Mittwoch, 15. Juli 2026

Werbung/Rezension: „Hilma af Klint, Ein Pop-Up-Buch“ Susie Hodge, Teresa Bellon, Fischer Sauerländer

 

Werbung/Rezension: „Hilma af Klint, Ein Pop-Up-Buch“ Susie Hodge, Teresa Bellon, Fischer Sauerländer

 

Diese Pop-Up-Buch-Reihe Reihe für Kinder ab 5 Jahre, die Kinder auf richtig plastische Art und Weise Kunst nahe bringen soll, finde ich ja total klasse! Bei diesem habe ich allerdings gestutzt, da ich die Künstlerin überhaupt nicht kannte. Na sowas! Wie konnte das nur sein?

 

Na ja, der Zeitstrahl am Ende des Buches und die Texte legen es nahe: Hilma af Klint war ihrer Zeit so weit voraus, dass sie sich dessen bewusst war, dass ihre Zeitgenossen ihre Werke nicht verstehen würden, nicht nur weil sie recht abstrakt sind und nicht naturgetreut, auch die Thematik wird viele überfordert haben.

 

Zwischen den Zeilen habe ich herausgelesen, als hätten nicht wenige ihrer Mitmenschen sie für verrückt gehalten. Auch kann man erahnen, dass sie, die sie kein klassisches Rollenbild lebte und sich stets unter Frauen aufhielt, Männer nicht reizvoll fand. Bei Frauen wurde des damals ja noch geduldet, wenn man es nicht zu offen zur Schau stellte, aber zum Star wurde man so nicht. Sie gab ihre Bilder daher ihrem Neffen zur Aufbewahrung, der sie erst veröffentlichen sollte, wenn die Gesellschaft reif dafür sei... das war erst nach ihrem Tod durch einen Autounfall im Jahre 1944 der Fall und auch damals waren die Menschen noch nicht so weit, um die spirituelle Kunst, dieser Frau, die aus dem gängigen Denkschema fiel zu schätzen. 1970 wurde die Welt erstmals auf sie wirklich aufmerksam, aber noch setzte sie sich nicht durch. Erst eine Ausstellung 2013 in Schweden ließ die Kunstwelt aufmerken und erst eine Ausstellung im Guggenheim Museum 2018 in New York brachte den Durchbruch. Wahrscheinlich war selbst ihr Neffe damals schon verstorben.

 

Da ich noch nie in New York war und deutlich vor 2013 in Schweden ist es also kein Wunder, dass sie mir bislang kein Begriff war.

 

Die Texte sind wirklich für Kinder verständlich und lassen Erwachsene erahnen, welch ungewöhnlicher Mensch sie für ihre Zeit (1862 – 1944) war. Sie liebte die Natur und das Spirituelle, jenseits der offiziellen Kirche. Dadurch dürfte ihre Popularität ganz schön gelitten haben.

 

Die Pop-Up-Elemente sind nicht nur wirklich ausgeklügelt, sondern teilweise richtig spektakulär! In das Solomon R. Guggenheim Museum, dass beim Aufklappen seine typische Fassadenwölbung zeigt, war ich sofort schockverliebt, aber auch ihre Kofferausstellungen sind sensationell wiedergeben, in dem man einen kleinen Koffer aufklappen und die Bilder herausnehmen und betrachten kann, ohne dass etwas verloren gehen kann.

 

Die Illustrationen sind aus Kosten- und Urheberrechtsgründen vereinfachte Darstellungen und keine Kopien, aber sie vermitteln einen sehr guten Eindruck von den Werken dieser wiederentdeckten Künstlerin. Sie verdeutlichen auch das besondere an ihnen.

 

Also eigentlich finde ich dieses Buch total super. Aber da die Künstlerin keine ist, die jeder kennt, sind die Texte wirklich inhaltlich und etwas umfangreicher, ohne Kinder zu überfordern. Es ist aber dennoch ein Bilderbuch und bei Bilderbüchern erwarte ich eine gewisse Schriftgröße. Bis auf die Überschriften mit ihren fettgedruckten Zusammenfassungen konnte ich das Buch tatsächlich nur auf der Terrasse bei Sonnenschein lesen, sprich: die Schrift ist viel zu klein. Das werden Leseanfänger nicht lesen können und auch Vorlesende ab einsetzender Alterssichtigkeit haben keine Chance (ich habe es selbst mit Gleitsichtlinsen nicht lesen können, ohne volles Sonnenlicht). Meine Jüngste als Teenagerin würde sich nun schlapp lachen, für Teenager ist das echt kein Problem, aber die lesen selten vor.... junge Eltern mit Adleraugen haben da wohl auch eher kein Problem.

 

Ich habe es daher erst im Sommer auf der Terrasse gelesen und bestaunt! Ich habe wirklich viel gelernt und die wirklich komplexen Pop-Up-Elemente, die die Kunstwerke ganz toll ergänzen haben mich wirklich aus den nicht getragenen Socken (ist ja Sommer) gehauen! Ganz große Buchmacherkunst!

 

Ein echter Hingucker, der neugierig auf Kunst macht und zum Entdecken einlädt! Aufgrund ihrer freundlichen Farben und Motive ist sie auch wirklich gut für diese Reihe geeignet.

 

Ich bedanke mich ganz herzlich bem Fischer Sauerländer Verlag für dieses wunderschöne Bilderbuch über eine mir unbekannte Künstlerin!

 

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Montag, 13. Juli 2026

Werbung/Rezension: „Der Tod hat einen langen Atem, Laufende Ermittlungen (3)“, Achilles, gelesen von Hajo Schumacher, USM Audio, ungekürzt Download

 

Werbung/Rezension: „Der Tod hat einen langen Atem, Laufende Ermittlungen (3)“, Achilles, gelesen von Hajo Schumacher, USM Audio, ungekürzt Download


Nach dem letzten sensationellen Fall der K8 wurde dieses aufgelöst und Peer Pedes, Stefanie zu Koslowski und den 3 Kanzlern (Brand, Schmidt und Schröder) ins K 11 unter Leitung von Kriminaldirektor Rüsche eingegliedert. Weil der laufende Kommissar und seine Transkollegin Stefanie ja so herrlich divers sind, werden sie verdonnert, die Love Parade mit einem Regenbogen-Elektro-Mobil (dass an eines von Trumps Golf-Caddies erinnert) anzuführen. Ein Albtraum, aber dafür haben sie einen gut bei Rüsche und das fordern sie schneller ein als geahnt. Denn vor ihnen auf der Laufstrecke entdeckt Peer einen deutlich durchgelaufenen Laufschuh nebst Fuß und Bein darin und ohne die dazu gehörige Läuferin. Endlich ein neuer Fall für sie und damit das Ende dieser Peinlichen Diversitäts-Vorführung! Doch wie soll man ermitteln, ohne Leiche und ohne blassen Schimmer, was mit dem Rest der Person zum Fuß geschehen ist und wessen Fuß das eigentlich ist? Die Ermittler tappen lange im Dunkeln, obwohl beinahe täglich neue Teile derselben Frau gefunden werden, doch die Tatorte wollen kein Muster ergeben, dafür hängt ihnen ausgerechnet Klatschreporter Marco Neumann an den Fersen und seine Artikel bringen die Ermittler mehr als nur auf 180! Aufgerechnet Uli, die Ukrainerin, die seit Fall 1 immer wieder Undercover-Einsätze für das Team übernimmt, ohne bei der Kripo zu sein, erkennt ein Muster und bringt sich in Lebensgefahr...


Der erste Fall des Teams spielte im Milieu des Berlin Marathons, Teil 2 beim Berlin Biathlon und Teil 3 nun beim Mauerlauf, einem Ultra-Marathon. Mir war noch nicht mal bewusst, dass es noch weiter als Marathon gibt.... Ich bin ja eher Wohlfühlsportlerin, bloß nicht an die Belastungsgrenze gehen und dennoch finde ich diese Gedanken eines ehemaligen Polizei-Marathon-Europa-Meisters schon faszinierend. Auch wenn das so gar nicht meine Welt ist, finde ich ihn doch irgendwie sympathisch und mal keine total verkrachte Existenz. Dennoch finde ich seine Kollegin Stefanie viel cooler, nicht weil sie Trans ist, sondern so herrlich trocken und immer alle Fakten parat hat und gedanklich oft schon 3 Schritte voraus. Auch Uli (die eigentlich Ulijana heißt) ist echt eine Marke! Als Minderjährige aus Charkiew geflohen, nachdem ihre Mutter den Bomben zum Opfer fiel, ist sie erstaunlich neugierig, flexibel und mit einem unbändigen Lebenswillen. Anders als ihr Bruder Dimitrow, der im Kampf schwer verwundet wurde, zieht es sie nicht zurück in die Heimat. Ein wirklich besonderes Team, mit seinen Eigenheiten und interessanten Nebenhandlungen, aber es sind keine verkrachten Existenzen, wie oft in Krimis (das sind dann eher die 3 Kanzler). Mit Koslowski hat man auch ein super Feindbild im Team, das sich dieses Mal jedoch als erstaunlich kollegial erweist.... ob man dem aber auch trauen kann?


Mit dem Mauerlauf nimmt sich dieser Fall einem Stück deutscher Geschichte und Kultur an, die ich wohl verdrängt habe, denn an die Mauer und die Mauerschützen kann ich mich noch erinnern, aber dass es Menschen gibt, die freiwillig über 160 km am Stück aufrecht auf ihren Füßen zurücklegen, ohne zu schlafen? Der Fall ist ebenso ominös wie die Vorstellung freiwillig einen Ultra zu absolvieren, was sogar die laufenden Kommissare Pedes und Koslowski finden. Auch wenn man nach spätestens ca. 80 km weiß, wer der Täter ist, bleibt es dennoch bis zum Schluss spannend, denn der Täter ist bekannt, aber verschwunden und das nicht alleine... und warum tut er sowas? Da muss schon etwas seltsames in einem vorgehen... was ihn unberechenbar macht und die Spannung oben hält, bis zum Schluss.


Hajo Schumacher ist für mich zu Beginn immer so ein kleiner akustischer Schock. Er klingt so normal, nicht nach Sprecher. Er ist einer der Autoren die sich hinter dem Nom de Plume Achilles verbergen und nicht nur Journalist, sondern auch Autor zahlreicher Laufbücher. Sobald ich mich an diese Nicht-Sprecher-Stimme gewöhnt habe (was bei Autorenlesungen öfters der Fall ist) finde ich, dass er erfrischend nach Kommissar klingt, was für mich zur Authentizität des Hörerlebnisses beiträgt. Außerdem schreibt mit ihm Drehbuchautor Michael Meisheit, der für zahlreiche Lindenstraßenfolgen verantwortlich war und diesen Krimis mit seinen Drehbucherfahrungen wohl die nötige Prise Lebendigkeit und Unterhaltung einhaucht, denn es ist definitiv kein Lauf-Sachbuch....


Ich habe zwar keine Ahnung, was Pedes nun noch in Berlin laufen soll, aber wenn dem Autoren-Duo noch was einfällt, ich würde es wieder hören, es ist so mal was ganz anderes....


Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für mein Reziexemplar!


Hier könnt Ihr reinhören:

https://www.usmaudio.de/genre/krimi-und-thriller/der-tod-hat-einen-langen-atem/


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