Werbung/ selbst gekauft: „Das letzte Aufgebot“ von Moritz Seibert, Rezension von Johannes
Ich habe dieses Buch von Moritz Seibert in den Sommerferien gelesen, als Vorbereitung für unseren Demokratietag in Solingen und war sehr begeistert.
Es ist Juli/August 1944 im fiktiven Ort Steinbach in der Eifel. Der 2. Weltkrieg zeigt deutliche Auswirkungen in diesem kleinen Dorf. Dennoch schaffen es Jakob, seine Familie und seine Freunde das Beste aus diesem Sommer zu machen. Vor allem Jakobs erste große Liebe Maria spielt eine wesentliche Rolle in diesem Sommer.
Doch dann endet dieser hoffungsvolle Sommer plötzlich durch eine folgenschwere Nachricht. Alle jungen Männer ab 16 Jahren werden eingezogen. Obwohl Jakob selbst nicht betroffen ist, er ist erst 15 Jahre alt, haftet ein enormer Druck auf ihm. Er fühlt sich seinem Vaterland verpflichtet und meldet sich freiwillig. Das finden seine Mutter und seine große Liebe Maria gar nicht gut. Doch Jakob will vor seinen Freunden keinesfalls als Feigling dastehen.
Die jugendliche Vorfreude, mit der Jakob und seine Freunde ihrem bevorstehenden Fronteinsatz und der Ausbildung im Reichsausbildungslager entgegenblicken, weicht schnell der harten Realität des 2. Weltkrieges, aus der Jakob mit Martin – einem wirklichen Freund - flieht, um seine große Liebe zu schützen.
Maria, seine große Liebe, heißt nämlich nicht Maria, sondern Hannah und Hannah ist Jüdin. Sie hat sich unter falschem Namen in Steinbach versteckt. Jakob hat es - kurz bevor er eingezogen wurde - erfahren, aber nicht nur Jakob weiß davon, Franz sein bester Freund hat ihn belauscht und im Reichsausbildungslage den Ausbildern davon erzählt.
Für Jakob ist zunächst eine Welt zusammengebrochen, doch die Liebe zu Maria/Hannah ist größer. Jakob flieht mit Martin nach Hause, um seine große Liebe zu retten.
Jakob’s anfängliche Begeisterung für den Nationalsozialismus und seine schrittweise Entfremdung und Abkehr werden in diesem Buch sehr authentisch erzählt. Die Leserin bzw. der Leser wird mitgenommen, wie unmenschlich und irrational dieses Regime ist. Besonders deutlich wird diese Irrationalität, als Jakob erfährt, dass Maria (Hannah) – seine große Liebe - Jüdin ist. Gleichwohl schafft Moritz Seibert es, die Leserin bzw. den Leser sehr nah in das Geschehen eintauchen zu lassen und aus der Ich-Erzähler Perspektive die Gedanken des Protagonisten ‚Jakob‘ hautnah miterleben zu dürfen.
Das Letzte Aufgebot von Moritz Seibert ist ein Buch, dass zum Nachdenken anregt - im Besonderen in diesen Tagen - und Jugendlichen wie Erwachsenen vor Augen führt, wie unmenschlich und absurd dieses nationalsozialistische System ist.
Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass dieses Buch auch als Theaterstück in Bonn aufgeführt wurde.