Montag, 15. Mai 2017

Flätscher – Krawall im Kanal, Antje Szillat, Jan Birck, DTV Junior



Flätscher – Krawall im Kanal, Antje Szillat, Jan Birck, DTV Junior
Flätscher der Meisterdetektiv, das Stinktier mit Ladehemmung und Stunkkanone ist wieder da, gemeinsam mit seinem Assistent und Kumpel Theo, der die Sprache der Tiere versteht.
Flätscher wartet gerade in seinem stilvollen Zuhause auf einen neuen Fall und wundert sich, wo seine bezaubernde Sekretärin Chloe bleibt, als er erfährt, daß diese mit Olaf und der O-Clique bei einem Talentwettbewerb mit machen will. Schnell sucht er ein Schlagzeug zusammen und will sich diese Chance nicht entgehen lassen. Schon auf dem Weg zu Olaf fällt ihm auf, daß nach verschiedenen verschwundenen Tieren gerufen wird. Als kurz nach Probenende auch Chloe und Olaf verschwunden sind, haben Flätscher und Theo zwar endlich einen neuen Fall, aber sie hätten lieber Chloe und Olaf wieder. Eine nervenaufreibende Suche in den Tiefen des unheimlich gruseligen Kanals beginnt!
Flätscher ist ein vierfarbig illustrierter Comic-Roman, der selbst, aber nicht nur, für totale Lesemuffel ein Riesenspaß ist und sich sogar zum Vorlesen eignet, weil es richtig Spaß macht, das obercoole, vorlaute Großmaul zu sprechen!
Hier bilden Text und Illustrationen wirklich eine Einheit und auch wenn die Illustrationen nicht aus der Feder der Autorin selbst stammen, merkt man, daß Jan Birck Flätscher kennt und liebt. Nicht einmal kam es vor, daß meine Töchter eine Unstimmigkeit zwischen Text und Illustration gefunden haben, was sonst sehr oft vorkommt (vor allem, wenn die Illustratoren die Textvorlage nicht gründlich gelesen haben….). Zudem sind die Illustrationen unglaublich witzig und gespickt mit Kleinigkeiten. Mal muß man um den Bildrand den Spuren und Worten von Flätscher folgen, mal seinen Dialogen quer durch die Illustration. Aber es ist kein Comic. Es gibt durchaus großgedruckte Doppelseiten mit nur Text, so wie es auch einige Doppelseiten mit fast nur Illustration gibt, die die Lesemuffel dazu anspornt, die Doppelseitentext dann doch selbst zu lesen. Da Flätschers Großmauligkeit und Sprachkreativität sehr witzig sind, ist das aber auch wirklich eine zu bewältigende Aufgabe. Meine Kinder mußten allerdings erstmal verstehen, daß Flätschers Sprachschatz wie logissiomo, oder grandissiomo seiner eigenen Fantasie entspringen und sie diese nicht kennen müssen.
Flätscher und seine Gang sind sehr liebenswert, auch wenn Flätscher mich bisweilen an den Alien Alf aus meiner Kindheit erinnerte. Die große Klappe wird nicht immer vom größten Mut begleitet, aber für seine Freunde überwindet er die Angst und entwickelt natürlich einen Plan, der einfach grandissimo ist – ist ja logissmo!
Auch wenn diese Detektivgeschichte mit nur rund 144 Seiten und eben zahlreichen Illustrationen recht kurz ist, schafft es diese Einheit aus Text und Bild wirklich gruselige Kanalatmosphäre zu kreieren und es echt unheimlich werden zu lassen. Es war sooo spannend, daß ich unbedingt weiter vorlesen mußte, was aber leider nicht immer ging, wenn die Schule rief.
Die Geschichte lässt sich übrigens ohne Vorkenntnisse von Band 1 lesen, auch wenn sich die Kinder anschließend wohl Band 1 wünschen werden, so wie Band 3 der bereits im Herbst erscheinen wird.
Auch wenn ich zwei Töchter habe, wird dieses Buch garantiert Jungen gefallen. Es ist absolut nicht rosa/einhornig, sondern cool und tough. Flätschers angeberische Selbstüberschätzung ist wirklich witzig und das funktioniert sowohl für Jungen als auch Mädchen.
Ein wirklich gelungenes Konzept, daß nicht nur Lesemuffeln begeistern wird und vielleicht ja bei dem einen oder anderen die Lust am Lesen weckt, der bis dahin kein Buch anpackte…. Es ist weder Comic, noch Leseanfängerbuch (keine Fibelschrift), aufgrund der Schriftgröße und Kapitellänge aber durchaus ab Ende 2. Klasse oder Anfang 3. Klasse geeignet.
Wir vergeben gerne 5 von 5 Sternen – ist doch logissimo!

Sonntag, 14. Mai 2017

14 – Kicker, Küsse, Katastrophen, Heike Abidi, Pink



14 – Kicker, Küsse, Katastrophen, Heike Abidi, Pink
Franziska ist fast 14 ist eine begeisterte offensive Mittelfeldspielerin. Beim glorreichen Abschluß der Saison wird sie daran erinnert, daß sie auf Grund ihres 14. Geburtstags nach den Sommerferien nicht mehr in ihrer geliebten Mannschaft mitspielen darf. Ab 14 gibt es keine mixed Mannschaften mehr, sie muß in ein Mädchenteam wechseln. Doch das ist nicht ihr einziges Problem. Ihre Lehrereltern haben kein Verständnis für ihre Leidenschaft. Bislang galt die Bedingung, sie darf nur Fußball spielen, solange sie keine Note schlechter als 3 auf dem Zeugnis hat, nun muß sie noch einen Tanzkurs belegen, um feminier zu werden! Wechsel in eine Mädchenmannschaft und Tanzkurs, ist das nicht ein bißchen viel auf einmal? Warum können ihre Eltern sie nicht so akzeptieren, wie sie ist?
Ihre beste Freundin Selma hat den Tanzkurs schon letztes Jahr gemacht. Mit ihrem unerschütterlichen Optimismus macht sie ihr Mut sich die neue Mannschaft wenigstens mal anzusehen und den Tanzkurs als Sport zu sehen.
Zum Glück kennt sie einige im Tanzkurs bereits von der Schule und auch wenn sie alle ein zwei Jahre älter sind als sie, wird sie herzlich aufgenommen. Gerade mit Jill und Henriette (aus der Serie“ Tatsächlich 13, Plötzlich 14, Endlich 15“) kann man auch bei Cha Cha Cha und Walzer richtig Spaß haben und die neuen Fußballmädels spielen richtig gut.
Franziska/Franzi ist eine Hauptperson, die man einfach gern haben muß. Offen und natürlich, steht sie zu sich, ihren Hobbys und ihren Ansichten. Sie macht sich und anderen nichts vor. Na ja, ihren Eltern schon, wenn es um ihre Schulnoten geht und sie heimlich Nachhilfe nimmt. Das Schöne an ihr ist jedoch, daß sie ihre Schwäche in einigen Fächern nicht einfach verschweigt, bis es zu spät ist und sie sitzen bleibt, sie arbeitet an sich. Zum Glück hat Henriette mit ihrem Ex-Freund Nick den perfekten Nachhilfelehrer für sie, der ihr Mathe und Französisch so logisch erklären kann, wie die Absatzregeln beim Fußball.
Auch wenn im Tanzkurs Zickenalarm wegen der süßesten Jungs ist, schafft Franzi sich da rauszuziehen. Sie ist zu geradlinig für solches Theater und will ja eigentlich auch gar nicht dort sein, sondern lieber auf dem Rasen kicken.
Der locker leichte Stil wird noch weiter aufgelockert durch einige What’s app Nachrichten, Blogeinträge und einen Psychotest zu seiner Rolle innerhalb der Familie. Dieser Test gefiel mir sehr gut, gerade weil Franzi, die zu Beginn des Buches furchtbar über ihre Lehrereltern und ihren Bildungsurlaub mit begrenzter Handyzeit in der Toskana schimpft, sehr fair und ehrlich mit sich, ihren Eltern und ihrem kleinen Nerdbruder umgeht.
Franzi ist jung und bisweilen unbedarft und ahnungslos. Das finde ich sehr sympathisch, ebenso wie ihre Freundin Selma, mit der sie seit der ersten Klasse befreundet ist. Sie ist völlig anders als sie, aber was solls? Dann nimmt man die Freundin halt so, wie sie ist. Ihre strahlend sonnige Art finde ich sehr frisch, auch daß sie nicht aus allem ein Drama macht. Die „Tatsächlich 13“ Reihe kenne ich zwar nicht, aber das ist auch nicht erforderlich, um Jill und Henriette sofort zu mögen. Für diejenigen, die die Reihe bereits kennen und lieben, ist es natürlich ein extra Bonbon, so zu einem unverhofften Wiederlesen mit ihnen zu kommen.
Die Geschichte spielt in Berlin, wo sonst gibt es so viele Vereine innerhalb einer Stadt. Man merkt jedoch nicht, daß die Autorin Heike Abidi, weit entfernt von der Metropole mit ihrer Familie in der Pfalz lebt. Seit 2012 veröffentlicht die studierte Sprachwissenschaftlerin Frauenromane, gibt Anthologien zu verschiedenen Themen heraus und schreibt Kinder und Jugendbücher. Mich hat noch keines ihrer Bücher enttäuscht, sie sind stets ausgesprochen positiv in ihrem Grundton, frisch aufbauend und selbst in mitten der größten Katastrophen witzig und nicht peinlich.
Ein wirklich schönes Buch, das richtig süß aber nicht klebrig ist. Es verführt einfach in einem Rutsch durchgelesen zu werden, weil es einfach richtig gute Laune macht - Herzklopfen inklusive.
Ein echtes gute-Laune-Wohlfühlbuch, ideal für junge Mädchen, die es lieben werden und sicher versstehen, warum ich 5 von 5 Sternen vergebe.