Montag, 6. Juli 2026

Werbung/Rezensionsexemplar: „Hast Du Angst vor mir? - ein denkwürdiger Sommer“ Gabriele Keiser, Rhein Mosel Verlag

 

Werbung/Rezensionsexemplar: „Hast Du Angst vor mir? - ein denkwürdiger Sommer“ Gabriele Keiser, Rhein Mosel Verlag

 

Unmittelbar nicht dem 2 Weltkrieg fehlen auch in der Westpfalz  Männer nicht nur in der Landwirtschaft. Gerade junge Männer sind rar, mussten doch die meisten in den Krieg ziehen. So geht es auch der 19 jährigen Linde Liebold, die mit ihrer herrischen Mutter einen kleinen Hof in einem westpfälzischen Dorf bewirtschaftet. Ihr Vater ist noch immer vermisst und sie haben seit Jahren kein Lebenszeichen mehr von ihm erhalten. Da taucht plötzlich ein junger Kerl im Dorf auf und heuert auf dem Nachbarhof an. Linde ist sofort von ihm und seiner Aufmerksamkeit angetan. Erzählt ihr von Frankreich und wo er schon überall herum gekommen ist. Ihrer Mutter gefällt das gar nicht, denn was weiß man schon über ihn und seine Familie?

 

Zeitgleich geht der jahrelang suspendierte Kommissar jüdischer Herkunft, Bernstein im Kommissariat Kaiserslautern einer Reihe von Gewaltverbrechen an jungen Frauen und Mädchen nach. Steckt wirklich der gefürchtete Autobahnwürger hinter dieser außergewöhnlichen Serie an Morden und Vergewaltigungen?
Der Roman, der von wahren Begebenheiten inspiriert ist, schildert eindrücklich das Landleben kurz nach dem Krieg, als man gewillt war, mit allen Mitteln auf den Trümmern einer schrecklichen Vergangenheit eine blühende Zukunft zu gestalten.

 

Oh je, war das Leben auf dem Land früher hart, aber auch einsam. Das kann man sich heute hier gar nicht mehr vorstellen, ein Leben ohne Wasch- und Spülmaschine, den Herd anfeuern zu müssen und dann noch die schwere Landarbeit ohne helfende Hände von Männern. Ein Schicksal, dass wohl alle vom Krieg gebeutelten Länder teilen, auch heute noch. Besonders schlimm empfinde ich aber Lindes tiefe Einsamkeit. Da sie ständig auf dem Hof arbeitet und auch keine Ausbildung anfangen darf, hat sie keine Zeit sich mit Freundinnen zu treffen oder mal neue Menschen kennen zu lernen. Dabei macht ihr die Eintönigkeit ebenso zu schaffen, wie die schroffe, unnachgiebige Art ihrer Mutter. Kein Wunder, dass der neue Knecht von nebenan, ihr fast wie eine Lichtgestalt vorkommt, auch wenn er nicht nur sehr musikalisch ist, sondern bisweilen auch ein wenig sonderbar. Ich habe echt mit Linde gelitten, aber auch mit ihrer Tante Resi, die wegen ihrer lebensbejahende und für die Tratschweiber zu lockeren Art, im Dorf ziemlich geächtet wird (aber doch nicht ganz, denn immerhin ist sie ja eine von ihnen und man weiß ja, wo sie herkommt). Wir lernen eigentlich das halbe Dorf mit seinen Eigenheiten, Geheimnissen und Vorurteilen kennen und ja Vorurteile können gnadenlos und zerstörerisch sein...

 

In Kaiserslautern geht es schon deutlich moderner zu, zumindest nach Außen hin, auch wenn in den Köpfen leider noch vielen beim Alten geblieben ist, was Kommissar Bernstein immer wieder feststellen muss. Mit dem Ende des Krieges und der Entnazifizierung sind leider nicht alle von den Nazis indoktrinierten Gedanken aus dem Gedächtnis der Bevölkerung verschwunden. Neben seinen recht modernen Ermittlungsmethoden und seiner offenen Förderung von Frauen in der Kripo, dürfen wir aber auch an seinen Erinnerungen teilhaben, die uns erkennen lassen, dass es mehr gibt, als nur schwarz-und-weiß, gut und böse.... Beide Erzählstränge werden miteinander verflochten, treffen aber erst ganz am Ende aufeinander....

 

Dieser Krimi orientiert sich an einem wahren Kriminalfall, der sich tatsächlich in der Nähe des mütterlichen Heimatdorfes der Autorin zugetragen hat. Ich finde den Zeitgeist von damals sehr gut eingefangen, auch wenn ich damals nicht gelebt habe.... Sehr gut finde ich die Blicke in die Gedanken und Gefühle der jeweiligen Protagonisten beschrieben. Mir hätte allerdings bislang etwas mehr Tempo schon gut gefallen, aber es wird ja auch als Roman und nicht als Kriminalroman deklariert. Es geht halt mehr um das Seelenleben und den Zeitgeist Anfang der 50er in der Westpfalz. 

 

Ein wirklich interessantes Zeitportrait, das ich gerne zitiere, wenn mein Mann meint, man könne Wäsche nicht falsch aufhängen ;)

 

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Rhein Mosel Verlag für mein Rezensionsexemplar!

 

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