Donnerstag, 22. August 2019

Ich bin dann mal Prinzessin (3) Wie küsst man einen Prinzen?, Meg Cabot, dtv junior



Ich bin dann mal Prinzessin (3) Wie küsst man einen Prinzen?, Meg Cabot, dtv junior

Ihre königliche Hoheit Olivia Grace Clarisse Mignonette Harrison Renaldo weiß nun seit rund 6 Monaten, daß sie von königlichem Geblüt ist und wohnt bei ihrer Familie im Palast von Genovien. Langsam gewöhnt sie sich ein, aber noch ist alles ziemlich neu. Ihre Halbschwester Mia und ihr Mann Michael (ja die aus dem Disney-Hit „Plötzlich Prinzessin“) erwarten nun jederzeit Zwillinge und im Fürstentum wütet „La Grippe“ eine üble Erkältungswelle. Obwohl Olivia und Prinz Khalil während der Sommerferien so viel Zeit mit einander verbracht haben und Pool-Tischtennis spielten und Leguane beobachteten, kommt er nun gar nicht mehr vorbei und verhält sich auch sonst ganz anders. Oliva kann es sich nicht erklären, sie waren doch so gute Freunde! Ihre New Yorker Freundin Nishi wittert amouröse Verwirrungen, aber sie ist ja auch voll jungsverrückt, das kann man nicht ernst nehmen. Viel ernster nimmt sie das Problem, daß alle sie überreden wollen mit zu den Winterspielen der königlichen Schulen in Stockerdörfl, dem Heimatort von Prinz Gunther zu fahren. Aber sie kann doch gar nicht Skifahren! Was soll sie da? Sie will doch auch auf keinen Fall die Geburt der königlichen Babys verpassen, aber wegen „La Grippe“ fehlt es an Teilnehmern und Begleitpersonen. Erstmals in der Geschichte dieser Winterspiele von blauem Geblüt, droht die Teilnahme der Royal Genovian Academy auszufallen. Quelle horreur!

Diese Reihe ist ein Spin off von  Mega Cabots Erfolgsreihe „Plötzlich Prinzessin“, so daß man nebenbei auch erfährt, wie es Prinzessin Mia so ergeht und auch Grandmére bleibt den Fans erhalten. Über sie können meine Tochter und ich uns immer besonders amüsieren! Wer nun Angst hat, die ganzen familiären Verbindungen durcheinander zu bringen, der sorgt sich umsonst. Im Einband befindet sich ein von der Autorin gezeichneter Stammbaum, für dessen Richtigkeit Meg Cabot mit ihrem guten Namen steht. Einzig Lady Luisa, die gemeine und intrigante entfernte Cousine und Klassenkameradin von Olivia ist nicht verzeichnet, aber bei einer so großen Familie, ist nur Platz für ihre wichtigsten Mitglieder. Außerdem stellt Luisa dank ihrer Gemeinheiten jederzeit sicher, daß sie unvergesslich bleibt. Ihre Intrigen sind der wunderbare Kontrapunkt zur herzensguten und lieben Olivia, die sie natürlich furchtbar langweilig und eine Spaßbremse findet. Das kann diese nicht auf sich sitzen lassen, wodurch sie immer wieder in ganz schön peinliche Situationen gerät. Wie gut, daß auch sie Tagebuch führt, denn einige Gedanken sind so vertaulich, daß sie sie nicht einmal Nishi anvertrauen kann, nur ihrem Tagebuch. Aber auf so einer Fahrt ist Tagebuchschreiben manchmal ein wenig ungünstig, was immer wieder zu weiteren heiteren Komplikationen führt. Ein wahres Wechselbad der Gefühle für die bald 13-jährige Olivia. Sie schwankt zwischen Freude, Peinlichkeit, Wut, Mitleid, Entschlossenheit, Hilfsbereitschaft.... ganz schön viel, was sie sich da vorgenommen hat und Luisa und Grandmère machen es ihr auch nicht immer leichter.

Meine Tochter (12) war sofort wieder in Olivias königlicher Welt drin und erzählte mir alles über Olivias Hund und den verzogenen von Grandmère und die Wetten der Buchmacher.... klar, sie hat ja auch die Hörbücher der ersten zwei Bände ein paar mal mehr gehört als ich. Aber auch ich habe sofort wieder hineingefunden und bin dann durch die Seiten geflogen. Viel zu gut habe ich mich amüsiert, um nicht sofort wieder weiter zu lesen! Sehr locker flockig geschrieben, zwischendurch sind ein paar Handynachrichten an Nishi eingeflochten, auch wenn sie dieses Mal bei all dem Trubel nicht allzu viel Zeit hat, ihr alles zu berichten. Außerdem hat die Autorin immer wieder kleine Zeichnungen eingefügt, die Dargestellten wunderbar treffend charakterisieren.


Ja, es geht diesmal tatsächlich um die erste Liebe, aber ganz zart, so daß ich den Originaltitel „Royal Crush“ in etwa königliche Schwärmerei passender findet. Angst vor Knutschszenen ist unbegründet, die Zielgruppe sind immerhin Mädchen von 10 – 12 Jahren, also jünger als bei „Plötzlich Prinzessin“. Meine Töchter gehören beide zur Zielgruppe und finden die Reihe sehr witzig. Auch dieser Band hat uns nicht enttäuscht und wir sind schon sehr neugierig, wie es weitergeht und freuen uns auf weitere Fiesheiten von Lady Luisa, die der Serie die richtige Würze verleiht. Tatsächlich werden auch Probleme und Themen angesprochen, die sich jeder zu Herzen nehmen sollte: Empathie, Mitgefühl und ein achtsamer Umgang miteinander.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei dtv junior für dieses Sehnsuchtsexemplar und können es nur wärmstens empfehlen für ein wenig Kribbeln im Bauch und ganz viel Spaß!

Dienstag, 20. August 2019

Ein M.O.R.D.S. Team 24: Inferno, Andreas Suchanek, Greenlight Press



Ein M.O.R.D.S. Team 24: Inferno, Andreas Suchanek, Greenlight Press

Dies ist das Finale des 2. Falles, der die Ereignisse in Barrington Cove im Jahre 1985 erhellt, als Corey Parker bei der Feuersbrunst auf dem Rummel auf Angel Island in der Geisterbahn starb, ohne zu verbrennen.
Inzwischen ist die Identität der falschen Wendy Parker geklärt, doch damit fangen die Probleme erst an. Aus Rache an den Dynastien und für den Mord an Corey möchte Angela Bruker, die von den Dynastien jahrelang gefangen gehalten wurde, Barrington Cove vernichten. Sie hält den Zünder in der Hand und drückt zum Ende des 23. Bandes auf den Auslöser. Funken sprühen und das von den Bohrtürmen in die Katakomben umgeleitete Erdgas beginnt nach und nach zu explodieren. Barrington Cove ist evakuiert, aber noch immer sind Menschen in der Stadt, entweder um diese zu plündern, oder ihr Eigentum zu sichern, oder aber wie die Freunde Mason, Olivia, Randy, Danielle und Sonja, um die Stadt zu retten, die Wahrheit hinter dem Mord an Corey herauszufinden und für die Sicherheit der Freunde zu sorgen. Immerhin steckten ja auch Masons und Danielles Eltern mit den übrigen 84ern im Bunker des Rathauses. Ob sie die Explosion dort überlebt haben? Die Freunde eilen aus den verschieden Ecken zusammen, um sich zu vergewissern, daß sie alle davon gekommen sind und Angela Bruker nicht aus den Augen zu verlieren.

Dieser Band ist wieder hochspannend, aber auch emotional. Es werden alle verbliebenen Geheimnisse gelöst, wie z.B. wer damals den Rummel in Brand steckte und weshalb und natürlich wird die Identität des Chronisten offenbart. Mit Auslöschung der Dynastien mit Ausnahme der 5. ist seine Aufgabe erledigt. Doch nur die des Chronisten, in der brennenden Stadt gibt es mehr als genug zu tun. Immerwieder wechselt der Blickwinkel, damit der Leser die verschiedenen Szenarien, die sich über die Stadt verteilen mit verfolgen können, bis alle zum Showdown an einem Ort versammelt sind. Vor den Augen und Ohren aller, wird so offenbart, was 1985 passierte. Dabei finde ich diesen Band wieder richtig stimmig und nicht nur spannend. Es löst sich alles in Wohlgefallen, was auch nötig ist, damit Barrington Cove gerettet werden kann und die Reihe nicht abbrechen muss. Das System mit Dynastien, Graf und Chronist ist ein für alle Mal erledigt. Vorerst gibt es nur die Bürgermeisterinnen der Stadt, die Polizei, den Rundfunk, das College ist unversehrt... doch das Böse schläft nie und wird in Zukunft die Stadt wieder heim suchen, wenn auch auf andere Weise. Außerdem gibt es da ja noch dieses ungelöste Problem aus dem Jahre 1986....
Und die Emotionen? Naja, es haben sich im Laufe der Reihe einige Paare gebildet, die auch so ihre Höhen und Tiefen haben... außerdem haben viele Menschen ihre Existenz verloren und die Zwillingsschwestern Merilyn und Patricia van Straten stehen einandern Auge in Auge gegenüber: Gut gegen Böse, wer wird siegen? Dabei schaffen es die Freunde wieder mit Glück, Mut und Ideenreichtum sich im letzten Moment aus der Affaire zu ziehen.

Eine sehr spannende All-Age Fortsetzungskrimi-Reihe, die sich auch prima unterwegs auf dem Handy oder Tablet lesen lässt, da die Printsammelbände immer erst deutlich nach den ebooks erscheinen. Demnächst dann mit einem Spin-off, da die Freunde nun erst einmal in Europa chillen wollen, ehe das College nach den Ferien beginnt.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Andreas Suchanek für das Leserundenexemplar und freue mich auf die Europa-Bände.

Montag, 19. August 2019

Filmpremiere von „Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo“ nach den Comic-Romanen von Alice Pantermüller & Daniela Kohl, 18.8.19 in Köln



Filmpremiere von „Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo“ nach den Comic-Romanen von Alice Pantermüller & Daniela Kohl, 18.8.19 in Köln

Am Sonntag durften meine große Tochter und ich zur Filmpremiere von „Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo“ nach den Comic-Tagebüchern von Alice Pantermüller und Illustratorin Daniela Kohl aus dem Arena Verlag gehen. Es war unsere Filmpremieren-Premiere und zumindest ich, war etwas aufgeregt. Hoffentlich wird der Film lustig! Also wir kennen ja nur die letzten vier Bände, so dass wir uns von der Handlung überraschen lassen konnten, ohne Erwartungen an den Text und ohne Vergleiche. 

Es startet mit einer wackeligen Handkameraeinstellung, wie in einem Videotagebuch. Da Lotta die geschwungene Treppe runtergeht, bekam ich ein mulmiges Gefühl im Magen. Zum Glück bleibt es nicht so!  Man bekommt dadurch aber einen unmittelbaren Lotta-Eindruck und fühlt sich mittendrin im Geschehen. Es ist schräg, witzig, peinlich, manchmal etwas übertrieben, aber eben aus Lottas Wahrnehmung heraus sehr passend. Zum Glück wurde es nie klamaukig! Mal hält der Film an und zoomt direkt auf Lottas Gesicht. Während dieses Freezings spricht Lotta ihre Gedanken direkt in die Kamera und kleine Kritzeleien schweben immermal wieder als Gefühlszeiger um ihren Kopf. Da fühlt man sich fast wie Lottas Vertraute. Eine solche braucht sie auch dringend, denn Dank Glämmer-Girl Berenikes Party hat sie ganz schön oft Zoff mit ihrer besten Freunin Cheyenne. Wie war's? Ganz ehrlich, ich bin gestern morgen erst sehr spät ins Bett gekommen und habe dennoch nicht mit dem Schlaf gekämpft! 

Meine Große hatte zuerst etwas Zweifel, da Buchverfilmung manchmal etwas enttäuschend sein können und die Darsteller nie aussehen, wie unsere Vorstellung in unserem Köpfen, aber wir wurden sehr gut unterhalten. Dem übrigen Publikum ging es wohl genauso, denn wir haben nicht alleine gelacht. Es gab aber schon Eltern- und Kinderlachszenen. Ab 6 Jahren, bis zum Ende des Lotta-Lesealters. Hut ab übrigens vor den Leistungen der Nachwuchs-Schauspieler, sie haben es richtig klasse gemacht und wirkten oftmals überzeugender als die Profis. Erstaunt hat mich auch Lukas Rieger als Superstar Marlon, der auf dem roten Teppich und beim Q & A nach der Vorführung sehr viel natürlicher wirkte und fast nicht zu erkennen war. Zum Glück zeigt der Trailer nicht alle guten Szenen des Films, wer den Trailer gesehen hat, wird sich immer noch amüsieren können. 



Vielen lieben Dank für die Eintrittskarten an den Arena Verlag, das war ein wunderbares Geburtstagsgeschenk und an den netten Pressefotografen, der so schöne Fotos von mir und meiner Tochter gemacht hat. Viel schöner als meine Selfies mit Rüdiger Bertram, den wir dort auch trafen, bei denen immer einer von uns aussieht, als würden uns jemand auf den Füßen stehen. Nein, es war eine informative und schmerzfreie Begegnung!

Ab 29.8.2019 läuft der Film bundesweit in den Kinos. Viel Vergnügen!

Familie Flickenteppich (1) Wir ziehen ein, Stefanie Taschinski, Ill. Anne-Katrhin Behl, Oetinger Verlag



Familie Flickenteppich (1) Wir ziehen ein, Stefanie Taschinski, Ill. Anne-Katrhin Behl, Oetinger Verlag

Emma (8 ¾, 3. Klasse), Ben (10, 4. Klasse), Jojo (4,5 Jahre, Kindergarten) und Papa und bester Koch der Welt Olly Engl müssen umziehen. Nachdem Mama beschlossen hat mit ihrem neuen Freund in Australien auf Tour zu gehen und sich ihren Lebenstraum zu erfüllen, ist ihr Haus zu groß und teuer. Nun rücken sie enger zusammen und ziehen in eine der Wohnungen im Haus Nr. 11. Als Emma das Abendessen zubereiten will, fallen ihr die Eier für die Pfannkuchen herunter und was anderes fürs Abendbroten haben sie noch nicht. So lernt Emma fast alle Nachbarn und ihre Besonderheiten kennen und vor allem die Zwillinge Aylin und Tarek, die so alt sind wie sie und in der Wohnung gegenüber mit ihrer Mutter Selda wohnen. Außerdem lebt die liebe, alte Frau Becker unterm Dach, ebenso wie Stella und Doris mit ihren Tieren. Im Erdgeschoss bei den Wohnungen mit den Gärten ist es anders. In der einen wohnen Erbsenzähler, die sich zum Glück als die Großeltern von Bens neuem Klassenkameraden Freddy herausstellen und der geheimnisvolle Graf, den nie jemand zu Gesicht bekommt. Freddys Großeltern meinen sogar, er sei untergetaucht. Doch warum steht dann ein blitzsauberes Fahrrad in seinem Kellerverschlag und die Gardinen bewegen sich? Das müssen die Kinder aus der Nr. 11 ergründen!


Nur weil Kinder das gleiche Alter haben, müssen sie sich nicht automatisch verstehen. Zum Glück stimmt in der Nummer 11 die Chemie unter den Kindern! Welch eine Erleichterung, als Emma und Ben bei ihrer Tour durchs Haus, als sie bei Selda, Aylin und Tarek klingeln.. Zuvor waren sie bei den Erbsenzählern, die doch eher einschüchternd waren! Wie es im Leben ist, ist jeder Jeck anders, man muß ihn nur zu nehmen wissen. So wächst auch die Hausgemeinschaft, dank der quirligen Kinder und ihren vielen Ideen schnell zusammen. Dabei haben die Kinder viele moderne Probleme, auf die Stefanie Taschinski sehr sensibel und einfühlsam eingeht. Da kann man leicht schon einmal eine Mücke in die Augen bekommen. Die berufstätigen Eltern haben wenig Zeit für die Kinder und lösen dieses Problem auf unterschiedliche Weise. Der etwas wilde Freddy ist ständig bei seinen strengen Großeltern, die für Zucht und Ordnung sorgen, während Emma, Ben und Jojo lernen müssen selbstständig zu werden und auf einander aufzupassen, während ihr Vater sein Restaurant leitet. Selda hat da mehr Zeit, kann sie aber nicht immer für die Kinder nutzen, weil die Traurigkeit über den Unfalltod ihres Mannes sie lähmt. Auch hier müssen die Kinder immer wieder Verantwortung übernehmen. Meine Tochter (10) war doch recht erstaunt, wieviel diese Grundschüler schon alles selbst auf die Reihe bekommen müssen, da wird auch bei den Hausaufgaben schon mal geschludert, sehr zum Missfallen von Freddys Großeltern.Im direkten Vergleich merken Kinder, daß beide Betreuungsvarianten seine Vor- und Nachteile haben. Die Freiheit des fröhlichen Spielens am Nachmittag, hat als Kehrseite, daß die Kinder sich auch öfters selbstständig ins Bett bringen müssen, was gerade die Jüngste nicht gut schafft. Die Kinder sind dennoch sehr fröhlich und offen und machen das Beste aus ihrer Situation, auch wenn sie dafür schon mal komisch angeguckt werden. Aber ihr Zusammenhalt wächst dadurch umso mehr, ebenso wie durch ihre großen und kleineren Geheimnisse und ihre Aktionen Mädchen gegen Jungs. Bei diesen müssen sie oft genug feststellen, daß es gemeinsam besser klappt, als gegeneinander. Der Schreibstil ist sehr flüssig und kindgerecht. Geschildert werden die Erlebnisse aus Emmas Sicht, aus der Ich-Perspektive. Man hat das Gefühl ganz in Emmas Gedanken hineinkriechen zu können. Das spricht natürlich Mädchen mehr an als Jungs ab 8 Jahren, für die diese turbolent-tolerante Familiengeschichte dennoch auch abenteuerlich-unterhaltsam ist. Die farbigen Illustrationen lockern den Text fröhlich auf. Aufgrund der Zielgruppe ab 8 Jahren, ist die Schrift noch größer, aber von den Kapitellängen und der Textmenge her richtet es sich eindeutig an Leser und nicht Lesemuffel. Allerdings ist es auch sehr gut zum Vorlesen geeignet, auch für jüngere Kinder, sofern sie sich auf längere Texte ohne Bilder konzentrieren können.

Das Geheimnis des Grafen hat mich nicht ganz überzeugt, dafür hätte ich bei einem Erwachsenenbuch einen Stern abgezogen. Meine Tochter fand es jedoch einleuchtend und aus Kindersicht ist es plausibel. Das ist es, was für mich zählt, fast so sehr, wie sein gutes Herz.

Meiner Tochter hat dieses Buch sehr gut gefallen. Als ich sie fragte, was ihr am Besten gefallen habe: Das Freddys Großeltern letztendlich doch lieb sind, da ist mir ein Stein für ihn vom Herzen gefallen.

Einfühlsam und unterhaltsam, so sollen Familiengeschichten sein!

Wir bedanken uns ganz herzlich beim Oetinger Verlag und Lovelybooks für diese Leserunde.

Freitag, 16. August 2019

Die Unausstehlichen & ich - Das Leben ist ein Rechenfehler, Vanessa Walder, gelesen von Maximiliane Häcke, der Hörverlag, 3 CDs 3 h 33 min, gekürzt, ab 9 Jahren



Die Unausstehlichen & ich - Das Leben ist ein Rechenfehler, Vanessa Walder, gelesen von Maximiliane Häcke, der Hörverlag, 3 CDs 3 h 33 min, gekürzt, ab 9 Jahren
Das Buch hat meinen beiden Töchtern so gut gefallen, daß sie gerne noch das Hörbuch hören wollten, damit sie ganz schnell wieder in die Geschichte hineinfinden, sobald Band 2 erscheint. Außerdem geht es um ein fluchendes Heimkind, dessen ständigen Kraftausdrücke in der Printversion mit Durchstreichungen „zensiert“ sind.
Enni (11) ist ein Heimkind, das schon in verschiedenen Heimen, WGs und auch Pflegefamilien war. Doch mit ihren Wutausbrüchen, bei denen es in ihren Ohren rauscht und sie nur noch rot sieht, bleibt sie nirgends lange. Bis sie in eine wirklich nette Pflegefamilie kommt, die sie wie eine Tochter behandelt. Ihr Pflegebruder Noah (12) ist einsame Spitze! Hier will sie nie wieder weg. Doch dann muß der Pflegevater beruflich in die Schweiz, da soll Enni dann doch nicht mit. Noah flippt aus und zieht Enni in seinen unüberlegten Plan mit hinein. Da ist Ärger vorprogrammiert und Enni landet in einem piekfeinen Privatinternat für Schüler mit besonderen Bedürfnissen. Eigentlich ist es dort gar nicht schlecht, selbst die Lehrer erkennen ihre mathematische Begabung. Doch Enni will abhauen und Noah finden. Leider gleicht Internat Saaks fast einer Festung und diese zu verlassen wird ihre kniffeligste Knobelaufgabe, bei der sie zwangsläufig Hilfe braucht....

Nach ihrer Ausbruchsaktion muß Enni zum Schulpsychologen, da erzählt sie dann die ganze, wahre ungeschönte Geschichte. Natürlich mit den in Saaks verpönten und strafbewehrten Flüchen und Schimpfwörtern. Aber was soll man schon sagen, wenn das Leben …. Eben! Der Psychologe lässt sie ungeschönt reden, aber in einem Kinder- und Jugendbuch? Da hilft nur die Zensur und an Stelle jedes unziemlichen Begriffes gibt es längere oder kürzere Zensurpiepse, je nachdem wie ausschweifend sie sich auslässt. Was beim Lesen lustig ist und seiner Schimpfkreativität freien Lauf lässt, kann beim Hören bisweilen ganz schön nerven, insbesondere wenn Enni auf 180 ist. Zum Einschlafen stört es ganz besonders, man gewöhnt sich langsam daran, aber es ist suboptimal.
Durch die Ich-Perspektive weiß der Hörer immer nur so viel, wie Enni bzw. so viel, wie sie von sich Preis gibt, denn über ihre Eltern spricht sie nicht und wehe wer sie bei dem Namen nennt, den ihr ihre Eltern gaben! Das dürfen nur diese. 

Enni hat viel mitgemacht bisher in ihrem Leben und sich diverse Überlebensstrategien angeeignet, über die die meisten Hörer aus behüteten Elternhaus nur staunen können (und die sie hoffentlich nicht anwenden wollen).

Richtig toll finde ich den Inklusionsgedanken in dieser Geschichte. Alle haben ihren Ballast mit sich herum zu tragen, aber niemand möchte deswegen bemitleidet werden, sondern als Mensch für voll genommen werden. So lernt man durch Enni, die fast schon alles gesehen hat, ihre Mitschüler mit ihrem Blick kennen, immer erst die Person mit ihren Besonderheiten, bis auf das Handicap, das erwähnt sie immer so nebenbei. Das finde ich sehr charmant, mal den Focus weg von der Behinderung zu nehmen und sei es „Diätis“ (dieser Begriff, ist doch ein Knaller, oder?). Jeder von ihnen trägt sein Päckchen mit sich herum, dennoch hatte ich jetzt nie den Eindruck, daß die Autorin es jeder Minderheit recht machen wollte, damit sich jeder angesprochen fühlt. Nein, die Personen werden ungeschönt dargestellt, mit ihren Stärken, aber auch Schwächen. Die einen werden dadurch sympathischer, aber nicht alle - wie im echten Leben. 

Enni ist so ungewöhnlich, daß die Geschichte zu überraschen mag. Es ist nicht von Anfang an klar, was mit Enni passiert, man weiß nur sie hat Ärger und echt was auf dem Kerbholz und muß nun mit einem Psychodoc sprechen, wer das aber ist, zeigt sich erst nach ein paar Kapiteln, weil diese Erkenntnis bereits etwas über das Ende verrät, aber es ist ja auch eine Fortsetzung mit den Unausstehlichen geplant, da wird Enni wohl kaum von diesen getrennt werden. Dennoch eine wirklich erfrischende Erzählweise.

Da ich beruflich den ganzen Tag mit Dingen zu tun habe die schief gehen und mein Mann Sonderpädagoge ist, war es mir wichtig, mit den Kindern Geschichten kennen zu lernen, in dem Kinder mit besonderen Bedürfnissen zu Wort kommen und die Geschichte aus ihrer Sicht schildern dürfen, denn dann klingt es oft ganz anders. Es geht mir auch um das Vermitteln von Respekt! Auch diesen Kindern gegenüber, die aus welchen Gründen auch immer, nicht bei ihren Familien leben. Das ist Vanessa Walder, der Autorin von „Das wilde Mäh“ und noch über 80 weiteren Kinder- und Jugendbüchern, ausgezeichnet gelungen. Dabei geht es nicht um pädagogische Phrasen, sondern es wird eine spannende Internatsgeschichte auf Ausbrecherniveau mit besonderen Schülern. Dabei wird es am Ende noch mal besonders spannend und mit einem ganz erhebenden Solidarisierungsende – da bleibt kein Herz unbewegt und das Auge nicht unbedingt trocken.
Maximiliane Häcke ist eine perfekt gewählte Sprecherin. Sie klingt jung, etwas eckig und kantig. Da klingt das „Vorsicht, nicht anfassen!“ gleich schon in der Stimme mit. Sie beherrscht die Emotionenklaviatur von rotzig-rebellisch bis unsicher und verstört. Das ist auch dringend nötig, da einige der Mitschüler sich nicht ganz so tough präsentieren wie sie. Die Lautstärke ist sehr gut ausbalanciert. Schwankungen sind lediglich gefühlt, aber nicht real, d.h. der Lautstärkeregler kann durchgehend auf einer Position bleiben. Alles ist gut verständlich. Im Innenteil der Klapphülle findet man eine farbige Illustration von Barbara Korthues mit den Hauptdarstellern und Infos zur Specherin und Autorin.
Die Geschichte und die Sprecherin haben uns ausgezeichnet gefallen, das Zensur-Gepiepse leider nicht.  Beide Töchter (und die Mutter) warten schon ganz gespannt auf die Fortsetzung dieser außergewöhnlichen Geschichte für ältere Kinder ab 9/10 Jahren.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Hörverlag und dem Bloggerportal für dieses ungewöhnliche Rezensionsexemplar.

Donnerstag, 15. August 2019

Die magischen Sechs (2) – Madame Esmeraldas Geheimnis, Neil Patrick Harris & Alec Azam, Illustriert von Lissy Marlin und Kyle Hilton, Schneiderbuch Egmont Verlag



Die magischen Sechs (2) – Madame Esmeraldas Geheimnis, Neil Patrick Harris & Alec Azam, Illustriert von Lissy Marlin und Kyle Hilton, Schneiderbuch Egmont Verlag

Die magischen Sechs sind: Leila, Carter, Ridley, Theo und die Zwillinge Izzy und Olly. Jedes der Kinder hat eine Zaubershow-spezialität. So kann Theo mit seinem Geigenbogen Dinge schweben lassen, Carter beherrscht Kartentricks und lässt Dinge verschwinden. Zu Beginn erinnert sich Leila, die in diesem Band im Mittelpunkt steht, an ihre Zeit im Waisenhaus, bevor die beiden Mr. Vernons sie adoptiert haben. Immer wieder wurde sie von den anderen Kindern geärgert und in Schränke gesperrt. So übte sich Leila schon früh in der Kunst der Entfesselung und des Türenknackens. Als sie auf der Schwelle des Waisenhauses ausgesetzt wurde, trug sie nichts als die Kleider auf ihrem Leib und einen geheimnisvollen Schlüssel. Dieser ist noch heute ihr größter Schatz und ihr Geheimnis, daß sie selbst ihren Vätern und ihren Freunden gegenüber verheimlicht. Deswegen hat sie ein bißchen ein schlechtes Gewissen, aber ihre Väter schweigen ja auch über ihre Vergangenheit und ihren früheren magischen Zirkel, den Smaragd-Ring. Doch dann geschehen plötzlich merkwürdige Dinge. Der dressierte Affe, des inzwischen inhaftierten B.B. Bosso, dem Bösewicht aus Band 1, bricht immer wieder in den Zauberladen ein und versucht ein Buch zu entwenden, erfolglos. Dann taucht die seit Jahren vermisste Sandra, eine Jugendfreundin von Mr. Vernon und Carters Vater auf. Sie ist inzwischen als Madame Esmeralda eine berühmte Wahrsagerin. Leila freut sich, über sie etwas über die Vergangenheit ihres Vaters zu erfahren, aber Ridley, die an den Rollstuhl gefesselt ist, bleibt misstrauisch.

Der Anfang war für meine Töchter sehr interessant. Nachdem in Band 1 Carters früheste Erinnerungen erzählt wurden, erfährt man nun mehr über Leilas schwere Zeit im Waisenhaus. All diese Entbehrungen machten sie wohl bereit, um für ihre Zauberträume zu üben, üben und nochmal zu üben. Die Einbrüche des Affens und das Auftauchen von Madame Esmeralda fanden sie noch aufregend, aber dann brach die Spannung etwas ein und vor allem die Große verlor das Interesse. Im letzten Drittel kommt es jedoch zum großen gruseligen Showdown, daß die verborgenen Geheimnisse der Vergangenheit, auch des Smaragd-Rings offenbart und die Freunde in größte Gefahr bringt. Da konnte sie es dann nicht mehr abwarten weiterzulesen. Die Kleine war in ihrem Interesse deutlich konstanter. Immer wieder sind zwischen den Kapiteln Zaubertricks und Geheimcodes eingestreut, mit denen man Nachrichten entschlüsseln kann. Da hat sie sich mit Feuereifer darauf gestürzt. Neben einer Codescheibe, die sie schon kannte, aber dennoch spannend findet, gibt es noch einen Spielkartencode und das Morsealphabet, das immer mehr in Vergessenheit gerät, zu entdecken. Die Zaubertricks sind ganz schön kniffelig, da muß man wirklich sehr viel üben. Die Codes sind da schon einfacher, zu Beginn, aber das Morsealphabet auswendig zu beherrschen und sicher genug zu können, um es auch in Gefahrenlagen anwenden zu können, erfordert auch sehr viel Training und Auswendiglernen! Es ist halt noch kein Meister vom Himmel gefallen, ohne Fleiß keinen Preis....Diese Credos werden Kindern hier ganz klar verdeutlicht. Die Künste der Kinder sind wirklich beeindruckend, ihnen aber nicht zugeflogen. Sie sind keine Mutanten, sondern einfach geschickt und fleißig! Außerdem sind sie clever und halten jederzeit zusammen, unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht oder ob sie wie Ridley im Rollstuhl sitzen. Ridley gefällt mir persönlich besonders gut. Sie ist stets misstrauisch, auf der Hut und hat für jede Eventualität das passende Gimmick in ihren Rollstuhl eingebaut. Das kann einen echt schmunzeln lassen! Der auch als Schauspieler (How I met your mother) sehr erfolgreiche Autor hat es sich wohl zur Aufgabe gemacht, fast jede Minderheit in den vereinigten Staaten in diese Reihe zu integrieren, das empfinde ich bisweilen als politisch überkorrekt, auch wenn ich die einzelnen Charaktere mag.

Ebenso wie die Zaubertricks ist auch die Geschichte ausdrucksstark in schwarz-weiß illustriert. Es sind keine niedlichen Illustrationen, sondern moderne, etwas schematisierte Graphiken, die doch das Wesentliche erfassen, kurzum ausdrucksstark.

Eine ungewöhnliche Reihe, die stets zu Toleranz und Fleiß aufruft. Auch wenn sie zwischendurch etwas nachließ aus Sicht der Großen, war sie am Ende so spannend, daß sie schon auf Band 3 neugierig sind. Dieser erscheint am 5.12.19 unter dem Titel „Wendel Wispers unheimliche Puppe“ und rückt diesmal den farbigen Geiger Theo in den Mittelpunkt.

Wir bedanken und ganz herzlich bei Schneiderbuch Egmont und der Bloggerbetreuung durch Buchcontact für dieses Rezensionsexemplar.

Mittwoch, 14. August 2019

Wieso? Weshalb? Weshalb? ProfiWissen: Weltraum, Hörspiel 1 CD 71 Minuten Jumbo Verlag



Wieso? Weshalb? Weshalb? ProfiWissen: Weltraum, Hörspiel 1 CD 71 Minuten Jumbo Verlag

Pünktlich zum Jubiläum der Mondlandung am 21.07.1969 erscheint die neue Ausgabe der WissensProfis zum Thema Weltall, doch es geht um viel mehr als nur um den ersten Menschen auf dem Mond.

Die vier Freunde aus der Schülerzeitungsredaktion Ben (10), Finn (11), Jette (11) und Lilli (9) basteln gemeinsam an einem beweglichen Modell unseres Sonnensystems als Beitrag für einen Schülerwettbewerb, bei dem es einen Aufenthalt in einem Weltraumcamp zu gewinnen gibt. Wenn man ernsthafte Gewinnchancen haben will, muß man sich natürlich richtig vorbereiten und sich in das Thema auch einlesen. Das ist ganz Finns Ding, während Jette schon eifrig im Internet recherchiert. Dabei verraten sie schon wichtige Dinge über unser Sonnensystem, wie dieses aussieht, warum die Sonne so wichtig ist und den Unterschied zwischen Sternen, Planeten und Monden. Das führt natürlich zur Frage, warum wir eigentlich auf der Erde und nicht woanders leben. Viele Faktoren die unsere Erde so einzigartig und schützenswert machen, werden hierbei angesprochen, wie z.B. die Ozonschicht, die uns vor Sonneneinstrahlung schützt. Da diese immer dünner wird, durch menschliches Verschulden, wird nicht nur der Lebensraum für Eisbären immer kleiner, wir benötigen auch immer höhere Lichtschutzfaktoren in der Sonnenmilch... Es werden Fragen erklärt, wie warum der Mond so viele Löcher hat?, wie wir Menschen ins Weltall fliegen? und für viele junge Zuhörer ganz spannend die Frage: Wie wird man Astronaut? Dass man körperlich fit sein muss und studiert haben muss, am besten eine Naturwissenschaft, das wissen ja doch schon einige, aber das man fließend Englisch und Russisch sprechen muss ist weniger bekannt. Gerade für Naturwissenschaftler ist das ein echtes Problem, Englisch muss man bei diesen Fächern eh können, aber Russisch? 
 
Mein Tipp: Weltraumrecht, da ist die körperliche Fitness egal, es ist sehr lukrativ und es ist völlig ungefährlich und Russisch muß man sich auch nicht aneignen! In Deutschland kann man es z.B. an der Uni Köln studieren. Denn die Gefahr bei so einem Flug ins All besteht auch heute noch. Zum Glück trauen sich aber dennoch einige diesen Weg einzuschlagen und so steht den vier Wissensprofis neben dem Physikstudent Tarek, ihrem persönlichen Campbetreuer, auch Astronautin Almut für Fragen zur Verfügung. Was kann man eigentlich am Sternenhimmel sehen? Was ist der Unterschied zwischen Sternenbildern und Tierkreiszeichen, Astronomie und Astrologie? Wie viele Sterne hat die Milchstraße und mit der abschließenden Frage: Gibt es Außerirdische, wird wieder an die frühere Frage angeknüpft, warum wir auf der Erde leben? Eine sehr ganzheitliche und durchdachte Betrachtungsweise, weil schnell klar wird, dass diese Fragen eigentlich im Zusammenhang miteinander stehen. Daher wird auch immer wieder die Verbindung zu anderen Themen der bisherigen Wissensprofis-Bände geknüpft, so z.B. beim Einfluß des Mondes und der Schwerkraft auf Ebbe und Flut, die ja auch Thema im Band „Ozeane“ sind. Sehr spannend fanden wir die Ausführungen zu den Verschwörungstheorien rund um die Mondlandung, die von einigen Zweiflern als inszeniert dargestellt wird.
Das Sachbuch aus dem Ravensburger Verlag wird hier als Hörspiel vertont. Statt der Klappen für weitere Infos gibt es bei der Vertonung Experteninterviews und Gespräche der Kinder untereinander, die die Fragestellungen noch mal vertiefen. Die Hörspielsprecher variieren im Verlauf der Reihe, klar, die Jungs kommen in den Stimmbruch und klingen einfach nicht mehr wie 10 oder 11 Jahre alte Kinder. Das stört aber nicht. Die Jungredakteure haben zwar eigene Charaktere, die sie untereinander auszeichnet und ihre Spezialgebiete voneinander abgrenzen, aber sie sind vor allem Mittel zum Zweck, um die Wissensvermittlung lebendiger, interessanter und persönlicher zu machen. Eben von Kindern für Kinder. Das klappt sehr gut, denn nicht nur meine Töchter liebt die Reihe und fühlt sich auf gleicher Ebene angesprochen, auch ich höre wirklich konzentriert zu, ohne, dass meine Gedanken abschweifen.

Um das ganze neue Wissen neben den Interviews anschaulicher und spannender zu machen, zeigt der Innenteil der Hülle den Aufbau eines Raumanzuges. Auf der CD hat man bereits gehört, wie unglaublich schwer er außerhalb der Schwerelosigkeit ist. Außerdem findet sich eine Darstellung von 19 prägnanten Sternenbildern. Statt eines Experiments enthält das Booklet ein Wissensquiz zum Thema Weltraum, den Liedtext zu „Was wollt ihr wissen?“, kurze Steckbriefe mit Bild der 4 Freunde und eine Trackliste.
Auch dieser Band der Reihe hat uns wieder gefesselt und ist absolut zu empfehlen.

Wir bedanken uns ganz herzlich beim Jumbo Verlag für diese neue Erweiterung unseres Allgemeinwissens.

Montag, 12. August 2019

Venezianische Rache, Daniela Gesing, Midnight Ullstein



Venezianische Rache, Daniela Gesing, Midnight Ullstein

Dies ist der sechste Fall von Commissario Luca Brassoni, aus der italienischen Lagunenstadt. Mittlerweile ist er mit Carla Sorrenti, der Leiterin der Gerichtsmedizin verheiratet und ihr Sohn Luis ist nun schon ein Jahr. Ihr erster gemeinsamer Urlaub, 3 Wochen an der Adria, steht bevor und Luca und Carla haben bereits frei, um alles für die Reise vorzubereiten. Doch dann werden beide in die Questura gerufen. Ein junger aufstrebender Maler begeht wie von Sinnen einen Anschlag auf ein Tintoretto Portrait und wird kurz darauf in seiner Wohnung erdrosselt aufgefunden. So viele Kollegen sind krank, im Urlaub oder auf Fortbildung, daß sie wohl oder übel zur Arbeit müssen, um den Fall schnell zu klären, um endlich die ersehnte Auszeit zu bekommen. Der Künstler Paolo Grande stellt sich als sympathisch, aber als Einzelgänger heraus, der seit dem Tod seiner Mutter immer wunderlicher wurde. Irgendetwas schien ihn innerlich zu zerfressen. Seine Kontakte wurden immer weniger. Nur seine Cousins und seine Ex-Freundin hat er noch an sich heran gelassen, doch diese verschweigen etwas - selbst als es einen weiteren Mordanschlag gibt. Die Situation wird immer schwieriger, vor allem weil Lucas Kollege Mauro wegen privater Probleme völlig neben sich steht.

Eine herrliche Kulisse mit sympathischen Protagonisten, die sich von Fall zu Fall weiterentwickeln und einem mehr ans Herz wachsen. Hier ist der Ermittlungsdruck mal nicht immens, da ein Serienmörder umgeht, sondern weil alle schnell in den Urlaub wollen, na ja, auch weil dieser Fall immer verzwickter wird und sie endlich hinter die Geheimnisse schauen wollen. Doch oft sehen Außenstehende mehr. Daher bittet Luca wieder seinen Cousin Caruso um Hilfe. Als freier Journalist hat er ganz andere Quellen und ein anderes Hintergrundwissen. Anders als der Ermittler kann er sich gut Gesichter und Klatsch und Tratsch einprägen. Doch nicht jeder Klatsch soll an die Öffentlichkeit und so lebt Caruso, der Opernfan, gefährlich. Dies ist eine Art running-gag der Reihe. Aber so langsam mache ich mir als Leserin Sorgen um ihn, einmal wird jeder mal vom Glück verlassen und es könnte seine letzte Schnüffelei gewesen sein.

Die traumhafte Stadt der Liebe ist sehr bildlich beschrieben und auch, wenn ich mir beim Lesen bisweilen eine Jacke überziehen musste, konnte man die Hitze der Stadt geradezu spüren. Allerdings zeichnen sich relativ bald zwei Hauptverdächtige für den Leser, wenn auch nicht für den Kommissar ab. Auch das Motiv ist nicht so schwer zu erahnen. Die Spannung bleibt dann durch das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Täter und Polizei aufrecht erhalten. Immer wieder entkommt der Täter und verübt einen neuen Anschlag, trotz polizeilicher Überwachung, doch wie ist das möglich?

Anders als ich zuerst dachte spielt dieser Fall nicht im Kunstmilieu sondern zwischen den Armen und den Reichen und Mächtigen der Stadt. Der Commissario kann nur hoffen, daß die neue Vice Questore bereit ist, vor dem Gesetz alle gleich zu behandeln und der Gerechtigkeit zu folgen. Verstärkt wird dabei die Belegschaft der Questura von einem kleinen Hund mit großem Herzen, dessen Frauchen nach einem Anschlag, sich nicht um ihn kümmern kann.

Auch wenn es sich empfiehlt die Bände aufsteigend zu lesen, ist ein Start mit dem 6. Band ohne weiteres möglich. Eine Reihe mit einem großen Herz für seine Akteure. Gute und kurzweilige Krimiunterhaltung.

Ich bedanke mich ganz herzlich, bei Daniela Giesing, für meine Lesexemplar, als Dankeschön, für den Namensvorschlag für den tierischen Charmeur auf vier Pfoten: Picco. 

Samstag, 10. August 2019

Good Night Stories for Rebel Girls 2- mehr außergewöhnliche Frauen, Francesca Cavllo, Elena Favilli, gelesen von Aylin Tezel, Jasmin Tabatabai u.a. 3 CDS DAV Verlag



Good Night Stories for Rebel Girls 2- mehr außergewöhnliche Frauen, Francesca Cavllo, Elena Favilli, gelesen von Aylin Tezel, Jasmin Tabatabai u.a. 3 CDS DAV Verlag

Noch immer wird die Welt von „Angry white men“ regiert, nach einem farbigen Präsidenten waren die USA leider noch nicht reif für eine Frau an der Spitze. Doch es tut sich was! Es gibt sie, die mutigen Mädchen und Frauen, die sich nicht unterkriegen lassen wollen und wollten. Die ihr Leben selbst in die Hand nahmen, Zeichen setzen und die Welt verändern. Aber allzu oft wurden ihre Leistungen unter den Teppich gekehrt und Männer ernteten die Lorbeeren ihrer Arbeit. Auch dies zu ändern, hat sich dieses Projekt vorgenommen und natürlich Mädchen auf aller Welt zu ermutigen ihre Träume und Ziele zu verfolgen, auch wenn sie in einer (noch) Männerdomäne liegen. Denn Mädchen und Frauen können alles, anders als Männer ;) Warum haben sie also noch immer nicht die gleichen Rechte und den gleichen Lohn und das, obwohl schon seit der Antike es mutige Frauen gibt, die für gleiche Rechte und Gerechtigkeit eintreten. Dieser Band stellt weitere 100 Beispiele verteilt über den gesamten Globus und quer durch alle Zeiten vor. Die Gebiete auf denen sie sich hervorgetan haben sind völlig unterschiedlich sei es Politik, Wissenschaft, Sport, Kunst, Kultur... In kurzen Abrissen von rund 2 Minuten kann man in das Leben dieser Mädchen und Frauen reinschnuppern und bei Interesse, sich die persönlich interessantesten mal genauer anschauen. Das Leben einiger von ihnen wurde verfilmt, so wie von der 1. Agatha Christie (meine Tochter staunte beim Hören, wie oft ich quiekte: den Film kenne ich!), denn die 100 Frauen sind alphabetisch nach den Vornamen sortiert. Das ist für ein Hörmedium vielleicht nicht ganz optimal. Ich hatte z.B. Mühe all die Marys auseinander zu halten. Die Namen der Autorinnen klangen italienisch, dennoch empfinde ich eine relative Dominanz amerikanischer Heldinnen. Aber keine Sorge, es geht auch nach Bogota, Ägypten, Brasilien, ins Himalaya.... dennoch würden mir auch für Deutschland deutlich mehr Heldinnen als Clara Schumann einfallen wie Bertha von Suttner (Friedensnobelpreisträgerin), Hildegard von Bingen, Elisabeth von Thüringen.... gut, ich weiß nicht wer in Band 1 alles vorkommt.

Sehr gut finde ich, daß die einzelnen Lebensläufe von 5 verschiedenen Stimmen gelesen werden, in der Reihenfolge meiner persönlichen Präferenz: Aylin Tezel (Tatort Dortmund, Almanya), Jasmin Tabatabai (letzte Spur Berlin, Bandits), Julia Nachtmann, Maren Kroymann und Iris Berben.
Aylin Tezel und Jasmin Tabatabai finde ich sensationell, die klingen schon so etwas kratzig, rau und rebellisch! Eine Skaterin oder Sprayerin als Vita schreien schon gerade zu nach Aylin Tezel! Ich finde es super, daß die Stimmen sich abwechseln, damit keine Hörmonotonie aufkommt, die Wahl der Stimme zu Lebenslauf finde ich aber nicht immer optimal. So ist Maren Kroymann toll, aber als Mata Hari, der legendären Doppelagentin hätte ich Jasmin Tabatabai besser gefunden. Wie gesagt, es ist prima, dass nicht alles von den gleichen Stimmen gelesen wird, auch passen andere Stimmen zu Wissenshaftlerinnen und Politikerinnen gegenüber Popstars, Polartaucherinnen und Widerstandskämpferinnen. Iris Berben finde ich eine tolle Schauspielerin, mit einer sehr schönen, warmen Stimme, aber ich mag sie nicht für Kinder- und Jugendbücher. Sie neigt dazu nach Märchentante zu klingen und etwas von oben herab und belehrend, also alles aber nicht rebellisch. Bei den ersten Lebensläufen hat es mich extrem gestört, es ist aber nicht bei allen Abrissen gleich. Das ist aber eine Frage des Geschmacks.

Meine 10 jährige Tochter hatte von den meisten Frauen und Mädchen noch nie etwas gehört und fand es spannend, womit man sich alles befassen kann und was so alles möglich ist. Die geballte Ladung am Stück war für sie etwas viel Input auf einmal, aber für kürzere Abholfahrten immer mal wieder in verdaulichen Hördosen sehr interessant. Es wechseln sich die Lebensläufe von Legenden mit denen, die vielleicht noch mal welche werden ab. Schön für die Zielgruppe fanden wir, daß auch einige, recht junge und aktuelle Beispiele mit eingearbeitet sind.

Ein wirklich wertvolles Hörbuch, daß uns gut gefallen hat. Sehr anregend auch zum Weiterforschen, - lesen, - schauen!

Vielen lieben Dank an Der Audio Verlag und Lovely Books für das Rezensionsexemplar!

Freitag, 9. August 2019

Der Blütenjäger (ein Laura Kern Thriller) Catherine Sheperd, gelesen von Beate Rysopp, 1 MP3 484 Minuten ungekürzt, Audiobuch Verlag



Der Blütenjäger (ein Laura Kern Thriller) Catherine Sheperd, gelesen von Beate Rysopp, 1 MP3 484 Minuten ungekürzt, Audiobuch Verlag

Dies ist der vierte Fall von Laura Kern und für mich der erste:

Laura Kern ist Spezialermittlerin beim LKA Berlin und wird hinzugezogen, wenn es kniffelig wird. Dies ist z.B. der Fall, wenn wie aktuell zwei sehr junge Frauen, kurz nacheinander erschossen im Spanndauer Forst gefunden werden. Beide barfuß und mit funkelnden Abendkleidern, eine Blüte neben sich und ein Foto, welches sie in provozierenden Tanzposen in der Disco zeigt. Ist dies der Beginn einer Mordserie und heißt das, daß weitere Morde zu erwarten sind? Während der Ermittlungen tappen die Kriminalisten lange im Dunkeln, doch Laura spürt die Dämonen der Vergangenheit sich nähern. Sie verbindet mit den jungen Opfern mehr, als ihre Kollegen ahnen, daher kniet sie sich besonders in die Arbeit. Es scheint eine Verbindung zwischen den Opfern zu geben, daher wird die Psychologin Dr. Niemeyer hinzugezogen, um ein Täterprofil zu erstellen. Dennoch scheinen alle Überlegungen im Sande zu verlaufen, bis sie mit ihrem attraktiven Kollegen Taylor nachts bei einer illegalen Überwachung ein weiteres Opfer findet und dieses auf eine weitere Vermisste hinweist. Der Zeitdruck ist nun enorm!

Auch ohne Vorkenntnisse zur Reihe bin ich gut in den Fall hineingekommen. Laura offenbart dem Hörer ihr traumatisches Geheimnis, daß selbst ihre Kollegen und ihr Liebhaber  Taylor nicht kennen dürfen. Zu empfindlich ist auch nach 20 Jahren ihre Seele noch in Bezug auf das Erlebte. Für Neueinsteiger ist eine solche Schlüsselszene natürlich optimal.
Laura ist verschlossen, aber durchaus sympathisch und engagiert. Gerne arbeitet sie mit anderen zusammen, gerade wenn sie wie hier, völlig im Dunkeln tappt, da kann jeder neue Gedanke hilfreich sein. Sehr lange folgt man den Opfern nacheinander durch den dunklen Wald, verfolgt von einem Peiniger, den sie nicht sehen. Über Wurzeln stolpernd, einer vergeblichen Hoffnung auf Rettung folgend. Man lernt die Opfer in ihrer Gefangenschaft kennen, wie sie Kontakt zu einander aufnehmen und begreifen, daß sie auf Vorrat gefangen werden, damit sie ahnen, welches Schicksal ihnen bevorsteht. Die wachsende persönliche Bindung untereinander, machte das Grauen vor der bevorstehenden Jagd auf sie unerträglicher.

Zudem werden Rückblicke zu einem Familiendrama vor 20 Jahren eingeblendet, in welchem die konsultierte Psychologin Dr. Niemeyer behutsam versucht Jungen, die eine Tragödie erlebt haben, bei der Freilegung ihrer Erinnerungen zu helfen. Doch wie gehören die beiden Fällen zusammen? Der Hörer beginnt sich zu fragen, was sie verschweigt.

Man folgt den Ermittlern in die Welt der Discotheken und zwielichtiger Gestalten. Nicht nur der Besitzer des Clubs ist suspekt und Laura zutiefst unsympathisch. Es bieten sich auch weitere Verdächtige an, aber keiner scheint so richtig zu passen.

Der Thriller baut seine Spannung aus dem Element der Verzweiflung, dem Wissen der Opfer, dass ihre Zeit bald abläuft und dem stetig wachsenden Ermittlungsdruck auf. Wie eine Blüte entblättert sich Hinweis für Hinweis, unter Druck aber mit der erforderlichen Zeit, bis sich am Ende die Ereignisse überstürzen. Es geht um Psychologie und Geheimnisse aus der Vergangenheit, nicht um Ekel. Für einen Thriller ist dieser Fall recht unblutig und der Hörer steht auch nicht mit am Seziertisch. Dennoch fiebert man mit und möchte wissen, wer denn die Grausamkeit besitzt junge Frauen zu fangen, zu Jagen und aus dem Hinterhalt zu erschießen.

Soweit fand ich die Geschichte auch schlüssig. Was mich während des Hörens aber immer beschäftigte, war die Frage, weshalb Taylor der nun gerade seinen Profilinglehrgang beendet hat, kein eigenes Profil erstellt, sondern gleich eine externe Psychologin? Er ist ein gewiefter Ermittler mit brillanten Verstand und logischen Überlegungen, aber das gerade Erlernte, wird noch nicht einmal ansatzweise eingebracht. So uneigenständig im Denken, daß er wegen einer beigezogenen Spezialistin auf eigenes Denken verzichtet, erscheint er mir nicht. Er ist sich seiner Fähigkeiten eigentlich durchaus bewußt, ohne falsche Scheu.

Mit diesem Band der Reihe wechselt die Sprecherin von Svenja Pages zu Beate Rysopp. Svenja Pages ist auch eine gute Wahl, die ich mir sehr gut vorstellen kann, aber auch Beate Rysopp finde ich gelungen. Der Prolog beginnt aus Sicht des jüngsten Opfers, was mich etwas zweifeln ließ, denn nach Partymäuschen klingt sie nicht so recht, dafür ist ihre warme Stimme zu reif, aber für die erfahrene Ermittlerin, die bisweilen zwischen ihren eigenen Ängsten, Bedürfnissen und ihrer eigenen Anspruchshaltung hin- und her gerissen ist, passt sie sehr gut. Sie schafft es gekonnt die Klaviatur der Gefühle stimmlich in voller Bandbreite abzurufen. Wie alt Laura Kern ist, erfährt man zumindest in diesem Fall nicht.

Catherine Shepherd ist ein Künstlername. Die Autorin lebt und schreibt am Niederrhein, wo auch ihre ersten Thriller spielten.

484 Minuten rätselhafte Spannung, bei der ich gebannt mitfieberte und über mögliche Täter und Zusammenhänge nachgrübelte. Ungekürzt.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Audiobuch Verlag für schlafreduzierte Nächte, in denen ich weiter hörte und dem Klang von Beate Rysopps Stimme lauschte, für dieses spannende Hörrundenexemplar.