Beth is dead, Katie Bernet, gelesen von Jodie Ahlborn, Julia Nachtmann, Nina Reithmeier, Lisa Cardinale, Der Audio Verlag, Download, 12 h 17 min. ungekürzt
Am Neujahrsmorgen wacht Jo March auf und es ist ganz still im Haus? Wo sind ihre Schwestern? Die Jüngste, Amy, war mit Beth auf der legendären Silvesterfeier von Sally, der besten Freundin ihrer ältesten Schwester Meg, doch Amy ist da und Beth fehlt. Die Schwestern gehen sie suchen und finden sie tot im Schnee. Ausgerechnet die liebe, sanfte Beth, die Beste von ihnen vier, genau wie im Roman ihres Vaters, der sie über Nacht berühmt gemacht und der solch heftige Kontroversen ausgelöst hat. So heftig, dass es Morddrohungen gab, weshalb ihr Vater vor Monaten die Familie verlassen hat, angeblich um sie zu schützen. Seither haben sie nichts mehr von ihm gehört, aber er hat sich auch früher schon in die Wildnis Kanadas zurück gezogen. Die Polizei ist überzeugt, dass es Mord ist und ausgerechnet der Detective, der sie nach den Morddrohungen und dem Abhörskandal in den Wahnsinn trieb, ist nun auch wieder zuständig und natürlich ist er nicht objektiv! Jo will nicht wieder in den Fokus geraten und beschließt selbst zu ermitteln. Denn die Detectives stellen eine Schwester nach der Anderen unter Verdacht, ebenso wie ihre Freunde. Doch Würde Jo ihre geliebte Beth töten, um mehr Aufmerksamkeit als Schriftstellerin zu erlangen? Oder Amy, weil sie eifersüchtig ist, dass Tante March ihr den Traum von dem Elite-Kunst-Internat ermöglicht und ihr nicht? Je mehr die Schwestern graben, desto erschütterndere Geheimnisse kommen ans Licht.
Dieser wendungsreiche Jugendthriller orientiert sich ganz nah an der literarischen Vorlage „Little Women“ von Louisa May Alcott, auf Deutsch besser als Betty (Beth) und ihre Schwestern bekannt. Klar, dadurch, dass die Geschichte im Jetzt spielt und ein Thriller, statt ein tragischer Coming of Age Roman ist, der endlich mal junge Mädchen in den Mittelpunkt stellte und das noch dazu für die damalige Zeit außergewöhnlich emanzipiert, gibt es ein paar Veränderungen und auch ein paar zusätzliche Charaktere. Es muss ja auch mehr potentielle Verdächtige neben der engsten Familie geben. Außerdem werden auch ein paar heutige Probleme einbaut wie „Cancel Culture“ oder „kulturelle Aneignung“ und der Hype nach Klicks, oder des Literaturmarktes allgemein. So stellt dieser Jugenthriller nicht nur eine Hommage an ein zeitloses Meisterwerk der Amerikanischen Jugendliteratur dar, sondern hält auch dem Büchermarkt, der inzwischen wohl mehr eine Industrie als ein Markt ist, den Spiegel vor. Sowohl aufgrund von Jos aufstrebenden Autorenambitionen, als auch durch die zwiespältigen Reaktionen auf den akutellen Bestseller von Vater March.
Natürlich greift Katie Bernet auch sehr vielschichtig die jeweiligen, bisweilen zwiespältigen Beziehungen der vier Schwestern untereinander auf. Wie auch ihr literarisches Vorbild erzählt sie die Geschichte bisweilen in Rückblicken. Da muss man schon konzentriert zuhören, um den Überblick zu verlieren, gerade, weil einzelne Handlungsstränge aus den Perspektiven einer der vier Schwestern erzählt wird, die jeweils durch charakteristische Sprecherinnen übernommen werden. Um das zu erleichtern, wird bei jedem Sprecherwechsel der Name der Schwester angegeben, aus deren Perspektive die nächsten Szenen erzählt werden. Dabei schreibt Katie Bernet ausgesprochen lebendig, nicht nur durch die Verwendung der Ich-Perspektive, sondern auch durch viele Dialoge, die so viel mehr über ihre jeweiligen Protagonisten aussagen, als bloße Beschreibungen.
Dabei sind die Sprecherinnen wirklich gut gewählt, da sie deutlich unterschiedlich klingen und doch allesamt jung, weiblich und intelligent. Ja, auch Amy, klingt nicht hohl und oberflächlich, egal welches Image sie auch haben mag. Sie schaffen es die Spannung aufzubauen und immer wieder in die Irre zu führen, ohne Nachzulassen. Mit ihnen fühlt man sich immer wieder enttäuscht, wenn ein Charakter nicht ist, für wen man ihn oder sie hielt.
Was mir sehr gut gefällt ist, wie nah sich die Autorin, trotz des anderen Genres an die Vorlage hält und sie dennoch absolut zeitgemäß und frisch erzählt. Viele kleine Episoden der Vorlage tauchen zwar nur in kleinen Randbemerkungen auf, andere erhalten jedoch mehr Raum. Meistens mag ich solche Werke gar nicht, weil sie für mich den Geist des Originals einfangen, aber hier ist es für mich wirklich gelungen und durch die aktuellen Themen in Verbindung mit den klassischen hat es auch wirklich einen eigenen Wert und ist nicht eine reine Nacherzählung, sondern jung, frisch, kritisch und spannend. Erst ganz zum Schluss, ist bei mir, gemeinsam mit Jo, der Groschen gefallen...
Ab 14 Jahren.
Ich bedanke mich ganz herzlich bei Der Audio Verlag für mein Hörexemplar.
Hier könnt Ihr reinhören:
https://der-audio-verlag.de/hoerbuecher/beth-is-dead-bernet-katie-978-3-7424-3717-4/
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