Der Theoretiker Club und die Weltherrschaft, von Anja
Janotta, cbj
Die Schulferien sind rum. Knut ist endlich im 4. Schuljahr,
seine großen Freunde aber nun schon in der 7. Deswegen ist er immer noch nur
Theoretiker zur Ausbildung und muß auf dem Weg zur Schule in gebührendem
Abstand hinter seinen schlauen, aber praktisch völlig unfähigen Idolen Linus,
Albert und Roman (getauft auf Benjamin, aber als alter Lateiner, muß er einfach
Roman heißen!) herlaufen.
Der von den Mädels Alba (Alberts Zwillingsschwester und
Knuts Babysitterin), Flora und Lynn clever eingefädelte Friedensvertrag
zwischen allen drei Gruppen, wird von der Thomas-Gang ignoriert. So kann es
nicht weitergehen! Knut ruft alle 3 Parteien zu Friedensverhandlungen bei Limo
und Süßkram an den elterlichen Tisch: Keiner will nachgeben, alle schimpfen was
das Zeug hält! Da muß eine Challenge her: wer gewinnt ist Chef und darf
bestimmen! Aber auch das hilft nicht weiter und letztendlich soll gewinnen, wer
am Meisten Spenden für die brasilianische Nachbargemeinde sammelt. Als moderne
Jugendliche, sind die Theoretiker nach ausführlicher Recherche der Meinung: am
schnellsten verdient sich Geld mittels eines You-Tube-Kanals durch
Werbeeinnahmen. Also eröffnet Chef-Theoretiker den Kanal:“Die Weltherrschaft in
10 einfachen Schritten“. Aber auch die Mädels und die Thomas-Gang wollen sich
die Spendengelder nicht mit Rasenmähen oder Auto waschen verdienen. Es
entbrennt ein erbitterter Kampf!
Der Kampf der 3 Banden war schon in Band 1 nicht fair und
heftig, aber nun, da es um Geld und Ehre geht, kennen sie kein Erbarmen mehr!
Knut kann sie einfach nicht stoppen, niemand nimmt ihn ernst und so rennen sie
alle gegenseitig in ihr Verderben. Wenn ich in Band 1 die Mädels um Alba noch
echt witzig und gerissen fand, geht Alba diesmal echt zu weit. Ich wünsche Ihr
den Sieg einfach nicht mehr, so nicht! Aber wie sich alle 3 Gruppen, selbst ins
Aus schießen, weil sie sich an keine Regeln halten ist schon auf makabere Art
lustig. Aber ich verstehe Knut, daß er nur noch den Kopf schüttelt und nicht
weiß, wie er seine Freunde zum Nachdenken bringen soll! Witzig ist jedoch, wie
die Nerds vom Theoretiker Club bei all ihren IQ-Punkten sich immer wieder durch
gelebte Linkischkeit, in die Nächste Falle von Alba manövrieren. Lynn und Flora
spielen in diesem Band keine große Rolle und auch Thomas und Konsorten sind
eher Randfiguren. Der erklärte Feind der Theoretiker ist Knuts geliebte
Babysitterin Alba, doch der erkennt sie nicht wieder. Was ist bloß in sie
gefahren? Denn was die Mädels mit den Theoretikern anstellen ist Slapstick pur,
aber ganz schön böse. Wo hat so eine nette Autorin nur so fiese Ideen her? Dies
ist kein Kuschelroman, hat aber eindeutig eine pädagogisch wertvolle Nachricht:
nee, ehrlich, so geht es nicht! Fairness muß sein und die Regeln, die man
beachten sollte, haben alle ihren Sinn. Denn keines der Teams ist ohne Fehler, nur der Schiri ist
natürlich brav, wenn auch nicht ganz unparteiisch. Sehr schön aufgelockert wird
die Challenge durch Einblicke in Knutis Familienleben, diesmal erweitert um die
kleine Katzendame Marie. Das diabolische Ende von Linus läßt für Band 3 so
einiges erwarten….
Die Illustratorin Vera Schmidt hat wieder ein lustiges
Daumenkino an den rechten unter Rand gezeichnet und die Vignetten in TV-Form zu
Beginn eines jeden Kapitels geben immer schon mal einen lustigen Vorgeschmack
auf das böse Chaos, das sich da ankündigt. Mit wenigen Strichen, herrlich
pointiert.
Durch den leichten Stil mit Blog-Chats und
What’s-App-Nachrichten liest sich das Buch rasend schnell, quasi wie von
selbst. Also auch nicht nur für Nerds und Brains, sondern auch für Lesemuffel
geeignet.
Band 1 fand ich ein wenig besser, da man doch auch mehr über
das Drumherum der Kontrahenten erfuhr, hier nahm die Challenge einen etwas
übergroßen Raum ein. Aber Linus You-Tube-Tutorial hätte ich zu gerne mal
gesehen: so grottig, daß muß urkomisch sein! Daher 4,5 Sterne gerundet auf 5. Aber
das ist Jammern auf hohem Niveau, einfach weil ich Band 1 noch besser fand.
Ich bedanke mich ganz herzlich bei Anja Janotta für dieses
herrliche Leseexemplar und meinen Theoretiker-Clubausweis!
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