Im fahlen Herz des Sommers, Andreas Eschbach, gelesen von Mathias Koeberlin, Lübbe Audio 5 CDs 314 Minuten
Nordfrankreich in naher Zukunft. Nach einer Pandemie ist die Menschheit deutlich dezimiert. Nur wer genetisch immun war, hat überlebt. Dennoch sind es noch immer zu viele, denn die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel und ein Leben im Süden ist unerträglich. Wer konnte hat sich in den hohen Norden, Grönland, Sibirien, Island, Skandinavien Kanada, gerettet, doch jetzt sind diese Gebiete für alle, die es sich nicht leisten konnten, abgeriegelt. Die die zurückblieben müssen sehen, wie sie mit dem zurecht kommen, was sie vorfinden. Ob diese anderen Gebiete noch regiert und verwaltet werden? Wer weiß? Es herrscht das Recht der Überlebenden und Fausto ist einer von ihnen. Er hat sich ein Haus in Nordfrankreich ausgesucht, den Garten mit Sonnensegeln überschattet, einen eigenen Brunnen, Solarpaneele auf dem Dach, die den riesigen, energiearmen Kühlschrank betreiben... und er hat ein paar Nachbarn, den alten Pastor, die alte Madame Marveaux und eine isolierte 7 köpfige Bauernfamilie die Bracques.... bis Valterie, eine junge, schöne, Frau mit blasser, kühler Haus auftaucht. Ihr scheint die Hitze nichts auszumachen und sie isst die Kakteen, die sich überall ausbreiten... Er verliebt sich in sie und er schöpft Hoffnung, doch wo kommt sie her? Hat ihre Liebe eine Zukunft?
Die Crux liegt hier im Detail, denn der Autor spielt mit unseren Erwartungen an das Genre und an ihn. Oft kommt es anders, als wir es erwarten und das hat uns in der Hörrunde ganz schön verwirrt. Man sollte sich also nicht ablenken lassen und sich alles gut merken....
Matthias Koeberlin spricht auch diesen Eschbach wunderbar ausdrucksstark. Fausto ist eigentlich nicht der Typ für große Gefühle, wie sollte er auch, wenn er nur von Tag zu Tag leben kann? Wenn er eigentlich keine Perspektive mehr hat. Also ist er nüchtern, rational... bis sich etwas ändert und die Menschlichkeit ins Spiel kommt, mit all ihren Gefühlen und dem Unerwarteten. All diese Nuancen fängt er geschickt ein, ebenso wie die Interaktionen mit den übrigen Überlebenden. Dabei schafft er ein unterschwelliges Gefühl der unterschwelligen Bedrohung.... die unbewusste Gewissheit, da kommt noch was, knüppeldick... nur was? Es scheint ja gar nicht viel zu passieren, wie auch, es gibt keinen Niederschlag und kaum noch Menschen und Struktur...
Ich glaube Andreas Eschbach will nicht unbedingt die Xte Dystopie zum Klimawandel erzählen, sondern unser Bewusstsein schärfen, dafür was wichtig ist, dafür was zählt und ob es uns nicht wichtig genug ist, das zu erhalten und bewahren. Es ist eine Ode an die Menschlichkeit. Es passiert augenscheinlich nicht so viel, der Reiz liegt in der Interaktion der Charaktere und der Veränderung die auftritt, als in der bestehenden Gemeinschaft Fremde auftauchen und bleiben....
Ich fand es sehr eindringlich, beunruhigend und es hat mich nachhaltig beschäftigt, auch wenn ich nun keine Kakteen essen werde, eher nach einem Brunnen bohren... Brilliant gelesen und geschickt mit meinen Erwartungen gespielt, ist dieser Eschbach ganz anders, als gedacht... Was ich einen Reiz an sich finde, auch wenn das Ende uns alle vor den Kopf gestoßen hat.... Es erklärt übrigens den Titel... Ist aber durchaus schlüssig, entspricht nur nicht dem natürlichen Wunsch nach einem Happy End ;)
Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Lesejury für diese wirklich intensive und kontroverse Hörrunde!
#InsFahleHerzDesSommers #AndreasEschbach #Dystopie #Pandemie #Klimaschock #KippPunkt #WasWirklichZählt #Hörbuchliebe #Hörbuchtipp