Sonntag, 11. Dezember 2022

Herzschuss – Jedes Verbrechen hat seine Geschichte, Andreas Föhr, gelesen von Michael Schwarzmaier, Argon Verlag, 1 MP3, ca. 8 Std. Lesefassung


Herzschuss – Jedes Verbrechen hat seine Geschichte, Andreas Föhr, gelesen von Michael Schwarzmaier, Argon Verlag, 1 MP3, ca. 8 Std. Lesefassung

 

Der 10. Fall für Wallner & Kreuthner: Der brave Kommissar Clemens Wallner nimmt sich einen Tag frei, um mit seiner Kollegin kurz vor Weihnachten Ski zu fahren. Doch sie werden verfolgt und als Wallner den Verfolger stellt, erhält er einen Zettel mit Koordinaten, die sie zu einer versteckten Leiche auf einer einsamen Baustelle führt. Noch während sie die Spurensicherung alarmieren taucht Kreuthner am Tatort auf. Während alle noch über die Identität grübeln, weiß Leo sofort wer es ist: Philipp Gansel, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses und Ehemann seiner ersten großen Liebe. Dass es ein hohes Tier ist, macht den Fall umso brisanter für die neue attraktive Kripochefin Karla Tiedemann. Zu dumm nur, dass anfangs alles auf einen Verdächtigen hindeutet, gegen den auch Haftbefehl erlassen wird: Leo Kreuthner. Dem traut Wallner ja so einiges zu, aber wenn der den Gansel auf dem Gewissen hätte, wäre er anders vorgegangen! Leo ist bewusst, dass es für Polizisten in Haft nichts zu Lachen gibt und so kommt er dort natürlich nie an. Allerdings traut sich auch keiner seiner Spezl ihm Unterschlupf zu gewähren, bis auf einen... Außer ihm selbst ist keiner so erpicht auf eine schnelle Aufklärung des Falles, doch der ist echt verzwickt!

Dies ist der 10. Fall und auch ich kenne noch nicht alle Abenteuer dieses eigenwilligen Gespanns. Wer gerne einsteigen möchte, ohne alle 9 Fälle zuvor zu hören, dem empfehle ich mit Fall 5 (wie alles begann) und dann Fall 2 (wie Wallner seine Frau kennenlernte und die Lintingers) einzusteigen. Diese zwei sind eigentlich wie Feuer und Wasser und der ständig frierende, gesetzestreue, loyale Kriminaler Clemens Wallner ist das krasse Gegenteil des selbst kleinkriminellen, ausgefuchsten Anarchisten Leo Kreuthner von der Schutzpolizei. Aber gerade weil sie so konträr sind, ergänzen sie sich optimal. Wo Wallner strikt nach Vorschrift vorgeht, pfeift der Leo drauf und nutzt gerne mal seine zwielichtigen Kontakte. Zu Wallners inzwischen 91 jährigen Großvater Manfred hat er einen besonders guten Draht, die zwei sind aus dem gleichen Holz und bringen Wallner immer mal wieder an seine Grenzen. Gemeinsam sind sie aber unschlagbar, denn die absurden Aktionen von Manfred und Leo und ihren Spezis sind oft genug unerlässlich für die Aufklärung der Fälle und dabei unglaublich amüsant und herrlich schräg. Dieser Fall spielt im Dezember, klar dass Wallner da ständig friert und seine typische Daunenjacke kaum auszieht, inzwischen trägt er immerhin ein dunkelblaues Modell – noch. Ich liebe diesen running-gag um den ständig fröstelnden oberbayrischen Ermittler. Ebenso scheinbar gegensätzlich sind hier die Welten die aufeinandertreffen. Geldadel und Politik auf der einen Seite und Rotlichtmilieu, Kleinkriminelle und Punks auf der anderen Seite. Leo Kreuthner wandelt selbstverständlich traumwandlerisch zwischen beiden Welten hin und her. Ein absolutes Highlight war für mich auch tatsächlich Leos und Manfreds Auftritt bei Münchens Schickeria. Neben dem bisweilen etwas derberen, hemdsärmligeren Humor von Leo und Manfred, der manchmal auch schon Slapstick Qualitäten hat, gesellen sich auch ironische und trockenere Töne dank Clemens und Karla. Gerade diese Mischung gefällt mit, die zu einem vertrackten Fall hinzu kommt, dessen Ursprung bereits 10 oder 30 Jahre zurück liegen könnte... Was mir auch ganz besonders gut gefällt ist, dass Andreas Föhr ordentlich recherchiert. Er ist zwar Volljurist, allerdings kein Strafrechtler sondern Medienrechtler (das sind deutliche Unterschiede, ernsthaft) und so finde ich es absolut wohltuend, dass das gesamte Drumherum um den Fall einfach stimmt. So mag ich einfach die Sticheleien und Rangeleien um Kompetenzen, wenn Staatsanwalt Tischler noch mal betonen muss, dass er ja die Ermittlungen leitet, obwohl de facto, es an Wallner hängt... die Arbeit, das Risiko und für Tischler der Ruhm, es sei denn Karla gönnt es ihm nicht...

 

Michael Scharzmaier spricht bisher alle 10 Fälle, was ich super finde. Ich mag es, wenn ich mit einer Reihe eine feste Stimme verbinde. Er schafft es ganz herrlich, sowohl die urigen Bayern Leo und Manfred absolut authentisch, als auch verständlich zu sprechen. Das ist für mich als Rheinländerin nicht selbstverständlich, aber gerade wenn es nur auf die Sprache drauf ankommt, extrem wichtig. Er kann aber auch Hochdeutsch, wie dies bei Clemens und Staatsanwalt Tischler ebenso erforderlich ist, wie die osteuropäischen Akzente der Tabledancerinnen und der Rotlichtgrößen. Mit seiner wandlungsfähigen Stimme lässt er wirklich die Figuren zum Leben erwachen.

 

Kerniger neuer Fall für Wallner und Kreuthner, absolut hörenswert.

 

Hier findet Ihr eine Hörprobe:

https://www.argon-verlag.de/hoerbuch/foehr-herzschuss-2008017/

 

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Samstag, 10. Dezember 2022

Der Club der wütenden Fünf – Nicole Fröhlich, cbj Verlag

 

Der Club der wütenden Fünf – Nicole Fröhlich, cbj Verlag

Als Lara noch im Kindergartenalter ist, verunglücken ihre Eltern tödlich bei einem Autounfall. Von nun an wächst sie bei ihren geliebten Großeltern auf, bis letztlich nach dem Opa auch die Oma stirbt, als sie gerade mal 15 ist. Ganz alleine kommt sie ins Heim und träumt dort von einem Platz in einer coolen Wohngruppe. Doch stattdessen kommt sie zu einer wohlhabenden Pflegefamilie mit 10- jährigem Sohn und soll ein Privatgymnasium in Frankfurt besuchen. Allerdings muss sie dort das therapeutische Projekt „Der Club der wütenden Fünf“ besuchen. Die anderen vier erscheinen ihr echt durchgeknallt, na ja, bis auf Leo, der ist nett, redet etwas viel, auch von seiner Therapie. Gesa, das einzige andere Mädchen ist voll aggro, auch sich selbst gegenüber und Q, der stets Kapuzen trägt, um seine Narbe quer über den Schädel zu verbergen erst recht. Aus Jegor, dem stillen Albino wird sie nicht so recht schlau. Sozialpädagoge Rolf stellt ihnen eine Projektaufgabe, die sie auf eine harte Probe stellt.

Vorsicht, dieses Buch ist mit einer Triggerwarnung versehen, da Selbstverletzung, Mobbing und Depression angesprochen werden. Allerdings sind diese Themen für das Buch unumgänglich und werden auf eine Art und Weise angesprochen, wie sie für gesunde Jugendliche ebenso aufschlussreich, wie sensibilisierend sind. Seien wir ehrlich: es gibt doch kaum noch eine Schulklasse, die diese Themen nicht betrifft. Die Autorin ist selbst Sozialpädagogin und weiß es nicht nur diese Themen geschickt zu thematisieren, sondern auch gut mit ihnen umzugehen, ohne zu verurteilen, aber klar die Not der Betroffenen klar zu stellen. Ebenso zeigt sie auch, dass es Hilfe gibt und man sie suchen und annehmen sollte.

Mir gefallen sehr gut die kurzen, knappen Überschriften, die neugierig machen, aber letztendlich, den Kern des jeweiligen Kapitels wirklich gut treffen. Die Kapitel zeichnen sich dadurch aus, dass sie kurz und knapp sind, als wären es einfach Laras Gedanken, was auch gut sein mag, denn die Geschichte ist aus ihrer Ich-Perspektive geschrieben. Es sind die Momentaufnahmen der wichtigsten Erlebnisse. Wie es ist plötzlich ganz alleine auf der Welt da zu stehen und selbst die Kraft zum Weinen nicht mehr aufbringen zu können, kann ich mir gar nicht vorstellen, allerdings schon, dass sie nun von extremen Verlustängsten geprägt wird, die das einst so coole Mädel zu einer echten Kratzbürste werden lässt. Nach und nach erfährt man mit Lara, welche Schicksalsschläge die vier übrigen im Club denn so verdauen müssen. Beim gesprächigen Leo mit der netten Mutter, erfahren wir es zuerst, aber was ist mit den anderen los? Das herauszufinden gestaltet sich für Lara fast wie ein Krimi und ist nicht weniger spannend und dramatisch, dafür aber emotionaler. Taschentücher griffbereit zu haben lohnt sich auf jeden Fall! Diese „wütenden“ Teenager sind mit ebenso ans Herz gewachsen wie Ludwig, die kleine Nervensäge von Pflegebruder. Sehr gut finde ich das besonders im Frankfurter/Main-Taunusregion verkorkste hessische Schulsystem dargestellt.

Ehrlich, ich hasse Schutzumschläge, die Dinge nerven mich und gehen nur kaputt und sehen dann schäbig aus! Normalerweise sind die Bücher unter diesen Umschlägen total fleckempfindlich. Dieses hier nicht. Es ist sogar abwischbar und zeigt die Illustration des Schutzumschlags, allerdings ohne Schrift und wenn man es umdreht, entdeckt man statt eines Klappentextes, die Kehrseite der fünf wütenden Jugendlichen auf dem Cover. Diese sind zwar nur stilisiert treffen ihre Charakterisierung in der Geschichte aber sehr gut.

Ein wirklich packendes Buch, dass mir wirklich Tränen in die Augen trieb, auch wenn ich befürchtet habe, dass mir das Ende nicht gefallen würde. Hat es dann aber doch... sehr sogar. Trotz der Triggerthemen ist es ein wirklich mitreißendes Buch, das einen nicht herunterzieht, sondern zu mehr Menschlichkeit anregt und ganz besonders dazu nicht weg zu schauen!

Ganz herzlichen Dank an cbj und das Bloggerportal für mein Rezensionsexemplar!

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