Montag, 11. September 2017

Kaltnacht, Gabriele Keiser, Gmeiner


Kaltnacht, Gabriele Keiser, Gmeiner
Dies ist Franca Mazzaris 6. Fall. Die Koblenzer Kommissarin, Anfang/Mitte 50 hat nur mäßige Lust auf Sylvester. Eigentlich wollte die Halbitalienerin mit den übrigen Singlefrauen des Polizeipräsidiums feiern, aber die Gastgeberin ist erkrankt und sagt kurz nachdem Franca den kompletten Partyeinkauf getätigt hat, ab. Verärgert legt Franca beim Ausparken den falschen Gang ein und rammt ein anderes Auto….
Leider fängt das neue Jahr nicht besser an. Die Halbitalienerin hat eigentlich frei, doch wegen Personalmangels in der Winterzeit und einer Vielzahl an Sylvestereinsätzen wird Franca an Neujahr zu einem Doppelmord in Bad Breisig gerufen. Wer ermordet so grausam ein glückliches Paar, das noch kurz zuvor mit Verwandten einträchtig feierte und wo ist ihr 5 jähriger Sohn? Wurde er entführt, oder konnte er weglaufen? Die Spuren am Tatort deuten darauf hin, daß Opfer und Täter sich kannten. Zu intim sind die beigebrachten Verletzungen und zu verräterisch die Auffindesituation.
Die Ermittlungen kommen trotz vielfältigster Hinweise aus der Bevölkerung nicht voran, da bekommt Franca noch einen weiteren Fall auf den Schreibtisch. Ein Raser, der auf der Flucht vor der Polizeikontrolle entgegen der Fahrtrichtung auf die ausgebaute B9 fährt und bei einem Zusammenprall mit einem Kleinwagen eine junge Mutter und deren kleine Tochter tötet. Der Geisterfahrer überlebt und soll von Franca vernommen werden.
Ich habe mich gefreut, nach gut 2 Jahren wieder mehr aus Franca Mazzaris Leben zu erfahren. Ihre Fälle sind persönlich und emotional, ohne sich im Privatleben der Ermittlerin zu verzetteln. Das ist sehr angenehm und lässt den Leser schnell in die Geschichte eintauchen.
Dieser Fall beginnt mit vielen Einblicken in das Leben sehr verschiedener Menschen, deren Schicksal irgendwie miteinander verwoben zu sein scheint. Es sind schon sehr viele Schicksale, da sollte man gut am Ball bleiben und schnell weiterlesen, um die Schicksale nicht wieder zu vergessen, denn keines ist ohne Belang, jedes Schicksal zählt und wenn es nur der Verwirrung der Ermittlerin dient.
Franca ist diesmal sehr dünnhäutig und gereizt. Nicht nur dass ihr Kollege Hinterhuber seine Karrierepläne vor ihr geheimhält, der Umsympath der Abteilung Brock kann seine unqualifizierten Bemerkungen nicht lassen und so bekommt die arme Clarissa, die eigentlich bei diesen Ermittlungen mit Franca voll an einem Strang zieht, ihren Unmut ab. So ungerecht kann das Leben sein!
Sehr schön sind auch die lokalen und regionalen Besonderheiten des Tatorts und seiner Umgebung mit in diesen Krimi mit eingewoben.
Aufgrund der Struktur des Falles war mir relativ bald klar, wer denn der Täter sein würde, doch kamen mir aufgrund der Tatwaffe dann wieder Zweifel. Die Tatwaffe die unauffindbar war und deren Munition wohl aus Polizeibeständen stammte. Wieso das Ganze? Was es eine Tat aus Hass auf Polizisten mit türkischer Abstammung? Neidete jemand dem Kollegen die schöne blonde Frau? War die Welt des Paares wirklich so perfekt, wie es nach außen den Anschein hatte? Geschickt wurden Zweifel gesät, damit der Leser der einige Szenen aus einer anderen Perspektive kennt als die Ermittlerin, weiter mit Franca Mazzari miträtseln kann.
Schön locker geschrieben und angenehm zu lesen. Trotz der bisweilen pikanten Motive wird auf Obszönitäten verzichtet, es gibt eh keinen größeren Spannungszauber, als die Fantasie des Lesers. Diese Kunst den Worten Raum zur Entfaltung der Fantasie zu lassen, weiß ich zu schätzen.
Kurzweilige Krimiunterhaltung die sich lohnt, nicht nur, wenn man vom Mittelrhein stammt. Gerne gebe ich 4 von 5 Sternen.
Ich bedanke mich ganz herzlich beim Gmeiner Verlag, der es mir mit diesem Rezensionsexemplars ermöglichte, dieses Buch noch vor seiner Taufe am 12.9.17 um 16.00h im Rauscherpark kennenzulernen!

Sonntag, 10. September 2017

Die Bommelbande: Kamele küsst man nicht, Catharina Clas, Ameet Verlag



Die Bommelbande: Kamele küsst man nicht, Catharina Clas, Ameet Verlag
Die 10 jährige Lotte hat kurze blonde Locken, ist ein echter Wildfang und muß ziemlich oft auf ihre kleine 5 jährige Schwester aufpassen. Sie liebt es bei ihrer großen Cousine Paula in der Bommelvilla im Garten zu toben und in der unkonventionellen Küche zu essen und mitzuhelfen. Paula ist einfach nicht wie andere Erwachsene, sie ist anders, sie versteht Kinder und schimpft nicht immer gleich. Auch Lottes bester Freund Hannes, der schon 11 Jahre und in der 5. Klasse ist, fühlt sich bei Paula bei und liebt die Essenseinladungen dort, auch wenn seine Fußballkumpel sich darüber lustig machen, daß er mit Mädchen spielt.
Eines Tages in den Ferien ist auf dem benachbarten Gehöft der Bommelvilla richtig was los! Ein Kamelgestüt zieht nebenan ein und mit dabei die 10 jährige rothaarige Nora, die Hannes nur allzu begeistert in ihren Kreis aufnimmt. Das versetzt Lotte einen kleinen Stich, da ihr klar wird, wie sehr sie Hannes mag. Nora wird fortan von Lotte ziemlich angezickt, bis Paula sich länger mit ihr unterhält und einen Kussplan entwickelt, um heraus zu finden, was Hannes eigentlich will. Doch dann verschwindet das Baby-Kamel Pitt vom Nachbarhof und die Kinder suchen gemeinsam nach ihrem verlorenen Liebling.
Der Titel ist leider etwas irreführend. Die Kamele sind eher Randfiguren und niemand hat vor sie zu küssen. Vor allem geht es um die Beziehung zwischen Lotte, Hannes und Nora, wie sie sich kennen lernen, die Mädchen sich erst anzicken und doch aus der Not heraus anfreunden und zu einer Bande werden. Das ist eigentlich sehr schön erzählt, verliert sich aber bisweilen zu sehr in Nebenschauplätzen, statt sich auf die eigentlich spannenden Themen zu konzentrieren. Der geheime Raum, das verschwundene Kamel, Lottes Aussenseiterstellung in der Klasse, Lottes erste Liebe und Macho-Ben. Manchmal will das Buch zu viel und erreicht dabei zu wenig, wie Erzählungen von Kindern, die bisweilen auch Schwierigkeiten haben, sich auf das wesentliche zu konzentrieren. Die Themen hier hätten locker für zwei Bände gereicht, die man dafür aber hätte vertiefen können. Die Auflösung der großen Abenteuer, d.h. des verschwundenen Kamels und des geheimen Raumes, war dann enttäuschend banal. Dennoch hat die Geschichte auch witzige Momente und stimmt die Kinder auch nachdenklich. Es regt zum Reflektieren des eigenen Verhaltens an, wenn man liest, wie vehement Lotte Nora zu Beginn ablehnt, obwohl Nora keinen Grund dafür liefert.
Mir als Mutter hat es nicht gefallen, daß die 10 jährige Lotte ohne Not ihre 5 jährige Schwester ständig mitnehmen sollte, wodurch das Geschwisterverhältnis unnötig belastet wurde. Zeit die Kleine zum Klavierunterricht zu fahren, hatte die Mutter dann aber schon. Warum Lotte immer ihre viel jüngere Schwester mitnehmen muß, worauf diese keine Lust hat, wird nicht erläutert.
Meine ältere Tochter (10) fand den Kuss-Plan von Lotte und Paula doof und fand, daß das Thema zu viel Raum einnahm. Diese Eifersücheleien gefielen ihr nicht, sie sollten lieber spielen, vor allem sich auch mehr um die Kamele kümmern und das plötzliche Verschwinden von Babykamel Pitt. Ihr gefiel das Buch so mittel, sie hätte lieber ein anderes gelesen.
Meine jüngste Tochter (8) fand den Kussplan witzig, auch die Überlegungen von Lotte und Paula, wie man Hannes darauf aufmerksam macht, daß sein guter Kumpel Lotte ein Mädchen ist, ebenso wie Nora. Ihr hat das Buch gut gefallen und sie hat gerne zugehört.
Die dreifarbigen Illustrationen haben uns wirklich gut gefallen. Die Kombination von schwarz-weiß-orange ist ziemlich außergewöhnlich und fällt sofort auf. Es gibt dem Buch eine fröhliche Note.
Das Buch ist nicht schlecht, aber hat doch leider trotz der Entwicklung mit Kindern, einige Schwächen, die es zwar nett, aber nicht außergewöhnlich gut machen. Gerne vergeben wir 3,5 Sterne.