Samstag, 6. November 2021

Miss Merkel – Mord in der Uckermark, David Safier, gelesen von Nana Spier, Argon Verlag, 1 MP3, 7 Stunden, Lesefassung

 

Miss Merkel – Mord in der Uckermark, David Safier, gelesen von Nana Spier, Argon Verlag, 1 MP3, 7 Stunden, Lesefassung

 

Deutschland 2022, Angela Merkel kann nun endlich mit ihrem Gatten Joachim Sauer in der Uckermark ihren Rückzug aus der Politik genießen. So ganz alleine sind sie nicht im idyllischen Freudenberg, nein, Personenschützer Mike ist stets dabei, ebenso wie Mops Putin. Putin soll Angela helfen ihre Angst vor Hunden zu bezähmen und etwas Leben in die ungewohnte Ruhe zu bringen. Tatsächlich fällt es Angela nicht so leicht, sich auf ein normales Landleben einzustellen. Interessiert geht sie auf die Dorfbewohner und vor allem -bewohnerinnen zu und wird gleich bei einem Waldspaziergang von Freiherr Philip von Baugenwitz zum abendlichen Schlossfest eingeladen. Begeistert sagt sie zu, obwohl Joachim schon genussvolle Stunden vor der Live-Übertragung von „La Traviata“ aus der Met eingeplant hatte. Auf dem Fest lernen die Zugezogenen jedoch nicht nur einige ihrer neuen Nachbarn kennen, sie bestaunen auch das großspurige Verhalten des Schlossherren, den sie kurz darauf vergiftet im Verlies auffinden. Anders als der abgehalftere Polizeichef ist Angela überzeugt, dass sie es mit einem Mord zu tun haben. Da die Polizei nichts unternimmt, muss sie halt die Ermittlungen selbst in die Hand nehmen und Joachim und Mike stehen ihr widerwillig als Unterstützung zur Verfügung.

 

Wir suchten mal wieder ein humorvolles Hörbuch für die ganze Familie. Da unsere Töchter (14 und 12) gerne die „Heute Show“ gucken (in der Mediathek) verfügen wir also alle über genügend Einblicke in das aktuelle Who is Who der Politik um die Anspielungen zu verstehen. Wobei die Namensgebung von Mops Putin auch tatsächlich erklärt wird, für alle die nicht mitbekommen haben, wie Putin es liebte unsere Kanzlerin mit seinen freilaufenden Hunden einzuschüchtern. Man muss also kein Politprofi sein, um sich zu amüsieren, es hilft aber, wenn man Interesse am aktuellen politischen Geschehen hat, weil dann die Pointen irgendwie mehr Spaß machen.

 

Tatsächlich ist diese Kombination aus liebevoller Hommage-/Persiflage auf unsere Nochkanzlerin und einem Mordfall in der Provinz (wobei es bei einem Mord nicht bleibt, aber das will Miss Merkel ja auch niemand glauben) sehr gelungen. Der Kriminalfall ist nicht zu platt, sondern lässt vergnüglich miträtseln, bis Angela genüsslich vor Publikum die Auflösung zelebriert und das Leben in Freudenberg wieder zu mehr Freude verhilft. Besonders gefällt uns aber die Interaktion zwischen Angela und Joachim, sowie das ergebene Schicksal des Personenschützers Mike. Die zwei Naturwissenschaftler sind ein Traumpaar zum Verlieben. Vielleicht nicht unbedingt glamourös oder aufregend, dafür aber absolut hinreißend im Umgang miteinander. Man merkt richtig, wieviel Spaß David Safier beim Schreiben dieses fiktiven Alltagslebens des Ex-Kanzlerinnenpaars hatte! Es sind die kleinen, feinen Pointen, die uns besonders zum Lachen brachten. Seien es die Betrachtungen zu den Eigenheiten von Quantenchemikern oder den Highlights von Scrabbel-Spielern (ich muss den Kindern nun unbedingt mal Scrabbel beibringen). Doch nicht nur diese drei Hauptpersonen wurden vom Autor liebevoll skizziert, auch die Nebenrollen und Verdächtigen, wie die Namensvetterin von der AFD Bäuerin Angela, dürfen sich über originelle Eigenheiten freuen.

 

Ich hatte mich in der Vergangenheit etwas an Nana Spier überhört, da ich sie in einigen Hörbüchern zu übertrieben als Interpretin fand, aber das ist ja auch eine Frage der Regie. Hier ist es ihr jedoch gelungen, dass sie mich restlos überzeugte und genau die richtige Portion Ironie und Lakonie in ihre Stimme legt. Wandelbar übernimmt sie den allseits bekannten Tonfall unserer Kanzlerin in Gesprächen oder stöhnt resigniert als Bodyguard Mike, wenn Angela wieder versucht einen Alleingang hinzulegen. Durch den warmen Klang ihrer Stimme werden einem die Protagonisten gleich sympathisch, auch wenn man mit der Ermittlerin bisweilen recht schnell dieses erste Urteil revidieren muss. Absolut kurzweilig und humorvoll trägt Nana Spier mit ihrer lebendigen Art dieses Highlight des Landlebens in der Uckermark vor.

 

Nachdem Miss Merkel so viel Freude an ihrer neuen Betätigung hat, sehr zum Leidwesen ihres Bodyguards übrigens, freut es uns, dass sie dieser demnächst auf dem Friedhof nachgehen darf. Ja, wir wissen, dass Leichen auf Friedhöfen die Regel sind, aber nicht alle sind immer beerdigt... Wir freuen uns schon auf „Miss Merkel, Mord auf dem Friedhof“.

 

Vielen lieben Dank an den Argon Verlag für diese vergnügliche Unterhaltung für die ganze Familie (ab 12 Jahren).

 

Hier findet Ihr eine Hörprobe:

https://www.argon-verlag.de/hoerbuch/safier-miss-merkel-mord-in-der-uckermark-2005616/

 

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Donnerstag, 4. November 2021

Mord im Gewächshaus, Elisabeth C. Bunce, Knesebeck Verlag

 

Mord im Gewächshaus, Elisabeth C. Bunce, Knesebeck Verlag

 

1893: Myrtle Hardcastle wächst in Swinburn, England auf, mit ihrem Vater dem Staatsanwalt und ihrer creolischen Gouvernante Miss Judson. Ihre Mutter, eine Französin und Ärztin starb an Krebs, als Myrtle noch ganz klein war. Für Myrtle ist ihre Familie so komplett, auch wenn einige erwarten, dass ihr Vater mit Mitte 30 noch einmal heiraten wird und die junge Gouvernante mit ihren fortschrittlichen Ansichten und ihrem Schokoteint, vielleicht doch nicht der passende Umgang sei. Das sieht man ja bereits an Myrtles morbiden Interesse an Kriminalfällen. Als sie morgens in Nachbars Garten weder Katze Peony, noch den Gärtner Mr. Hamm oder die stets pünktliche, alte Nachbarin Miss Wodehouse im Garten sieht, ist ihr sofort klar, dass etwas nicht stimmt. Tatsächlich liegt die alte Dame tot in ihrer modernen Badewanne. Offiziell ist dies ein Unglücksfall, doch Myrtle ist überzeugt, dass ein Mord geschah. Zu viele Ungereimtheiten fallen ihr auf, doch wer glaubt schon einer fast 13-Jährigen?

 

Myrtle ist fest entschlossen später Ermittlerin zu werden und notiert all ihre Beobachtungen sorgfältig. Wie ernst es ihr damit ist, lässt sich an den Kapitel Unterschriften entnehmen, denn jedem Kapitel ist stets ein Auszug aus „H. M. Hardcastle: Die Grundlagen der Detektion – Ein Handbuch für Amateur- und Berufsermittler 1893“ voran gestellt. Bereits jetzt recherchiert und forscht das clevere und wissbegierige Mädchen aus gutem Hause zu den Grundlagen der Forensik und der Strafverfolgung. Leider ist das zu ihrer Zeit für junge Damen nicht sehr angesehen, weshalb sie keine gleichaltrigen Freundinnen hat, aber eine echte Verbündete in ihrer unkonventionellen Gouvernante. Immerhin Mr. Ambrose, der angesehene alte Anwalt und Freund ihres Vaters unterstützt sie und lobt ihre Cleverness ebenso wie alle anderen. Doch Cleverness ist damals kein Lob für ein junges Mädchen. Immerhin Mrs. Wodehouse Angestellte haben sie ebenso ins Herz geschlossen, wie die ihres Vaters. So kann Myrtle recht sorglos Spuren auf Redgraves sichern. Selbst als Nichte und Neffe der Verstorbenen auftauchen, nimmt es ihr keiner übel, denn als Kind sieht in ihr niemand eine ernst zu nehmende Gefahr. Eine solche erkennt Myrtle hingegen sofort in der blondgelockten neuen Nachbarin Priscilla, die sich daher sofort ihres Argwohns ebenso gewiss sein kann, wie deren Cousin Giles. Beide hat Myrtle ab sofort im Visier. Vor allem Priscillas Avancen ihrem Vater gegenüber rufen Myrtles und Miss Judson Kampfgeist auf den Plan. Das ist sehr witzig, wie Myrtle einerseits ihrem Vater gehorchen will und irgendwie auch die Konventionen einhalten, anderseits alles in ihr sofort Priscilla gegenüber in Abwehrstellung geht. Beide erweisen einen unglaublichen Einfallsreichtum nicht nur was ihre Ermittlungen angeht, sondern auch, was die Abwehr von Annäherungsversuchen an Staatsanwalt Hardcastle anbelangt!

 

Natürlich hat Myrtle recht und der Tod der alten Nachbarin war kein Unfall, doch hat sie nicht mit den Konsequenzen ihres Nachweises gerechnet und steht nun mehr denn je unter Druck, den wahren Mörder zu entlarven. Da dieser Krimi im neunzehnten Jahrhundert spielt, ist die Auflösung rein analog, obwohl Myrtle bestens ausgestattet ist und sogar über ein Mikroskop und ein Fernglas verfügt! Ermittlungen ohne Technischen Schnickschnack finde ich aber sehr reizvoll, denn auch heutzutage klappt das vor allem in Fernsehserien und weniger in der Realität.... so hat man auch beim Miträtseln gleiche Chancen, wie die Ermittler!

 

Das Cover finde ich wunderschön und auch die Aufmachung mit den Kapitelauszügen aus Myrtles Handbuch finde ich richtig klasse. Ein zugleich niveauvoller, humorvoller und abwechslungsreicher Fall für eine junge Nachwuchsermittlerin. Ich bin schon sehr gespannt von ihren neuen Fällen zu lesen!

 

Vielen lieben Dank an den Knesebeck für mein Rezensionsexemplar!

 

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