Dienstag, 28. Juli 2020

Lost in Fuseta – Schwarzer August, Gil Ribero, gelesen von Andreas Pietschmann, Argon Verlag, 2 MP3 9 h gekürzt



Lost in Fuseta – Schwarzer August, Gil Ribero, gelesen von Andreas Pietschmann, Argon Verlag, 2 MP3 9 h gekürzt

Leander Lost ist glücklich verliebt! Und verlässt mit seiner geliebten Soraia kaum noch das Haus. Doch muss sich das leider ändern, als ein Bombenanschlag diesen ruhigen Teil der Algarve erschüttert. Der Anschlag scheint allerdings genau geplant worden zu sein, so dass in der kleinen Bankfiliale im Nirgendwo kein Mensch zu Schaden kommt. Nicht das einzige merkwürdige Detail. Aber der nächste Anschlag lässt nicht lange auf sich warten und fällt bereits spektakulärer aus. Die Polizei tappt im Dunkeln und auch der vor Ort befindliche Journalist kann offenbar nicht weiterhelfen.

Dies ist der 4. Band der Reihe. Eigentlich kann man jeden Band auch für sich hören, das ist kein Problem, aber es wäre echt zu schade, weil jeder von ihnen ein Ohrenschmaus ist, den man sich nicht entgehen lassen sollte! Ich liebe einfach die Charaktere, die sich entwickeln und einige running gags versteht man einfach erst, wenn man die Teile zuvor kennt, die Besonderheiten, die sie auszeichnen. Anfangs konnte ich Carlos Esteves, den Frauenliebhaber und Genießer nicht so sonderlich leiden, aber langsam wächst er mir richtig ans Herz und ich muss einfach grinsen, wenn er mal wieder nach der nächsten Köstlichkeit greift, während sein Herz eigentlich stets weiß, was es will. Dabei ist er grundehrlich, unerschütterlich und wirklich durch fast nichts aus der Ruhe zu bringen. Ganz offensichtlich habe ich ihn doch 3 Bände lang unterschätzt, immer etwas weniger. Allerdings ist er der Fels in der Brandung von Subinspettore Graciana Rosado, Leanders Vorgesetzte und ältere Schwester von Soraia. Doch auch die übrigen Charaktere bekommen immer mehr Substanz, wie der eitle Miguel Duarte, der stets darum bemüht ist gut auszusehen und zu beeindrucken, dabei aber nie einen Fettnapf auslässt. Leander in Love ist mit seiner zwanghaften Ehrlichkeit einfach unschlagbar, urkomisch, wobei man eigentlich weniger Leander auslacht, als über die höflichen Lügen der Konventionen, die er zwanghaft auslässt. Sowohl Leander als auch Carlos haben mich mit ihren trockenen Kommentaren immer wieder zum Lachen gebracht, wobei ich diesen Fall den spannendsten bisher finde. Wie auch bei den vorherigen Bänden, geht es hier um eine politisch-wirtschaftlich-brisante Verflechtung mit Verbrechen im großen Stil. Dieser Bomber hier hat eine Mission, wenn auch keine religiöse. Leander Lost entgeht nichts, so fällt ihm auch auf, dass diese Anschläge recht ungewöhnlich sind. Sie verfolgen einen Plan, aber nicht gnadenlos. Der Täter ist intelligent, aber mit Gewissen. Da Leander aufgrund seines Asperger Syndroms Ironie nicht versteht, so hat er eine unschlagbare Beobachtungsgabe und ein fotografisches Gedächtnis. Um Emotionen deuten zu können hat er menschliche Mikromimiken studiert und ist mittlerweile ein menschlicher Lügendetektor. Zusammen mit Gracianas und Carlos Bauchgefühl ein unschlagbares Team. 

Wobei auch die Kriminaltechnikerin Isadora tiefenentspannt, aber auf zack ist, im Gegensatz zu dem heimgekehrten Adonis der Polizeistation von Fuseta. Die Charaktere durchdringen den Fall, ohne aber diesen zu ersticken, oder in den Hintergrund zu drängen. Sie geben ihm einfach eine liebevolle Note, die von Andreas Pietschmann hervorragend herausgearbeitet wird. Er versteht es einfach sowohl Leanders bisweilen jungenhaft naive Art, als auch seine trocken-ehrlichen Taktlosigkeiten überzeugend herüberzubringen. Von Familie Rosado würde man sich zu gerne mal einladen lassen und mit Carlos einen Trinken gehen. Seine unerschütterliche Ruhe und trockenen Sprüche versteht der Schauspieler genau auf den Punkt zu treffen. Dabei setzt er die Akzente pointiert, aber nie übertrieben. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich einige meiner Lacher im Buch überlesen hätte, in meinem Drang der Aufklärung näher zu kommen.

Auch wenn ich es diesmal sehr lustig finde, ist der Hintergrund ernst und kritisch, was mir persönlich sehr gut gefällt. Es werden auch Actionszenen aufgenommen, bei deren Hören ich mich fragte, was bei so viel Spannung denn da noch kommen soll, um kurz darauf mit einem diebischen Grinsen zu enden. Bis zum Ende habe ich mich nicht eine Minute gelangweilt! Für mich ein echter Krimigenuß den Andreas Pietschmann gekonnt variiert und akzentuiert!

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Argon Verlag für mein Hörexemplar!
Hier findet Ihr eine Hörprobe:

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Montag, 27. Juli 2020

Die Waldmeisterinnen (2) Einmal Glück für alle, Andrea Schütze, Illu. Petra Eimer, Boje Verlag



Die Waldmeisterinnen (2) Einmal Glück für alle, Andrea Schütze, Illu. Petra Eimer, Boje Verlag

Holly Holunder und Lia Lavendel leben im Wildwood Forest, genauer gesagt im Woodruff-Winkel, in einem kleinen verwinkelten Häuschen mit Erfinderwerkstatt. Dort haben sie für die Sorgen und Nöte der Waldbewohner ein offenes Ohr und versuchen ihre Probleme zu lösen. Denn Lia hat ein untrügliches Gespür für Stimmungen und kann prima Kochen und Backen und Holly ist eine begnadete Erfinderin und Tüftlerin. Ein unschlagbares Team, selbst wenn bisweilen mal etwas anders gelingt, als geplant, so wie der regenbogenfarbige Schwanz von Eichhörnchen Brownie, das in Hollys Hut lebt. Es scheint ein ganz normaler Tag zu werden, doch schon bald merken die zwei Schwestern, dass etwas nicht stimmt. Alles geht irgendwie schief: statt eines funktionierenden Schwarzmalers, eines Gerätes mit noch unbekannter Funktion, läuft plötzlich ein Zebra durch die  Werkstatt. Auch bei den übrigen Wald- und Seebewohnern läuft nichts wie es soll und keiner ist mehr richtig fröhlich. Holly und Lia sind fest entschlossen das Glück für alle in den Wald zurück- zubringen. Doch was ist Glück und wie verliert man es oder bringt es zurück?

Dieses Buch richtet sich an junge Leserinnen von 7 – 9 Jahren und eignet sich aber auch sehr gut zum Vorlesen. Die Illustrationen sind alle farbig und bedecken teilweisen die Doppelseiten, so dass weißer Druck auf bunter Farbe einen schönen Kontrast bildet. Das wirkt sehr liebevoll gestaltet und dieser Eindruck wird abgerundet, durch den freundlichen Ausdruck der Figuren und die kurzen und warmherzigen Ausblicke in das jeweils kommende Kapitel statt Kapitelüberschriften. So wird man neugierig und liest vielleicht noch ein Kapitel mehr als eigentlich geplant war. Die Kapitel sind dabei recht kurz, so das der Umfang zum Selberlesen ermutigt, allerdings wird keine Fibelschrift für Leseanfänger verwendet. Auch der Textumfang pro Seite und die Schriftgröße richtet sich durchaus an willige, geübtere Leser und nicht an Anfänger, wobei das Schriftbild durch den großzügigen Zeilenabstand sehr angenehm ist. Eingerahmt wird die Geschichte von Lia und Holly stets von einer Rahmenhandlung, in welcher Lord Huntercraft abends am Kamin, seinem treuen Hund Elliot Geschichten aus dem Wildwood Forest vorliest. Damit man sich das alles besser vorstellen kann, ist dieser Teil optisch abgesetzt und es sieht aus, als wäre auf altem vergilbten Papier gedruckt, so wie schon die Übersichtskarte über den Wildwood Forrest im Bucheinband. Am Ende geben Lord Huntercraft und Elliot immer noch einen Ausblick auf mögliche neue Abenteuer, so dass sich das Ende des Buches nicht nach Abschied anfühlt, sondern wie Vorfreude auf all das was noch kommen mag. Bis es so weit ist, findet man im Anhang noch 3 neue Ideen/Rezepte aus Lias und Hollys Rezept- und Bastelbuch: Löffelapfel im Glas, Herzliche Holunder-Muffins und Plätzchenwörter/Wörterplätzchen. Kinderleicht und herrlich lecker! Kann man ganz einfach mit seinen Eltern oder älteren Geschwistern zusammen nachmachen und gemeinsam Kochen/Backen/Basteln ist doch Glück pur!

Das ist überhaupt eine spannende Frage, der Holly und Lia nachgehen müssen. Was ist Glück? Wie setzt es sich zusammen? Kann man es herstellen? Oder vielleicht teilen? Kann man das Glück zurückholen? Die zwei müssen dazu das Leben ihrer Freunde im Wald genau beobachten und stellen dabei fest, das Glück ganz individuell verschieden ist, für jeden was anderes, irgendwie müssen sie es also schaffen, Glück für alle herzustellen und zu verbreiten, bis die Kicherlinge wieder eigenen Glücksglimmer herstellen können. Was für eine schöne Idee! Wir würden ja sehr gerne mal Kicherlinge, Feen, Elfen und einen Wassermann treffen, aber vor allem Glücksglimmer sehen! Sehr kindgerecht wird verständlich gemacht, dass es nicht das eine große Glück gibt, sondern sich jeder über sein persönliches Glück freut. Wie bereits im ersten Band festgestellt, kann das Pech des einen, das Glück des anderen sein. Dann muss man die jeweiligen Betroffenen nur zusammenbringen und schon sind alle zufrieden! Ein wunderschöner Gedanke, weil er auch Kommunikation und Zuhören erfordert!

Ein Buch das glücklich macht, auch wenn man älter als 9 Jahre alt ist! Übrigens kann man es geübten Zuhörern auch schon etwas früher vorlesen, allerdings sollten sie schon eine gewisse Zuhörkonzentrationsspanne aufweisen.

Einfach zauberhaft! Für gemeinsame Lesestunden oder auch zum Selbstlesen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Bloggerjury für unser Leseexemplar und freuen uns auf neue Abenteuer der Waldmeisterinnen!

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