Donnerstag, 21. März 2019

Friends & Horses (4) Flussgalopp und Sommerküsse, Chantal Schreiber, BoD



Friends & Horses (4) Flussgalopp und Sommerküsse, Chantal Schreiber, BoD

Nach dem Besuch in der Stadt bei Iris und der Familie von Rosas verstorbenen Vater, genießen Rosa, Daisy und Ollie (alle 3 14 Jahre) die letzten Tage der Sommerferien. Eigentlich eine herrliche Zeit zum Genießen, doch die Ereignisse überstürzen sich und Rosa hat das Gefühl, daß das Schicksal sie irgendwie auf dem Kieker hat. Finn lädt sie für die zwei letzten Wochen auf die Meeresforschungsstation seines Vaters nach Griechenland ein, damit sie noch mehr Zeit miteinander verbringen können, ehe er sein Umweltschutz-Studium in den USA beginnen wird. Das Hotel wurde heimlich wegen zu geringer Rendite verkauft. Nun soll das Konzept geändert und die Pferde verkauft werden. Doch nicht nur Rosa bangt um ihre geliebten Pferde Fanny und Sokrates, auch ihre Mutter bangt um ihren Job. Als wäre das noch nicht genug, scheint die Liebe in der Luft zu liegen und für einige Peinlichkeiten und Verwicklungen sorgen.

Endlich wieder zurück im Grillental, wo das Ende des Sommers mit heftigen Sommergewittern naht. Das passt ziemlich gut, zu unserer aktuellen Wetterlage. Allerdings ist bei uns nicht so viel los, wie bei Rosa und ihren Freunden. Dort überschlagen sich in diesem Band bisweilen die Ereignisse. Allerdings nie so, daß es zu viel wird, sondern einfach in der Art, daß diesmal wirklich sehr große dramatische Spannung aufgebaut wird. Kaum hat man den Eindruck, daß es für Rosa endlich bergauf geht, scheint die Hoffnung wie ein Kartenhaus in sich zusammen zu fallen. Zum Glück hat Rosa in ihrem bisherigen Leben genug innere Stärke aufbauen können, durch ihre liebevolle Uroma und ihre alleinerziehende Mutter und ihre Freunde seit Sandkastentagen, daß sie nicht gleich daran zerbricht. Das wäre auch zu schade, da sich in diesem Band letztendlich alles zu fügen scheint, auch wenn alles in Bewegung ist und alles, was Rosa als gegeben ansah sich ändert.

Friends and Horses ist eine wunderbare Reihe, die die Themen Freundschaft, Familie, Liebe und Pferde kombiniert. Als Jugendbuch geht es um Erwartungen und Entwicklungen, auch wenn die Reihe bislang nur diesen einen Sommer umspannt, so ist es der Sommer in der Rosa nicht altersgemäß, sondern aufgrund der Erfahrungen die sie machen muß und darf, reift und erwachsen wird, mit nur 14 Jahren. Aber wenn man alleine mit seiner Mutter und Urgroßmutter und Tante aufwächst, dann muss man sich ganz anderen Anforderungen stellen, als ihre Freundinnen Iris und Ollie, denen es nie an irgendwas fehlte. Na ja, da Ollies Mutter bei einem Unfall starb, als sie noch klein war, versucht der Vater den Verlust auszugleichen, indem er sie auf Händen zu tragen scheint. Dennoch verbindet das reiche Mädchen so eine Menge mit Rosa, neben der Pferdeliebe und Daniel, Rosas bestem Freund seit Sandkastentagen. Ollie und Daniel haben im Blumenkleeblatt die erste richtige Beziehung, oder versuchen es zumindest. An diesen Versuchen nimmt man teil und schmunzelt, weil Fehler einfach dazu gehören, aber als Außenstehender würde man ihnen gerne mal einen Schubs geben. Zum Glück übernimmt das Rosa. So haben alle Mädchen ihre speziellen Liebesnöte und es zeigt sich, daß Liebe nicht kommt und selbstverständlich ist, man muß sich auch auf den anderen einlassen und für das interessieren, was den anderen interessiert, oder es zumindest versuchen. Dabei ist es hilfreich, wenn man bis dahin zumindest weiß, wer man ist und was man mag.

Neben diesen Beobachtungen in Liebesdingen und den Einblicken in die Pferdewelt gefallen mir besonders die Zitate von Sokrates, in diesem Fall mal nicht Rosas Pferd, sondern der Philosoph, der hier einen Quell wunderbarer Gedankenanstöße liefert.

In diesem Band verbindet Chantal Schreiber, die selbst reitet und vegan lebt, wie Daisy, wieder gekonnt eine angenehme sprachliche Leichtigkeit, mit einer hochemotionalen und spannenden Geschichte, die ich jede Minute genießen konnte, wenn ich nicht gerade ein Tränchen aus dem Augenwinkel wischen mußte...

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Chantal Schreiber, die ein Erbarmen mit den Fans der Reihe hatte und den 3 Bänden aus dem Schneiderbuch Verlag noch einen 4. Band in Eigenregie nachfolgen ließ, der ein wunderbarer möglicher Abschluß der Reihe wäre, die nach Band 3 noch einfach völlig unbeendet gewesen war. Die Reihe ist einfach wunderschön und verdient es, daß Rosa und ihre Freundinnen freudig der Zukunft entgegenblicken können.

Dienstag, 19. März 2019

Fibi und ihr Einhorn (5) – Achtung Einhorn!, Dana Simpson, Ullmann Medien




Fibi und ihr Einhorn (5) – Achtung Einhorn!, Dana Simpson, Ullmann Medien
 
Fibi und ihr Einhorn Maiglöckchen wollen sich auf Halloween vorgebereiten und sich ein Partnerkostüm ausdenken. Für ein Mädchen und ein Einhorn keine so leichte Entscheidung, findet Fibi, Einhorn Maiglöckchen, sieht dies natürlich anders! Außerdem gibt es da ja auch noch diese lästigen Kobolde, die wohl gerade schwer angesagt sind und dem Einhorn gerade den Rang auf der Coolness-Skala ablaufen. Da gilt es sie alsbald wieder loszuwerden. Da müssen sich die zwei ganz schön was einfallen lassen, oder? Maiglöckchen hat einen ständigen Drang Fibi zu übertrumpfen, aber zum Glitter noch mal, ohne Einhorn ist es Fibi ganz schön langweilig!
Das Buch glitzert, es handelt von einem Einhorn – aber es ist nicht pink! Das sollte einem doch mal zu denken geben und richtig, es ist nicht ganz das, was man sich sonst so unter einem Glitzer-Einhorn-Mädchen-Comic vorstellt. Denn Einhorn Maiglöckchen ist ganz schön frech, eitel und definitiv nicht auf den Mund gefallen! Fibi hat alle Hände voll mit ihr zu tun.
Dieser Comic ist sehr frech und sehr witzig! Auf keinen Fall so „mädchenhaft“ wie man meinen könnte. Dabei richtet er sich nicht an ganz kleine Mädchen, da diese die Ironie noch nicht verstehen würden. Ich hatte anfangs Bedenken, ob Kinder den Humor immer verstehen, aber diese Sorgen waren völlig unbegründet. Die Illustrationen offenbaren auf den ersten Blick worum es geht und unterstreichen die Geschichte.         
Meine Tochter (9,5) hat diesen Comic verschlungen. Sie fand den Anfang unglaublich spannend! Sie wollte natürlich nicht nur wissen, für welches Kostüm sich die zwei nun entscheiden, sondern auch, wie es denn letztendlich aussieht. Man hörte sie kichern und sah sie nicht mehr. Comic-Romane sind ihr bisher bekannt, aber einen Comic hat sie noch nie gelesen. Es hat ihr ausgesprochen gut gefallen und sie hätte direkt im Anschluß noch einen Band lesen können.
Sprachlich ist er für Kinder um die 10 Jahren gut verständlich. Er beschränkt sich nicht auf Lautsprache, sondern regt wirklich durch ganze Sätze zum Lesen an. Dabei ist der Textumfang allerdings geringer als bei den belgisch/französischen Altmeistern, doch literarischer als bei Donald und Co. Das zeigt sich auch daran, daß direkt beim Aufschlagen des Taschenbuches die Kinder auf das Glossar mit Worterklärungen im Anhang hingewiesen werden wie z.B. Depression wobei auch immer die Wortfunktion mitgenannt ist z.B. Depression: Nomen/Zustand tiefer Traurigkeit, die man nur mit Hilfe überwinden kann. Das ist gut verständlich und der Wortschatz wird spielerisch/spaßig erweitert. Meine Tochter fand das total hilfreich, weil sie auch bei anderen Wörtern wie z.B. Analogie oder ephemer nicht immer nachfragen musste und es einfach schneller und einfacher ging.
Mit der Fibi & ihr Einhorn-Reihe ist Dana Simpson ein New York Times Bestseller gelungen, einfach weil diese Comic-Reihe sie an die Comic-Leser-Minderheit Mädchen richtet und dabei richtig frech und frisch ist! Das ist schon was Besonderes und hat die Aufmerksamkeit verdient.
Eine witzig freche Reihe, die es schaffen dürfte auch bei ausgewiesene Lesemuffeln Spaß an Sprache zu wecken und auch mal ein unbekanntes Wort nachzuschlagen, die aber auf jeden Fall zum Lachen bringt!
 
Ich, aber auch und besonders meine Jüngste, bedanken uns ganz herzlich bei Ullmann Medien für dieses absolut kurzweilige Rezensionsexemplar!

Sonntag, 17. März 2019

Mach dieses Buch zum Bienenhaus und 19 weitere Experimente und Aktivitäten, um die erstaunliche Welt der Bienen zu erforschen, Lynn Brunelle, Anna-Maria Jung, h.f. Ullmann Verlag



Mach dieses Buch zum Bienenhaus und 19 weitere Experimente und Aktivitäten, um die erstaunliche Welt der Bienen zu erforschen, Lynn Brunelle, Anna-Maria Jung, h.f. Ullmann Verlag

Die Bienen sind wichtig, doch sie sind bedroht, in Bayern gibt es ein Volksbegehren zum Schutz der Bienen, aber es lebt ja nicht jeder in Bayern und dennoch kann jeder etwas tun. Ja ich weiß, ich pflanze leckere Blumen, spritze kein Gift, habe ein Insektenhotel, das kein Insekt zu interessieren scheint....

Daher: erst mal Informieren! Klar mein Kollege ist Imker und wir sind nicht völlig ahnungslos, aber wahrscheinlich habe ich auch einfach zu hohe Erwartungen gehabt. Denn, die besten Bestäuber sind gar nicht die Honigbienen in ihren großen Schwärmen, sondern die solitär lebenden Mauerbienen, die gar nicht in großen Populationen leben! Darüber habe ich mir bisher keine Gedanken gemacht. Weil ich damit wahrscheinlich gar nicht so alleine bin, werden erst einmal die wichtigsten Bienenarten vorgestellt, wie sie wohnen, wie sie nisten, was sie lieben. Da beginnt es mir langsam zu dämmern, daß ich wahrscheinlich schon längst nicht nur Besuchsbienen habe, sondern auch eigene Bienen, die ev. Im verrottenden Baumstumpf nisten (der Kratzbaum unserer Katze), in der Brombeerhecken, im Kaminlagerholz, dem Kletterbaum, der Natursteinmauer, Im Komposthaufen, der Hecke... in einem naturnahen Garten gibt es 1000 unauffällige Möglichkeiten, denn viele Sorten leben in Gängen die sie ins Holz graben. Überall, nur nicht in unserem neuesten Insektenhotel, das aus einem Schulprojekt meines Mannes stammt. Das hat den Naturgewalten nicht stand gehalten und nun liegen überall im Moos Bambusröllchen... Tja, hätte ich dieses Buch schon früher gelesen, wäre das nicht passiert! Dieses Buch ist so konzipiert, daß man es zerstören und aus dem Schutzumschlag quasi eine Wabe bauen kann, in die man selbst gebastelte Röllchen aus dem Bastelbögen im hinteren Teil des Buches schiebt. Wie dies genau geht steht auf S. 50. Eine originelle Idee, aber die Autorin Lynn Brunelle hat wohl geahnt, daß viele Menschen Hemmungen haben werden, dieses schöne Buch zu zerstören. Daher macht sie noch andere ganz einfache Vorschläge. Man kann zum Beispiel eine Plastikflasche aufschneiden, den Grund mit Modelliermasse oder Knete bedecken,  Bambusröllchen oder Kunststoffstrohhalme hinein stecken, bis es ganz eng ist und in der Modelliermasse/Knete fixieren. Wird das Bienenhaus nun vom Sturm geplagt, fallen nicht gleich alle Röhrchen raus und die Bienen bleiben geschützt. Man kann auch Tontöpfe oder Mauersteine nehmen.... Moose und verschiedene Hölzer verwenden. Wer mal mit der Rosenschere seine Gartengewächse kürzt wird erstaunt sein, wie viele Sorten innen hohl sein können! Einfach mal ausprobieren, verschiedene Bienenarten, bevorzugen verschiedene Hölzer. Natürlich verrät die Autorin auch, in welche Himmelsrichtung man sein Bienenhaus ausrichten soll.
Mit diesen Anregungen kann man wirklich viel mehr als ein Bienenhaus bauen und es ist auch eine tolle Idee für eine Umwelt-AG in der Schule oder einen Kindergeburtstag. Ab dem Grundschulalltag können Kinder das und es ist eine tolle Idee seine letzten Plastikstrohhalme sinnvoll zu verbrauchen.
Außerdem lernt man viel über die Vorlieben von Bienen, auch und gerade im Vergleich mit anderen Bestäubern, wie z.B. Schmetterlinge, Wespen oder Hummeln. Schmetterlinge bevorzugen z.B. flachere Blütenformen als Bienen. Aber alle Insekten brauchen frisches Wasser (Man beobachte einfach mal ein Plantschbecken im Sommer!). Also hilft ihnen eine flache Schale mit frischem Wasser, in welches man ev. Noch ein paar „Inseln“ legt, damit die Bienen beim Trinken nicht Ertrinken! Ganz einfach und doch so oft vergessen! Es geht aber auch eine volle Gießkanne, die regelmäßig frisches Wasser erhält.

Damit die Bienen sich richtig wohlfühlen gibt es auch noch die Duschabteilung! Die Pflanzen mögen Duschen, besonders wenn sie von Schädlingen befallen sind, aber bitte ohne Pestizide. So nennt das Buch ganz einfache Spritzmittel gegen Schädlinge, die aber den Nützlingen nicht schaden: die Knoblauchdusche, die Gewürzdusche, die Backpulverdusche, die Milchdusche, die Seifendusche und die Knoblauch-Zwiebel-Chilidusche. Das finde ich einsame Spitze, davon hätte ich mir in meinen Gartenbüchern gerne viel mehr gewünscht. Dabei sind die Rezepte kinderleicht, Schritt für Schritt erklärt, die Arbeitsgänge nummeriert und bebildert. So wie das ganze Buch wunderbar verständlich und logisch geschrieben ist. Absolut anschaulich und unterhaltsam ist der Stil und wird hervorragend von den Bildern ergänzt.

Es gibt übrigens auch Verhaltensbeobachtungsexperimente auch für verschiedene Jahreszeiten und Antworten auf die dringende Frage: Haben Pflanzen Sex?

Ein ganz unglaubliches Buch! So kurzweilig fand ich lange kein Sachbuch mehr. Man kann es ältere Kinder auch gut alleine ausprobieren lassen, so gut ist es beschrieben, aber es macht auch Spaß selbst mit zu machen.

Für mich ein rundum gelungenes Buch, daß ich keines Falls zerstören werde, dafür aber meinen Freundinnen und vor allem den Lehrerinnen unter ihnen, wärmstens ans Herz legen werde. Ich bin ganz verliebt!

Samstag, 16. März 2019

Das Wunschbüro der Lilith Faramay – Gewissensbisse garantiert!, Jutta Emke, Ueberreuter Verlag



Das Wunschbüro der Lilith Faramay – Gewissensbisse garantiert!, Jutta Emke, Ueberreuter Verlag

Der 14-jährige Rupert kommt eigentlich aus einer wohlhabenden Familie und war glücklich und zufrieden, bis zum plötzlichen Tod seiner Eltern. Seither ist sein raffgieriger und hartherziger Onkel Hartmut Klauberstein sein Vormund und macht ihm das Leben zur Hölle. So sehr, daß als unerwartet ein neues Häuschen in der Gegend auftaucht und eine Anzeige in der Zeitung die Erfüllung des sehnlichsten Wunsches durch das Wunschbüro der Lilith Faramay verspricht, steht für Rupert fest, daß dies die einzige Lösung seines Problems sein kann. Doch die mächtige Dschinna die er antrifft ist entsetzt über seinen Wunsch, der so bislang noch nie vorgetragen wurde! Sie warnt, daß kein Wunschvertrag ohne negative Nebenwirkungen bleibt und der Wunsch mit Bedacht und Sorgfalt formuliert werden sollte. Sie mag seinen Wunsch nicht abschlagen, denn er erfüllt alle Voraussetzungen, aber erfüllen möchte sie ihn auch nicht sofort. Stattdessen bietet sie ihm an, erst mal ein Praktikum als ihr Butler zu absolvieren, damit er sich der Gefahren eines Dschinnenwunsches so richtig bewußt wird und er die Regeln bis ins letzte Detail begreift.

Das Buch beginnt mit einer Einführung durch den mächtigen Samir Abadin Hanadi der Dritte, Dschinnenfürst und Subdämon, der als Zeuge dieser Ereignisse von diesen berichtet und sie zwischendurch auch immer wieder kommentiert. Wer genau er ist und welche Rolle er spielt ist vorerst unklar und damit wunderbar geheimnisvoll.
Wann und wo die Geschichte spielt wird nicht erwähnt, denn es ist völlig egal. Dafür betritt man gleich nach den einführenden Worten von Samir das bemerkenswerte Wunschbüro gemeinsam mit Rupert. Der ist sich gar nicht so bewußt, daß er ebenso ungewöhnlich ist, wie Lilith es scheint und sein Wunsch es ohnehin ist. Mit eloquent elegantem Schreibstil lernt man nach und nach über Ruperts trauriges Schicksal und merkt schnell, daß Lilith eine außergewöhnliche Dschinna mit Herz ist. Dieser fantastisch-märchenhafte Roman wird ab 10 Jahren empfohlen, wobei Kinder dieses Alters bei einigen Begriffen nachfragen werden, da sie in dem Alter nicht gebräuchlich oder wie z.B. „Mörser“ noch nicht bekannt sind. Diese Begriffe werden auch nicht im Text erklärt, aber nachfragen lohnt sich, das Wort „vergeuden“ z.B. kommt mehrfach vor und nun kennt meine Tochter eine sprachliche Alternative zu „verschwenden“. Es sind Begriffe, die für Erwachsene selbstverständlich sind, aber noch nicht unbedingt für 10 jährige. Doch verstärkt dies den Hauch des Exotischen, ein wenig aus der Zeit gefallenen. Rupert trägt auch im Alltag einen Anzug, da passt sie wohlgesetzte Ausdrucksweise sehr gut zu ihm. Das Schriftbild ist hingegen sehr angenehm durch recht große Zeilenabstände, so daß man beim Lesen mit den Augen nicht so sehr verrutscht und sich mehr auf den Inhalt, statt auf das Lesen konzentrieren kann. Denn mit Rupert und Lilith wird man ein echtes Dilemma entdecken, das zu Lösen gar nicht so leicht ist, die Versuchung dafür aber umso größer. Daraus bezieht die Geschichte ihre Spannung, die immer weiter wächst, je mehr einem im Laufe von Ruperts Butler Zeit bewußt wird, welche Gefahren auf ihn lauern und wie gräßlich sein Vormund tatsächlich ist. Doch gibt es zwischendurch auch schöne Momente z.B. während Rupert sich alleine im Dschinnenhaus umsieht, oder während Lilith versucht Onkel Hartmut näher auf den Zahn zu fühlen, gibt es auch Schmunzelaugenblicke.
Die Geschichte ist absolut ungewöhnlich und man es macht Spaß sich in sie hineinzudenken und zu fühlen. Wie kann Rupert seinen Wunsch nur formulieren, damit er keinen Schaden nimmt? Ist es möglich Lilith zu befreien. Sehr reizvoll und märchenhaft, jenseits der üblichen Kinderliteratur, mit liebenswerten und leicht schrulligen Helden, ist es ein Buch, das man nicht so schnell vergisst. Die Lösung des Dilemmas erfolgt wirklich überraschend aber in sich stimmig und rundet alles wunderbar ab. Trotz Ruperts anfangs so düsterer Gedanken gelingt es, eine tolle Lösung zu finden mit einer sehr positiven Aussage für die Leser.

Die Aufmachung ist sehr schön, mit kleinen Schmetterlingsvignetten und geheimnisvoll umrankten Kapitelanfängen, deren Untertext die Richtung des kommenden Abschnitts vorgibt, ohne jedoch zu viel Preis zu geben. 

Ein wirklich außergewöhnliches Kinderfantasyabenteuermärchen.

Donnerstag, 14. März 2019

Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte, von Kirsten Boie, gelesen von Karl Menrad, ill. Barbara Scholz, Jumbo Verlag



Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte, von Kirsten Boie, gelesen von Karl Menrad, ill. Barbara Scholz, Jumbo Verlag

Während eines Gewitters schlägt der Blitz in einen Baum ein und schon steht ein kleines Wäldchen in Flammen. Die Tiere fliehen und bringen sich in Sicherheit. Dabei verliert der kleine Fuchs jedoch seine Familie. Unglücklich hockt er unter einer Hecke am Feldrand neben dem abgebrannten Wald und schluchzt. Die umstehenden Tiere sind verwirrt. Was kann das kleine graue puschelige Wesen wohl sein? So genau weiß das erst mal keiner, bis Papa Dachs einschreitet, der sich mit Füchsen schon den Bau geteilt hat. Nun haben die anderen Tiere Angst vor ihm, denn sie sind ja die Beute von Füchsen, auch wenn dieser noch ganz klein und grau ist. Letztendlich erbarmt sich Mama Reh vorerst und nimmt ihn und ihre 3 Jungtiere Langbein, Vielpunkt und Glanzfell mit aufs Feld, um sich eine neue Schlafstätte zu suchen. Das ist sehr ungewohnt für das kleine Tier, daß sonst immer im Dunkeln schläft. Aber er ist froh nicht mehr allein zu sein und strengt sich mächtig an, um alles so zu machen wie sie. Doch ein Fuchs ist ein Fuchs und kein Reh, daher klappt es nicht so ganz. Der liebenswerte Vielpunkt bewundert seine Anstrengungen und schon bald sind sie beste Freunde. Aber das Misstrauen der anderen gegenüber dem Findelkind bleibt, so wie auch dessen Sehnsucht nach seiner Familie.

Kirsten Boie ist wieder eine Geschichte für die Ewigkeit gelungen. Sprachlich wunderschön und voller Wahrheit, ist es gespickt mit zitierenswerten Aussprüchen wie: „Es gibt immer verschiedene Wege, um ans Ziel zu kommen.... Man muss nur herausfinden, welcher Weg für einen selbst der richtige ist“. So ausgedrückt verstehen es auch schon Kinder. Die Brillianz von Sprache zeigt sich oft erst beim Vorlesen und da bewährt sich dieses Buch eindeutig. Für Kinder unbekannte Begriffe oder Zusammenhänge werden, von älteren oder erfahreneren Tieren den Jungtieren erklärt und so erweitert sich der Wortschatz der Zuhörer und ihr Wissen über das Leben in Wald und Feld. Wir wussten z.B. alle nicht, daß Jungfüchse noch nicht rot, sondern grau gefärbt sind.
Die Geschichte kombiniert die kindliche Urangst vor dem Verlust der Familie mit ihrer größten Sehnsucht, der nach echten Freunden und Abenteuern. Das wird wunderbar thematisiert, ganz nach dem Motto des Uhus, der Kirsten Boie diese Geschichte erzählt hat: So muss eine gute Geschichte mindestens 1.000 Wörter haben, spannend sein, lustig und an einigen wenigen Stellen ein kleines bisschen traurig, wobei am Ende alle wieder fröhlich sein müssen.
Das ist hier ausgezeichnet gelungen. Gerade wenn der kleine Fuchs mal wieder merkt, daß er ein Fuchs ist und niemals wie seine Rehfamilie sein wird, ist es ein wenig traurig. Aber dann erinnert die Erzählerin daran, was eine gute Geschichte ausmacht und stellt das Happy End in Aussicht, ebenso wie einen tröstenden Freund, der schon hinter dem nächsten Gebüsch auf ihn wartet.
Es geht um Andersartigkeit, Neugierde den Andersartigen gegenüber, Zusammengehörigkeit, Mut und Übermut, Vorsicht und das Annehmen von Ratschlägen und darum niemals aufzugeben.
Aus ihrem Wald vertrieben, wagen sich die Tiere in den Garten eines einsamen Hauses. Dort finden die Rehe in den Rosen echte Delikatessen, für den kleinen Fuchs ist es ein echtes Abenteuer, erfährt er doch dort einiges über die Menschen. Die Sichtweise der Tiere auf die Menschen ist einfach lustig, zeigt aber auch kritische Einblicke in unser Verhalten und es macht den Zuhörern einfach Spaß aus den Umschreibungen der Tiere, das jeweilige Verhalten oder Objekt aus der Menschenwelt zu erraten. Dieser immerwährende Perspektivwechsel der Einblicke in die verschiedenen Tiereigenheiten und die Distanz zur Menschenwelt zeigt, zeugt von großer Empathie.

Barbara Scholz schafft es mit ihren freundlichen, farbigen Illustrationen die Stimmung einzufangen und die Handlung noch zu unterstreichen. Schon als meine Jüngste die Abbildung mit der Hörbuchankündigung sah, war ihr klar, dass sie diese Geschichte hören wollte, so sehr sprach sie das Cover an. Auch die drei Tonträger zieren drei unterschiedliche Illustrationen aus dem Buch.

Auf 3 CDs knurrt und zwitschert Karl Menrad die Geschichte des kleinen Fuchses. Dabei scheinen ihm die verschiedenen Tierstimmen wie selbstverständlich über die Lippen zu kommen. Ganz lebendig schlüpft er in die verschieden Rollen und bleibt dabei doch stets gut verständlich. Seine Stimme ist warm und angenehm und selbst weibliche Stimmen klingen bei ihm nie übertrieben oder verstellt. Besonders die kleine Amsel mit ihrem Sprachfehler hat es uns angetan. Durch den Konsonantentausch muss man richtig mitdenken, was sie denn zu erzählen hat, es ist einfach witzig und toll umgesetzt.
Jede einzelne CD ist länger als eine Stunde. Die Kinder sollten also schon an längere Geschichten gewöhnt sein. Auch wenn die Geschichte sehr kurzweilig ist, benötigen die Kinder eine gewissen Ruhe, um der Geschichte lange genug folgen zu können. Die Altersangabe ab 6 Jahren empfinden wir daher und wegen der Komplexität der Darstellung der Themen als absolut angemessen, auch wenn das Cover sicher auch schon jüngere Kinder anspricht.

Autorin Kirsten Boie ist selbst Mutter, erfahrene Lehrerin und promovierte Literaturwissenschaftlerin. Daher schafft sie es auch hier gekonnt, sowohl sprachlich, als auch inhaltlich auf den kindlichen Wahrnehmungs- und Verständnishorizont einzugehen. Emotional spricht sie an, ohne den Kindern zu viel zuzumuten und auch sprachlich erklärt sie, ohne belehrend zu wirken oder den Zuhörern den Eindruck zu vermitteln, sie wären noch zu klein um etwas zu wissen. Egal für welche Altersgruppe sie schreibt, ist ihre Sprache dieser angemessen und ihr Schreibstil einfach wunderschön. Es liest sich fast von allein und so klingt Karl Menrad auch. Die Tierstimmen kommen klingen natürlich und lebendig, als könnte es gar nicht anders sein.

Eine echte Kinderhörbuchperle, die es wert ist, mehr als einmal gehört zu werden. Absolut empfehlenswert!

Wir bedanken uns ganz herzlich beim Jumbo Verlag für diese Hörbuchperle.

Mittwoch, 13. März 2019

Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte, Kirsten Boie, Illustration Barbara Scholz, Oetinger Verlag



Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte, Kirsten Boie, Illustration Barbara Scholz, Oetinger Verlag

Während eines Gewitters schlägt der Blitz in einen Baum ein und schon steht ein kleines Wäldchen in Flammen. Die Tiere fliehen und bringen sich in Sicherheit. Dabei verliert der kleine Fuchs jedoch seine Familie. Unglücklich hockt er unter einer Hecke am Feldrand neben dem abgebrannten Wald und schluchzt. Die umstehenden Tiere sind verwirrt. Was kann das kleine graue puschelige Wesen wohl sein? So genau weiß das erst mal keiner, bis Papa Dachs einschreitet, der sich mit Füchsen schon den Bau geteilt hat. Nun haben die anderen Tiere Angst vor ihm, denn sie sind ja die Beute von Füchsen, auch wenn dieser noch ganz klein und grau ist. Letztendlich erbarmt sich Mama Reh vorerst und nimmt ihn und ihre 3 Jungtiere Langbein, Vielpunkt und Glanzfell mit aufs Feld, um sich eine neue Schlafstätte zu suchen. Das ist sehr ungewohnt für das kleine Tier, daß sonst immer im Dunkeln schläft. Aber er ist froh nicht mehr allein zu sein und strengt sich mächtig an, um alles so zu machen wie sie. Doch ein Fuchs ist ein Fuchs und kein Reh, daher klappt es nicht so ganz. Der liebenswerte Vielpunkt bewundert seine Anstrengungen und schon bald sind sie beste Freunde. Aber das Misstrauen der anderen gegenüber dem Findelkind bleibt, so wie auch dessen Sehnsucht nach seiner Familie.

Kirsten Boie ist wieder ein Buch für die Ewigkeit gelungen. Sprachlich wunderschön und voller Wahrheit, ist es gespickt mit zitierenswerten Aussprüchen wie: „Es gibt immer verschiedene Wege, um ans Ziel zu kommen.... Man muss nur herausfinden, welcher Weg für einen selbst der richtige ist“. So ausgedrückt verstehen es auch schon Kinder, und das ist gut so, denn es ist eigentlich ein Vorlesebuch ab 6 Jahren. Zum Selbstlesen ist es für diese Altersklasse zu klein gedruckt und zu viel Text pro Seite, aber zum Vorlesen ist es optimal. All die vielen Tiere eigenen sich hervorragend um mit eigenen Stimmen gelesen zu werden. Sprachlich ist es flüssig, so daß man beim Vorlesen nicht ins Stocken kommt und es ist meist zu Beginn jeder wörtlichen Rede klar, wer denn nun sprechen wird. Die Brillianz von Sprache zeigt sich oft erst beim Vorlesen und da bewährt sich dieses Buch eindeutig. Für Kinder unbekannte Begriffe oder Zusammenhänge werden, von älteren oder erfahreneren Tieren den Jungtieren erklärt und so erweitert sich nicht nur der Wortschatz der Zuhörer, sondern auch das Wissen der Vorlesenden über das Leben in Wald und Feld. Wir wussten z.B. alle nicht, daß Jungfüchse noch nicht rot, sondern grau gefärbt sind.
Die Geschichte kombiniert die kindliche Urangst vor dem Verlust der Familie mit ihrer größten Sehnsucht, der nach echten Freunden und Abenteuern. Das wird wunderbar thematisiert, ganz nach dem Motto des Uhus, der Kirsten Boie diese Geschichte erzählt hat: So muss eine gute Geschichte mindestens 1.000 Wörter haben, spannend sein, lustig und an einigen wenigen Stellen ein kleines bisschen traurig, wobei am Ende alle wieder fröhlich sein müssen.
Das ist hier ausgezeichnet gelungen. Gerade wenn der kleine Fuchs mal wieder merkt, daß er ein Fuchs ist und niemals wie seine Rehfamilie sein wird, ist es ein wenig traurig. Aber dann erinnert die Erzählerin daran, was eine gute Geschichte ausmacht und stellt das Happy End in Aussicht, ebenso wie einen tröstenden Freund, der schon hinter dem nächsten Gebüsch auf ihn wartet.
Es geht um Andersartigkeit, Neugierde den Andersartigen gegenüber, Zusammengehörigkeit, Vorsicht und das Annehmen von Ratschlägen.
Aus ihrem Wald vertrieben, wagen sich die Tiere in den Garten eines einsamen Hauses, das ist für die Rehe nicht nur eine Delikatesse, es ist für den kleinen Fuchs auch ein echtes Abenteuer, was er dort so alles über die Menschen und ihre Welt erfährt. Die Sichtweise der Tiere auf die Menschen ist einfach lustig, zeigt aber auch kritische Einblicke in unser Verhalten und es macht den Zuhörern einfach Spaß aus den Umschreibungen der Tiere, das jeweilige Verhalten oder Objekt aus der Menschenwelt zu erraten. Dieser immer währende Perspektivwechsel der Einblicke in die verschiedenen Tiereigenheiten und die Distanz zur Menschenwelt zeigt, zeugt von großer Empathie.
                 
Da es sich um ein Vorlesebuch handelt, ist es natürlich auch farbig illustriert. Barbara Scholz schafft es mit ihren freundlichen, großflächigen Illustrationen die Stimmung einzufangen und die Handlung noch zu unterstreichen. Schon als meine Jüngste die Abbildung mit der Hörbuchankündigung sah, war ihr klar, dass sie diese Geschichte hören wollte, so sehr sprach sie das Cover an
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Autorin Kirsten Boie ist selbst Mutter, erfahrene Lehrerin und promovierte Literaturwissenschaftlerin. Daher schafft sie es auch hier gekonnt, sowohl sprachlich, als auch inhaltlich auf den kindlichen Wahrnehmungs- und Verständnishorizont einzugehen. Emotional spricht sie an, ohne den Kindern zu viel zuzumuten und auch sprachlich erklärt sie, ohne belehrend zu wirken oder den Zuhörern den Eindruck zu vermitteln, sie wären noch zu klein um etwas zu wissen. Egal für welche Altersgruppe sie schreibt, ist ihre Sprache dieser angemessen und ihr Schreibstil einfach wunderschön. Es liest sich fast von allein.

Eine echte Kinderbuchperle, die es wert ist, mehr als einmal gelesen bzw. gehört zu werden. Absolut empfehlenswert!

Dienstag, 12. März 2019

Böse Jungs Band 1, Aaron Blabey, Baumhaus Verlag



Böse Jungs Band 1, Aaron Blabey, Baumhaus Verlag

Ein Comic-Buch das beginnt wie Slylock aus der Sesamstraße. Der gesuchte Bösewicht Mr. Wolf stellt sich und seine Kumpanen Mr. Shark, Mr. Piranha und Mr. Snake vor. Einer böser und gemeiner als der andere und so verschrien, daß alle vor ihnen weglaufen, sobald sie auftauchen. Doch Mr. Wolf denkt sich, daß es doch viel cooler wäre ein Superheld zu sein, statt ein gefürchteter Bösewicht. Sie würden umjubelt und angehimmelt. So ganz kann er seine Mitbösewichter nicht überzeugen, daher starten sie einen Testlauf an einer Katze, die in einem Baum festsitzt. Sie müssen feststellen, daß der Plan leichter klang als seine Ausführung und die Fans lassen auch noch auf sich warten. Also planen sie einen größeren Coup, nicht weniger grotesk.

Dieses Buch ist ein Comic im Buchcover, auch ohne Sprechblasen. Es ist kurz, knapp, böse und komisch. Naja, ganz böse nicht, denn sie wollen ja aus den falschen Motiven Gutes tun.
So hat der Autor wohl auch aus den richtigen Motiven diesen Comic geschrieben, um lesemuffeligen Jungs die Angst vor dem gebundenen Buch zu nehmen und zu zeigen: „hey, Lesen ist voll cool, witzig und überhaupt nicht langweilig!“. Es erinnert an eine Fabel, denn wie schon die bösen Jungs feststellen, eigentlich können Mr. Shark und Mr. Piranha ja nicht mit Mr. Wolf und Mr. Wolf an Land unterwegs sein. Allerdings gibt es statt einer Moral die Erkenntnis, daß Piranhas Autofahren nicht vertragen. Naja, eigentlich ist es ja die, dass es viel cooler ist, Gutes zu tun, als Böse zu sein. Dennoch steht wirklich der Spaß im Vordergrund des Buches und Spaß soll Lesen ja machen ;)

Gezeichnet hat der Autor seinen Comic selbst. Da passt der Text wie der Deckel auf den Topf zu den Bildern. Sie geben einander den nötigen Biss und Irrsinn, wenn man den Bösewichtern in die Kulleraugen blickt. Mit ihren schwarzen Anzügen, weißen Hemden und schwarzen Krawatten sehen Mr. Wolf, Mr. Shark, Mr. Snake und Mr. Piranha aus die wie tierische Ausgabe der Men in Black nur mit viel gefährlicheren Zähnen. Es ist einfach witzig-bissig. Der Autor hat auf Sprechblasen verzichtet, was meine Tochter irritierend fand, aber dann stellte sie doch bald fest, daß sie der Geschichte auch so prima folgen konnte. Allerdings ist unser Verständnis von Gutes tun, ein bißchen anders, als das von Mr. Wolf. Mal sehen, wie es in der Fortsetzung wird, wenn er sich noch höhere Ziele setzt!

Für wen Gregs Tagebuch noch zu viel Text hat und die Zeichnungen nicht präzise genug, der findet in „Böse Jungs“ Lesespaß in Buchform, der nicht anstrengt, sondern unterhält.

Montag, 11. März 2019

Ponyhof Apfelblüte (13) Ein eigenes Pony für Mia, Pippa Young, gesprochen von Jule Hupfeld, Jumbo Verlag



Ponyhof Apfelblüte (13) Ein eigenes Pony für Mia, Pippa Young, gesprochen von Jule Hupfeld, Jumbo Verlag

Endlich wieder Ferien und genügend Zeit für die Tiere von Ponyhof Apfelblüte und die Freundinnen. Doch Lena (9) hat noch ganz andere aufregende Neuigkeiten von ihrer Mutter erfahren. Ein Talentwettbewerb zum Thema Freundschaft ist ausgeschrieben worden und da könnten Sie und ihre Freundinnen Mia, Paulina, Lotte und Hannah doch mit Bildern von ihren geliebten Ponys teilnehmen! Als Tochter einer Tiermalerin ist das für sie die naheliegendste Idee. Ihre Freundinnen sind Feuer und Flamme, nur Paulina reagiert sehr zurückhaltend. Allerdings hat Mia noch aufregendere Neuigkeiten: sie bekommt ein eigenes Pony namens Prinz! Es war eine einmalige Gelegenheit und so vielversprechend, daß ihre Eltern gleich zugeschlagen haben, ohne das Pony auch nur Probe zu reiten. Als der große Tag von Prinz Einzug endlich da ist, sind alle ganz beeindruckt von seiner Schönheit und Sanftmut. Er scheint perfekt zu sein und so gut erzogen! Doch dann offenbart sich ein Problem und zwar ein nicht unerhebliches. Können Mia und Prinz die Schwierigkeiten gemeinsam überwinden?

Auf dem Ponyhof Apfelblüte ist die Welt noch in Ordnung. Die Mädchen sind echte Freundinnen und verstehen sich nicht nur mit den Tieren bestens, sondern auch mit der Inhaberin Mrs. Marle und ihren Töchtern Julia und Isabel, die ihnen stets mit Rat und Tat zur Seite stehen, ebenso wie Stallbursche Kurt. So erhalten die jungen Hörerinnen auch immer wieder gute Tipps im Umgang mit Tieren oder zum Reiten. Vor allem aber merken sie, daß der Umgang miteinander ohne Zickereien und Eifersüchteleien doch viel schöner und entspannter ist, als in manchen Schulklassen.
Dies soweit zum Setting, denn natürlich plätschert die Geschichte auch in der 13. Folge nicht einfach so vor sich hin. Neben den Arbeiten am Talentwettbewerb, müssen die Freundinnen hinter das Geheimnis von Prinz kommen und natürlich wollen sie es nicht nur gemeinsam lüften, sondern auch lösen. Als Erwachsene wird man bei der Schilderung der Vorgänge sofort misstrauisch, aber Kinder nehmen es viel unbefangener und sind daher auch viel überraschter. Aber auch für sie ist es einsichtig, daß es nicht für jedes Problem eine schnelle und einfach Lösung finden lässt, sondern mancher guter Rat nicht nur teuer ist, sondern auch Gut Ding Weile haben wird. So wird ein zentraler Punkt der Geschichte wunderbar und zu aller Überraschung glücklich gelöst, während sich der Rest mit der Zeit wohl zeigen wird und man auf weitere Folgen gespannt sein darf. Die Sprache ist für das Alter angemessen und gut verständlich. Ich musste meiner Tochter nichts erklären, sie hat alles verstanden. Allerdings war sie wie ich verblüfft, daß diese Folge mit Jule Hupfeld mit einer viel jüngeren Sprecherin, als bei der Sammelbox zu den ersten Bänden gesprochen wird. Ich bin etwas unentschlossen, ob ich Christiane Leuchtmann oder Jule Hupfeld besser finde. Meine Tochter (9) findet, daß Jule Hupfeld zu jung für die großen Mädchen klingt. Ihr ist wohl gar nicht bewußt, daß Lena, Mia und Co. genauso alt sind wie sie und daher genauso jung klingen dürfen. Ihr Argument: normale Kinder in dem Alter haben keine so hellen Stimmen, die muss doch jünger sein. Dieses Kind hat eine hohe zarte Stimme und wird daher oft für jünger gehalten. Daher ist sie sehr sensibilisiert bei dem Thema. Allerdings klingt Jule Hupfeld jung und fröhlich und nicht piepsig oder quietschig. Sie ist klar und deutlich zu verstehen und klingt tatsächlich so jung, wie die Heldinnen dieser Geschichte. .
Es ist eine schöne Ponygeschichte, mit der Ponymädchen sich gut identifizieren können. Pädagogisch besonders wertvoll finde ich, daß Lena extra betont, daß sie mit Samson, ihrem Pflegepony völlig glücklich ist und sie kein eigenes Pferd benötigt. Außerdem hat sie die Trennung ihrer Eltern gut verkraftet und freut sich, daß ihre Mutter mit ihrem neuen Freund glücklich ist. Sie kann sich nicht mehr vorstellen mit ihrem Vater wieder in der Stadt zu leben. Meine Tochter hat sich nicht daran gestört, daß die Eltern getrennt sind, aber Trennungskinder werden sich vielleicht durch Lenas Situation getröstet fühlen. Sehr schön finde ich herausgearbeitet, daß ein Pony vor allem ein Lebewesen ist und kein Erwartungserfüller oder Leistungserbringer. Ein Tier hat Gefühle und ist gerne bereit diese zu teilen.
Da sowohl Menschen als auch Tiere wichtig sind, werden die wichtigsten Personen und Tiere im Booklet extra vorstellt, für all diejenigen die mit dieser 13. Folge in die erfolgreiche Reihe einsteigen.

Ein Hörbuch das Kinder immer wieder hören können und auch wenn es nicht der große Hörbuchwunsch von Eltern ist, kann man es auch auch getrost mithören. Es hat bei mir kein Autoverbot, es nervt nicht. Meiner Tochter hat auch dieses neue Ponyabenteuer gut gefallen.

Wir bedanken uns ganz herzlich beim Jumbo Verlag für diesen kurzweiligen Ponyspaß.

Sonntag, 10. März 2019

Der magische 8. Tag – Dunkles Geheimnis, Marliese Arold, Edel Kids Books



Der magische 8. Tag – Dunkles Geheimnis, Marliese Arold, Edel Kids Books

Laura (13), Shirin und Anouk leisten gemeinsam Lauras Strafdienst in der Feenküche in der Welt des achten Tages ab, während Merle ihre Strafe einfach ignoriert. Doch als Anouks Äffchen tot aufgefunden wird, vermag sie es nicht deren Kummer ebenso zu ignorieren und sie wendet ihre geheimen Kräfte an. Doch auch sonst scheint die wunderbare Welt des Achttags zu bröckeln und in ernsthafter Gefahr zu sein. In der „normalen“ Welt geht es Laura nicht besser. Ihre einzige Freundin Olivia ist eifersüchtig, weil ihr Schwarm Severin (15) und Laura offensichtlich ein Geheimnis teilen. Auch die bevorstehenden Ferien verheißen nichts Gutes, da ihre Mutter Laura zu einem Praktikum bei ihrem Chef und neuem Freund in der Firma TEMP angemeldet hat. Natürlich ganz ohne Laura vorher zu fragen. Immerhin findet Laura so heraus, daß jemand ihre Familie ausspioniert. Doch warum? Als Laura und Severin an einem normalen Wochentag einen Mann beobachten, der ihrem Lehrer Darius ähnlich sieht, werden sie neugierig und spionieren nun ihrerseits. Die zwei Welten scheint mehr zu verbinden, als sie bisher geahnt haben.

Während Band 1 vorwiegend in der magischen Welt spielte, ist es in diesem Band umgekehrt. Auch an den normalen Wochentagen gehen merkwürdige Dinge vor sich, in denen Laura und Severin eine Bedrohung für die magische Welt sehen. Dieses Ineinandergreifen der zwei Welten gefällt mir ausgesprochen gut. Man lernt die Charaktere immer besser kennen und sie zeigen Seiten, die man nicht an ihnen vermutet hätte. In diesem Band rücken Severin, Dr. Bernd Asshoff, Geschäftsführer von TEMP und neuer Freund von Lauras Mutter und auch deren jüngerer Bruder Elias mehr in den Vordergrund, so daß die Geschichte auch für Jungen immer interessanter wird. Dabei zieht ganz eindeutig das Tempo an und die Spannung steigt. Laura nutzt die Abwesenheit von Dr. A. um in dessen Büro ein wenig zu schnüffeln, wichtige Personen verschwinden, geheimnisvolle Übergaben finden statt und auch Lauras kleiner Bruder scheint eine besondere Begabung zu haben und ihre Mutter geheime Verstecke, während Haushaltsroboter Amy... ja, es passiert eine Menge. Es baut aber logisch aufeinander auf und greift in einander. Die Idee der Zeit als unbegreifliches und doch magisches Element gefällt mir ebenso gut, wie zwei Welten, in denen Laura als Trennungskind schon in der „normalen“ Welt lebt. Sie ist daher aber auch bereits gut darauf vorbereitet sich an verschiedene Realitäten anzupassen.
Auch wenn es ein Fantasyroman ist, spielt es noch zusätzlich ein wenig in der Zukunft. Es ist einfach alles ein bißchen futuristischer und technischer als bei uns, sofern man nicht mit Laura ihren Vater besucht, bei dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, oder vielmehr, dessen Leben unserer eigenen Realität am ähnlichsten ist. Die futuristischen Elemente lassen einen jedoch grübeln, ob man wirklich jeden Fortschritt braucht, oder ob es nicht bisher auch ganz charmant ist. Ein schönes Gedankenspiel für die Leser. Und doch sind alle Realitäten bedroht, es wird immer ernster und es wird deutlich, dass sie nur gemeinsam, wenn überhaupt, aufhalten können, was da auf sie zukommt. Daher endet auch der zweite Band total spannend und ich fiebere Band 3 Anfang Mai 2019 entgegen.

Auch Band 2 hat wieder ein wunderschönes Cover, das diesmal jedoch dunkler ist, als bei Band 1. Die Blumenranken sind nun schwarzglänzend statt silbrig schimmernd. Ein echter Hingucker für weibliche Leser, den männlichen ist es allerdings peinlich. Denn auch dieser Band kam bei den jungen männlichen Mitlesern der Leserunde sehr gut an. Mit dem angenehmen Zeilenabstand und der relativ großen Schrift ist das Lesen sehr entspannt und man fliegt nur so durch die Zeilen. Ab 10 Jahren.

Ich kann diese neue Reihe von Marliese Arold, die bereits mit den „Magic Girls“ große Erfolge feierte, absolut empfehlen!

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Edel Books für diese Leserunde.

Samstag, 9. März 2019

Das Dorf in den roten Wäldern, der erste Fall für Gamache, Louise Penny, gelesen von Hans-Werner Meyer, Der Audio Verlag



Das Dorf in den roten Wäldern, der erste Fall für Gamache, Louise Penny, gelesen von Hans-Werner Meyer, Der Audio Verlag

Three Pines ist ein kleines Dorf in Québec, Kanada, tief versteckt in den Wäldern und so unbedeutend, daß es nicht in den Landkarten verzeichnet ist. Wer dort lebt genießt den Indian Summer, die Ruhe und die kleine verschworene Dorfgemeinschaft, in der jeder jeden kennt und das quasi schon seit immer. Man kennt sich, man schätzt sich und ist eigentlich auch tolerant, egal welche Muttersprache man eigentlich hat. Unvorstellbar, daß dort die 76 jährige pensionierte Dorfschullehrerin Jane Neal unter ungeklärten Umständen tot aufgefunden wurde. Kommissar Armand Gamache, Leiter der Mordkommission der Sûreté du Québec, der gerade auf dem Weg zur Thanksgiving Feier mit seiner Frau ist, geht daher erst einmal von einem Jagdunfall aus. Doch vor Ort stellt er fest, daß es auch in solch engen Gemeinschaften eine Menge Geheimnisse und Animositäten und mindestens ebenso viele Künstler und Bogenschützen gibt. Doch wenn es ein Jagdunfall war, wo ist dann der Pfeil, der Jane versehentlich traf und warum wurde der Unfall nicht gemeldet? Während er die Familienfeier absagen muss, nimmt die Dorfgemeinschaft ihn und sein Team erstaunlich selbstverständlich auf.

Armand Gamache ist 55, er ruht in sich selbst, ist seit 35 Jahren glücklich verheiratet, erzählt seiner Frau alles und hat kein Alkoholproblem und keine Profilneurose. Über jeden Toten staunt er noch immer, wie am ersten Tag, was wohl der Grund dafür sein dürfte, daß seine Karriere derzeit stagniert. Dennoch ist seine Aufklärungsquote unschlagbar, dank seines feinen Spürsinns und seiner Menschlichkeit. Diese lernen die Bewohner von Three Pines auch bald kennen. Die Dorfgemeinschaft ist ein bunt gewürfelter Haufen von echten Originalen, denen Hans-Werner Meyer jedem seine eigene Stimme leiht, egal ob dem tuntig-exaltierten Bistrobesitzern, der rauchig-whiskeygewohnten Dichterin Ruth oder dem verträumt-antriebslosen Erben Ben, als stimmlich auffälligste Beispiele. Wäre jeder Charakter so stimmlich ausgeprägt, wäre es wohl eher anstrengend, als ausdrucksstark, so bewundere ich ihn dafür, daß er bei den rauchigen Passagen von Dichterin Ruth nicht husten muss. Aber Hans-Werner Meyer, Jahrgang 1964 ist ein echter Profi. Wem der Name dieses bekannten Film- und Theaterschauspielers nichts sagt, kann ihn aktuell in der neuen Staffel von „Letzte Spur Berlin“ als besonnen Leiter der Vermisstenstelle freitags abends um 21.15h im ZDF bewundern. Während Gamache sehr bodenständig ist, sind es die meisten Dorfbewohner eher nicht, aber dennoch ebenfalls sympathisch, was einen interessanten Kontrast bildet. Nicht zuletzt ist dies wohl auch der Grund für den Erfolg dieser kanadischen Krimreihe in seiner Heimat, denn dieser Reihenauftakt hat schon einige Jahre auf dem Buckel, weshalb hier mit Herz und Köpfchen statt mit Technik und Handy ermittelt wird. Zum idyllischen Indian Summer in den kanadischen Wäldern inmitten von Künstlern und Bogenschützen passt es auch viel besser. Da dies die zweite kanadische Krimireihe ist, die ich lese (mehr kenne ich auch gar nicht), in der man im Québec Bogen schießt, drängt sich mir der Verdacht auf, daß auch dies typisch kanadisch ist, oder Autorin Louise Penny ist wie ich, ein großer Fan der kanadischen Altmeisterin Charlotte Macleod/Alissa Craig. Louise Penny wurde 1958 in Toronto geboren, arbeitete als Rundfunkjournalistin und Moderatorin. Ihr erster Gamache-Krimi wurde weltweit als Entdeckung gefeiert und seither erobern die Folgebände die Bestsellerlisten.

Louise Penny gibt ihren Charakteren viel Raum sich zu entwickeln, so daß man wirklich die Qual der Wahl hinsichtlich Motiv und Gelegenheit hat. Wie der Kommissar und die beste Freundin der Verstorbenen kommt man bei der großen Auswahl an möglichen Tätern ganz schön ins Grübeln. Ich habe das Original mal vor vielen Jahren mit Begeisterung gelesen, dennoch kam ich erst ganz am Ende wieder auf den Täter. Die Atmosphäre und die Sympathie für die bisweilen sehr exzentrischen Protagonisten, lenken beim Hören herrlich ab und führen auf die falsche Fährte. Die Kürzungen sind mir beim Hören gar nicht aufgefallen, so sensibel wurden sie vorgenommen. Neben der Eigenheiten der Dörfler, für deren Exzentrik Louise Penny viel Respekt zeigt, nimmt sie auch immer wieder kanadische Eigenheiten liebevoll aufs Korn. So leben in Three Pines durchaus kanadische Stars der Kunst- und Lyrikszene, doch ist diese weltmarkttechnisch relativ unbedeutend, so daß sie sich ein Leben in der Großstadt nicht leisten könnten.

Das Klappcover wird von wunderbaren kanadischen Herbstlandschaften geziert, die bestens die Stimmung des Krimis zu vermitteln vermögen. Trotz aller Idylle gelingt es der Autorin die Fantasie des Zuhörers beim Showdown zu überlisten und ihn das Gruseln zu lehren. Denn es ist gerade die Vorstellungskraft des Hörers, angeleitet von der Autorin, die mit den Möglichkeiten des Grauens im Dunkeln spielt, daß die Spannung ins kaum Erträgliche steigert. Beim Lesen würde man durch die Seiten flitzen, aber Hans-Werner Meyer lässt sich nicht hetzen, er kostet die Spannung voll aus. So entgeht einem Nichts, auch wenn zum Schluss alles genau aufgeklärt und keine Frage offen gelassen wird. Eine wirklich runde Sache! Ich hoffe sehr, daß die Reihe nun auch in Deutschland fortgesetzt wird. Für Freunde gepflegter Krimiunterhaltung, mit echten Originalen.

Ich bedanke mich sehr bei Der Audio Verlag, für diese wunderbare Wiederentdeckung.

Mittwoch, 6. März 2019

Der magische achte Tag (1) verborgene Kräfte, Marliese Arold, Edel Kids Books



Der magische achte Tag (1) verborgene Kräfte, Marliese Arold, Edel Kids Books

Die 13 jährige Laura lebt einige Jahre in der Zukunft, von uns aus gesehen. Ihre Eltern sind geschieden und die Wochenenden in der alten Villa ihres kreativen Vaters, eines Möbelrestaurateuers, umgeben von Büchern und alten Möbeln, genießt sie sehr. Es ist so anders, als bei ihrer erfolgreichen, technikliebenden Mutter und ihrem hyperaktiven kleinen Bruder Elias, in deren moderner Wohnung mit Haushaltsroboter Amy. An einem Wochenende findet sie im Geheimfach des Sekretärs in der alten Villa eine alte Taschenuhr mit Kalendarium. In dieser Uhr befindet sich eine geheimnisvolle Gravur und ein gereimter Brief, der davor warnt, das Geheimnis des 8. Tages zu verraten. Laura ist verwirrt und versteckt die Uhr. In dieser Nacht um Mitternacht wird sie mit ihrem Kater Samson und der Taschenuhr in die magische Welt des 8. Tages transferiert. Sie gelangt über einen verwunschen See in ein Internat, in dem stets 4 Mädchen bzw. Jungs pro Zimmer untergebracht sind, in den 8.  des Schlosses der Ewigkeit und je 8 Schüler gemeinsam unterrichtet werden. Der Unterricht soll helfen ihre besonderen Gaben zu erkennen und zu fördern. Ihre Zimmergenossinnen können z.B. schweben oder das Wetter beeinflussen. Nur Merle und Laura scheinen keinerlei offensichtliche Begabung zu haben, aber das kann ja eigentlich nicht sein. Oder wollen sie sie nicht wahrhaben?

Der Einstieg in diese etwas andere Welt, in dieser gar nicht allzu fernen Zukunft gelingt sehr gut. Man kann Laura gut verstehen, daß sie sich in der altmodischen, warmen Villa ihres Vaters wohler fühlt, als in der sterilen, hypermodernen Wohnung ihrer Mutter. Dank des technischen Schnickschnacks ihrer Mutter, die Lauras Handy- und Internetempfang stört, ist Laura ziemlich isoliert und hat selbst in der Schule nur noch eine Freundin. Zu Hause leidet sie dann unter den Launen und Ausbrüchen ihres Bruders, bei dem die Mutter alles mit seiner „Krankheit“ entschuldigt und für den die Mutter alles macht. Sofort steht man ob dieser Ungerechtigkeit auf Lauras Seite und nimmt Position gegen ihren Bruder Elias ein. Doch Marliese Arold lässt ihren Figuren Raum für Entwicklung, sowohl in dieser Welt, als auch in der des 8. Tages. So ist nichts wie es scheint und so gibt es eine Menge zu staunen, aber auch Wendungen, mit denen man nicht rechnet. Die Welt ist magisch und dennoch neu. Ich hatte beim Lesen nie das Gefühl, die Elemente schon einmal irgendwo gelesen zu haben. So kann man ganz in Lauras Geschichte versinken und mit ihr, ihre neue Schule mit ihren merkwürdigen Regeln und Eigenheiten erkunden. Die Mädchen in ihrem neuen Zimmer sind erst einmal skeptisch abwartend und nicht sofort, die besten Freundinnen. Es wird sich beäugt und beschnuppert und viel bleibt einfach zu beobachten, wie es sich weiter entwickeln wird. Denn dass es sich entwickeln wird, das zeichnet sich bereits ab. Laura belauscht Gesprächsfragmente, die sie verwirren und mehr Fragen aufwerfen, als sie zu beantworten. Interessanterweise, werden einige Entwicklungen, die in der Welt des 8. Tages ablaufen, in die „normale“ Welt mit hinüber genommen. Gegen Ende dieses ersten Bandes hat sich der Plot so weit verdichtet, daß klar ist, dass große Veränderungen und Bedrohungen anstehen. Ich bin total gespannt, wie es weitergeht, mit Band 2 „Dunkles Geheimnis“ und etwas traurig, daß der 3. Band erst im Mai 2019 erscheint. Marliese Arold gelingt es geschickt mit ihrem unaufdringlichen, aber lebendigen Schreibstil den Leser in der Welt des Achttags einzufangen.

Das Cover finde ich wunderschön. Ein sattes Rot mit einem leichte Stich ins Pinkige und einem changierenden Metallic-Druck des Schmetterlings und des Haupttitels. Aber auch die Blumenranken und der Farbdruck sind nicht einfach nur matt, sondern schimmern ein wenig. Die Aufmachung ist eindeutig auf eine weibliche Leserschaft ausgerichtet. Mir gefällt es ausgesprochen gut, allerdings ist die Geschichte durchaus auch jungstauglich (das haben zumindest die jungen männlichen Mitleser versichert), diese schreckt das Cover allerdings eindeutig ab.

Die Schrift hat eine sehr angenehme Größe und auch der Zeilenabstand vereinfacht es einem, durch die Seiten zu fliegen. Das betone ich extra, da meine Töchter Bücher mit kleiner Schrift erst gar nicht anfangen, es ist ihnen einfach zu mühsam. Dieses Druckbild ist sehr entspannend auch für Fehlsichtige und Lesemuffel.

Ein sehr verheißungsvoller Reihenauftakt mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten, die in einer fremden Welt als Schicksalsgemeinschaft aufeinander treffen. Es bleibt spannend, ob sie zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammenwachsen können, die den bevorstehenden Gefahren und Herausforderungen gewachsen sind.

Für mich war es definitiv ein echter Lesegenuss und das Lesehighlight des Monats Februar.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Edel Kids Books für die Leserunde.