Montag, 12. Januar 2026

Montmartre (2) Traum und Schicksal, Marie Lacrosse, gelesen von Katrin Fröhlich, der Hörverlag, digital

 

Montmartre (2) Traum und Schicksal, Marie Lacrosse, gelesen von Katrin Fröhlich, der Hörverlag, digital

 

Paris, Oktober 1889: Valéries Vater hat sich bei seinen Anlagen in den Panama Kanal und der Wahl der in seiner Galerie angebotenen Kunstwerke kräftig verspekuliert. Da auch seine Kurtisane sehr fordernd ist und seine Frau Amélie kräftig von seinem nicht mehr vorhandenen Vermögen für den Bau der neuen Basilika Sacré Coeur spendet, steht die Familie vor dem Ruin. Damit dies nicht publik wird und ihre Mutter nichts davon erfährt, soll Valérie den deutlich älteren Kunstmaler und Bankierssohn Baptiste heiraten, auch wenn er sie abstößt. Pascal hat inzwischen Frankreich verlassen, um dem Wehrdienst zu entkommen und sie und Henri Toulouse-Lautrec sind noch immer zerstritten. Leider ist Henri sehr nachtragend, trotz aller Versöhnungsversuche seitens Valéries.

 

Nach dem Verlust ihres Kindes während der Eröffnungsshow des Moulin Rouge, wird Elise klar, dass sie unbedingt Tänzerin bleiben will. Zu hart hat sie gearbeitet, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Lieben zu verdienen, als dass sie einfach nur Hausfrau und Mutter sein will. André wünscht sich jedoch nichts sehnlicher als ein Kind und ihre Beziehung zerbricht. Elise zieht wieder bei ihrer Mutter und Marianne ein und versucht stetig ihre Stellung als eine der Solotänzerinnen des Can Can zu sichern. Doch der Missgunst unter dem Ensemble ist bisweilen erschreckend und sie bemerkt, dass man nur mit Privatvorstellungen für sehr reiche Herren das große Geld machen kann. Bisher schreckt der Gedanke sie ab.

 

Zwei Frauenschicksale aus sehr unterschiedlichen Familien und doch kreuzen sich ihre Wege immer wieder. Es verbindet sie mehr als nur Sympathie für einander, es ist auch ihr Wunsch nach Freiheit, Unabhängigkeit und einem selbst bestimmten Leben ohne Armut. Ein Leben in Wohlstand war im damaligen Frankreich jedoch eigentlich nur verheirateten Frauen oder Kurtisanen vergönnt. Während die ersten völlig abhängig von ihren Ehemännern waren, da der Code Civile mit der Heirat den Frauen alle persönlichen Rechte nimmt, waren die Kurtisanen frei, aber auch frei von Ehre... Ich hatte mich immer gefragt, warum einige der Künsterlinnen in den Künstlerkolonien nicht heirateten, hier fand ich die Antwort (das französische Eherecht war auch in den 90ern noch deutlich rigider als das deutsche).

 

Die Geschichte finde sich sehr gut recherchiert und die Einblicke in die Künstlerwelt sowohl der Malerei, als auch der großen Pariser Shows fand ich wirklich faszinieren. Warum ausgerechnet Monet und auch Berthe Morisot nicht vorkommen, erklärt sich im Epilog. Einige Künstler wie Toulouse-Lautrec, Edgar Degas und Auguste Renoir sind mir noch mehr ans Herz gewachsen, auch wenn viel Fiktion in ihrer Darstellung steckt. Aber auch Vincent van Gogh und sein Bruder Théo kommen gerade zu Beginn dieses Finalbandes immer wieder vor. Auch wenn Vincent van Gogh zu Lebzeiten alles andere als wirtschaftlich erfolgreich war, übte er großen künstlerischen Einfluss mit seinem Malstil auf Freunde, Komilitonen und auch ältere Künstler aus.

 

Neben der Kunst sowohl der Malerei, als auch dem Tanz und den persönlichen Schicksalen vor allem von Elise und Valérie, sind die Rechte, bzw. mangelnden Rechte von Frauen ein ganz großes Thema. Gerade die gnadenlosen Schicksale von Valérie, die um jeden Preis die Konventionen, die ihr verhasst sind, wahren soll und der tragischen Simone, der kleinen Schwester von Elise, machen dies deutlich. Mit Simone lernen wir leider die dreckigsten, brutalsten und unerbittlichsten Orte dieser Männer dominierten Stadt kennen. Hinzu kommen dezente Einblicke in die politischen Entwicklungen der jungen Republik. Trotz all dieser Themen, hatte ich nie das Gefühl, dass es ein Sachbuch sei, so emotional und anschaulich schreibt Marie Lacrosse, dass ich mit ihren jungen Heldinnen, die ihrer Zeit voraus waren, wirklich mitgelitten habe.

 

Katrin Fröhlich leiht all diesen Frauen und ihren Schicksalen wieder ihre warme, wandelbare Stimme, die zwischen den gesellschaftenlichen Schichten, Glück und Tragödie hin und her wechseln. Das macht dieses Hörbuch trotz seiner Dauer unglaublich kurzweilig und bewegend.

 

Das Ende war mir etwas zu offen, da hätte ich gerne etwas mehr von den sich andeutenden Schicksalen erfahren. Dennoch ist es absolut lohnend!

 

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Mittwoch, 7. Januar 2026

Toni & Lou – Eine Nacht im Winterwald, Natur-Bilderbuch mit Gucklöchern und 60 Suchbildern, Jonny Lambert, DK Verlag

 

Toni & Lou – Eine Nacht im Winterwald, Natur-Bilderbuch mit Gucklöchern und 60 Suchbildern, Jonny Lambert, DK Verlag

 

Die ungleichen Freunde Toni (der gemütliche Braunbär) und Lou (das kleine kesse Vögelchen) sind gemeinsam im Wald unterwegs. Trotz seines dicken Zottelfells zitter Toni, denn ein eisiger Wind weht zwischen den Bäumen hindurch und kündigt den ersten Schnee an. Tatsächlich hat es am nächsten Morgen auch schon geschneit und der geplante Winterspaziergang wird für Toni anstrengender als gedacht. Unterwegs treffen sie allerlei Freunde, die erstaunt sind, wohin die zwei bei der Kälte wollen. Toni verrät es nicht, denn es soll eine Überraschung werden und die hat er schon bestens vorbereitet. Überraschung klingt natürlich aufregend und so schließen sich ihnen immer mehr Tiere an, bis sie am Ende alle ganz begeistert staunen über das Naturschauspiel, dass sich ihnen bietet.

 

Mein Neffe (4) mochte Toni und Lou bisher her, da sein Cousin Toni heißt, aber die Geschichten waren ihm bisher immer viel zu schnell vorbei. Das ist nun anders, denn es sind nicht nur kurze kindgerechte Geschichten mit Themen, die perfekt zum Kindergartenalter passen. Diese Geschichte kann ihn deutlich länger fesseln, denn Es gibt kleine Gucklöcher, die zum Endecken einladen und vor allem Suchaufträge. An den Seitenrändern gibt es kleine Kästchen mit Suchaufträgen mit benannten Motiven, die die Kinder auf der jeweils aufgeschlagenen Doppelseite suchen sollen. Das ist auch für 4 jährige gut machbar, aber es bedarf schon einer gewissen Konzentration und Beharrlichkeit. So haben die Kinder definitiv länger etwas von dem Buch. Noch schöner finde ich allerdings die kleinen Markierungen, die etwas aussehen wie kleine Magnetlesezeichen. Dort findet man immer ein kleines Motiv mit einer Frage die zum Nachdenken und gemeinsamen Reden über die Geschichte einlädt z.B. ganz zum Schluss: „Wer sitzt alles auf der Decke?“ oder ganz zu Beginn: „Warum zittert Toni?“. Durch das gemeinsame Reden über die Geschichte vertieft sich nicht nur das Verständnis, es wird auch das Kuschelerlebnis der gemeinsamen Lesezeit intensiviert.

 

Da sich alles in dem Buch um eine aufregende Überraschung dreht, mag ich diese nicht verraten. Aber sie ist wirklich ganz wunderbar, auch wenn ich sie noch nie erleben durfte. Ich hoffe, die kindlichen Erwartungen an den nächsten Spaziergang im Winterwald werden da nicht zu hoch. Die Idee ist allerdings ganz zauberhaft, auch wie sich ihnen immer mehr tierische Freunde trotz der eisigen Kälte anschließen (bei der aktuellen Kälteperiode kann man sich das besonders gut vorstellen.

 

Jonny Lambert ist nicht nur der Autor, sondern auch der Illustrator dieser Geschichte und man spürt seine Liebe zu seinen Figuren und ihren Details auf jeder Doppelseite. Es passt einfach alles perfekt zusammen. Wenn die Kinder die Geschichten so sehr lieben wie ich und nicht genug von ihr bekommen können, aber gerade keinen Vorlesenden finden, können Sie sich die Geschichte auch über einen QR-Code vom Handy vorlesen lassen. Das ist zwar gerade hinsichtlich der beabsichtigten Gespräche über die Gefühle und Empfindungen von Toni und Lou nicht optimal, aber für ständige Wiederholungen, ohne Mama und Papa auch schon sehr praktisch, da Eltern nicht immer so viel Vorlesezeit haben, wie sie sie gerne hätten. So ist es dann eine schöne zusätzliche Alternative.

 

Eine ereignisreiche Winternacht, auf der es viel zu Entdecken gibt und sicherlich mehr als nur einmal betrachtet und erforscht wird! Wunderschön ab 4 Jahren.

 

Ich bedanke mich ganz herzlich beim DK Verlag für dieses zauberhafte Bilderbuch-Rezensionsexemplar!

 

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