Samstag, 11. Juli 2026

Unbezahlte Werbung/Rezension: „Henri Matisse – Art Pops“ Susie Hodge, Teresa Bellon, Fischer Sauerländer

 

Unbezahlte Werbung/Rezension: „Henri Matisse – Art Pops“ Susie Hodge, Teresa Bellon, Fischer Sauerländer

 

Aus der Art Pops Pop-up-Bilderbuchreihe die bei Kindern die Neugier auf Kunst wecken soll, ist nu auch ein wunderschöner Band über den vielseitigen Henri Matisse erschienen.

 

Dabei werden nicht zu seine Entwicklungen und Epochen in Wort und Bild vorgestellt, sondern diese auch besonders plastisch durch die Pop up-Elemente. Ich finde sie sehr schön und die Neugierde weckend, aber nicht so gut inhaltlich und optisch in das Buch integriert, wie bei Hilma af Klint. Ich hätte es schön gefunden, eine seiner Skulpturen aufklappen zu können, statt seiner zwei- dimensionalen Gemälde. Dabei kritisiere ich keineswegs die Auswahl des Künstlers, eher die der Werke zum Ausklappen, der mehr als nur Gemälde geschaffen hat. Er selbst hielt ein Kirchenfenster für sein Meisterwerk.

 

Henri Matisse ist einerseits sehr geeignet als Beispiel für Kinder, weil seine Epochen so unterschiedlich waren und hier auch gezeigt wird, wieviel seiner Stilveränderungen eben auf Krankheiten zurückzuführen sind. Ja, einige Künstler kamen zur Kunst, als sie ans Bett gefesselt waren, aber bei Matisse waren es verschiedene Krankheiten in verschiedenen Altersabschnitten. Zum Teil hat ihm die Kunst Mut und Kraft geschenkt und als die Kunst aus seinem Leben nicht mehr wegzudenken war, aber sein Körper nicht mehr mitmachte, wurde aus dem einst jungen Wilden ein sitzender Scherenkünstler. Das finde ich für Kinder richtig ermutigend, da er sich anscheinend nicht unterkriegen ließ, obwohl er sicherlich oft verzweifelt war.

 

Die Texte richten sich an Kinder ab 5 Jahren und so wird nur erwähnt, dass er jung heiratet und seine Frau, seine Tochter aus einer früheren Beziehung adoptierte (und sie wohl auch zu lieben schien), genauer woher dieses Kind kam wird nicht erläutert, auch nicht im Zeitstrahl, der am Ende des Buches das ganze Leben dieses noch immer populären Künstlers im Überblick darstellt. Vielleicht macht da ja noch andere Eltern neugierig, so dass auch sie weiter nachforschen...für sich, nicht die Kinder ;)

 

Henri Matisse ist aufgrund seiner strahlend leuchtenden Farben und seiner oft sehr klaren Strukturen für Kinder besonders interessant. Auch so Lebensabschnitte, wie seine Monate auf Tahiti sind gerade für seine damalige Zeit sensationell und auch heute nicht alltäglich. Ein spannender Mann, mit wirklich oft zugänglichen Werken, die sicherlich so manchem Kind einen Museumsbesuch schmackhaft machen kann.

 

Durch die Pop-up-Klappen gibt es ganz viel zu entdecken und staunen und das Umblättern wird zum Abenteuer, denn nicht nur Henri Matisse war ein Künstler mit der Schere, sondern auch Teresa Bellon.

 

Susie Hodge fasst hier ein ganzes Künstlerleben und Matisse ist keiner von denen, die früh starben, klar und gut verständlich für Kinder zusammen. Mit einer großen klaren thematischen Überschrift pro Doppelseite und einem kurzen Text über die jeweilige Epoche. Zu den abgebildeten Werken, die nicht originalgetreu sind, gibt es immer einen kleinen Erklärtext, über das, was zu sehen ist und was es so besonders macht. Allerdings ist dieser Text immer sehr klein und ich kann ihn nur bei hellem Sonnenschein ohne Weiteres lesen, also nichts für Leseanfänger und Großeltern.

 

Insgesamt ein sehr schönes Buch, um Kinder neugierig auf Kunst zu machen, auch wenn ich mir hier eine Ausklappskulptur und eine größer oder wenigstens fettere Schrift gewünscht hätte.

 

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Fischer Sauerländer für dieses wunderschöne, farbenfrohe Pop-Up-“Kunstwerk“!

 

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Donnerstag, 9. Juli 2026

Werbung/Rezensionsexemplar: „Pearl, Königin der Meere“ Elisabeth Herrmann, gelesen von Simone Kabst, Der Audio Verlag, 16 h 51 min, gekürzt, 2 MP3,

 

Werbung/Rezensionsexemplar: „Pearl, Königin der Meere“ Elisabeth Herrmann, gelesen von Simone Kabst, Der Audio Verlag, 16 h 51 min, gekürzt, 2 MP3,

 

Jamaica um 1730: in Port Royal wächst Pearl, die verwaiste Tochter der legendären Piratin Anne Bonny als Straßenkind zwischen Dieben und Bettlern auf. Kurz vor der Hinrichtung hat die Piratenbraut das Schicksal ihrer Tochter in die Hände des damaligen Schiffsjungen Oliver anvertraut, ebenso wie die größte und wertvollste Perle der Welt, um Pearls Unterhalt in guten Verhältnissen zu sichern. Doch Pearl wuchs nicht in einer anständigen Pflegefamilie auf und Oliver kam nur hier und da vorbei. Eigentlich ist die Piraterie abgeschafft und dennoch erteilt der Gouverneur von Jamaica Oliver und seinen Leuten den Auftrag einen spanischen Konvoi zu überfallen, um für ihn eben diese Perle zu erbeuten. Im Gegenzug sollen Oliver und seine Crew dauerhaft begnadigt werden. Allerdings geht der Überfall schief und Pearl begegnet dem Val, der als Irischer Vasall sich für 10 Jahre in der britischen Armee verpflichtet hat. Val lässt ihr Herz tanzen, auch wenn ihre Wege sich gleich wieder trennen müssen, denn zu Pearls Entsetzen verläuft der Überfall nicht wie angekündigt unblutig. Sie verhilft daher dem überfallenen Trupp, Schauspielern statt Gesandten des britischen Königs zur sicheren Flucht und findet in Florentine, der Tochter des Kopfes der Truppe eine echte Freundin. Fortan gilt sie unter den Piraten als Verräterin und der junge irische Soldat geht ihr nicht mehr aus dem Kopf!

 

Was für ein wildromantisches und doch auch feministisches Setting! Die Tochter der legendären Piratin Anne Bonny, auf sich allein gestellt, nach Abschaffung der königlichen Kaperbriefe und damit nach dem Ende der Hochphase der Piraterie! Nachdem ich gerade ein Kinderbuch über die Piraterie unter Elisabeth I gelesen hatte, musste ich dieses Jugendhörbuch von der Autorin von Brightstone College unbedingt hören! Ich war absolut in der Stimmung und der Anfang war auch absolut viel versprechend.

 

Allerdings hätte man für mich einige Szenen zwischen Pearl und Black Nero und Oliver durchaus auch kürzen können. Wie selbstsüchtig, skrupellos und verräterisch dieser Pirat und seine vogelfreien Komplizen sind, konnte man auch schon mit ein paar weniger derartiger Szenen verstehen. Dafür hätte ich mir mehr Präsenz von Val gewünscht, um diese Liebesgeschichte und ihre Entwicklung besser mitfühlen zu können, so blieb sie für mich etwas blass. Sehr interessant fand ich aber das damalige Leben auf Jamaika und Kuba, sowie das Leid der katholischen Iren unter der protestantisch, britischen Knute. Wie das Klima das Leben in den Überseegebieten prägte, die Arroganz der Herren und das Schicksal der befreiten Sklaven. Das fand ich wirklich gut und eindrücklich geschildert. Auch Pearls Zeit unter den Theaterleuten fand ich sehr anschaulich und plastisch erzählt.

 

Sabine Kabst hat eine sehr schöne, warme und feminine Stimme, die sie wunderbar zu modulieren weiß und die sie nach Bedarf hart und unbarmherzig, aber auch weiß und gefühlvoll klingen lassen kann. Eine Stimme der man gerne zuhört und die wirklich lebendig erzählt. Leider schafft sie es für mich aber nicht, die Illusion einer Teenagerin vor meinem inneren Auge aufzubauen, für einen Frauenroman oder einen historischen Roman, fände ich ihre Stimme jedoch optimal. So konnte ich mich leider nicht immer ganz in Pearl einfühlen, dafür hatte ich stets zu viel Distanz zu ihr, was leider auch ihre Liebesgeschichte betrifft.

 

Dabei fügt sich am Ende alles gut zusammen und alle bekommen was sie verdienen, wobei ich beim Zuhören durchaus den Eindruck hatte, dass Elisabeth Hermann gerade das Schicksal der koketten Florentine nach ihrer Rückkehr nach London ein diebisches Vergnügen bereitete. Ich habe die Geschichte gerne gehört, sie hat mir gut, aber nicht sehr gut gefallen.

 

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Der Audio Verlag für mein Hörexemplar!

 

Hier könnt Ihr reinhören:

https://der-audio-verlag.de/hoerbuecher/pearl-koenigin-der-meere-herrmann-elisabeth-978-3-7424-4005-1/

 

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