Dienstag, 12. November 2019

Mia und das oje-du-fröhliche Weihnachtsfest, Susanne Fülscher, gelesen von Anne Moll, audiolino



Mia und das oje-du-fröhliche Weihnachtsfest, Susanne Fülscher, gelesen von Anne Moll, audiolino

Mia ist fast schon im Weihnachtsfieber, sie liebt die Vorweihnachtszeit! Wäre doch nur ihr Vater nicht so komisch. Er scheint gar nicht mehr er selbst zu sein. In der Schule ist er so unausstehlich, dass er mit ihrer Klasse unangekündigt ein voll fieses Diktat schreibt! Als sie dann auch noch früher von ihrem Weihnachtsmarktbummel mit ihren besten Freundinnen Jette, Leonie und Alina zurückkommen soll, weil die Eltern ihnen etwas Wichtiges mitteilen wollen, wird ihr ganz flau im Magen. Ihr Vater hat Sonderurlaub beantragt, um bereits vor Beginn der Schulferien mit seinem alten Freund auf die Kanaren zu fliegen, um zu wandern und sich selbst zu finden. Mia ist fassungslos. Sind sie denn wirklich so schlimm und unerträglich, dass ihr Vater es nicht mehr bei ihnen aushält? Dann brennt es auch noch bei Omi Olga und sie zieht zu ihnen. Nun ist das Chaos perfekt, aber sie merken auch, dass man sich eigentlich an eine Menge gewöhnen kann, auch in der Weihnachtszeit, oder gerade besonders dann. Es gibt so viel Aufregendes, worauf man sich freuen kann, dass keine Zeit für Traurigkeit bleibt.


Als Mutter habe ich mich total über Vater Hansen aufgeregt. Der Herr Lehrer muss sich selbst finden und lässt die Mutter mit 4 Kindern, darunter ein Baby, alleine! Ich wäre nicht so verständnisvoll. Sehr gut schildert Susanne Fülscher, die Sorgen und Zweifel, aber auch die Traurigkeit, die in Mia aufsteigen. Was die Trennung von Eltern bedeutet, sieht sie ja täglich an ihren Freundinnen Jette und Alina. Ihre Eltern hätten aber wohl nicht Geld und Platz um ein Au Pair Mädchen aufzunehmen, wie Jettes Vater. Die Sorge, um eine eventuelle Trennung der Eltern belastet sie schwer, denn es nimmt ihr die bis dahin selbstverständliche Sicherheit. Sehr treffend, finde ich auch die Rückkehr des Vaters beschrieben, die mich doch ein wenig fies grinsen ließ, aber da will ich nicht zu viel verraten. Zum Glück dreht sich nicht alles um ihren Vater, sondern auch um das mega-giga-irre-Weihnachtskribbeln im Bauch, wenn alles herrlich glitzert, funkelt und strahlt und die Ballettaufführung, die kurz bevor steht. Da Jette ja nun doch nicht wegzieht, macht Mia weiter mit dem Tanzen. Weihnachtsgeschenke wollen ausgedacht und besorgt werden und da fliegt die Zeit wie im Fluge dahin. Wie die meisten Kinder, hat Mia nicht unendlich viel Geld und muss genau überlegen, was sie wofür und für wen ausgeben kann und will. Daher muss sie sich besonders viele Gedanken machen und sie stellt fest, dass das nicht nur Spaß macht, sondern zum Teil, viel wichtiger ist, als der Wert des Geschenks. Eine Geschichte aus der Realität der Zielgruppe und doch turbulent und witzig. Auch wenn draußen noch alles grün ist, wird man gleich von Mias Weihnachtsfieber angesteckt, dass Anne Moll mit ihrer gut gelaunten Stimme verbreitet, sofern sie nicht gerade in Sorge um Papas wunderliche Wandlung ist. Sie trällert für Jette, kichert für Omi (die meiner Tochter und mir ja bisweilen etwas zu anstrengend ist, da weiß man die eigene Oma richtig zu schätzen). Anne Moll verleiht Mia zwar keine Flügel, aber Aufregung, Vorfreude und Kribbeln mit ihrer vielschichtigen Stimme.


Dies ist übrigens schon der 12. Band dieser Dauerbrenner-Reihe von Susanne Fülscher, die zahlreiche Kinder-, Jugend-, Frauenromane und Drehbücher für Film und Fernsehen geschrieben hat. Keine Sorge, man kann in diese Reihe jederzeit einsteigen, weil zwar die Bände aufeinander aufbauen, aber auch in sich abgeschlossen sind.

Es ist schön Mia und ihre Lieben wieder zu hören und mit Jettes polnischem Au Pair Mädchen Justyna gibt es auch wieder eine neue, spannende Persönlichkeit zu entdecken.

Ein Weihnachtsgefühlskarussell direkt aus dem trubeligen Leben einer Zwölfjährigen gegriffen, mit Emotionen, Spaß und Zweifeln. Sehr kurzweilig und weihnachtlich für Mädchen ab 10 Jahren.

Wir bedanken uns ganz herzlich für diese herrliche Weihnachtseinstimmung bei audiolino

Wer neugierig ist, kann hier hineinhören:

Montag, 11. November 2019

Bayala – das magische Elfenabenteuer, Schneiderbuch Egmont Verlag



Bayala – das magische Elfenabenteuer, Schneiderbuch Egmont Verlag

Meine Töchter lieben Schleich  Elfen, warum auch immer. Aber sie spielen schön damit. Als die Jüngste sah, dass es ein Buch zum Film geben würde, war klar, dass wir es dringend brauchen und den Film wollte sie auch sehen!
Sie sah den Film – ohne mich. Da die Schrift recht klein ist und recht viel Text pro Seite abgedruckt ist, erklärte ich mich bereit, es vorzulesen. Zu meiner Verblüffung, wollte die Große (12!) auch zuhören!
 
Die Elfenwelt bayala ist ein Land voller wundersamer Magie, mit magischen Blüten und zauberhaften Pflanzen die zum Wohnen und Essen benutzt werden. Es gibt mehrere Elfenkönigreiche die friedlich und in Eintracht miteinander und den Drachen leben. Solange, bis Ophira die Königin der Schattenfeen mit diesem Zustand nicht mehr zufrieden ist und mächtiger sein will, als alle anderen. Sie lässt alle Dracheneier verschwinden, die den Nachwuchs der Drachen und somit den Erhalt der Magie garantieren. Dadurch wächst ihre Macht, während die Magie in den anderen Königreichen schwindet. Zudem entführt sie Surah, eine der kleinen Zwillingstöchter des Königs der Sonnenelfen. Diese wächst mit ihrer Nichte Nuray gemeinsam auf. Dadurch, dass sie stets im Dunkeln lebt, wachsen ihr dunkle Schattenelfenflügel und auch sonst scheinen die dunklen Zaubermächte auf sie abzufärben, was sie ängstigt. Zum Glück ist Nuray anders, sie wird ihre beste Freundin. Als sie flieht, hilft sie ihr, wird selbst aber von ihrer Tante gefangen. Auch wenn Surah glücklich in ihrer alten Heimat ist, kann sie die Freundin doch nicht vergessen. Das Königreich welkt immer stärker. An dem Tag, an dem Eyela den Thron der Sonnenelfen besteigt, will ohr die Jungelfe Marween einen besonderen Stein schenken, welcher sich als Drachenei entpuppt. Um die Drachenmagie zu retten, beschließt die junge Königin ein Drachenfest zu feiern, denn wenn ein Drache schlüpft und nicht als erstes seine Eltern sieht, geht seine Kraft für immer verloren.

In der Mitte des Buches findet sich ein umfangreicher Bildteil mit Fotos aus dem Film, mit Unterschriften. Vorsicht, diese spoilern, bitte nicht zu Beginn durchlesen. Wer den Film kennt, kann in Erinnerungen schwelgen, wer ihn verpasst hat, kann sich die Helden besser vorstellen. Es kann auch eine Anregung fürs Spiel mit den Figuren sein. 

Die Geschichte verwendet viele bereits bekannte Elfenelemente. Es erinnerte mich an eine Mischung aus „Mia and Me“ und Sandra Regniers Anderwelt. Ich könnte nun also schreiben, es sei eine Aneinanderreihung von Klischées und Altbekannten, aber wäre das richtig? Ich liebe die Anderwelt, und habe ich dann das Recht, eine ähnliche Kinderversion abzulehnen, als Abklatsch? Ehrlich, es ist fast alles schon geschrieben und erzählt worden. Als ich das erste Mal Harry Potter las, dachte ich ständig an Narnia und Erdsee und den Herrn der Ringe. Jeder Autor ist ja irgendwie von den Geschichten vor seiner Zeit beeinflusst und geprägt. Für mich war die Frage also, ist es gut gemacht? An den Namen der Elfen habe ich mir bisweilen einen abgebrochen, weil ich den Film nicht gesehen habe. Das wurde dann aber besser und irgendwann holperte ich nicht mehr durch den Text, sondern gab ihm Gestalt. Es wurde zu meiner Überraschung sogar bisweilen witzig und spannend!
Klar, das Rad wird hier nicht neu erfunden, aber wozu auch. Ich finde, dass die Geschichte durchaus einen Wert nicht nur für Elfen- und Schleichfans hat. Da es sehr stark auch um Respekt und Zusammenhalt geht. Als Eyela die junge Königin den Thron besteigt, halst sie sich gleich eine schwierige Aufgabe auf: sie will ein Drachenfest organisieren, obwohl seit Ewigkeiten keines mehr stattgefunden hatte, da die Drachen verloren schienen. Ganz frisch auf dem diplomatischen Parkett, muss sie die übrigen Elfenregenten zu dem Fest einladen, denn nur gemeinsam kann es gelingen, die Magie des Elfenreiches zu retten und der bösen Schattenelfe Ophira die immer stärker werdende Macht zu entziehen, zu Gunsten eines gemeinsamen Erstarkens aller anderen Elfen.

Die Geschichte ist wie gesagt nicht sonderlich originell, aber liebevoll erzählt. Schön finde ich die Sorge Surahs, dass die Boshaftigkeit Ophiras auf sie abgefärbt haben könnte, da sich ihre Flügel in der Zeit der Gefangenschaft verändert haben und sie auch einige Zauberkräfte übertragen bekam. Die tierischen Freunde der Elfen sorgen für Spaß und Vergnügen und können auch dramatische Szenen aufheitern. Meinen Töchtern (12 und 10!) hat die Geschichte gefallen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Buchcontact und dem Schneiderbuch Verlag für unser ersehntes Rezensionsexemplar.

Samstag, 9. November 2019

Wer die Nachtigall stört, Harper Lee, ungekürzt gelesen von Eva Mattes, Argon Verlag, 2 MP3 12 h 22 min



Wer die Nachtigall stört, Harper Lee, ungekürzt gelesen von Eva Mattes, Argon Verlag, 2 MP3 12 h 22 min

Alabama in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts: Die Geschwister Scout (getauft auf Jean Louise zu Beginn sechs Jahre alt) und ihr vier Jahre älterer Bruder Jem wachsen im liberalen Haushalt ihres Vaters, des Anwalts Atticus Finch und der schwarzen Haushälterin Calpurnia auf. Ihre Mutter verstarb, als Wildfang Scout noch ganz klein war, weshalb sie sich nicht mehr an sie erinnern kann. Rückblickend erzählt Scout, wie es eigentlich kam, daß Jems Arm und Hand nach einem komplizierten Ellbogenbruch schief verheilten. Eigentlich begann alles, als im Sommer bei der Nachbarin der siebenjährige recht exzentrische Dill einzog. Nachdem sie alle Theaterspiele durch geprobt hatten, zog der geheimnisvolle Nachbar Arthur (genannt Boo) Radley seine Aufmerksamkeit auf sich. Es wurde zur Mutprobe die Aufmerksamkeit des scheinbar unsichtbaren und vielleicht verrückten oder gefährlichen Nachbarn zu wecken. Doch dann wird das Interesse des Städtchens durch ein bislang beispielhaftes Verbrechen erschüttert. Ein bis dato unbescholtener Schwarzer, wird beschuldigt, die 19-jährige Tochter, eines weißen Tunichtguts vergewaltigt zu haben. Atticus wird von Richter Taylor die Pflichtverteidigung übertragen. Nun kippt auch die Stimmung der vermeintlich „ehrbaren“ Bürger gegen Atticus. Doch dieser folgt seinem Gewissen und seinem Sinn für Gerechtigkeit. Dies bringt er auch seinen Kindern bei und einige Nachbarn und Freunde sehen dies auch so. Die Prozessvorbereitungen heizen die Gemüter in den heißen Sommertagen an, ehe der Prozess sie zum Überkochen bringen könnte.


Dies ist eines meiner Lieblingsbücher und gewann 1962 den Pulitzerpreis. Es wurde schon kurz nach dem Erscheinen zu einem Welterfolg, der 1964 mit Gregory Peck verfilmt wurde. Vor Jahren habe ich es im Original gelesen und es geliebt. Für die Vielschichtigkeit seiner Themen, für seine Warmherzigkeit und Denkanstöße. Dadurch, dass es aus der Sicht eines Kindes erzählt wird, dachte ich, dass es ein gutes Familienhörbuch sei. Nach dem gemeinsamen Hören wollte ich mit den Kindern über Toleranz, Rassismus und Inklusion reden. Denn in diesem Klassiker geht es nicht nur um Vorurteile auf Grund der Hautfarbe. Es geht auch um die Vorurteile gegenüber Nachbar Arthur „Boo“ Radley, der einfach völlig anders ist, auch wenn die Kinder nicht wissen warum, denn sie sehen ihn ja nie. Was man nicht kennt oder sieht, kann manchmal eine unglaubliche Faszination ausüben. Eine Faszination, die Erwachsenen bisweilen entgeht, die kindliche Fantasie aber zu Höhenflügen ermutigt. So lernt man auch durch Scouts unvoreingenommenen Blick ihre Tante kennen, die eine echte Südstaatenlady ist, aber wenn man ihre Motive und ihr Verhalten mal genauer überdenkt, durchaus auch Anlass zu Kritik geben vermag. Ein wunderbarer Kontrast bildet hierzu die gewissenhafte Calpurnia, die das Richtige tut, auch wenn es gerade nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht. Sie ist gebildet: als eines von 4 Mitgliedern der schwarzen Gemeinde kann sie Lesen und Schreiben. So blickt man ins Herz der damaligen Südstaaten, die auch heute noch in einigen Köpfen weiterleben. Es ist ein einfühlsames Gemälde der damaligen Zeit, der Gesellschaft, ihrer Sitten und Gedanken, die auch von der Hitze des Landes geprägt wird. Immer wieder wird die Unerträglichkeit der Temperaturen betont. Es ist ein Gesellschaftsroman, eine Story of initiation (denn Scout und vor allem Jem reifen im Rahme dieser Geschichte unheimlich heran) und ein Justizkrimi in einem, ohne dass einem der relevanten Themen nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt würde, aber vor allem ist es ein leidenschaftliches Plädoyer für Toleranz, nicht nur im Hinblick auf den gelebten Rassismus.


Eva Mattes ist nun wirklich älter als 6 Jahre, immerhin lieh sie Tommy in den legendären Pippi Langstrumpf Filmen ihre Stimme, aber man hört es ihr nicht an. Ihre unglaublich warme Stimme klingt zeitlos und passt ebenso zu Scout als Kind, wie Vater Atticus oder der resoluten Calpurnia. Ihre Stimme umarmt die Charaktere, ohne sich zu verstellen. Sie trägt die Geschichte in all seinen Facetten und seiner Tiefe. Sie gibt ihr die Leichtigkeit der kindlichen Sicht und transportiert doch auch das Grauen und die Ernsthaftigkeit der Lage. Eine sehr gute und einfühlsame Wahl. Lediglich bei einigen wenigen Wörtern, habe ich etwas bei der Übersetzung gezuckt, da ich an zwei/drei Stellen andere Begriffe verwendet hätte. Insgesamt ist aber auch die Übersetzung sehr gelungen. Der Film wird ab 12 Jahren empfohlen, das Buch ab 14 Jahren. Da nicht alle Erzählstränge glücklich enden, sollte man wirklich bis mind. 12 Jahren warten...

Ein Werk für die Ewigkeit, über dessen ständige Verfügbarkeit für meine Ohren ich mich sehr freue und das ich dank der Interpretin auch noch mehrfach hören werde. Noch immer eines meiner Lieblingsbücher, da man es in verschiedenen Lebenslagen auch anders wahr- und aufnimmt.

Ein Meisterwerk für Ohren, Hirn und Herz.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Argon Verlag, für dieses geliebte Rezensionsexemplar.

Eine Hörprobe findet ihr hier:

Freitag, 8. November 2019

Wenzel und die wilden Räuber, Cornelia Franz, Illustrationen Sabine Wilharm, dtv junior



Wenzel und die wilden Räuber, Cornelia Franz, Illustrationen Sabine Wilharm, dtv junior

Die Waisenjungen Wenzel und Ulle leben mehr recht als schlecht im Kloster und müssen hart arbeiten, während die Oberen es sich gut gehen lassen. Eines nachts reicht es ihm und er reißt aus! Allerdings hat er ein schlechtes Gewissen, den zarten, zaghaften Ulle alleine zurückzulassen. Doch diese Sorge ist unbegründet, Ulle folgt ihm schon kurz darauf und will bei ihm bleiben. Sie wollen fortan als Räuber leben! Als sie ein Mädchen vor dem Ertrinken im Fluss retten, wächst ihre Räuberbande weiter an, denn schon bald gesellt sich auch noch ihr Bruder Jakob mit Pony dazu. Mit Bandenspruch begeben sie sich auf ihren ersten Raubzug und erbeuten nicht nur Geld, sondern auch eine Prinzessin als Bandenverstärkung. Diese denkt nämlich nicht daran, den ihr zugedachten alten reichen einfältigen Egbart zu heiraten! Dann doch lieber Räuberabenteuer erleben. Als die Kinder merken, wie schlecht es den Bauern in den Dörfern um ihre Räuberhöhle herum geht, beschließen sie mit ihnen zu teilen, von den bösen, gierigen Mächtigen zu nehmen, nur so viel zu behalten, wie sie brauchen und den Rest an Bedürftige zu geben. Dabei hoffen sie immer, Annes und Jakobs Vater zu finden, der von dem bösen Graf Fuchs von Kaltenbach überfallen wurde. Ein gefährlicher Gegner, vor dem man auf der Hut sein muss.


Eine schöne Geschichte für Kinder von 7-9 Jahren zum Vorlesen und für sehr geübte auch schon zum Selbstlesen. Die farbigen Illustrationen von Sabine Wilharm (der Schöpferin der Harry Potter Cover der deutschen Standard-Ausgabe) sind fröhlich, sehr schön und vor allem sehr zahlreich. Leider sind sie bisweilen früher abgedruckt, als der Teil der Geschichte, zu dem sie gehören, der erst auf der darauffolgenden Seite kommt. Das hat uns etwas verwundert.

Die Idee mit den Überfällen hat mir nicht so gefallen, ich hätte den Kindern ja gerne ein „Überleben im Wald-Buch“ geschenkt. Doch sind sie gutherzig und machen sich Sorgen um andere. Sie behalten nur was sie brauchen und verschenken ihre übrige Beute an Bedürftige. Dadurch werden aber auch ständig, neue waghalsige Überfälle nötig. Als Kind fand ich den Robin Hood Gedanken super und sehr gerecht. Meine Tochter (10) hatte damit auch keinerlei moralische Probleme. Die einen sind in Not, die anderen haben sich gierig mehr genommen, als ihnen zusteht, da wird ihnen wieder etwas abgenommen.... Sehr gut finde ich, dass die Kinder mit List und Tücke vorgehen, statt mit Gewalt. Das ist sehr witzig, besonders, wenn sie den einfältigen Verlobten von Prinzessin Elsbeth immer und immer wieder überfallen und ihn immer noch schaffen auszutricksen. Dabei sind die Kinder sehr vorsichtig und gegen wohl überlegt vor. Das wird sehr schön und anschaulich geschildert. Für Kinder sehr gut verständlich und nachvollziehbar. Jedes Bandenmitglied hat seine Stärken, die zusammen sie fast unbesiegbar machen. Jeder wird auf seine Weise geschätzt. Natürlich findet die Geschichte ein gerechtes und gut durchdachtes Happy End! Doch der letzte Satz, als es allen gut geht und sie glücklich und zufrieden sind, der mag spaßig gemeint sein, ist für mich aber ungerecht. Hätte ich besser aufgepasst, hätte ich ihn nicht vorgelesen. 

Meiner Tochter hat es als spannendes und lustiges Abenteuer gut gefallen. Dass es so zahlreich und farbenfroh illustriert ist, ist sicherlich auch ein Pluspunkt. Mir gefiel wie die extremen Unterschiede zwischen Arm und Reich damals dargestellt werden. Der Wert eines Laib Brotes, dessen Diebstahl mehr als nur Mundraub ist, sondern Familien aus Hunger ins Unglück stürzen kann, wird ganz deutlich. Aber keine Sorge, das ist ein Thema am Rande, denn es ist eine starke Freundschaftsgeschichte, über Zusammenhalt, Gerechtigkeit und Familie. Manchmal ist Familie nämlich auch die, die man sich dazu erwählt hat und einige leben am Besten mit der Natur, als unter Menschen. Außerdem ist es eine Liebeserklärung ans Lesen und Schreiben, einer Fähigkeit, die damals den Mönchen und einigen Adeligen vorbehalten war, den Geist aber öffnet und bereichert.

Ein schönes Buch, daß wir gerne gelesen haben.

Wir bedanken uns ganz herzlich beim dtv für unser Rezensionsexemplar.

Mittwoch, 6. November 2019

Der Weihnachtosaurus und die Winterhexe, Tom Fletcher, gelesen von Martin Baltscheit, DAV Verlag, 4 CDs 4 h 39 min.



Der Weihnachtosaurus und die Winterhexe, Tom Fletcher, gelesen von Martin Baltscheit, DAV Verlag, 4 CDs 4 h 39 min.

Vor einem Jahr ist William Trudel mit dem Weihnachtosaurus am Nordpol beim Weihnachtsmann gewesen. Gemeinsam haben der Junge im Rollstuhl, dessen Vater, der der größte Weihnachtsfan ist und der auffällige Saurier das Weihnachtsfest gerettet und das Glück von Vater Bob gefunden. Diesmal reisen William und seine Fast-Stiefschwester Brenda wieder gemeinsam zum Nordpol zum Weihnachtsmann, denn William hat Sehnsucht nach dem Weihnachtosaurus und der Weihnachtswelt. Brenda hat sich mittlerweile mit dem Weihnachtskonzept angefreundet und freut sich, nicht mehr auf der Liste der unartigen Kinder zu stehen. Endlich wird sie auch etwas vom Weihnachtsmann geschenkt bekommen. Doch was ist das? Nur William bekommt eine Weihnachtsbohne geschenkt, die man in den arktischen Permafrost oder den Tiefkühlschrank pflanzen muss, nachdem man seinen Herzenswunsch darauf gesprochen hat. Etwas eingeschnappt macht sie sich auf die Suche nach der Winterhexe, die für den Weihnachtsmann die Zeit anhält, damit dieser es schaffen kann, innerhalb nur einer Nacht alle Kinder der Welt zu beschenken. Doch irgendetwas ist aus dem Lot geraten, die Zeit kommt durcheinander und William und der Weihnachtosaurus müssen durch die Zeit reisen, um Weihnachten zu retten und einen gierigen Geschäftsmann aufzuhalten.

Mit Weihnachten im christlichen Sinn, hat diese Geschichte wenig zu tun, aber das kann man schon am Titel erkennen. Obwohl, die Macht des Glaubens und der Liebe als Gegensatz zu Gier und Eigennutz spielen hier durchaus eine zentrale Rolle. Auch hat William seiner ehemaligen Peinigerin Brenda verziehen und betrachtet sie fast als Schwester. Vor allem auf der ersten CD wird immer wieder Bezug auf den ersten Teil genommen, so daß man auch ohne Vorkenntnisse einsteigen kann. Besser durchdringen kann man die Welt der Weihnacht aber auf jeden Fall, wenn man den Anfang kennt. Wir empfehlen daher schon, sich beide Bände der Reihe nach anzuhören. 
 
Auch in diesem Teil kommen wieder die Weihnachtswichtel mit ihren aberwitzigen Namen vor, die nur in Reimen sprechen. Die Reime aus dem Englischen zu übersetzen hat Autorin Franziska Gehm,  vor einige Herausforderungen gestellt. Sie hat es aber ganz gut gelöst Inhalt und Reimschema in der Übersetzung beizubehalten. Sprecher Simon Jäger wurde dieses Mal von Martin Baltscheit abgelöst, der ihm alle Ehre machte, nur die Weihnachtswichtel gefielen uns in der alten Interpretation besser. Als Weihnachtsmann dröhnt und brummt er jedoch herrlich durch die offenen Weiten des Nordpols, wohlwollend und nachsichtig. Brendas Vater trieft die Gier und die Durchtriebenheit ebenso aus der Stimme, wie William der gute Glaube und der Eifer alles wieder ins Lot zu bringen.


Auch wenn die farbigen Illustrationen von Shane Deveries sehr bunt und fröhlich sind, ist dies kein Abenteuer für kleine Dinofans im Kindergartenalter. Die Geschichte ist zu lang, zu komplex und zu gefährlich für 5 jährige, wenn auch nicht so brutal wie Band 1. Hier bleiben diesmal alle am Leben und die Gierigen bekommen eine Lektion erteilt. Insofern finde ich den Inhalt diesmal deutlich weihnachtlicher, weil der Geist der Weihnacht die Geschichte durchdringt, ohne an Magie und Zauber zu verlieren. Es ist Weihnachtsfantasy in der britischen Tradition von C.S. Lewis (Narnia) und J.K. Rowling (Harry Potter). Ungefähr so aufregend und abenteuerlich kann man sich dieses Weihnachtsabenteuer auch vorstellen. Allerdings sitzt hier der Held im Rollstuhl, doch das ist nun einmal so, kein Grund das Leben nicht zu lieben oder sich zu bemitleiden. Diese Selbstverständlichkeit mit der William Trudel durch das Leben rollt, finde ich eine ganz starke Inklusionsbotschaft, denn immer wieder beim Hören schafft er es, einen vergessen zu lassen, das er anders ist und das nicht nur, weil er schon beim Weihnachtsmann war. William ist einfach er selbst, mit seinen Sorgen, Wünschen, dem Glauben an Weihnachten und seinem guten Herzen.

Ein starkes spannendes Weihnachtsfantasyabenteuer, das diesmal auch verzeiht und vergibt. Da geht bei allem Tempo die Weihnachtsbotschaft nicht verloren!

Wir bedanken uns ganz herzlich beim DAV für dieses weihnachtliche Hörvergnügen.

Hier könnt Ihr schon mal hineinhören:

Dienstag, 5. November 2019

Big Fat Notebook: Alles, was du für Mathe brauchst, das geballte Wissen von der 5. bis zur 9. Klasse, Loewe Verlag



Big Fat Notebook: Alles, was du für Mathe brauchst, das geballte Wissen von der 5. bis zur 9. Klasse, Loewe Verlag

Egal welches Bundesland, egal welcher Schultyp, alle Probleme in Mathe von der 5. bis zur 9. Klasse finden hier eine Lösung! Es gibt Definitionen, Lerntipps, Übungsseiten, Lösungen und Doodles. Für mehr Spaß mit Mathe, mehr Verständnis und bessere Noten! Das Buch ist bunt und auf Linien-/Rechenkästchenpapier gedruckt. Es erweckt daher wirklich den Anschein einer Mitschrift, mit vielen Tipps und Zeichnungen. Jedes Thema ist farblich von den anderen abgesetzt, so dass man sich mittels dieses Farbcodes schneller zurecht findet. Es gibt Übungsseiten, um das neue oder endlich verstandene Wissen zu üben, es gibt Prüfe Dein Wissen-Seiten und die Lösungen direkt im Anschluss, Multiple-Choice und Lückentexten.

Die Aufmachung spricht Eltern total an. Es sieht anders aus, nicht wie ein Mathebuch. Das müssen Kinder doch super finden! Weil dem so ist, wollte ich dieses Buch auch meinen Nachbarn (Ingenieur und Mathematikerin) stolz zeigen. Meine Nachbarin grinste und erklärte mir, sie hätten es schon, ihr Mann habe es in einer Buchhandlung in Düsseldorf gesehen und so toll gefunden, dass er es gleich gekauft habe! Sie fände es sehr gut gemacht, so anders, mit wirklich anschaulichen Darstellungen und zeigte mir begeistert die Illustration der rationalen Zahlen. Sie fände ja didaktisch die Amis schon sehr viel weiter. Sie selbst habe im Studium auch am liebsten mit amerikanischen Mathebüchern gearbeitet. Mein Fachleitergatte (das sind diejenigen, die Lehrer nach dem Studium mit der Realität sprich dem Schulalltag konfrontieren, Unterrichtsmöglichkeiten erarbeiten und die Stunden beurteilen) meinte, er kenne das, das läge bei ihnen im Seminar! Ich war so stolz auf meine Neuerscheinung und alle außer den Kindern, schienen sie schon zu kennen!

Die Kinder fanden die Aufmachung interessant. Beide griffen zu. Die Eine hat nicht auf Anhieb das Inhaltsverzeichnis gefunden, da erst eine Erläuterung zum Buch erfolgt. Dann hat sie willkürlich eine Seite aufgeschlagen, es war nicht ihr aktuelles Unterrichtsthema, damit wurde es zur Seite gelegt, mit dem Kommentar: Das ist viel zu dick und zu schwer, um es mit in die Schule zu schleppen. Zu dick und zu schwer, fand auch die Zweite. Aber sie meinte auch: das Buch erkläre ihr aktuelles Mathethema anders als der Lehrer und wende eine andere Methode an. Das bringt mich durcheinander, da ich es ja verstanden habe. Für Kinder, die den Stoff beherrschen, mag es irritierend sein, sie benötigen aber auch keine Nachhilfe. Wenn man aber die Erklärmethode des Lehrers nicht versteht, kann gerade eine andere Herangehensweise die Erleuchtung bringen. Logisch ist Mathe alle mal, man muss nur den Weg dahin finden. Gerade wenn Kinder unwillig sind, muss man als Eltern vielleicht mal mitdenken und den Kindern, die entsprechenden Seiten zum aktuellen Schulthema vor die Nase legen, so als Initialzündung, gegen den ursprünglichen Widerstand.

Das Inhaltsverzeichnis, ist inhaltlich gegliedert, wobei die Themen nicht unbedingt den Themenbezeichnungen jedes einzelnen Mathebuches im Schuldienst entspricht. Wer eh schon unwillig ist, gibt an dieser Stelle vielleicht schon lustlos auf! Ein Schlagwortverzeichnis könnte hier die Ausreden der Unwilligen schon im Keim ersticken. Ich habe schon einige Lernhilfen gesehen, die sich als frisch und modern empfinden und bei denen meine Tochter lediglich maulte: noch ein Schulbuch. Auch ich fand da eigentlich bei diesen Büchern keinen großen Unterschied zu den Lernmaterialien in der Schule, außer, dass ich 45 minütige Selbsttest zur Ermittlung des Wissensstands gerade bei unwilligen Schülern, an der Realität vorbei empfinde. Hier ist es anders. Es ist vom Format, der Haptik und der Darstellung tatsächlich anders, als die Materialien, die die Kinder wirklich schon aus der Schule her kennen. Oft bedarf es einfach einer anderen Herangehensweise, um Widerstände zu brechen. Das sehe ich hier wirklich als gegeben an. Da es ja gerade mit der Notizbuchoptik spielt und mehrere Schuljahre umfasst, kann man es auch gut für mehrere Kinder in einer Familie benutzen. Daher hätte ich mir Lesebändchen gewünscht, die zum Farbcode jedem Kind markieren, wo es stehen geblieben ist. Mehr Kritik habe ich aber nach dem Praxistest nicht.

Wie bei allem im Leben gilt aber auch hier: es gibt keine Wundermittel, der Besitz des Buches alleine hilft nicht, man muss schon reinschauen, sich mit dem Inhalt auseinander setzen und wollen!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Agentur Literarturtest und dem Loewe Verlag für unser Rezensionsexemplar. 

Montag, 4. November 2019

Meine Erlebnisse auf der FBM19 mit Kinderbuchautoren.



Meine Erlebnisse auf der FBM19 mit Kinderbuchautoren.

Natürlich habe ich auf der Frankfurter Buchmesse nicht nur Krimiautoren getroffen, sondern auch inderbuchautoren, oder solche, die eben auch beides vermischen, wie Andrea Schomburg, die ich zum Mittagessen traf. Andrea, die Lyrik und Reime liebt, hat zuletzt großen Erfolg mit dem Thema „Banküberfälle“ gehabt. Ich sprach sie darauf an, dass sowohl in „Die besten Tantenretter der Welt“, als auch in „Herzensbruder, Bruderherz“ auf sehr unterschiedliche Weise dieses Thema aufgegriffen wurde und ich jedes Mal beim Lesen das Lied „BabaBanküberfall“ von der EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung) im Ohr gehabt habe. Sie erzählte mir daraufhin, dass beide Bücher auf eine Erfahrung vor vielen Jahren (ja, das Lied ist schon was älter) zurückgingen, als sie mit der Theater AG an der Schule ihres Sohnes ein Theaterstück entwickelt habe, dessen Thema in beiden Büchern in veränderter Form aufgegriffen wurde. Sie könne sich noch gut daran erinnern, wie damals ein kleines zartes Mädchen auf der Bühne stand und zum Gangster „Junger Mann, stellen Sie sich gefälligst hinten an!“ skandierte. Dieses Stück blieb ihr für immer im Gedächtnis und reifte in ihr zu zwei völlig unterschiedlichen Geschichten heran:

Einmal einem Roman über Ehrlichkeit, Freundschaft und Familie „Herzensbruder, Bruderherz“ (Tulipan 2019),  in dem die Hauptperson Luise heimlich einem Jugendtheater beitritt, das selbstständig ein Musical entwickelt über eine arme alte Dame, die aus Verzweiflung Bankräuberin wird.
Und einem Kinderkrimi der besonderen Art: „Die besten Tantenretter der Welt“ (Hummelburg Verlag 2019). In diesem Krimi begeht die Tante gleich zu Beginn, recht ungeplant, aus Geldknappheit, einen Banküberfall. Ihre Neffen sind entsetzt und versuchen ihn rückgängig zu machen. An ihrem Fluchtort ereignet sich dann noch ein weiterer Überfall, den die Kinder schleunigst aufklären müssen, um die Aufmerksamkeit der Polizei von ihrer Tante abzulenken...
Ein Thema, zwei völlig unterschiedliche Bücher und ein sehr hartnäckiger Ohrwurm. Sehr lebhaft war Andreas Schilderung der Buchentwicklung über Jahre hinweg aus einer alten Idee, die der Zeit und den neuen Einfällen angepasst wird und so gut ist, dass ein Buch alleine nicht ausreicht. Außerdem durfte ich von Andrea noch erfahren, wie sie ihre Ideen entwickelt, wie sie  schreibt, den Verlagen bisweilen Exposés mit Probeseiten präsentiert und bisweilen auch bereits fertige Werke.,
Da sie auch lange Jahre als Englisch- und Französisch Lehrerin arbeitete, unterhielten wir uns noch darüber, dass ich eigentlich vorhatte, mit meiner Familie eines meiner Lieblingsbücher auf Deutsch zu hören „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee. Dass ich aber schon bei der Erklärung gegenüber meinen Töchtern ins Straucheln geriet, zum einen, weil mir für einige Wörter keine adäquate Übersetzung einfiel und weil ich Schwierigkeiten hatte, einer 10-jährigen das vorgeworfene Delikt „Vergewaltigung“ zu erklären. Ich stellte fest, dass Andrea noch ganze Passagen des Originaltextes aus dem Kopf zitieren kann und hatte große Freude an der Diskussion über „White Trash“/“Weißes Pack“ und den Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Gesellschaftsstrukturen zur Entstehungszeit des Buches. Es war ein wirkliches Vergnügen. Ach ja, das Hörbuch  „Wer die Nachtigall stört“ habe ich nun alleine gehört und warte noch 2 Jahre, bis die Jüngste älter ist...
 Außerdem bin ich noch bei Edition Pastorplatz von Mele Brink und Bernd Held vorbei gegangen, da ja Bilderbücher im Original noch viel schöner sind, als nur in Verlagsvorschauen. Inzwischen hat sich mit „Waschanlage für Schutzengel“ von Petra Steckmann auch ein kleiner erfolgreicher Kinderroman (mit Lesebändchen) ins Programm geschlichen.... bei dem es mich richtig in den Lesefingern juckt.

Abends auf der Kinderbuchparty in der Stadt zu der mich Rüdiger Bertram einlud, traf ich sowohl Andrea, als auch Mele Brink wieder. Doch als erstes sah ich Anja Janotta, nach der ich auf der Messe die Augen vergeblich offen gehalten hatte! Es war sehr schön, sie wieder zu treffen und von ihren neuen Plänen zu hören (Pst, geheim). Zu uns an den Tisch setzte sich noch Stefanie Gessner (links Mitte), deren Heldin Lil April ich feierlich verspreche nicht mehr falsch auszusprechen (nein, nicht Englisch sondern Deutsch!). Leider ist diese Reihe auch abgeschlossen und wir sind auf Neuigkeiten gespannt. Beide Autorinnen wollen ihr neues Buch nun erst einmal beenden, ehe sie einen Verlag suchen, damit es in Ruhe Gestalt annehmen kann.

Das Büffet war lecker und im Freien. Als alte Frostbeule saß ich natürlich in der Kneipe und frostunempfindlichere Autorinnen und Autoren dann draußen ;) Natürlich kamen auch die recht ortsnahen Jochen Till und Raimund Frey (Illustrator) hinzu.  Auch die Autoren des Südpol Verlag Gerlis Zilgens und Uwe Becker mischten sich unter die Gäste. Auf jeden Fall hatten Solveig (Siraelia) und ich einen tollen Abend unter Kinderbuchautoren und Bloggern, der zum Teil mal wieder von den bestofworkingmum Töchtern fotografisch festgehalten wurde (Andrea und ich hatten sie schon vorher beim Tulipan Verlag als Fotografinnen angeheuert).

Samstag war es auf der Messe so voll, daß an ein nettes Treffen eigentlich nicht zu denken war und man nur schauen konnte, wo eigentlich die Kinder gerade steckten. Dabei entdeckten wir am Stand des Jumbo Verlages die Schöpfer der Nordsee Detektive Klaus-Peter Wolf (der aber auch Krimis für Große schreibt) und Bettina Göschl (inzwischen Liedermacherin und freie Autorin und regelmäßig zu Gast beim KiKa „Sing-Alarm“). Nachdem letztes Jahr der 5. Band „Die Nordseedetektive. Der versunkene Piratenschatz“ den HÖRkulino-Publikumspreis gewonnen hat, gehen die Küstenabenteur um die pfiffigen Kids Emma und Lukas mit „Die Entführung“ in die 7. Runde. Diesmal mit einem ganz ungewöhnlichen Fall: Die zwei werden ausgerechnet von den Gangstern Lang und Finger beauftragt, ihre Unschuld zu beweisen, denn sie werden verdächtigt, ein Baby entführt zu haben! Das geht gegen ihre Ganovenehre! Sehr geduldig und entspannt standen die Schöpfer dieser Kinderkrimis am Stand waren sich für kein Foto zu schade und beantworteten freundlich Fragen.


Am Stand der Deutschen Krebshilfe trafen wir noch Dr. Sarah Herlofsen und Dagmar Geisler, die dort ihr Buch „Wie ist das mit dem Krebs?“ vorstellten. Als Wissenschaftlerin ist es Sarah Herlofsen ein Herzenswunsch Kindern Ängste zu nehmen und Wissenschaft begreiflich zu machen. Krebs ist inzwischen eine Volkskrankheit, aber inzwischen nicht zwangsläufig tödlich. So erklärt sie zu Illustrationen von Dagmar Geisler, was denn da im Körper so passiert, woran man es erkennen könnte und was es für Möglichkeiten gibt. Ein umfangreiches Nachwort für Erwachsene gibt diesen Tipps im Umgang mit Kinderfragen. Die vierfache Mutter, die mittlerweile in Norwegen lebt und arbeitet, ging sehr freundlich und offen auf die Kinder ein und ermutigte sie, sich selbst mit Naturwissenschaften zu beschäftigen. Damit hat sie bei Franziska offene Türen eingerannt, denn noch hat sie sich nicht entschieden, ob sie Erfinderin oder Forscherin werden möchte. Das Interview mit Dagmar Geisler  zu „Mein Körper gehört mir!“ ist schon online. Die Rezension zu diesem Buch folgt in Kürze!

Es war wieder eine Zeit voller Eindrücke, von denen wir alle noch eine Weile zehren werden. Wie immer gilt: Nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse! Jetzt freuen wir uns erst mal auf Käpt'n Book in Bonn.

Samstag, 2. November 2019

Luna Wunderwald (5) Ein Luchs mit Liebeskummer, Usch Luhn, gelesen von Julia Nachtmann, Jumbo Verlag 1 CD, 76 Minuten



Luna Wunderwald (5) Ein Luchs mit Liebeskummer, Usch Luhn, gelesen von Julia Nachtmann, Jumbo Verlag 1 CD, 76 Minuten

Worum es in der Reihe geht:
Luna ist sehr glücklich seit dem Einzug mit ihren Eltern in das alte Forsthaus. Auch wenn das Haus alleine im Wald steht, hat sie inzwischen richtig gute Freunde in Jonas, Melodie und Caspar gefunden, die auch in ihre Klasse gehen. In einem Versteck in ihrem Dachzimmer hat sie eine Zauberflöte gefunden, mit deren Melodien sie die Sprache der Tiere verstehen kann. Dieses magische Instrument funktioniert nur, solange es niemand in die Hand nimmt, der jemals ein Tier gequält halt. Luna ist sehr besorgt, dass ihr schroffer Flötenlehrer Julius Jupiter, der Onkel ihrer Freundin Melody, diese in die Hand bekommen könnte.
Im aktuellen Band wird es Winter und Luna freut sich auf Schnee im Wald. Dann erfährt sie von den Tieren, dass ein Winterquartier für bedrohte Luchse im Sommerwald eingerichtet werden soll, das ihr Vater versorgen soll. Die Tiere sind in tiefer Sorge, aber Luna ist ganz aufgeregt, da sie Luchse wunderschön findet und sie sehr stark bedroht sind. Doch nicht nur die Tiere stehen diesen Plänen kritisch gegenüber, auch der Opa ihres Freundes Jonas ist in Sorge um seine Hühner und Julius Jupiter ist noch feindseliger als sonst. Als die Tiere endlich eintreffen, muss Luna feststellen, dass der kleine Luchs mit den hellgrünen Augen ganz traurig wirkt. Mit Hilfe ihrer Zauberflöte erfährt sie, dass er seine Freundin vermisst, die in seinem Heimatwald zurückgeblieben ist. Ob Luna ihm helfen kann?
Meine Tochter (10) liebt diese Reihe sehr. Es geht um Freundschaft, wobei alle Freunde von Luna schon etwas ganz Besonderes sind. Sie eint jedoch die Liebe zur Natur, zu den Tieren und die Abenteuerlust. Dabei stehen in jedem Band die Sorgen eines ihrer Freunde im Vordergrund und vor allem eine Tierart. 


Diesmal geht es um die bedrohten Luchse, so dass man gerade in der Diskussion um die Ängste vor diesen Tieren auch eine Menge über diese Art erfährt. Wie immer stellt die junge Hörerin fest, dass viele Ängste sich als unbegründet herausstellen, sobald man nur besser informiert ist. Anfangs waren sich die Kinder nicht alle auf Anhieb sympathisch, aber jetzt, da sie sich gut kennen, ist das alles kein Problem mehr. Das finde ich sehr ermutigend für Kinder und zeigt ihnen, dass es sich immer lohnt, anderen eine zweite Chance zu geben und sie besser kennenzulernen.
Luna ist total sympathisch und dank ihrer Flöte hat sie die bewundernswerte Fähigkeit, die Sorgen und Nöte der Tiere zu verstehen. Da die Tiere alle wissen, dass sie nur ihr Wohlergehen im Sinn hat, helfen sie ihr auch immer wieder gerne. In diesem Band erfährt man zudem auch viel über die Vergangenheit des Sommerwaldes und seiner Bewohner. Julius Jupiter, vor dem Luna doch etwas gruselt, wird nun nahbarer. Er war einst der beste Freund des Mädchens, das vor Luna die Zauberflöte besaß. Aber ob das ausreicht, ihm das Vertrauen zu schenken?
Gefühlvoll verleiht Julia Nachtmanns Stimme diesem magischen Abenteuer rund um Kinderträume und Tiernöte eine warme hoffnungsvolle Note, die noch durch das zauberhafte Flötentrio unterstützt wird. Immer wieder weht die magische Flötenmelodie durch den Wald und knüpft ein Band zwischen Luna und den Tieren. Wenn man die Augen schließt, kann man sich das richtig gut vorstellen. Daher ist diese Reihe sehr gut zum Einschlafen geeignet. Das soll nicht heißen, dass sie langweilig ist, oh nein! Aber sie lädt zum Träumen ein und durch die Harmonien der Flöten weiß auch das Unterbewusstsein, dass alles gut werden wird, auch wenn es gerade mal etwas brenzlig ist.
Das Hörbuch ist zudem sehr liebevoll gestaltet, nicht nur der Tonträger, der ein Bild des kleinen Luchses zeigt, auch die Hülle und das Booklet. Nimmt man den Tonträger heraus, sieht man eine Illustration von Lisa Brenner, die einen Blick in das winterliche Forsthaus wirft. Alles ist trubelig und heimelig zugleich. Im Booklet werden zudem die wichtigsten Personen der Reihe mit Portrait vorgestellt. Dadurch kann man auch als Neueinsteiger in die Reihe schnell hineinfinden und den Zauber von Luna und ihrer Flöte erleben.

Wir bedanken uns ganz herzlich beim Jumbo Verlag für dieses Herzenshörbuch!

Hier geht es zur Hörprobe:

Freitag, 1. November 2019

Just share it! Veronica Frenzel, Fotos Agata Szymanska-Medina, Knesebeck Verlag



Just share it! Veronica Frenzel, Fotos Agata Szymanska-Medina, Knesebeck Verlag

Umweltschutz ist gerade das große Thema, aber die Wenigsten denken dabei an Konsumeinschränkung und Rettung vor der Vernichtung. Damit meine ich die Rettung von Lebensmitteln oder Reparieren statt Neukauf, Tauschen, Schenken, Leihen..... Alles Vorgänge die für die Kriegs- und Nachkriegsgeneration noch selbstverständlich waren, die aber leider inzwischen bei Vielen in Vergessenheit geraten sind.
Dieses Buch erinnert daran, gibt Inspiration, zeigt Möglichkeiten auf und bietet Internet-Adressen. Um die Übersicht nicht zu verlieren ist das Buch wie folgt gegliedert:

# 1 Food
# 2 Fashion
# 3 Daily Life
# 4 Mobility
# 5 Living
# 6 Kids
# 7 Books & Art

Vieles von dem hier gezeigten, ist bei uns auch heute selbstverständlich, wenn auch sicherlich nicht so kosequent, wie hier aufgezeigt. So haben wir z.B. keinen Wäschetrockner, Wäsche trocknet nämlich auch ganz von alleine, ohne zusätzlichen Energieaufwand. In Notfällen habe ich aber eine Mutter, die einen Trockner nach einem Parasitenbefall im Urlaub anschaffen musste (Krätze erfordert tägliches Betten abziehen) und eine nette Nachbarin, aber wirklich nur in Notfällen (Magendarminfekt bei mehreren Familienmitgliedern).
Unsere glutenfreie Fritteuse macht bei Kindergeburtstagen die Runde, da sie speziell für solche Anlässe angeschafft wurde, da zwei Kinder in der Klasse unter Zöliakie leiden.... Wir verleihen sie, dafür wird sie wo anders untergestellt, denn wir haben nicht so viel Platz.... Auch bei Gartengeräten funktioniert das Gerätesharing wunderbar und ist sehr platzsparend. Wenn man mal genauer darüber nachdenkt, fällt einem einiges ein und dieses Buch hat noch mehr Ideen.

# 1 Food: So ist es für uns und meine Eltern und Nachbarn selbstverständlich, zu große Ernteerträge mit Nachbarn, Freunden und Verwandten zu teilen. Fehlen mir Eier oder andere Zutaten, gehe ich gerade zu meiner Nachbarin. Wir können immer wieder darüber lachen, wie lange diese bisweilen abgelaufen sind, und verwenden sie unter vorheriger Kontrolle dennoch (mein über 15 Jahre altes Vanillepuddingpulver hat den Test nicht bestanden... ich mag keinen Kochpudding ;)). Foodretter-Läden gibt es auf dem Land nicht, nur Tafeln, für die wir uns nicht qualifizieren. Man kann Essen aber auch anders vor der Verschwendung retten und damit ist nicht nur der Kompost gemeint. Hier gibt es z.B. Rezepte um Lebensmittel zu retten z.B. das Rezept „Scheiterhaufen“ eine Art „Arme Ritter“ mit Äpfeln (man kann hierfür sowohl altbackene Brötchen, als auch angegammelte Äpfel bzw. Fallobst verwenden – lecker). Gerade bei Brötchen/Brot ist es sehr einfach zu erkennen, ob es noch genießbar ist. Das Rezept hat sehr gut geklappt und war auch wirklich lecker. Der Esel meines Kollegen war etwas traurig, denn wenn ich gerade keine Zeit habe, bekommt er unser altes Brot sonst immer.
Für diejenigen die keinen Foodretter-Supermarkt vor Ort haben, gibt es aber Foodsharing Internet-Adressen. Jedes bisschen hilft, auch wenn man nicht immer konsequent sein kann, aber alleine, dass man ein Vorbild ist und anderen von den Möglichkeiten erzählt kann ansteckend wirken und den Effekt vergrößern.

Zu jedem Thema werden Beispiele gebracht, Verwendungsmöglichkeiten und auch Menschen zu Wort kommen gelassen, die aus ihrer praktischen Erfahrung berichten, so dass man gar nicht erst auf die Idee kommt, sich mit „das klappt doch eh nicht“ herauszureden.
#Kleidung: Einige der hier vorgeschlagen und vorgestellten Ideen sind für viele Familien ziemlich selbstverständlich, wie der Einkauf auf Secondhand-Kinder-Flohmärkten und über Kleinanzeigen Portale. Doch warum nur für Kinder? Da wir mangels Trockner sehr viele Kleidungsstücke haben, auch weil ich die Maschine erst anstelle, wenn sie auch voll ist, sind nicht alle neu gekauft. Wozu auch! Ich liebe Vielfalt, aber bitte nicht auf Kosten der Umwelt.
Allerdings muß ich einräumen, daß es ist der Anonymität der Großstadt bisweilen einfacher ist den Kauf eines gebrauchten Fahrrads oder Kleiderschranks durchzuziehen, als in der Kleinstadt. Denn warum um alles in der Welt kauft die Anwältin einen gebrauchten Schrank oder ein Fahrrad? In der Großstadt hätte ich diese Erklärungsnot nicht, aber auch nicht den Effekt, daß ich sage „ach ich brauche gerade dies und das“ und z.B. im Schwimmbadcafé der wartenden Eltern, jemand meint, XY hat das gerade abzugeben.

Es gibt Anregungen zum Kleidungsupcycling, Kleidertauschparties und ähnliches. Mein Tipp: Nähkurse sind prima Ferienbetreuungen für Kinder ab 8-9 Jahren, meine Töchter lieben es und ich habe nicht die Zeit und Geduld nähen zu lernen ;)

Außerdem ist die Aufmachung richtig ansprechend. Das Buch kam an, wurde ausgepackt, auf den Tisch gelegt und jeder der reinkam, griff sofort danach.... Es gibt wirklich viele Ideen, Bilder von Beispielen, die wirklich ansprechend aussehen und Fotos von Menschen, die die Vorschläge praktizieren. Und ganz ehrlich. Wer genau hinsieht, wird auch in seiner Nähe viele Möglichkeiten entdecken, wie z.B. Reparaturcafés, da man ja nicht jedes Gerät gleich wegschmeißen muss. Was sich nicht reparieren lässt, bietet aber vielleicht Ersatzteilnachbestellmöglichkeiten an. So habe ich gerade im Internet den Quirl für den Induktionsaufschäumer nachbestellt. Die Teile entmagnetisieren sich bei uns immer, wohl wegen Stress oder schlechter Behandlung. Inzwischen haben wir endlich ein Gerät, bei dem man die Einzelteile nachkaufen kann! Das finde ich sehr lobenswert!

Ein sehr kurzweiliges und gut geschriebenes Buch, daß sich auch als Coffee-Table Book eignet. Es ist ansprechend und man kann es auf jeder Seite aufschlagen und sich spontan in diese vertiefen. Man kann es kreuz und quer, von vorne nach hinten oder umgekehrt lesen, oder einfach nur gezielt nach aktuellen Bedürfnissen.

Ein wirklich tolles Buch, auch für diejenigen, die nicht ganz konsequent sind. Die Zukunft freut sich über jeden Beitrag, doch je mehr, desto besser!

Vielen lieben Dank an den Knesebeck Verlag, der mit diesem Rezensionsexemplar die Aktion #bloggerforfuture unterstützt!