Monsieur le Comte und die Kunst der Entführung, Pierre Martin, gelesen von Wolfram Koch, Argon Verlag, 11 h 12 min.
Dies ist bereits der 3. Band der Monsieur le Comte Reihe, doch auch ohne Vorkenntnisse kann man ihn genießen: Lucien, Comte de Chacarasse, Mitte 30 lebt an der Côte d'Azur und ist Inhaber eines ebenso erlesenen wie exklusiven Restaurants. Das gefällt ihm sehr, im Gegensatz zu dem Erbe, dass er nach dem plötzlichen Tod seines Vaters antreten musste, da er es ihm auf dem Sterbebett versprach: er würde die Tradition der Chacarasse als Assasine, also Auftragskiller fortsetzen. Der Standardtarif ist 1 Mio. Euro je erfolgreich abgeschlossenen Auftrag. Die Aufträge zieht sein verhasster Onkel Eduard, über dunkle Kanäle an Land und kassiert dafür 40 % der Prämie, was ihn zu einem eifrigen Auftragsbeschaffer macht, sehr zu Luciens Leidwesen, der auf das Geld nicht angewiesen ist. Außer ihnen ist noch Francine, die letzte Geliebte seines Vaters eingeweiht. Die ebenso schöne, wie elegante und clevere junge Frau übernimmt nicht nur Recherchearbeiten für Lucien, sondern hat ihm auch das Versprechen abgenommen, seine Zielobjekte nicht selbst zu töten. Bislang hat er sich daran gehalten. Doch der neue Auftrag hat es in sich: er soll einen reichen Argentinier und Lebemann auf Sardinien vor dem Ableben dessen deutlich älterer Ehefrau aus dem Leben scheiden lassen. Bisher ist dieser damit beschäftigt, ihr immenses Vermögen durchzubringen, während sie in einem Heim lebt und nur von ihren Kindern und Enkeln aus 1. Ehe besucht wird.
Um sein Vertrauen zu erschleichen, täuscht Lucien die Entführung seiner Zielperson vor, die er in letzter Sekunde rettet. Der dankbare Salazar engagiert ihn daraufhin als Leibwächter und Lucien muss in so viele schwarze Abgründe seines Opfers blicken, dass er es fast schaffen würde, ihn selbst zu töten...
Der Fall ist entspannt, nicht nur aufgrund seiner herrlichen Settings an den verführerischste Urlaubsorten der Reichen und Schönen, er ist auch elegant, raffiniert und immer wieder spannend, denn Lucien erhält natürlich von Eduard mehr als nur den einen Auftrag. Auch wenn Lucien diesen ebenso kreativ wie erfolgreich löst, ist sein Onkel unzufrieden, weil man es auch schneller hätte erledigen können... Der alte Giftzwerg im Rollstuhl muss sich aber auch nicht selbst die Finger schmutzig machen. Die Figuren sind sehr liebevoll entwickelt und ausgearbeitet. Trotz der zweifelhaften Tradition muss man den jungen Grafen, seine etwas schrullige Haushälterin Rosalie und Francine seine Komplizin mögen, ebenso wie Paul, den Enkel von Rosalie, Oberkellner von Lucien und bisweilen Mann für gewisse knifflige Extra-Aufgaben.
Die Geschichte entwickelt sich elegant, wenn ich auch nicht weiß, was z.B. die zwei Däninnen mit ihrer Bootspanne sollen. Sie nehmen für meinen Geschmack zu viel Raum ein, der nur zu verzeihen ist, sollten sie im 4. Band wieder auftauchen.
Obwohl Lucien der letzte Spross einer aristokratischen Killer-Dynastie ist, hat er seinen moralischen Kompass und kann auch noch von dem Ausmaß an charakterlicher Verdorbenheit einige seiner „Opfer“ erschüttert werden. So bringt er uns immer wieder ins Grübeln über Gut und Böse.
Auch wenn Wolfram Koch deutlich älter als Mitte 30 ist, verkörpert er absolut überzeugend, den jungen, dynamischen Bon-Vivant, mit Eleganz und Klasse. Man spürt beim Hören schon, wieviel Freude er an seinen „Mordplänen“ hat, die jedoch andere für ihn ausführen sollen. Sein Französisch ist meistens richtig gut, nur mit wenigen kleineren Fehlern, was hinsichtlich der Menge an Französisch wirkich beachtlich ist. Ich finde es erstaunlich, dass in diesem Krimi wirklich viel Französisch gesprochen wird, das anschließend oft nebenbei nicht unbedingt wörtlich übersetzt, sondern eher im Zusammenhang erklärt wird. Das erhöht noch mehr das Frankreich-Feeling, ich kann mir aber auch vorstellen, dass es für Hörer, die mit Frankreich gar nichts am Hut haben, abschreckend sein könnte.
Hinter Pierre Martin steckt der Autor der beliebten Madame le Commissaire Reihe, die ich nach einem Band nicht weiter verfolgt habe, weil mir zu viele Frankreich-Fehler darin enthalten waren... Dies ist hier deutlich besser. Das Ende ist rasant und mit überraschenden Pannen, die dann im letzten Moment noch zum guten, tödlichen Ende gewendet werden können.
Diese Reihe werde ich definitiv weiter verfolgen, entspannt, originell und doch auch spannend.
Danke Argon Verlag für mein Hörexemplar!
#MonsieurLeComteUndDieKunstDerEntführunga #PierreMartin #WolframKoch #ArgonVerlag #CosyCrime #Urlaubskrimi #FrankreichKrimi #Hörbuchliebe #Krimifan #Hörbuchtipp