Freitag, 26. Mai 2017

Lilo auf Löwenstein – Ab ins Schloss, Mara Andeck, Eleni Livanios, Boje Verlag



Lilo auf Löwenstein – Ab ins Schloss, Mara Andeck, Eleni Livanios, Boje Verlag
Lilo heißt eigentlich Lisa Lorenz, ist 11 Jahre alt und träumt von großen Abenteuern. Leider wohnt sie mit ihren Eltern und ihrem 10 Monate alten Bruder Ben in einer winzigen Stadtwohnung im gleichen Haus wie der stets schimpfende und brüllende Vermieter Herr Frenk. Als sie auf der Suche nach neuen Abenteuern vom Baum fällt, muß sie wegen einer Gehirnerschütterung ihr Hirn ausruhen und hat anschließend die besten Ideen: Sie müssen dringend weg von Herrn Frenk und brauchen eine neue Wohnung. Der Rest der Familie ist begeistert und Papa Flo hat als Architekt direkt das perfekte Objekt an der Angel: eine der drei Wohnungen auf Schloss Löwenstein die der Graf vermietet um den Unterhalt des Schlosses bezahlen zu können! Das Schloss liegt in einem riesigen Park mit Fluss, See, Wald, Schuppen und Scheuen und allem was so ein Abenteurerherz begehrt. Schon beim Umzug schließen Ben und Lilo Freundschaft mit David dem Sohn von Papas Freund, der beim Umzug hilft. Sie haben einfach riesen Spaß, bis die Töchter der neuen Nachbarn untendrunter die neue Harmonie stören. Aber nicht alle Nachbarstöchter sind so zickig wie die schöne Helena Lavendel, die eingebildete Älteste. Ein Sommer voller Abenteuer und Geheimnisse beginnt.
Lilo liebt Abenteuer und möchte später über sie schreiben! Daher müssen in dieser Geschichte natürlich Abenteuer vorkommen, allerdings sind es solche, die Kindern durchaus passieren könnten, ohne daß sie in unsinnige Gefahr gerieten. So ist es spannend, aber entstammt dennoch der realen Kinderwelt (auch wenn Kinder meistens nicht auf Schlössern wohnen). Aber es geht eben auch um Neuanfänge und Freundschaft. Lilo Schulferien beginnen, sie hat jede Menge Zeit aber ihre zwei besten Freundinnen sind erst einmal wochenlang verreist und wohnen nun ja auch nicht mehr direkt um die Ecke. Sie darf nun in einem Schloss mit Abenteuergarantie leben, aber sie muß sich auch neu positionieren, denn die neuen Nachbarn haben drei Töchter und David der Sohn von Papas altem Schulfreund, der aus Amerika zurück gekehrt ist, kommt nun auch ständig zu Besuch.
Gut gefällt mir, wie Lilo mit der ältesten Nachbarstochter Helli umgeht. Das erste Zusammentreffen ist eine Katastrophe, aber sie meistert die Situation ganz alleine und mit Bravour! Gut, sie verkriecht sich erst mal, aber vor allem weil sie Zeit zum Nachdenken braucht und ihr ist bewußt, daß sie sich nicht ewig verstecken kann. Das gefällt mir sehr gut, es ist eine sehr kindgerecht Situation und dennoch kann das Kind aus seinem eigenen scheinbaren Teufelskreis ausbrechen. Das macht Mut und stark. Sie schafft es, sich von Helli nicht unterkriegen zu lassen, obwohl diese sich echt Mühe gibt, sich auf Lilos Kosten zu profilieren. So ist es kein Buch über Mobbing, sondern über Stärke, Mut und Freundschaft. Denn natürlich findet Lilo Freunde, aber daß dies von Lilo erst mal selbst geheim gehalten wird, will ich es auch nicht verraten. Denn in diesem Buch beschreibt Lilo ihre Abenteuer von dem Moment an, als sie vom Baum fiel. Beim Erzählen der Geschichte hat sie Unterstützung von einer vorerst unbekannten Person, die ihren Namen in den Teilen, die von dem Erzählprozess berichten, immer mit böpppp wegzensiert wird. Das ist lustig, ebenso wie die in grün gedruckten Gespräche der zwei Kinder und Lilos Feelies. Während die Abenteuer in normalen schwarzen Lettern gedruckt sind, sind ihre Gefühle in grün gedruckt. Denn neben dem Schreibprozess, diktiert Lilo auch ihre Gefühle und Eindrücke in ihr Handy, um nicht zu vergessen, wie sie sich in besonderen Lebenssituationen gefühlt hat. Diese Kombination aus kindlichen Abenteuern und ihrer Gefühlswelt ist wirklich sehr gelungen. Ebenso wie die in den Text eingewobenen Erklärungen von für Kinder unbekannten Begriffen.
Da dieses Buch ja schon ab 8 Jahren ist, zieren Illustrationen von Eleni Livanios die Buchinnendeckel. Im Inneneinband sieht man Familie Lorenz mit ihren Kisten in der Eingangshalle eintreffen und im hinteren Buchinnendeckel ziert ein Plan des Schlossgeländes die Seiten und lädt zum Träumen und Nachschlagen ein. Im Textteil selber zieren vor allem Vignetten die Kapitelanfänge, ansonsten beschränken sich die Illustrationen vor allem auf Listen, Pläne und kleine Tierzeichnungen. Dies ist sehr hübsch, aber natürlich können Kinder immer noch mehr Illustrationen vertragen, ein zu viel ist für sie fast nicht möglich…
Die Autorin Mara Andack lebt mit ihrer Familie in einem Dorf bei Stuttgart und rettet dort gerne Tierbabys. Diese Liebe zur Natur und zu Tieren atmet diese Geschichte auch aus. Denn trotz Lilos Handy, das sie für ihre Feelies braucht, ist Mara Andrack vor allem eine Liebeserklärung an die unbeschwerte Kindheit in der Natur und die Freundschaft gelungen. Abwechslungsreich, witzig und sehr kindgerecht.
Wir sind schon sehr gespannt, ob Lilo im Herbst das große Cliffhanger-Geheimnis von Ende des ersten Bandes lüftet und ob auch Grafen Löwenstein und sein blasser Enkel noch eine größere Rolle spielen werden.
Wir freuen uns auf Band 2, dieses schönen noch relativ großgedruckten Buches für Kinder zum Selberlesen ab 8 Jahren und zum Vorlesen sicher schon ab 7 Jahren und empfehlen es mit 5 von 5 Sternen gerne weiter.

Mittwoch, 24. Mai 2017

Balkon für Faule – ganzjährig grün mit winterharten Pflanzen, Ursula Kopp, Bassermann



Balkon für Faule – ganzjährig grün mit winterharten Pflanzen,  Ursula Kopp, Bassermann
Wie kann ich meinen Balkon ansprechend gestalten, ohne im Winter viel zu viele Kübel im Haus überwintern lassen zu müssen und ganzjährig ein ansprechendes Gartengefühl zu haben? Der Pflegeaufwand sollte sich in Grenzen halten, da sich das Buch an Berufstätige oder Menschen, die aus anderen Gründen wenig Zeit und Lust auf Pflanzenpflege haben und dennoch nicht auf gepflegtes Grün verzichten wollen.
Dabei beginnt das Buch direkt mit der Planung der Bepflanzung, bei den Grundlagen, d.h. unterschiedliche Pflanzgefäße, Pflanzsubstraten und der Ausrichtung des Balkons, da es für die Bepflanzung von entscheidender Bedeutung ist, wie sonnig oder eben nicht, der zu bepflanzende Balkon ist.
Diverse Bilder veranschaulichen hierbei die beschriebenen Produkte und worauf man beim Kauf achten sollte. Neben Fertigsubstraten werden auch Anleitungen zum Selbstmischen gegeben. Denn neben Austrocknung ist Staunässe die größte Gefahr bei Balkonpflanzen.
Nach einem umfassenden Pflanzlehrgang, erhält man Pflanzvorschläge mit Bildbeispielen, die einem Kombinationsmöglichkeiten von verschiedenen Pflanzen in einem Pflanzgefäß farblich und nach Anforderungsverträglichkeit präsentieren. So kann man oft noch neben einige immergrüne langsam wachsenden Zwergsträuchern noch Blumenzwiebeln, Stauden und ein paar Balkonblumen in ein Gefäß pflanzen, sofern diese ähnliche Ansprüche an Boden, Licht und Bewässerung haben. So wird darauf hingewiesen, daß echte winterharte Pflanzen sich im Winter zurückziehen wie z.B. das tränende Herz oder Pfingstrosen, so daß im Winter lediglich ein leerer Topf traurig auf dem Balkon steht, der wenig dekorativ ist. Daher sind die bildlichen Kombinationsvorschläge gerade für absolute Laien sehr hilfreich.
Dies wird noch weiter ergänzt um Tabellen, in welchen geeignete Gehölze und Sträucher mit ihren Anforderungen aufgelistet sind, gefolgt von einer Übersicht über wichtige und geeignete Stauden und Zwiebelgewächse, einer Tabelle für beliebte Balkonblumen und sogar Vorschläge für eine Kräuterbepflanzung. Diese Tabellen sind nur als Anregung zu verstehen und nicht vollständig. Wenn man das Prinzip verstanden hat, kann man natürlich auch die vorgeschlagenen Pflanzen durch solche mit vergleichbaren Ansprüchen austauschen, die Anforderungen sind ja meist auf den Töpfen durch Symbole markiert. Andernfalls sollte man in eine Gärtnerei oder Baumschule gehen und sich vor dem Kauf beraten lassen. Dies gilt auch für Giftpflanzen. Im Buch findet sich ein dicker Hinweis, daß einige der Nadelgehölze giftig seien und man sich vor dem Kauf besser in der Baumschule beraten ließe, welche Pflanzenteile davon betroffen sind. Ein kurzes Giftsymbol in der Tabelle hätte ich da schon hilfreich gefunden. Wahrscheinlich hatte die Autorin Angst vor Haftungsfragen….
Im Anschluß an die Tabellen werden noch einige beispielhafte Pflanzen aus jeder der vorgestellten Gruppen genauer beleuchtet, gerade hinsichtlich von Pflegebesonderheiten. Hierbei werden gerade bei den Balkonblumen viele Klassiker wie Geranien und Fuchsien ausgelassen und auch die Hortensie wird nicht erwähnt (die sieht im Winter aber auch zu traurig und undekorativ aus). Das finde ich sehr schön, ich kann Geranien nicht mehr sehen und sie müssten ohnehin im Haus überwintern, ebenso wie der anspruchsvolle Oleander, der wohl aus demselben Grund in diesem Buch verschwiegen wird. Es wird schon Wert auf eine zeitgemäße Balkonbepflanzung gelegt.
Sehr schön fand ich, wie viel ich über die von mir bereits verwendeten Pflanzen, sowohl Stauden als auch Kräuter gelernt habe. Nächstes Frühjahr werde ich sicher einiges anders machen. So habe ich jetzt mal schnell meine Christrosen unter der Erde abgeschnitten, bzw. umgesetzt.
Nachdem ich feststellte, daß mein eh schon zickiger Oleander unter tierischer Staunässe leidet, habe ich mich bei der nächsten Topfbepflanzung brav an die Empfehlungen aus diesem Buch gehalten und was soll ich sagen: meine Petunien sehen um mein Fuchsienstämmchen richtig gut aus! Keine Staunässe, aber auch kein Austrocknen, dank Bims und Rheinkies im Topf (sehr praktisch, spart Blumenerde und die Findlinge der Kinder sind endlich zu was nutze). Nein, diese Blumen sind nicht winterhart, aber es soll ja auch gerade etwas blühen, nächstes Jahr kommt dann was Neues in diesen Topf.
Durch das Buch habe ich auch festgestellt, daß ich meinen Vorgarten unbewußt ziemlich optimiert habe. Denn für Vorgärten und Gräber kann man die Kenntnisse natürlich auch anwenden. Schließlich möchte man ja auch Gräber möglichst arbeitsunintensiv und dennoch dekorativ bepflanzen. Grabpflege klingt auf Buchtiteln aber nicht so sexy….
Da es sich um ein Buch für „Faule“ d.h. Menschen mit wenig Zeit handelt, ist es oft recht kurz gehalten und präsentiert nur eine Auswahl geeigneter Pflanzen, dafür aber mit vielen ansprechenden und ausdrucksstarken Bildern. Das fand ich sehr angenehm. In der Kürze liegt bisweilen die Würze. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, weil ich in jedem noch so kurzen Abschnitt immer noch was Interessantes entdeckt habe und ich die Texte nie langatmig fand.
Ein Sachbuch, das mir richtig Spaß gemacht hat (klar, ich bin ja auch faul ;)) und mich sofort zum Buddeln und Graben inspiriert hat und ich habe es auch tatsächlich getan! Schnell mal eben hier geschnippelt und da geschnippelt, da ich ja nun genau weiß, wann ich was abschneiden muß bei Frühblühern…..
Für mich rundum gelungen und ich werde es sofort meiner Schwägerin in die Hand drücken, neu gekauft, meines gebe ich nicht mehr her! 5 von 5 Sterne im Dauereinsatz.
Ich bedanke mich ganz herzlich beim Bassermann Verlag für dieses tolle Rezensionsexemplar!