Montag, 14. September 2026

 

Werbung/Reziexemplar: „Manno Monster, Karacho und ich!“ Katja Reider, Illus. Daniela Kohl, Hanser Verlag

 

Jussi ist nach wie vor auf seine Gruselaktion mit seinem ungruseligem Monsterfreund Manno stolz, mit der sie den angeberischen Nachbarsjungen in die Flucht geschlagen haben, aber in letzter Zeit, ist Manno nicht mehr aufgetaucht. Er vermisst seinen Freund sehr und hofft jeden Abend, wenn er das Licht ausmacht, dass er ihn endlich wieder unter seinem Bett entdeckt.... Heute hat er extra früh das Licht ausgemacht, weil er ihn vermisst, aber statt Manno sitzt plötzlich dessen finsterer großer Bruder Karacho auf seinem Bett! Er erklärt ihm, dass Manno in der Schule Ärger hat, weil er nicht zum Fürchten sei und er bald ins Monsterinternat Schloss Schreckenstein müsse, wenn er nicht langsam monstermäßig auf Spur käme. Dann verplappert er sich und verrät, dass Manno nun ein anderes Übungsobjekt namens Silas habe, der in seinem Sportverein sein. Jussi ist wild entschlossen, diesen Silas zu finden, um mit ihm gemeinsam Manno zu helfen. Dafür ist er sogar bereit zum Tischtennistraining zu gehen!

 

Neben dem Thema, das jeder Angst hat, auch die coolsten Fußballer, wie Silas, oder Jussis stets überragende Schwester Leo, geht es auch um Freundschaft, Verrat, Loyalität und natürlich auch wieder um Familie. Eigentlich wünschen sich ja ganz viele, dass die eigene Familie doch bitte ein bisschen mehr, wie die der Freunde sein solle... Denn natürlich hat Jussi nicht nur Manno als Freund, sondern auch den stets entspannten Adam, dessen Wünsche oft in den Hintergrund treten, bei zwei kleinen Zwillingen und einer Hausrenovierung... Jussi wäre hingegen oft schon froh, wenn Papa sich mal etwas weniger für seinen Kram, insbesondere Hausaufgaben und Klassenarbeiten kümmern würde und Leo nicht immer so perfekt wäre. Wobei, Leo gerade sehr komisch ist und ausgerecht Adam checkt, was mit ihr los ist: Leo ist verliebt! Oh Mann, ist das anstrengend! Jussi ist also ganz schön gefordert, da er Silas erst mal finden und ihn erstmal ansprechen muss, nebenbei Leo helfen, zum Training gehen, eigene Ängste überwinden und bloß niemandem, außer Silas von Manno erzählen...

 

Eigentlich ist Jussi völlig uncool, glaubt er, aber er muss über sich hinaus wachsen, um seinem Freund zu helfen. Dabei stellt er fest, dass er mit seinen Ängsten nicht allein ist, anderen geht es auch nicht besser, da sind es nur andere Ängste, oder Sorgen – selbst die wirklich coolen und angesagten Typen.... wobei einige davon ja auch nur hohle Blender sind. Da lernen Jussi und Leo genau hinzuschauen....

 

Sehr sensible, aber auch witzig erzählt Katja Reider Jussis Geschichte, die vielen Jungs aus dem Herzen sprechen wird. Wann dürfen Jungs schon mal Angst haben? Sehr schön ist hier gerade der Kontrast mit der Super-Schwester, der scheinbar alles gelingt. Natürlich kommen auch noch Charaktere vom ersten Band vor, wie der stets gut gelaunte Adam.. aber es sollte gut ohne Vorkenntnisse lesbar sein, den ersten Band aber vorher noch mal schnell zu lesen, ist aber doppelter Spaß!

 

Daniela Kohl (die legendäre Illustratorin der „Lotta-Leben“-Reihe) peppt die Handlung dabei optisch mit farbigen Illustrationen, die mehr als Worte sagen aus. Die verliebte Leo finde ich den Hit! Aber nicht nur.... Sehr schön baut sie wieder Comic-Elemente in den Text ein und sobald es dunkel wird..wird auch die Seite dunkel und die Schrift hell, nicht nur, als Jussi Karacho unter seinem Bett findet, sondern auch bei dem Abenteuer, auf das er sich einlässt, um seinen Freunden zu helfen. Das sieht richtig stark aus!

 

Eine absolut gelungene Comic-Roman Fortsetzung, über einen Jungen, der zwar nicht der mutigste, aber der beste Freund ist! Kurzweilig, witzig und mutmachend, ab 7 Jahren.

 

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Katja Reider und dem Hanser Verlag für mein Rezensionsexemplar!

 

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Freitag, 11. September 2026

Werbung/ selbst gekauft: „Das letzte Aufgebot“ von Moritz Seibert, Rezension von Johannes

 

Werbung/ selbst gekauft: „Das letzte Aufgebot“ von Moritz Seibert, Rezension von Johannes

 

Ich habe dieses Buch von Moritz Seibert in den Sommerferien gelesen, als Vorbereitung für unseren Demokratietag in Solingen und war sehr begeistert.

 

Es ist Juli/August 1944 im fiktiven Ort Steinbach in der Eifel. Der 2. Weltkrieg zeigt deutliche Auswirkungen in diesem kleinen Dorf. Dennoch schaffen es Jakob, seine Familie und seine Freunde das Beste aus diesem Sommer zu machen. Vor allem Jakobs erste große Liebe Maria spielt eine wesentliche Rolle in diesem Sommer.

Doch dann endet dieser hoffungsvolle Sommer plötzlich durch eine folgenschwere Nachricht. Alle jungen Männer ab 16 Jahren werden eingezogen. Obwohl Jakob selbst nicht betroffen ist, er ist erst 15 Jahre alt, haftet ein enormer Druck auf ihm. Er fühlt sich seinem Vaterland verpflichtet und meldet sich freiwillig. Das finden seine Mutter und seine große Liebe Maria gar nicht gut. Doch Jakob will vor seinen Freunden keinesfalls als Feigling dastehen.

 

Die jugendliche Vorfreude, mit der Jakob und seine Freunde ihrem bevorstehenden Fronteinsatz und der Ausbildung im Reichsausbildungslager entgegenblicken, weicht schnell der harten Realität des 2. Weltkrieges, aus der Jakob mit Martin – einem wirklichen Freund - flieht, um seine große Liebe zu schützen.

Maria, seine große Liebe, heißt nämlich nicht Maria, sondern Hannah und Hannah ist Jüdin. Sie hat sich unter falschem Namen in Steinbach versteckt. Jakob hat es - kurz bevor er eingezogen wurde - erfahren, aber nicht nur Jakob weiß davon, Franz sein bester Freund hat ihn belauscht und im Reichsausbildungslage den Ausbildern davon erzählt.

Für Jakob ist zunächst eine Welt zusammengebrochen, doch die Liebe zu Maria/Hannah ist größer. Jakob flieht mit Martin nach Hause, um seine große Liebe zu retten.

 

Jakob’s anfängliche Begeisterung für den Nationalsozialismus und seine schrittweise Entfremdung und Abkehr werden in diesem Buch sehr authentisch erzählt. Die Leserin bzw. der Leser wird mitgenommen, wie unmenschlich und irrational dieses Regime ist. Besonders deutlich wird diese Irrationalität, als Jakob erfährt, dass Maria (Hannah) – seine große Liebe - Jüdin ist. Gleichwohl schafft Moritz Seibert es, die Leserin bzw. den Leser sehr nah in das Geschehen eintauchen zu lassen und aus der Ich-Erzähler Perspektive die Gedanken des Protagonisten ‚Jakob‘ hautnah miterleben zu dürfen.

 

Das Letzte Aufgebot von Moritz Seibert ist ein Buch, dass zum Nachdenken anregt - im Besonderen in diesen Tagen - und Jugendlichen wie Erwachsenen vor Augen führt, wie unmenschlich und absurd dieses nationalsozialistische System ist.

 

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass dieses Buch auch als Theaterstück in Bonn aufgeführt wurde.