Astrid Lindgren. Ich habe mir immer gewünscht, ebenfalls dort zu leben und all diese Abenteuer zu erleben.

6.     Hast Du einen Lieblingsort zum Schreiben, wo Dir all diese magischen Geschichten einfallen?
Ich habe ganz viele verschiedene Lieblingsorte! Meistens schreibe ich zwar in meinem kleinen Schreibzimmer bei mir zu Hause, weil es da schön ruhig ist, aber Ideen fallen mir an den verrücktesten Plätzen ein. Im Zug, beim Spazierengehen oder einfach im Auto, während ich einen schönen, außergewöhnlichen Song im Radio höre.

7.     Du lebst in Wien, der Stadt der Kaffeehäuser. Wie magst Du Deinen Kaffee am liebsten? Oder lieber gar keinen Kaffee?
Ich trinke sehr gerne Kaffee, allerdings beschränke ich mich auf eine Tasse, denn sonst bin ich so hibbelig und aufgekratzt, dass ich am laufenden Band quassele, und das kann dann keiner ertragen! Bei Kaffee bin ich ziemlich altmodisch und trinke klassischen Milchkaffee, mit viel Milch, dazu am besten noch ein Keks! Perfekt!

8.     Du warst schon Eisverkäuferin, Museumsführerin, Nachtwächterin, Werbetexterin und vieles mehr. Was war denn Dein Traumberuf als Kind?
Auch wenn ihr es mir nicht glauben werdet- aber ich wollte immer schon Autorin werden! Ich habe davon geträumt, dass meine Geschichten eines schönen Tages endlich als Bücher erscheinen und die Leserinnen und Leser in fremde und magische Welten entführen. Auch wenn auch ich manchmal Tage kenne, wo mir die Inspiration fehlt und manches nervt – ich könnte mir keinen schöneren Beruf vorstellen und bin sehr dankbar, dass ich das machen darf, was mir großen Spaß macht! 

Vielen Dank für Deine Geduld!



-------------------------------------------------------------------------------------------



Interview mit Dagmar M. Mueller der Autorin der neuen Kira-Reihe und der Chaos-Schwestern

Liebe Dagmar, vielen Dank, daß Du bei all dem Trubel derzeit, Dir Zeit für ein paar Fragen nimmst. Diese Tage erscheinen die ersten zwei Bände Deiner neuen Serie „Kira“ im Egmont-Schneiderbuch-Verlag, für junge Leserinnen mit Ponyherz und das Casting für die Verfilmung Deiner Erfolgsreihe für ältere Mädels „Die Chaos-Schwestern“ startet, daher bin ich gleich doppelt neugierig!
1.     In der Autorenbiografie zu Kira steht, Du würdest mit Blick auf Pferdekoppeln schreiben. Kannst Du selbst auch reiten?
Ich bin praktisch im Reitstall groß geworden. Nach der Schule ging´s jeden Tag sofort in den Stall, wo ich erst ein Pflegepferd hatte, und später dann Pferde für ein Taschengeld trainiert habe.

2.     Kira darf im ersten Band zum ersten Mal in ihrem Leben mit auf einen Reiterhof. Daher erklärst Du viele Begriffe von der Pieke auf, die sonst in Pferdebüchern oft als bekannt vorausgesetzt werden. Hast Du als Kind selbst gerne Pferdebücher gelesen und hast Dich manchmal über die komischen Wörter gewundert?
Ich hab als Kind alles an Büchern verschlungen, was in der örtlichen Bücherei zu finden war. Aber, ja, Pony- und Pferdebücher habe ich praktisch inhaliert. Und Pferdebücher in den 70er Jahren (als ich Kind war) drehten sich damals wirklich fast nur ums Reiten. Die meisten Bücher damals waren Lizenzen aus Schweden oder England. Dort gab es immer viele Fachbegriffe.
Heutzutage fällt mir auf, dass in sogenannten Ponybüchern kaum noch wirkliches Reiterleben stattfindet. Eigentlich sind die Ponys in den meisten Büchern austauschbar mit irgendwelchen anderen Tieren. Die Ponys in den aktuellen Büchern haben in der Regel magische Fähigkeiten oder laufen nur als niedliches Accessoire  bei einer Story mit, die eigentlich überhaupt nichts mit Reiten zu tun hat. Ich habe die Kira bewusst in der Tradition der klassischen Ponybücher geschrieben. Hier geht es wirklich um die Ponys, ums Reiten und um die Kinder, die – wie ich damals – in jeder freien Minute im Stall leben.
Viele Verlage wollen heutzutage „mehr“ als nur das, was ich sehr schade finde. Dass weder Kira, noch ihr geliebter Connor, zaubern oder Gedanken lesen kann, macht die Bücher ja nicht zwangsläufig langweilig. Oder – ähm – das hoffe ich jedenfalls sehr. ;)  J J

3.     Kira lernt viel von Jule, der großen Schwester ihrer Klassenkameradin Johanna. Schön, daß die große Schwester mal keine Zicke ist. Hattest Du da ein reales Vorbild?
Nein. J In meinem Stallleben damals gab es keine großen Mädchen, die uns geholfen hätten. Die Älteren blieben unter sich. Aber es wäre doch schön, wenn es so wäre, oder?

4.     Kira ist ein Mädchen, dem nicht alles zufliegt und kein eigenes Pferd hat. Wolltest Du Mädchen Mut machen, ihre Pferdeträume zu verwirklichen?
Ja, auf jeden Fall. Ich will überhaupt mit absolut jedem meiner Bücher Kindern mehr Mut machen. In welcher Hinsicht auch immer. Dass Kira es schafft, obwohl ihre Eltern eigentlich nicht genug Geld für Reitstunden haben, sich trotzdem ihren Traum vom Ponyleben zu erfüllen, kann man ja auch stellvertretend für jeden anderen Traum sehen. Nicht beim bloßen Träumen schon aufgeben! Immer wieder Schritte in die gewünschte Richtung machen! Und, klar, hatte Kira hier eine Menge Glück. Aber ich glaube, Glück hat nur der, der auch bereit ist, dafür etwas zu tun. J

5.     Hättest Du Dir damals, als Du mit den Chaos-Schwestern begonnen hast, jemals träumen lassen, daß sie eines Tages verfilmt werden?
Nein, natürlich nicht. J Dass eine Serie einmal verfilmt wird, ist der Traum eines jeden Kinderbuchautors. Und besonders die Chaosschwestern waren eine Riesenüberraschung – besonders für den Verlag. Keiner hatte damals erwartet, dass die sich zu so einer Bestsellerreihe entwickeln würden. Darauf bin ich natürlich sehr stolz.
Und was den Film angeht, kann ich es kaum erwarten, meine vier Chaos-Mädels endlich richtig live und in Farbe vor mir zu sehen! J

6.     Wirst Du Dir die Dreharbeiten auch mal selbst anschauen?
Oh ja, unbedingt! Das lasse ich mir nicht entgehen. J  Ein Film ist natürlich eine Perle jedes Schreiblebens.
Die Chaosschwestern haben zudem das Glück, dass sie von einem sensationell guten Team betreut und verfilmt werden – von den Produzenten, über die Regisseurin, bis hin zu den Schauspielern, alles erste Klasse. Ich werde bestimmt ein oder zwei Tage vor Ort sein und mit offenem Mund und klopfendem Herzen staunen und alles bewundern. Darauf freue ich mich schon sehr.

7.     Darfst Du schon ein bißchen was über den Film verraten, oder ist noch alles streng geheim?
Er wird TOLL, ganz SENSATIONELL GUT! J J J DAS darf ich auf jeden Fall schon verraten. ;)

8.     Wer nun ganz heiß auf den Film ist, kann sich hier beim Casting für eine Rolle bewerben: https://www.castconnectpro.com/de/projectrole/application/key/87fa4c43-6b3b-0e9d-5da7-b7344fe06136/cookieDisabled/1
Oh ja, aber bitte schnell! Denn am Dienstag, den 6. März ist Bewerbungsschluss!



-------------------------------------------------------------------------------------------



Foto: Binh Troung

Interview mit Nana Spier

Liebe Nana Spier, nachdem mir vor dem Erscheinen ihrer neuen Schmuckmagie-Triologie Marion Meister so nett war, mir Rede und Antwort zu stehen, würde ich mich freuen, wenn Sie zum Erscheinen des Hörbuches mir ebenfalls ein paar Fragen beantworten würden.
1.     Julie Jewels wird von der Magie, die von ihren Schmuckstücken ausgeht immer wieder überrascht. Dies ist nicht das erste Hörbuch, dass sie einlesen, in dem es nicht streng nach den uns bekannten Naturgesetzen vorgeht. Glauben Sie an Magie?
Nana Spier: An Magie im „zauberhaften“ Sinne nicht,  aber ich glaube an magische Momente und bin immer wieder hingerissen und beseelt, wenn mir einer passiert.
2.     Sie sind gelernte Schauspielerin, arbeiten dennoch viel in der Synchronisation und im Hörbuch/Hörspielbereich, da kann man hinter dem Mikrofon bei Aufnahmen tragen was man will. Genießen Sie das?
Nana Spier: Oh ja, ich war vom Schubladendenken der TV-Branche schon sehr genervt, ich liebe es, dass ich ich sein kann. Ein herrlicher Beruf, dieses im Dunkeln arbeiten, ich muss keinem Ideal entsprechen, und keine Kostümbildnerin zwängt mich in Leggins und Pullover.
3.     Julie fertigt gerne Schmuck an und liebt es, wenn es glitzert. Mögen Sie es zu glitzern, oder sind sie froh, wenn Sie nicht so im Scheinwerferlicht stehen?
Nana Spier: Ich liebe Glitzer, Glitzer macht die Welt definitiv so viel schöner. Mein neuster Clou, wenn ich abends hier in Berlin ausgehe, einzelne Glitzersommersprossen im Gesicht. Einfach TOLL. Aber das Scheinwerferlicht vermiss ich und fehlt mir so gar nicht. Ich habe meine tolle Glitzerjacke, die glitzert im Schein der Straßenlaterne genauso schön.
4.     Schauspielerei, ob mit der Stimme oder auf der Bühne oder vor der Kamera, erfordert viel Konzentration. Haben Sie auch ein entspannendes Hobby zum Ausgleich, wie Julie?
Nana Spier: Ich gehe jeden Tag mit meiner Labradorhündin Berta spazieren, und ich tanze für mein Leben gern. Ich hätte wahnsinnig gerne mehr Zeit zum Malen und Basteln, das kommt dann wahrscheinlich erst wieder wenn ich Oma werde. Ich liebe es Faschingskostüme zu nähen.
5.     Weiß man als Sprecherin eigentlich mehr als der Leser? Haben Sie bei Hörbuchreihen schon mehr Wissen, wie die Geschichten weitergehen werden, oder tappen Sie da ebenso im Dunkeln wie die Hörer und Leser, bevor eine Reihe fortgesetzt wird?
Nana Spier: Nein, ich weiß genau so wenig wie es mit Julie weitergehen wird, wie der Zuhörer. Ich bin sehr gespannt. Ich hoffe, sie besinnt sich noch und fängt an auf ihr Herz zu hören.
6.     Hat Sie etwas an diesem Projekt besonders gereizt?
Nana Spier: Gereizt? Das kann man so nicht sagen, ich liebe auf jeden Fall Hörbuchreihen, in denen viele Figuren vorkommen, denen ich dann verschiedene Stimmen geben kann.

Vielen lieben Dank für Ihre Geduld und alles Gute!
Nana Spier: Lieben Dank und viele Grüße aus Berlin



-------------------------------------------------------------------------------------------




Interview mit Marion Meister

Liebe Marion, vielen lieben Dank, dass Du noch mal neugierige Fragen zum Erscheinen Deiner neuen Jugendtrilogie um Julie Jewels beantwortest.
1.     Julie liebt Schmuck und stellt ihn selbst her. Hast Du ein Lieblingsschmuckstück, oder hast Du schon mal selbst welchen hergestellt?
Als Jugendliche habe ich tatsächlich selbst Schmuck hergestellt – allerdings mit wenig Talent. Und schon gar keinem magischen Talent. Aber ich hatte immer bestimmte Schmuckstücke, die mir Glück bringen sollten. Ob das funktioniert hat? Na – bei Schulnoten weniger … Aber auch jetzt noch trage ich, wenn ich auf Reisen gehe, Ohrringe mit dem Bild eines Kompasses. Und eines meiner Lieblingsstücke ist eine Kette, die die Farben eines Strandspaziergangs hat – Meeresblau mit Schaumkronenweiß und Muschel-Sand-Ocker.
2.     Julie trinkt am liebsten heiße Schokolade, was trinkst Du am liebsten?
Ohne Kaffee geht bei mir gar nichts. Aber am allerliebsten trinke ich Kaffee mit Schokolade. In meinem Heimatort gibt es ein Café (lustigerweise hat es auch so eine Art Wintergarten-Anbau. Was für ein Zufall …). Dort machen sie richtig gute Schokolade (wieder ein immenser Zufall) auch mit Kaffee – zum Dahinschmelzen!
3.     Julie fleht ihre Mutter fast schon an, sie in das Geheimnis der Schmuckmagie einzuweihen, vergeblich. Würdest Du Deinen Kindern so ein Familiengeheimnis verheimlichen? Ich grübele ja nun schon eine ganze Weile, warum sich die Mutter vehement weigert…
Ich glaube, Mütter haben immer gute Gründe, wenn sie ihren Kindern etwas verschweigen. Meist denken sie, sie könnten ihre Lieben dadurch schützen – aber leider geht das oft nach hinten los … Zum Glück hüte ich kein so dramatisches Geheimnis und habe deshalb meinen Jungs immer reinen Wein einschenken können.
4.     Glaubst Du an Magie?
Ich hoffe auf Magie. Als Kind habe ich es oft versucht – doch kein Zwinkern, Schnippen oder Beschwörung hat je funktioniert. (Also bin ich wohl ein Muggel.) Das bedeutet aber nicht, dass es sie nicht gibt … Und solange ich sie nicht finde, zaubere ich sie mir in den Geschichten herbei.
5.      Julies Verhältnis zu ihrem besten Freund ist nicht ganz unkompliziert. Offensichtlich kennst Du den Film „Harry & Sally“, wer hat Recht, Julie oder Noah, können Deiner Meinung nach Jungs und Mädels einfach nur Freunde sein?
*lach* Ich erinnere mich an einen Kinoabend – Ich hatte mir mit zwei meiner besten Studienkumpels „Harry & Sally“ angesehen und habe danach, auf dem gemeinsamen Heimweg, mit einer feurigen und leidenschaftlichen Rede die Meinung vertreten, dass Mädels und Jungs natürlich nur Freunde sein können! Die beiden haben daraufhin geschwiegen … Wie immer sehen wohl Mädchen die Dinge anders als die Jungs …
6.     Julies Geschichte ist als Trilogie angelegt, hast Du auch schon den 3. Teil geschrieben?
Teil 3 ist schon komplett in meinem Kopf – dh es steht für jedes Kapitel fest, was passiert. Und ich bin bereits dabei, ihn zu schreiben. Also – für alle Triologie-Fans: Teil 3 ist fertig noch bevor Teil 2 auf dem Markt ist. Der Halbjahresrhythmus sollte also eingehalten werden – es sei denn, jemand durchkreuzt meine Pläne mit dunkler Magie … 

7.     Ich finde es ja sehr schön, daß Julie hier zu Lande spielt, war es Dein Wunsch, oder der des Verlages?
Nein, dies war mein Wunsch – als die Geschichte Gestalt annahm, waren da unbedingt Dünen und Meer und dieses schönen Licht … Ich konnte mir Julie nicht in einer Großstadt vorstellen. Ich glaube, jeder erkennt in Julies Heimatort etwas aus seinen eigenen Meer-Orten wieder und kann sich dorthin träumen.
8.     Ich liebe Hörbücher und habe mich total gefreut, als ich sah, dass Julie sogar vertont wird. Hast Du das Hörbuch schon gehört? Wie ist es für Dich, Dein „Kind“ Julie von einer „Fremden“ gesprochen zu hören?
Leider habe ich Julie noch nicht gehört (Stand Ende Januar). Aber ich bin schon ganz hibbelig und neugierig wie Julie klingt.
9.     Du wechselst scheinbar mühelos zwischen allen Genres und Altersklassen von Cosy-Krimi über Weltraumabenteuer bis hin zur romantisch-magischen Jugendtriologie, hast Du ein Lieblingsgenre?
Mein Herz schlägt definitiv für Abenteuergeschichten, die irgendwie noch einen Kick Magie haben. Ich selbst lese am liebsten Bücher ab 12 oder 14 Jahren, die einen Fantasytouch haben. In meinen eigenen Geschichten steckt, glaube ich, immer der Abenteuer-Aspekt drin. Das ist einfach ein Teil von mir. Den haben meine Jungs inzwischen  übernommen und fragen nach jeden Ferien: wann gehen wir wieder auf Abenteuer?
10.  Du begleitest Derek auch auf Lesereise. Wer ist aufgeregter, Du oder Derek?
*lach* Ich fürchte, dass letztendlich ich aufgeregter bin als Derek. Zumindest, was die Reise an sich angeht. Wenn er dann Lesung hat, ist er derjenige, der nervös rumhibbelt. Egal, wie oft man schon gelesen hat, Lampenfieber ist immer da.
Vielen lieben Dank für Deine Geduld und viel Erfolg für Julie Jewels „Perlenschein & Wahrheitszauber“.
Danke! Ich bin wirklich gespannt, wie es den Lesern gefallen wird. 



-------------------------------------------------------------------------------------------




Interview mit Irmgard Kramer zum Erscheinen von 17 Erkenntnisse über Leander Blum

Liebe Irmgard „Leander Blum“ war mein erstes Jugendbuch, das ich von Dir gelesen habe, auch wenn es nicht Dein erstes war. Bei den Danksagungen las ich, wie viele Jahre Du an diesem Buch bereits gearbeitet hast, woran lag es, daß es so lange dauerte?
Bei mir dauert das immer so lang. Das erste Buch, das ich geschrieben habe, war „Am Ende der Welt traf ich Noah“. Es hat 11 Jahre gedauert bis es erschienen ist. Natürlich schreibt man nicht permanent dran, aber es muss reifen und wachsen. Andere haben das offenbar besser drauf als ich. Ich muss viele Umwege gehen. Für dieses Buch habe ich 800 Seiten geschrieben, die ich komplett vernichten musste. Ganz allein hätte ich das nicht geschafft.
Nachdem ich mich über 800 Seiten in eine fiktive Bilderwelt geschrieben habe und merkte, dass das nicht funktioniert, wollte ich aufgeben. Bis meine Agentin kam und mir die richtigen Fragen gestellt hat. Plötzlich habe ich gesehen, worum es wirklich geht. Dafür musste ich leider 800 Seiten löschen. Aber wenige Szenen blieben übrig und die waren wichtige.
Ich glaube, ich kann nicht gut plotten. Ich habe zu viele Ideen. Ich will zuviel. Ich verstricke mich. Es gibt zu viele Abzweigungen und manchmal weiß ich nicht, ob ich nach links oder nach rechts gehen soll. Meistens ist es meine Agentin, die es schafft, meine Gedanken anzustupsen und in eine andere Bahn zu lenken. Wenn ich dann einer Figur nahekomme, weiß ich erst, was ich wirklich erzählen will.
 Außerdem habe ich den Anspruch an mich selbst, eine mehrdimensionalen Geschichten zu erzählen. Ich will keinem Null-Acht-Fünfzehn-Rezept folgen, sondern mehrere Schichten übereinanderlegen. Ich will den Leser überraschen, ihm Rätsel aufzugeben und ihn im besten Fall mit Überraschungen und unerwarteten Wendungen belohnen. Er soll ja was dafür kriegen, dass er sich die Mühe macht, so viele Seiten zu lesen. Aber so eine Geschichte schreibt man eben nicht über Nacht – also ich nicht.
War „Leander“ eigentlich das erste Buch, das Du begonnen hast, wenn auch erst später beendet? Gab er den Anstoß den Schuldienst zu verlassen?
Nein. Das war „Am Ende der Welt traf ich Noah“. Danach, beziehungsweise dazwischen, schrieb ich „Die indische Uhr“ – auch dafür habe ich vier Jahre gebraucht. Mit Noah begann alles. Mit Noah kam der Wunsch, vom Schreiben leben zu können und eines Tages mein eigenes Buch in Händen zu halten. Es hat – wie ich oben geschrieben habe – elf Jahre gedauert.  
Dieser Roman ist voller Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten, fernab vom Durchschnitt. Wer ist Dein liebster „Nebendarsteller“ in diesem Roman?
Oh, das ist, wie wenn man eine Mutter fragt, wer ihr liebstes Kind ist. Ich mag sie alle. Besonderes Mitgefühl hab ich für Jonas‘ Vater. Und auch für Leanders‘ Vater. Ich glaube, der war als junger Mann ziemlich cool. Aber an dem Punkt, als er sich entschied Polizist statt Maler zu werden, hat er sich selbst verraten und es blieb ihm nur noch die Flucht in den Alkohol. Weißt du eigentlich, liebe Dani, was für ein schönes Gefühl ist, sich mit anderen Menschen darüber zu unterhalten? Es ist das erste Mal, dass ich das tu. Das Buch erscheint ja erst in ein paar Tagen. So viele Jahre war ich allein mit meinen Figuren. Und plötzlich ziehen sie hinaus in die Welt. Ich empfinde das als großes Privileg. So lange habe ich nur für mich selbst geschrieben. Dass es da auf einmal lebende Menschen gibt, die sich dafür interessieren, ist nicht selbstverständlich. Dafür will ich dir danken.    
Wie hast Du PEKS, Deinen Streetart-Berater eigentlich entdeckt? Durch seine Werke an den Wänden Wiens oder durch Recherche?
Tja, wie soll ich sagen. Die Geschichte ist sehr banal. Und ich hoffe, er ist mir nicht böse. PEKS ist mein Neffe. Tatsächlich hat mich seine Leidenschaft inspiriert. Er hat als 14-jähriger verbotene TAGS an Wänden hinterlassen, und plötzlich stand ein Polizist in Zivil in der Wohnung meiner Schwester und hat sich Zugang zum Keller verschafft, der über und über besprayt ist. Durch PEKS habe ich einen Einblick in eine Welt bekommen, die mir bisher verborgen war. PEKS hat Theater-, Film und Medienwissenschaften studiert. Er hat sich intensiv mit Kunst im öffentlich Raum beschäftigt, hat das Thema für sich selbst von allen Seiten beleuchtet und das Malen selbst stets verfolgt. Nun ist es so weit, dass er seine Leidenschaft zu seinem Beruf machen kann. Er wird für Auftragsarbeiten gebucht, darf scheußliche Wände, Unterführungen, Etiketten von Flaschen und alles Mögliche bemalen. Und er gibt Graffiti-Workshops an Schulen. Den Schülern, und den Lehrern, macht das sehr viel Spaß.
PEKS ist mit mir öfters durch Wien gegangen. Er konnte mir zu jedem Piece eine kleine Geschichte erzählen. Er konnte mir erklären, wer und was hinter den Bildern steckt. Er konnte mir sagen, wer nur zerstören und Dagegensein will und wer etwas zu sagen hat. Er hat mir erklärt, wie die einzelnen Crews untereinander agieren, wer wen übermalt, wer wen respektiert. Er nahm mich mit in all die Läden. Er nahm mich mit zur Donaubrücke. Die Szene, in der die Modells für ein Fotoshooting posen, habe ich original erlebt – PEKS hat das Piece für das Fotoshooting gemalt. Es war eine Auftragsarbeit für den Vienna Hip-Hop-Ball. Über acht Stunden ist er in der Kälte gestanden, an einem Sonntag, und hat gesprayt bis ihm die Arme abfielen – das alles ist auch körperlich eine große Herausforderung. Also für mich. Nicht für ihn. Ich durfte das am eigenen Leib erfahren. Denn natürlich hat er mich zu einer freien Wiener Wand geschleppt und ich habe mein eigenes Piece gesprayt. Sagenhaft dilettantisch. Aber plötzlich hab ich gespürt, was da dahintersteckt. Mir fielen schon nach 4 Buchstaben die Finger ab. Meine Linien waren dick und fett. Er nahm dann die gleiche Dose und zauberte eine hauchdünne Linie an die Wand.   
Leander und Jonas haben stets konkrete Farben mit der Typenbezeichnung vor Augen. Das fand ich sehr faszinierend, war das der Einfluß von PEKS künstlerischer Beratung?
Nein. Das war mein eigener Anspruch. Tatsächlich habe ich mich sehr lange mit den Farbbezeichnungen von Spraydosen und den Farbbezeichnungen von Öl- und Acrylfarben beschäftigt. Rot ist nicht Rot. Die Namen für diese Farben fand ich extrem anregend. Da müssen ein paar Dichter am Werk gewesen sein, auf jeden Fall sehr gute Beobachter. Und wenn ich mich in Leander hineinversetze, kann ich mir vorstellen, dass er die Welt anders sieht als wir. Lilas Haare sind für ihn nicht blond. Denn was genau ist blond? Wie würde er dieses Blond malen? Es gibt keine Farbe, die „Blond“ heißt. Würde er sie mit Gelb malen? Wohl kaum. Verstehst du, was ich meine? Leander Blum würde das Blond ihrer Haare mit folgenden Farben malen: helles Permanentgelb, Aureolin, Zinkweiß, Caput Mortuum, Zinnober, feuriges Chromoxidgrün
Leander und Jonas verdankten ihrem Sportlehrer genannt „der Drill-Sergeant“ ihre Fitness, hilfreich bei der Flucht vor ermittelnden Polizisten. Was verdankst Du Deinen Lehrern?
Uiuiui. Deine Fragen haben es in sich. Ich hatte das Pech nur wenige gute Lehrer zu kriegen. Lass mich die Guten mit Namen erwähnen. Sie haben es verdient: Kurt Sterzl, Birgit Intemann und Peter Niedermair. Das waren Deutschlehrer. Sie haben mir gegeben, wonach ich suchte. Ansonsten hatte ich im Laufe von 12 Schuljahren unfassbar viele grottenschlechte, unpädagogische, unmotivierte Langweiler. Mein Geschichtelehrer hat aus einer Mappe vorgelesen und kaum lesbare Matrizen verteilt. PEKS hatte eine Generation später den gleichen Lehrer – die Mappe und die Zettel waren immer noch die gleichen – nur noch unlesbarer. Gelernt habe ich vor allem an den sadistischen, menschenverachtenden, rassistischen Lehrern. Insofern ist deine Frage wirklich gut. Denn für den Drill Sergeant gibt es ein realistisches Vorbild. Er war im Gymnasium acht Jahre lang mein Klassenvorstand. Ich spüre heute noch Wut, wenn ich an ihn denke. Auch mein Physiklehrer war ein Sadist. In seiner Klasse haben im Laufe eines Schuljahres drei Mädchen versucht sich das Leben zu nehmen. Sein Kommentar dazu: „Selbst dafür sind sie zu blöd.“ In dieser Zeit habe ich gelernt, mich gegen Ungerechtigkeiten aufzulehnen. Ich habe versucht für die Schwachen zu kämpfen. Das hat zwar im Augenblick nichts genützt, aber es hat mich stark gemacht. Und die lähmende Angst, die ich vor jeder Physikstunde hatte, habe ich auch nicht vergessen – hilft vielleicht beim Schreiben, wenn man so etwas erlebt hat. Auf jeden Fall war das eine intensive Zeit.
Lila backt sehr gerne, aber auf traditionelle Art, mit Butterflocken verteilen auf gesiebtem Mehl. Backst Du selbst auch gerne? Man sieht ja schon schneller das Ergebnis seiner Arbeit, als beim Schreiben.
Nein. Ich backe nur einmal im Jahr. Jeden Mai gibt es einen Gugelhupf. Das ist alles. Sonst backe ich nie Kuchen. Was ich aber vor einem halben Jahr entdeckt habe, ist das Brotbacken. Und zwar aus Not, weil ich diese aufgebackenen Teiglinge nicht mehr schmecken mag und weil die guten Bäckereien in unserem Dorf schließen mussten, weil keiner mehr bereit ist, für gutes Brot anständiges Geld zu zahlen. Diese Entwicklung macht mich traurig. Aber so hab‘ ich eben selbst angefangen Brot zu machen. Und jetzt weiß ich: Es ist nicht einfach. Und es braucht sehr viel Zeit. Ich rede nicht von irgendwelchen Backmischungen. Um gutes Brot hinzukriegen – mit einer Mischung aus Sauerteig und Hefe-Vorteig – brauche ich mindestens drei Tage.
Mir gefielen auch die kleinen feinen Einblicke in die Wiener Gesellschaft in ihrer Vielschichtigkeit. Student Arsim, der Döner verkauft, um das Studium zu finanzieren und mit falschem Akzent spricht,  Jonas gutbürgerliche Oma, der Obdachlose Karl, Oswalda in ihrer ganzen Pracht des alten Geldes, die Lehrer…..  irgendwie prägt Wien die Geschichte schon. War es Dir wichtig, sie nicht an einem namenlosen Ort spielen zu lassen?
Da hast du mich jetzt erwischt. Ich war mir nämlich unsicher. Ursprünglich sollte die Geschichte in einer namenlosen Großstadt spielen. Den Donaukanal machte ich zu einem Kanal, den Schwedenplatz zum Norwegerplatz und den Prater zum Rummelplatz. Das kam mir dann aber absurd vor. Es erschien mir wie ein Verrat. Ich bin zwar viel in Wien, aber ich bin nicht dort geboren. Ich glaube, ich habe das Wort „Wien“ in dem ganzen Buch nicht oder nur sehr spärlich verwendet. Ich wollte, dass sich jeder Leser mit der Geschichte identifizieren kann. Also auch einer, der in Berlin, Hamburg oder Mannheim lebt. Denn auch dort gibt es eine aktive Graffiti-Szene. Was allerdings ein Problem war, war die Sprache. Wiener erkennen sehr wohl, dass die Geschichte in ihrer Stadt spielt. Nur die Figuren sprechen nicht so. Das hat man mir schon vorgeworfen. Aber hätte ich in jedem zweiten Satz urarge Wiener Ausdrücke verwendet, hätten mir die Wiener das wohl auch vorgeworfen und die Deutschen hätten sie vielleicht nicht verstanden. Das ist ein schwieriges Kapitel. Ich habe den Wiener Jugendlichen auf den Mund geschaut. Und was wirklich traurig ist: Die meisten sprechen nur noch in „Netflix“. Das heißt, sie finden es cool das Deutsch aus Serien zu imitieren. Sie verlieren ihren Dialekt. Erst wenn man junge Menschen darauf anspricht, fangen sie an nachzudenken und sagen: „Hm, stimmt eigentlich.“ Was unsere Dialekte anlangt, haben wir euch Deutschen gegenüber sowieso einen Komplex.
Den Knaller fand ich ja auch die Namen der Kunstkritiker, Galeristen und Gönner zu Kapitelbeginn. Wie bist Du denn auf die gekommen? Als sie alle am Ende gemeinsam erschienen, hätte ich mich fast schlappgelacht.
Da bin ich nicht einfach so draufgekommen. Das habe ich mir mühsam und mit sehr, sehr viel Recherche erarbeitet. Ich habe mir unzählige Dokus und Filme über Maler angesehen, über moderne, noch lebende und längst Verstorbene. Ich habe Kunstzeitschriften studiert. Ich habe Ausstellungskataloge gesammelt. Ich war auf Ausstellungen, in Galerien und habe Vernissage-Reden nachgelesen und angehört. Ich habe deren Wortschatz gesammelt und meine eigenen kleinen Kritiken daraus geschrieben. Die Namen dafür zu finden, war hingegen pures Vergnügen. Das ist die kleinere Übung dieses Spiels.
Und zum Schluß: Was bestellst Du in einem Wiener Kaffeehaus?
Einen Schwarzen Verlängerten. Vielen Dank für dein Interesse.
Und wer nun neugierig ist, kann nicht nur das Buch verschlingen (dringend empfohlen) sondern auch PEKS in Wien oder auf Facebook bewundern https://www.facebook.com/peksr/



-------------------------------------------------------------------------------------------




Interview mit Anna Lott 13.10.17 Frankfurter Buchmesse
Anna Lott hat viele Jahre als Redakteurin für Radio Bremen gearbeitet, wo sie noch heute gerne Kinderbücher vorstellt. Inzwischen ist sie Drehbuchautorin und entwickelt Geschichten für Fernsehen und Hörfunk, wenn sie nicht gerade neue Kinderbücher schreibt wie z.B. „Luzies verrückte Welt“ (über die einfallsreiche Luzie und ihr Meersschweinchen Herkules) oder „Moppi und Möhre“ (Meerschweinchenabenteuer in der Tierpension) oder verbringt Zeit mit ihrer Familie. Ihre Söhne hören gerne ihre Geschichten, so mag ihr Jüngster sehr gerne das Hörbuch zu Tildas Tierbande.

Liebe Anna, Du lebst mit Deiner Familie in Bremen, dort habt Ihr sicher keinen Platz für ein Wollschwein im Wohnzimmer, habt ihr denn Meerschweinchen, die Du Dir sonst gerne als Helden aussuchst? Wir haben tatsächlich zwei Meerschweinchen.
A.L.: Ich habe mal auf dem Land gewohnt und damals hatten wir zwei chinesische Maskenschweine. Die waren aber schon ziemlich groß und das geht wirklich nur, wenn man auf dem Land lebt.

Wenn Du Dich für ein Tier entscheiden müsstest und nicht das Tier für Dich, Hand auf Herz, was würdest Du wählen: Wollschwein, Angorakaninchen oder Seidenhuhn?
A.L.: Das Wollschwein ist definitiv mein Favorit, auch wenn ich die anderen Tiere auch sehr süß finde.

Hattest Du als Kind auch eine Bande, oder Deine Kinder?
A.L.: Ich habe es mir immer sehr gewünscht mit drei anderen Mädchen auf dem Schulhof, aber nach einem Treffen auf dem Schulhof war es dann auch schon wieder vorbei.

Wir mögen ja Tati besonders gerne, da wir auch so eine kleine zarte Tierflüsterelfe zu Hause haben.  Hast Du reale Vorbilder für Deine kleinen und größeren Helden?
A.L: Sie sind alle frei erfunden, aber natürlich haben sie schon einige Eigenschaften von realen Personen, die sich dann auch ergänzen.
(Das können wir bestätigen, da unsere Jüngste sogar was die fehlerhafte Namenseintragung nach der Geburt -sie hieß mit Zweitnamen plötzlich Carla statt Clara- Tati ähnelt, allerdings hat sie blonde Locken ;) )
Alle haben ihre Eigenheiten. Tati ist sensibel, Tomma ist mutig und Tilda versteht sich mit allen gut.  Aber tatsächlich mag ich auch Gabriel sehr gerne, obwohl er nur eine kleinere Rolle hat, wie er sich stets hinter seiner Darth-Vader-Maske versteckt.

Bauer Hartmut ist schon ein skurriler Typ, sein Geheimnis der stets blütenweißen Hemden würde ich ja gerne erfahren. Bekommen wir in den nächsten Bänden mehr Einblick in seine Künstlerseele?
Im nächsten Band nicht, da bekommen wir mehr Einblick  in seine Tätigkeit als Bauer. Er ist aber mehr ein Gourmet, als ein Künstler,  er kocht und backt leidenschaftlich gerne. Seine Bilder zeigen ja allesamt Gemüse.
Vielen lieben Dank für das Gespräch!



-------------------------------------------------------------------------------------------



 (Foto Copyright: Christopher Ludwig)
Interview mit Takis Würger

Lieber Takis Würger, herzlichen Glückwunsch zum Debütpreis der lit.Cologne 2017, auch bekannt für den Silberschweinpreis für „Der Club“. Auch wenn ich das Buch nicht gelesen habe, sondern der Versuchung der exzellenten Hörbuchsprecher erlegen bin, hat es mich doch gepackt und meinen Schlaf wegen Hörzwangs erheblich verkürzt.

Würdest Du Dich meinen Lesern bitte kurz vorstellen?
Hi, ich bin Takis, 31 Jahre alt, im richtigen Leben Redakteur beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel, Liebhaber von Büchern, Sonne, weicher Haut, Mineralwasser, Boxen, Sencha und Mandelkeksen.

Wer bekommt Deine Bücher zuerst zu lesen?
Meine Mutter.

An welchem Projekt/Buch arbeitest Du aktuell?
Ich bin Redakteur beim Spiegel und recherchiere an einer Geschichte, die im Irak spielt. Einen zweiten Roman gibt es gerade nicht. Ich will erstmal wieder Journalist sein.

Du bist bislang viel in der Welt herumgekommen. Hast Du einen Lieblingsort und verrätst Du ihn auch?
Ja, gerade, weil ich viel rumkomme, mein liebster Ort: Ein bestimmtes Sofa bei einem bestimmten Menschen in Hamburg Eimsbüttel.

Welches Buch hast Du als letztes gelesen und welches Buch liest Du aktuell?
Tijan Sila „Tierchen Unlimited“ fand ich ziemlich gut und auch den Roman von Ronja von Rönne. Zur Zeit lese ich „Der Nazi & der Friseur“, was echt kranker Stoff ist.

Welches Buch hat Dich bisher am meisten beeindruckt oder beeinflußt und warum?
Mich hat alles mögliche aus unterschiedlichen Gründen beeinflusst:
„Schuld“ wegen der schönen Sprache.
„American Psycho“ wegen der Gewalt.
„Zweier Ohne“ wegen der Szene mit den Pfannkuchen.
„Die Bibel“ wegen der Bergpredigt.
„One Day“ wegen der Liebe.
„Der alte Mann uns das Meer“ wegen der Dialoge.
„Das größere Wunder“ wegen Kapitel 27.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen