Montag, 10. Februar 2020

Ghost – Jede Menge Leben, Jason Reynold, gelesen von Jörg Pohl, Hörcompany 3 CDs 3 h 35 min



Ghost – Jede Menge Leben, Jason Reynold, gelesen von Jörg Pohl, Hörcompany 3 CDs 3 h 35 min

Castle Cranshaw ist nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren. Sein Vater ist ein Säufer und wenn er wieder betrunken ist, wird es gefährlich. Eines Tages so sehr, dass er auf seine Frau und seinen Sohn schießt. Sie können nur weglaufen und da merkt Castle wie schnell er laufen kann. Verängstigt verstecken sie sich beim Krämer um die Ecke in der Vorratskammer und versuchen unbemerkt zu bleiben. Als sie ankamen, sahen sie aus wie Geister, meinte ihr Beschützer. Fortan nennt sich Castle selbst Ghost. Als er eines Tages im Park eine Laufmannschaft sieht, fühlt er sich in seinen viel zu großen Klamotten (in die er hineinwachsen soll) und seinen Billigturnschuhen provoziert von einem der Läufer in super chicen Outfit. Er läuft neben ihm her und kann mithalten. Der Trainer ist begeistert und will ihn gegen alle Regeln aufnehmen, unter der Voraussetzung, dass es in der Schule keinen Ärger gibt. Eine echt harte Bedingung, denn in Castle brodelt es stets und es besteht immer die Gefahr, dass er überkocht, denn etwas nagt an ihm... Schafft er es dennoch Teil einer Mannschaft zu werden?


Dieser Jugendroman ist mit großen Vorschusslorbeeren in Deutschland gestartet. Das hat mich gereizt, aber andererseits... Ja, ich kann wie Ghost laufen, ich bin ein Naturtalent, aber ich tu es nicht. Wozu? Solange man nicht auf der Flucht ist, ist es doch ziemlich unspannend und es interessiert mich ja auch noch nicht mal bei Olympia auch wenn mir Usain Bolt und Florence Griffith Joyner durchaus bekannt sind. Ich kann verstehen, dass Castle eigentlich auf Basketball steht, das ist ja ein Mannschaftssport, ganz anders als Laufen, oder doch nicht? Castle sieht diesen aufgestylten Sprinter und fühlt sich mal wieder provoziert, er sieht die Konkurrenz, das ist doch kein Teamsport, der den Charakter stärkt! Dennoch wird Castle durch den Sport ein Ziel, einen Fokus bekommen, lernen über sich selbst nachzudenken und nicht immer gleich in die Luft zu gehen. Er muss sich selbst kennenlernen, auf seine Mutter Rücksicht nehmen, die sie alleine durchbringen muss. Es ist Emotion pur, dieser innere Kampf, den er mit sich selbst ausficht. Er wächst in der übelsten Gegend der Stadt auf, dennoch gehört er keiner Gang an, nimmt keine Drogen und geht zur Schule. Es wäre gelogen, wenn man sagen würde, er tut alles um dort raus zukommen, aber er versucht anständig zu bleiben. Auf die Idee zu jobben kommt er nicht, wohl weil ja noch ein Kind ist, aber auch, weil es in dieser Nachbarschaft wohl auch niemanden gibt, der ihm für seine Hilfe etwas bezahlen könnte. Diese ganz brutale, unterschwellige Armut, keine passenden Klamotten kaufen zu können, so dass alles zu groß sein muss, damit es länger hält, dass Castle bis abends nichts zu Essen hat, wenn er das Schulessen ausfallen lässt, diese Armut, die überhaupt keine gescheite Ernährung zulässt... dennoch gibt er nicht auf. Es ändert sich aber erst, als der Trainer ihn aufnimmt, dann wird aus dem nicht Aufgeben ein Kämpfen. Man will unbedingt wissen wie es weitergeht. Auch wenn ich mich immer noch nicht fürs Laufen interessiere, für dieses Team brenne ich.

Jörg Pohl hat es geschafft mich mitzureißen und mich in Tränen aufgelöst. Ich habe mir nicht verstohlen ein paar Tränchen weggewischt, ich bin auf gestanden und brauchte erst einmal Taschentücher, aber bitte schnell, ich wollte ja weiter hören... Jörg Pohl klingt nun nicht wie 12, aber er schafft es dennoch absolut authentisch zu klingen. So unmittelbar direkt, brodelnd, mit Gefühlen direkt unter der Oberfläche, die jederzeit herausbrechen können, unverstellt und dadurch berührend.

Ich finde dieses Hörbuch super, aber auch echt fies, denn es endet an einer Stelle an der ich dachte: Gibt es vielleicht doch noch eine vierte CD? Nein, ich muss nun schnell Band 2 „Patina“ hören.

Die Altersempfehlung 12 - 15 Jahre empfinde ich im Hinblick der elementaren Probleme der Helden dieses Teams absolut angemessen. Auch wenn Castle/Ghost erst 12 oder 13 Jahre alt ist, sollten die Leser oder Hörer nicht jünger als 12 sein und werden es mit 15 auch sicherlich nicht kindisch finden.

Eine ganz klare Hörempfehlung. Vielen lieben herzlichen Dank an die Hörcompany für diesen Gewinn!

Sonntag, 9. Februar 2020

Es war einmal ein magisches Buch – Mit Suchspiel durch 13 verzauberte Abenteuerwelten, Lily Murray, Katie Hickey, Orell Füssli



Es war einmal ein magisches Buch – Mit Suchspiel durch 13 verzauberte Abenteuerwelten, Lily Murray, Katie Hickey, Orell Füssli

„In einem Spielzeugladen finden Sofie und Jakob ein staubiges Buch mit einem goldenen Schlüssel. Sie schließen es auf und Wusch! Sind sie mittendrin in dem Buch – und in einem Abenteuer!“ Ihre Reise führt sie durch 13 fantastische Welten in denen einige Wesen und Elemente immer wieder auftauchen, allen voran eine magische rote Tür, die sie stets von einer Welt in die nächste führt, das blaue magische Buch und der goldene Schlüssel. Es folgt weniger eine ausgeklügelte Geschichte, als ein kniffeliges Rätsel im Escape Stil für die Jüngsten und ist altersentsprechend ebenso kniffelig. Damit möchte ich dieses Abenteuer nicht als lieblos abtun, sondern betonen, dass das Hauptaugenmerk auf den Bildern liegt, was für Kinder ab 2 Jahren auch oft viel fassbarer ist, als Text.

Ich tue mich mit Escape Rooms immer etwas schwer. Dieses Buch ist wunderschön, man nimmt es sofort in die Hand und will es lesen. Zu erst sieht man eine bunte Doppelseite, auf der Sofie und Jakob, das Abenteuer, das Buch, der Schlüssel, die Hexe, der Riese und die Elemente, die es immer wieder zu entdecken gibt vorgestellt werden. Es fehlt leider die Vorstellung der roten Tür, da war ich mir beim ersten Abenteuer nicht so sicher, ob ich denn die richtige gefunden hatte, aber es gibt im Anhang die Lösung, nach einmal Schauen, weiß man dann ob es die richtige Tür ist. Ich war etwas skeptisch, wie soll ich das denn alles finden und was genau war das Abenteuer? Wie immer bei Escape Rooms braucht man Zeit und Muße, man muss bereit sein, sich darauf einzulassen. War ich nicht und habe es weggelegt. Es ist kein schnelles Buch für zwischendurch, man muss bereit sein in die Illustrationen zu versinken und sie haben es verdient. Also nahm ich es wieder zur Hand, als meine Freundin die Kunstlehrerin da war und wir gingen gemeinsam auf die Suche, bis wir Gesellschaft von ihrem mittleren Sohn bekamen, der mit suchte.

Die Geschichte ist relativ einfach und dadurch wirklich auch schon für Bilderbuchkinder geeignet. Die einzelnen Elemente auf den dicht bedruckten bunten Seiten wieder zu finden ist schon deutlich schwieriger und schult unglaublich das Auge und die Konzentration. Nun sind Escape Rooms eine einmalige Angelegenheit. Dieses Buch nicht. Die Lösungen zu den Aufgaben sind hinten abgedruckt und tatsächlich gibt es dazu noch neue Aufgaben. Denn einige Spielzeuge aus dem Spielzeugladen die vorne auf einem Regal abgebildet sind, tauchen auch auf den folgenden Seiten immer wieder auf und nach ihnen kann man auch suchen, auch wenn es für sie keine Lösung gibt, aber es ist ein wunderbarer Anreiz, um in den Illustrationen zu versinken. Man kann es also immer wieder in die Hand nehmen und sich verzaubern lassen von der Magie der fremden Welten. Alle drei Leser waren absolut überzeugt von dem Rausch der Farben und Bildeindrücke.

Ab 2 Jahren, empfohlen bis 6, aber der achtjährige Philip hatte auch Freude daran und will es bald mit seinem kleinen Bruder entdecken.

Vielen lieben Dank an Orell Füssli für dieses zauberhafte Bilderbuch.