Sonntag, 7. Mai 2017

Stinktier & Co.: Stunk in der Geisterbahn, Rüdiger Bertram, Thorsten Saleina, cbj


Stinktier & Co.: Stunk in der Geisterbahn, Rüdiger Bertram, Thorsten Saleina, cbj
Dies ist der 2. Band der Serie um Zora, die an ihrem 10. Geburtstag ein freches Stinktier namens Dieter auf ihrer Bettdecke müffelnd und hungrig vorfindet. Ihr Vater offenbart ihr, daß sie wie seine Mutter, er und Schwester Nora unsichtbare Tiere als Begleiter haben, die nur diejenigen Menschen sehen können, die selbst über einen solchen Begleiter verfügen, also nicht Zoras Mutter und nicht ihre beste noch 9 jährige Freundin Kati, denn die unsichtbaren Begleiter offenbaren sich erst zum 10. Geburtstag! Dummerweise kann man sich max. 5 Meter von seinem Begleiter entfernen und Zora ist ganz schön stinkig so ein uncooles Tier als Begleiter erhalten zu haben. Nur ihren Klassenkameraden Leon mit Ratte Jasper und die schweigsame Anna mit Faultier Paula scheint es noch härter getroffen zu haben. Zu Katis Erstaunen freundet sich Zora mit dem Streber und der Schweigerin an.
In Band 2 ist plötzlich Noras Zebra Matilde verschwunden und Nora kommt vor Kummer nicht mehr aus dem Bett. Die Mutter, die immer noch keine Ahnung von den unsichtbaren Begleitern in ihrem Haus hat, versteht die Welt nicht mehr! Die arrogante Klassenzicke Jessica kommt plötzlich von ihrem hohen Ross runter, als ihr Einhorn Wattebällchen plötzlich verschwunden ist.
Zora überredet Kati, Leon und Anna ihr zu helfen, die verschwundenen Begleiter zu finden, denn die Vorstellung, daß Dieter ihr mit seiner frechen Klappe nicht mehr ständig auf den Geist geht, verursacht ihr ein flaues Gefühl in der Magengegend….
Band 1 lieben meine Kinder so sehr, daß sich die Große von ihrem Kommunionsgutschein das Hörbuch kaufte! Die Erwartungen an Band 2 waren also sehr hoch! Obwohl ich zwei Dinge unlogisch fand (wieso wird der super schlaue Leon, der sicher keine Klasse wiederholt hat, schon 11, wenn Kati immer noch 9 Jahre alt ist und in die gleiche Klasse geht?) und wenn das Band zu den unsichtbaren Begleitern einmal durchtrennt ist, wieso stirbt der Mensch dann nicht, wenn er auch sonst krank wird, wenn der Begleiter krank wird, wie bei Annas Vater? Mich haben diese zwei Punkte doch sehr beschäftigt, meine Kinder haben darüber keine Sekunde nachgedacht, ich habe sie aber ausnahmsweise auch nicht angesprochen, um ihnen den Spaß nicht zu verderben. Denn den hatten sie diesmal ganz eindeutig wieder. Dieter und seine Sprüche und Pannen sind wieder so witzig! Ebenso Dieters Gerangel mit Ratte Jasper und diese Wortgefechte zwischen diesen verwandten Tierseelen haben manchen Kicheranfall ausgelöst. Die Situationskomik dadurch, daß einige Menschen die unsichtbaren Begleiter nicht sehen können, darf auch nicht unterschlagen werden.
Doch diesmal wird es auch ein bißchen romantisch, was zu noch mehr Gekicher und zu „die sind verknallt!“-Ausrufen führte. Ja, aber alles altersgerecht ab 8 Jahren, keine Sorge, es ist alles im grünen Bereich!
Diese Suche nach den verschwundenen Begleitern dauert etwas, bis sich die Kinder an diese herantrauen, aber auch bis dahin geschieht schon so einiges. Dieser Band ist eindeutig spannender als Band 1, denn wie es schon der Titel verrät, kommt es zum Showdown in der Geisterbahn und das ist ganz schön spannend und auch ein bißchen gruselig.
Sehr gut hat uns die Freundschaft zwischen den Kindern wieder gefallen, denn die ist ja viel wichtiger als die Frage, wer ist der coolste, hippste, angesagteste? Auf die inneren Werte (und Düfte!) kommt es an! Schön auch, daß die Kinder nach den Begleitern suchen, obwohl sie weder Zebra Matilde, noch das eitle Einhorn mögen, aber das Solidaritätsgefühl, auch mit ihren uncoolen Begleitern, ist doch sehr ausgeprägt.
Sehr schön ist auch, daß Zora mit ihren 10 Jahren, ebenso wie Kati, kein Handy hat, auch wenn sie sich so sehr eines wünscht. Das tröstet meine 4 handylosen Testkinder, es gibt auch Probleme im Leben, die ohne Handy gelöst werden können ;)
Auch wenn Thorsten Saleina nicht der übliche Illustrator von Rüdiger Bertrams Büchern ist, finden wir seine Illustrationen super! Sie sind witzig und bringen es auf den Punkt! Wir könnten noch mehr von seinen herrlichen Illustrationen vertragen, aber die Anzahl ist durchaus angemessen, für die Altersklasse ab 8 Jahren.
Rüdiger Bertram, Jahrgang 1967 lebt mit Frau und Kindern, sowie einem weißen unsichtbaren Kaninchen in Köln und hat bereits zahlreiche Dreh- und Kinderbücher geschrieben, bei denen seine Mitbewohner seine ersten Testleser waren. Meist werden seine Bücher von Heribert Schulmeyer illustriert, mit dem er sich bestens versteht. Ihren verbalen Schlagabtausch im Stile von Waldorff und Stattler von der Muppet Show, kann man auf Facebook nachlesen. Aber, wir finden Thorsten Saleina hat die Aufgabe so toll gemacht, wir können uns Dieter und Co. gar nicht anders vorstellen! Sie müssen einfach so aussehen!
Eine wirklich tolle Kinderbuchreihe für Jungs und Mädchen ab der 3. Klasse zum selberlesen, mit noch recht großer Serifenschrift, illustriert und altersentsprechender Kapitellänge (d.h. auch der vorlesenden Mutter wird der Mund nicht fusselig, sollten Kinder bereits früher Dieters Abenteuer kennenlernen wollen).
Johanna, Florian (4. Klasse) Franziska und Sebastian (2. Klasse) finden die Reihe klasse (die Mütter dazu auch!) und freuen sich schon total, daß im Herbst schon der 3. Band erscheinen wird.

Freitag, 5. Mai 2017

Abenteuer & Wissen: Galileo Galilei, von Michael Wehrhan, Headroom Verlag



Abenteuer & Wissen: Galileo Galilei, von Michael Wehrhan, Headroom Verlag
„Und sie bewegt sich doch!“ Daran denke ich stets wenn ich den Namen Galileo Galilei höre. Aber stimmt es, hat er das wirklich gesagt? Auf diese und viele andere Fragen rund um den Bekannten Physiker, Mathematiker, Astronom und Erfinder der 1564 in Pisa geboren wurde, liefert diese Wissenshörproduktion informative und abwechslungsreiche Antworten.
Als Kind spielte Galileo Galilei begeister die Laute und zeichnete gerne. Sein Vater gab ihm den Rat: „Glaube nur an das was du siehst“. Diesen Rat beherzigte Galileo, der Zeit seines Lebens ein gläubiger Katholik war (womit er dann doch etwas glaubte, was er nicht sah, oder durch Experimente belegen konnte). Infolge dieses väterlichen Rates, war er der erste Wissenschaftler, der seine Forschungsergebnisse durch Experimente belegte bzw. durch eben solche erst neue Erkenntnisse gewann. So wird Galileo bereits in jungen Jahren bekannt und verehrt. Er entwickelt das Teleskop, mit dem er unermüdlich den Nachthimmel absucht und Konstellation im All entdeckt, die vor ihm noch nie jemand sah. Auch die Verbreitung des  Fernrohrs und seine Nutzung in der Kriegsführung zur See mehrten die Sympathien für ihn. Dennoch waren seine Einkünfte aus seiner Professur noch recht mager und er noch auf finanzielle Unterstützung seines wohlhabenden Vaters angewiesen. Als er jedoch als Erster verkündet, daß die Sonne der Mittelpunkt des Sternensystems ist und die Erde sich um die Sonne dreht, bekommt der renommierte katholische Forscher Ärger mit dem Vatikan.
Diese Wissensvermittlungs-CD ist nach dem Prinzip der Dokumentaries aufgebaut.
Mehrere Sprecher, hier Frauke Poolmann (Erzählerin), Tom Jacobs, Jakob und Simon Roden und andere, spielen die Biografie von Galileo Galilei ein, mit verschiedenen Rollen. Wobei Galileo nie heiratete, dennoch 3 Kinder mit einer Frau hatte. Besonders seiner Tochter Maria Celeste war er eng verbunden. Daher auch der abwechslungsreiche Einsatz von männlichen und weiblichen Stimmen. Die Sprecher sind dabei wirklich gut gewählt und gut voneinander unterscheidbar. Sie beleben die dicht gepackten Informationen innerhalb von 80 Minuten sehr gut. Hierdurch wird Galileos Leben lebendig und spannend.
Zwischendurch werden quasi Fakten, Hintergründe und Erläuterungen von Prof. Dr. Jürgen Teichmann eingeflochten, der erläutert, was so bahnbrechend an seiner Arbeit, seinem Denken und Wirken war und auch die Bedeutung für die heutige Zeit. Auf dem Cover wird er als Interviewpartner angegeben, aber er steht niemandem Rede und Antworten. Es sind vielmehr gesprochene, eingeschobene Sachbeiträge. Diese sind gerade für mich als Banausen der Physik und Astronomie erhellend. Sie sind sehr  gut verständlich und bildlich, so daß die Altersangabe von 8 bis 88 durchaus passend ist. Die Stimme des Professors ist nicht so wohlklingend wie die der professionellen Sprecher, aber durchaus nicht unangenehm. Meine Mithörer im Alter von 8 bis 53 haben mir verboten, für die professorale Stimme einen Stern abzuziehen. Mit jedem Hören, fand ich Prof. Teichmanns Stimme auch sympathischer.
Klar war mir klar, daß die Erde sich um die Sonne dreht, aber interessant fand ich auch, welche Gesetze Galileo noch beeinflusste und warum mal Physik, mal Astronomie. Als ihm die Astronomie von seinem einstigen Freund Papst Urban verboten wurde, wandte er sich im damals recht hohen Alter wieder der Physik zu. Da er stets experimentierte, gelang er auch dort zu erstaunlichen Erkenntnissen bei der Revolution der Fallgesetze.
Inzwischen wurde Galileo von Papst Johannes Paul dem II rehabilitiert. Nun darf auch ich als Katholikin glauben, daß die Erde sich um die Sonne dreht ;)
Mit den Abenteuer & Wissens Hörbänden zu Gutenberg und Galileo bin ich nun zwei geistigen Vätern  der Aufklärung auf die Spur gekommen. Es ist auch interessant beide Biografien miteinander zu vergleichen, da es sich jeweils um gläubige Katholiken handelte. Gutenberg war im Umgang mit der Kirche deutlich diplomatischer und wußte seine Kontakte zu nutzen, während Galileo sich verschätze. Unter den Folgen des päpstlichen Hausarrests hat er sehr zu leiden. Beeindruckender daher, daß er nie aufgab und sein Forschergeist nicht erlahmte.
Das beiliegende Booklet widmet sich auf seinen Doppelseiten Galileos Weltbild, seinen Erfindungen, Galileo im All (Raumsonde), berühmten Orten, sowie dem Autor Michael Wehrhan und dem Fachmann Prof. Dr. Jürgen Teichmann. Unterhalb des Booklets ist im Cover die Trackliste mit Titeln aufgeführt, abgedruckt auf einer doppelseitigen farbigen Abbildung des Weltalls mit Kometenschweif.
Wir 6 Testhörer (3 Kinder von 8-10), eine Optikerin/Orthoptistin,  ein Fachleiter/Lehrer und ich Oberphysikmuffel, haben dieses Werk für abwechslungsreich, interessant und informativ empfunden.  Es ist zwar ab 8 Jahren empfohlen, aber ein Werk, daß sich nicht nur an Kinder richtet.
Ich bedanke mich ganz herzlich beim Headroom Verlag für dieses erhellende Rezensionsexemplar.