
Die Tierpolizei (1) – Kommissare mit Fell und Feder, Anna Böhm,
Illus. Ramona Wultschner, Oetinger Verlag
Die abenteuerlustige Katzenbärin Flopson und der freundliche
Streifentenrek Tjalle leben in einem großen Käfig in Frau Huppenschuhs
Wohnzimmer. Dort werden sie gut versorgt, aber es passiert nichts
aufregenderes, als ein gemeinsamer Krimiabend vor dem Fernseher. Bis Flopson
eines morgens alleine im offenen Käfig aufwacht. Tjalle ist weg, das Wohnzimmer
verwüstet und das Sofa aufgeschlitzt. Entsetzt begibt sich Flopson auf die
Suche nach ihrem Freund und wird dabei von Frau Huppenschuh erwischt. Diese
gibt sofort ihr die Schuld und setzt sie vor die Tür! Zum ersten Mal in ihrem
Leben auf sich allein gestellt, nimmt Krimifan Flopson die Ermittlungen auf.
Dabei trifft sie auf allerlei Stadttiere, die ihr alle erklären: Stadttiere
helfen einander nicht. Doch Flopson sieht das anders und hilft erst einmal
Mini-Pony Fridolin und der erschöpften schlauen Blaumeise Meili aus ihren misslichen
Lagen. Gemeinsam mit dem verdrießlichen Teddyhamster Jack, der in einem alten
Polizeiauto in einem großen Garten lebt, gründen sie die Tierpolizei. Gemeinsam
stellen sie fest, dass Ermittlungen viel aufregender, witziger und viel
effektiver sind, wenn sie ihre unterschiedlichen Talente bündeln! Ob sie es
schaffen Tjalle wieder zu finden und den kniffligen Fall zu klären?

Ein Ermittlerteam der ganz besonderen Art, dass ansonsten wenig
beachtete Tiere in den Mittelpunkt stellt. Eine Katzenbärin ist uns bislang
erst in einem Buch untergekommen, ein Teddyhamster noch nie. Auch kleine Meisen
sind selten literarische Helden und Zwergponys eher süße Kuscheltiere. Hier ist
es anders. Das Zwergpony Fridolin ist stark und gutmütig, aber auch sehr
ungeschickt und nicht gerade ein Blitzmerker. Ganz anders dagegen Meise Meili,
die so zart sie ist, jedoch stets den Überblick behält und sich auch alles
merken kann. Dazu ist sie noch hilfsbereit und ziemlich pfiffig. Hamster Jack
ist eher unwirsch und auf den ersten Blick wenig hilfsbereit, doch wenn man
genauer hinschaut, ist er sehr wissbegierig und lässt sich nur allzu gerne
breitschlagen, bei den Ermittlungen mitzumachen. Dafür hat er auch immer alle
notwendigen Utensilien auf seinem Anwesen und schleppt stets das richtige
Werkzeug in seinem Rucksack mit sich herum. Naja, meistens nimmt Fridolin den
kleinen Kerl ja auf seinen Rücken, damit er den Anschluss nicht verliert.
Irgendwie ist es Flopson nämlich durchaus gelungen, diesen misstrauischen
Stadttieren die Bereitschaft abzuringen, einander zu helfen. Das tun Stadttiere
nämlich eigentlich nicht, da ihnen ja auch niemand hilft. Doch Flopson zeigt
ihnen, dass man ruhig mal damit anfangen kann und sie alle was davon haben.
Durch die clevere und hartnäckige Katzenbärdame wird ihr Leben nicht nur
aufregender, sondern auch sehr viel schöner! Gemeinsam ist alles gleich viel
witziger, aber auch einfacher und nie müssen sie sich hilflos fühlen, da immer
einer der anderen drei eine gute Idee, oder zumindest guten Willen hat.

Dabei treffen die selbsternannten Tierpolizisten eine Menge
merkwürdiger, einsamer, verlogener oder auch quirliger Tiere bei ihren
Ermittlungen, von denen ihnen einige bereitwillig Auskunft geben, während
andere in ihrer Befragung dreist lügen. Da bedarf es schon gewiefter Ermittler,
um die Lügner von den ehrlichen Zeugen zu unterscheiden. Wie gut, dass Flopson
so viel Erfahrung aus den Fernsehkrimis hat!
Die Geschichte ist unglaublich witzig und lebendig geschrieben und
dabei gut verständlich. Alles was vielleicht nicht bekannt ist, wird den
anderen Tieren und somit auch den jungen Lesern sofort erklärt. Da weiß man
immer gleich Bescheid und fühlt sich niemals unwissend. Allerdings ist die
Schrift für Leser ab 8 Jahren etwas klein. Wir haben sofort mitgefiebert und
uns gefragt, ob sie Tjalle wohl jemals wiederfinden würden und was wohl mit ihm
geschehen sein könnte. Dieses tierische „Verbrechen“ ist sehr kindgerecht. Es
ist aufregend und weckt die Neugier, ohne brutal zu sein, oder Angst zu machen.
Daher geht natürlich alles gut aus, auch wenn sich der nächste Fall für die
Tierpolizei am Ende schon ankündigt!
Dabei hat uns die Aufmachung des Buches sofort angesprochen. Das
Cover ist richtig durchbrochen, so dass man es anheben und durchschauen kann, mitten
auf die drohende Gestalt des entschlossenen kleinen Teddy-Hamsters. Was für
eine schöne Idee! Mit dem Flatterband in schwarz-weiß, das jeden Seitenrand
ziert und den vielen liebevollen und lustigen Illustrationen z.T. sogar mit
Kommentaren im Comic-Style von Ramona Wultschner ist jede Seite ein Hingucker
und das tierische Krimiabenteuer hat sich ganz schnell zum Kinderbuchliebling
gemausert. Da passt es besonders gut, dass Ramona Wultschner zum Abschluss noch
einen Flopson-Zeichenkurs, Schritt-für-Schritt bietet, mit dem man die clevere
kleine Hauptkommissarin selbst zeichnen kann. Ach ja, außerdem gibt es im
hinteren Klappeneinband noch Zeichnungen mit Kurzbeschreibung der vier
Tierpolizisten und dem kleinen Streifentenrek Tjalle.
Das Buch lässt sich übrigens super vorlesen. Es macht richtig
Spaß, die verschiedenen Tierstimmen zu übernehmen, sei es die zarte Meili oder
den knurrigen Jack, oder eben die fiesesten, miesesten Tiere der Stadt...
Ein ganz starkes Plädoyer dafür mal neue Wege zu gehen und für
Freundschaft und Zusammenhalt!
Wir lieben dieses Buch und können es jungen Lesern ab 8 Jahren nur
wärmstens empfehlen!
Vielen lieben Dank an Anna Böhm für diesen wunderbaren Gewinn auf
Instagram. Wir haben uns super amüsiert und waren richtig gespannt auf das
Geheimnis hinter Tjalles Verschwinden.
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