Samstag, 22. Februar 2020

Ich habe ein Licht und fürchte mich nicht! Brigitte Weninger, Laura Bednarski, Annette Betz



Ich habe ein Licht und fürchte mich nicht! Brigitte Weninger, Laura Bednarski, Annette Betz

An einem herrlichen Herbsttag besucht der kleine Bär seinen Opa ganz alleine, denn er ist ja schon groß. Sie haben zusammen viel Spaß, mit den durch die Luft wirbelnden Blättern, beim Angeln und Knabbern... Doch es wird früh dunkel und der kleine Bär muss auch nach dem schönsten Tag wieder nach Hause. Da er doch schon groß ist, will er sich erstmals trauen, alleine durch die Dunkelheit zu gehen und nimmt sich eine Laterne dafür mit. Als er mit seinem Licht durch den großen Wald geht, hört er unheimliche Geräusche. Soll er sich fürchten? Aber er hat doch ein Licht! Dieses zeigt ihm, dass noch andere Tierkinder alleine unterwegs sind, allerdings ohne Laterne und sich fürchten. Also bietet er ihnen an, ihn und seine Lampe zu begleiten...

Zuerst war ich etwas skeptisch, ob ich es so gut finden soll, dass da so viele Kinder im Dunkeln alleine unterwegs sind... und dann nimmt der kleine Bär auch noch jeden Fremden mit! Aber das ist der völlig falsche Ansatz! Es sind alles nur Kinder, die Angst im Dunkeln haben und gemeinsam machen sie sich Mut und sind tapfer, denn mit einer Laterne braucht man natürlich keine Angst im Dunkeln zu haben. Dass ist zwar irrational, entspricht aber absolut der kindlichen Sorge: wenn es hell ist, kann man besser zwischen Freund und Feind unterscheiden, das gibt Sicherheit, weil man frühzeitig entscheiden kann, was zu tun ist. Auch wenn ein Kind alleine nicht viel ausrichten kann, so können sie gemeinsam doch eine Menge bewirken! So ist es sehr schön, dass der Bär offen ist für neue Freunde und verständnisvoll auf ihre Sorgen und Ängste eingeht, auch wenn er nicht zugibt, dass er sie auch hat. Der Opa ist auch nicht verantwortungslos, dass er seinen Enkel ganz alleine losschickt, nein, das ist wohl überlegt, wie sich am Ende herausstellt, so kann ich das Buch nur loben. Es soll Kindern die Angst vor der Dunkelheit nehmen, das Unbekannte und Unsichtbare stellt sich meist nach genauen Hinsehen bei Licht als völlig harmlos heraus. Das macht Mut und der macht stark, besonders, wenn man sich anfangs noch gar nicht so mutig fühlte... So geht es auch über das Selbstvertrauen, das Kinder entwickeln, wenn man ihnen auch mal etwas zutraut und sie lässt ihre eigenen Wege zu gehen. So kann ein aufregender Tag in einen wundervollen Abend enden.

Die farbigen Illustrationen von Laura Bednarski sind einfach zauberhaft. Sehr stimmungsvoll und freundlich, fangen sie die Stimmung ein und geben einfach ein gutes Gefühl! Jede Seite ist gespickt mit liebevollen Details, die es zu entdecken gibt!

Sprachlich ist es auch für Kinder ab 4 Jahren gut verständlich und emotional absolut nachfühlbar.

Wir bedanken uns ganz herzlich beim Annette Betz Verlag für diesen schönen Adventskalendergewinn.

Freitag, 21. Februar 2020

Spellslinger (1) – Karten des Schicksals, Sebastien de Castell, gelesen von Dirk Petrick, Der Audio Verlag, 2 MP3, 10 h 53 Minuten ungekürzt



Spellslinger (1) – Karten des Schicksals, Sebastien de Castell, gelesen von Dirk Petrick, Der Audio Verlag, 2 MP3, 10 h 53 Minuten ungekürzt
 
Kellen gehört einem mächtigen, magischen Volk an und sein Vater ist einer der Clanlords und höchsten Magiermeister mit Hoffnung Nachfolger des kinderlosen Fürsten zu werden. Doch Kellen hat ein Problem, er ist clever und wortgewandt, schafft es immer sich überall durchzumogeln, doch seine magischen Kräfte schwinden, statt zu wachsen. Er hat keine Ahnung woran das liegt. Er weiß nur, wenn er nicht bald die Magierprüfungen besteht, wird er zu seinem 16. Geburtstag in wenigen Tagen nicht seinen Magiernamen bekommen, sondern aller Magie beraubt werden und fortan dem Dienervolk angehören und niedere, unwürdige Aufgaben übernehmen müssen. Mit List und ohne Magie besteht er seine erste Prüfung, doch seine hochbegabte, jüngere Schwester Schalla entlarvt ihn und in ihrem irregeleiteten Vertrauen auf seine vermeintlichen magischen Fähigkeiten bringt sie ihn an den Rand des Todes. Keiner der umstehenden Magier und Magierinnen/Heilerinnen vermag es ihn zurück ins Leben zu holen. Da taucht auf einmal Ferius Parfax, eine Kartenspielerin mit roter Wallemähne und ohne jegliche Magie auf und schafft, was allen anderen nicht gelingt. Dennoch sind alle außer Kallen misstrauisch ihr gegenüber und halten sie für eine Spionin. Als sich die Lage für Kellen immer mehr zuspitzt, schließt er sich Ferius und der gefürchteten Baumkatze Reichis an, um den ihn bedrohenden Geheimnissen auf den Grund zu gehen.

Dies ist der Auftakt zu einer Fantasyreihe, die im Englischen bereits mit allen 6 Bänden vollständig erschienen ist. Sie entführt in eine Welt der Magie, der Intriegen, des Verrats, der Stände und der Volksdünkel. Toleranz gegenüber scheinbar unterlegenen Völkern oder Ständen ist nicht vorgesehen. Es ist der Nährboden für Krieg und Untergang. Aber erst einmal lernt man diese Welt kennen, Kellen, den Unglücksraben innerhalb eines der mächtigsten Clans, seine Familie, seine Freunde seine Feinde und lernt damit auch indirekt die Eigenheiten dieser Welt kennen. Auch wenn seine Magie zu wünschen übrig lässt, so doch nicht sein Geschick mit Worten und seine Fingerfertigkeit. Es lässt schmunzeln, dass ausgerechnet ein Volk, dass der Magie vertraut, Karten gegenüber so misstrauisch ist. Kellens Geschick mit seiner Zunge sind daher auch mit die besten Pointen zu verdanken, wobei ich Feirius trockene Art auch immer wieder einfach cool finde. Kellens Schwester Shalla ist da ganz anders, als ihr verunsicherter Bruder. Sie ist so überzeugt von sich und ihrer außerordentlichen Begabung, dass sie es nicht schafft, sich die Probleme ihres Bruders auch nur ansatzweise vorzustellen. In dieser Hinsicht ist Kellen ihr weit überlegen und so lernt man mit ihm viele mächtige Persönlichkeiten kennen, die allein der Kraft seines Verstandes vertrauen und ihm die Macht dieser seiner Gabe zeigen. Das macht ihn unglaublich sympathisch, auch wenn viele ihnen als Loser verachten. Doch sein Mut lernt sie das Fürchten. Wenn man sich ganz auf die Geschichte einlässt, merkt man, dass sie auch eine Menge Gesellschaftskritik über Privilegierung, Gleichheit und Toleranz enthält, denn es geht um Macht und Unterdrückung. Eine interessante Kombination aus Spannung, Action, Charakter- & Weltenstudie und Wortwitz prägt diesen Auftaktband, ab 12 Jahren.
Dirk Petrick klingt jung und hat eine emotional ausdrucksstarke und wunderbar wandelbare Stimme. Mal klingt er erstaunt, verunsichert, verängstigt oder entschlossen. Man hört es ihm an und nicht nur den von ihm erzählten Worten, besonders den trockenen Humor vermag er geschickt zu vermitteln.
Die schlanke Pappklapphülle ist ein echter Hingucker. Die Spielkarte auf dem Cover zeigt die beiden Protagonisten dieses Bandes und durch ihre Anordnung auf dem Blatt, erkennt man, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Kartenspiel handelt. Natürlich hat es mir ganz besonders das abgedruckte Zitat von Ferius Parfax angetan „Ich bin eine Frau, mein Junge. Wahrscheinlich bist Du in diesem zurückgebliebenen Kaff noch nie einer begegnet. Aber eine Frau ist genauso wie ein Mann, bloss schlauer und mit mehr Mumm.“ Auf diese besondere Frau trifft es absolut zu, eine starke Heldin und Antiheldin zugleich.
Ein spannendes Abenteuer in einer fremden Welt, voller Magie, Ungleichheit und Verrat. Spannend und wortwitzig, nicht nur für Kartenspieler.
Ich bedanke mich ganz herzlich beim Der Audio Verlag für das ersehnte Hörexemplar.
Hier findet Ihr die Hörprobe: