Samstag, 8. Februar 2020

Die Spiegelreisende (1) – Die Verlobten des Winters, Christelle Dabos, gelesen von Laura Maire, 2 MP3 767 Minuten der Hörverlag



Die Spiegelreisende (1) – Die Verlobten des Winters, Christelle Dabos, gelesen von Laura Maire, 2 MP3 767 Minuten der Hörverlag
Gott war wütend und hat die Welt durch einen Riss zerstört. Entstanden sind 21 Archen, die durch das All treiben und von ganz besonderen Familien und ihren Geistern bewohnt werden.
Die junge Ophelia ist unscheinbar und liebt ihr ruhiges Leben inmitten ihrer Familie auf der Arche Anima. Sie ist eine Leserin, das heißt sie kann, wenn sie einen Gegenstand mit bloßen Händen anfasst, dessen Geschichte erspüren bzw. erlesen. Daher leitet sie das Familienmuseum, stets von ihrem alten irgendwie lebendigen Schal umgeben und mit einer Brille auf der Nase, deren Gläser die Farbe je nach ihrem Gefühlszustand wechselt. Da sie von Anima kommt, hat sie auch heilende Kräfte, aber vor allem, kann sie als eine der wenigen durch Spiegel von einem Ort zum nächsten reisen. Zufrieden mit ihrem Leben, hat sie bereits die Heirat mit zwei Cousins abgelehnt, mit denen sie nun wirklich nicht den Rest ihres Lebens verbringen will! Doch dann haben die Familienoberen die Doyennes sie mit Thron einem Sohn des mächtigen Drachenclans der ewig winterlichen Pol-Arche verlobt. Vor dieser Verbindung gibt es nun kein Entrinnen, sie muss zu ihrem Verlobten auf dessen Arche ziehen. Allerdings muss die völlig unvorbereitete Braut schnell feststellen, dass es dort nicht so harmonisch zugeht, wie auf Anima, ihr abweisender Verlobter total verhasst ist und eine gefährliche Intrige ihr Leben bedroht.
Der Einstieg fiel mir nicht leicht, deswegen habe ich erst mal den Klappentext gelesen, um mich in dieser fremden Welt zurecht zu finden, aber er war doch recht dünn. Hilfreicher zur Orientierung fand ich die Infos zu dieser neuen Fantasyreihe bei Amazon.
Ich mag Laura Maires sanfte, freundliche Stimme sehr gerne, aber irgendwie stand sie hier bisweilen sehr im Kontrast zu der harschen Wirklichkeit, in der sich die doch scheinbar recht weltfremde Ophelia auf einmal wiederfindet. Sie wirkt sehr verletzlich, wie sie sich hinter ihrer Brille und ihrem eigenwilligen Schal zu verbergen scheint. Ein wenig weltfremd und versponnen und doch wurde sie auserwählt und ihr Patenonkel offenbart ihr, dass viel mehr in ihr steckt, als sie meint. Auf mich als Hörer wirkte sie anfangs sehr passiv, wie ein Kind, dass die Augen weit aufreißt und mit staunendem Blick alles über sich ergehen lässt, obwohl: zwei Bewerber hat sie abgewiesen, so ganz sollte man dem sanften Schein dann wohl doch nicht trauen. Lange Zeit bleibt sie recht gehorsam, ihr Gesicht ist eine einzige Maske, die keine Emotionen verrät und so wird sie oft verkannt. Doch gegen Ende des 1. Teils reicht es ihr endgültig, sie will kein Spielball anderer mehr sein, sie fordert Ehrlichkeit von anderen und von sich selbst. Angesichts der lebensbedrohlichen Gefahr in der sie steckt, scheint sie wie ein Phoenix aus der Asche zu erstehen und alle in ihr schlummernden Möglichkeiten zu nutzen. Es kommt zu einem Kräftemessen auch des Willens. Ganz klar weiß man zum Ende des 1. Teils, dass die Gefahr noch lange nicht gebannt ist, aber Ophelia hat zu sich selbst gefunden und festgestellt, dass auch sie selbst sich bisher unterschätzt hat. Um zu Überleben geht sie gefährliche Allianzen ein und macht sich damit nicht nur Freunde, aber ihr Überlebenswille in der unwirtlichen Welt der Arche Pol ist ungebrochen.
Anfangs war mir Ophelia zwar sympathisch, aber eben zu passiv. Trotz all der Gefahren, hat sie mir einfach nicht genug gekämpft, ihr Potenzial nicht genug ausgeschöpft. Aber im Angesicht der Tragweite des Verrates ändert es sich und lässt auf ein deutlich entschiedeneres Handeln in den kommenden Bänden hoffen. Ich bin sehr gespannt, wie sich ihr Verhältnis zu Thorn und dessen Tante entwickelt, aber auch der undurchsichtige Botschafter Archibald macht neugierig. Ob wir von ihren Verbündeten noch mal hören werden oder neue Archen kennen lernen? Da kann man noch auf einiges gespannt sein, das Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden und eine Steigerung für meinen Geschmack noch möglich. Die Welt der Archen ist geheimnisvoll, fremd und scheint undurchschaubar, ist doch auch Ophelia vieles noch unbekannt. Die Magie mag betören, aber auch verstören, hat sie mich bisweilen irritiert zurückgelassen. Dennoch hat es mir gut gefallen, aber noch nicht völlig gepackt, ich bin gespannt, ob dies mit dem nächsten Band geschehen wird. Die Einführung in diese fremde Welt, bis zum Knackpunkt des Verrates ist doch etwas langwierig. Das Tempo dürfte fortan anziehen. Für sensible Seelen dürfte die Altersempfehlung ab 12 Jahren auch erhöht werden.
Ich bedanke mich ganz herzlich für diesen mysteriösen Einblick in die Welt der Spiegelreisenden bei dem Bloggerportal und der Hörverlag.

Donnerstag, 6. Februar 2020

Mordskälte, Anne Kirschs 4. Fall, Mareike Albracht, Ullstein Midnight



Mordskälte, Anne Kirschs 4. Fall, Mareike Albracht, Ullstein Midnight

POK Anne Kirsch ist beruflich angezählt, da sie einmal zu oft, die dienstlichen Anweisungen geflissentlich überhörte, um ihrem Bauchgefühl zu folgen. Das hat den Fall zwar entscheidend weitergebracht, aber sie selbst auch in große Gefahr. Als sie daher zum Vorgesetzten zitiert wird schwant ihr Böses. Doch es kommt anders als befürchtet. Sie wird der wiedereingegliederten Kollegin KHK Olivia Esterhazy zugeteilt und gemeinsam ins Sauerland geschickt. Sie sollen den Tod eines Motorradfahrers untersuchen, der in einer Kurve von der Fahrbahn abkam. Beide sind ziemlich frustriert über den Auftrag, Olivia weil sie meint, dass man ihr nichts mehr zutraut und Anne, weil sie das Wochenende eigentlich privat im Sauerland verbringen wollte. Doch als sich erste Zweifel am Unfall des Motorradfahrers ergeben, werden die zwei Ermittlerinnen hellhörig. Auch der geheimnisvolle Biker der unangekündigt bei Annes Freund Heiko übernachtet macht sie stutzig, aber Heiko mag nicht darüber reden und der Biker war noch zugeknöpfter. Alle Spuren führen irgendwie zu der Sauerlandgröße Andreas Hartmann und zu dem von ihm gegründeten Club Motorradfreunde Sauerland e.V. Er scheint jedoch durch seine Anwälte geschützt und unantastbar. Als auch noch Heiko in die Angelegenheit hineingezogen wird, schwirren sehr unvorschriftsmäßige Ideen und Ansätze durch Annes Kopf.

Dieser Fall ist sehr persönlich. Das merkt man schon daran, dass er mit einer kräftigen Portion Frust für die Ermittlerinnen beginnt, die befürchten, dass man sie aufs Abstellgleis stellen möchte. Auch wenn der Motorradunfall erst einmal völlig unspektakulär klingt, wird es aber doch schon sehr früh sehr spannend. Durch das plötzliche Auftauchen von Heikos Bruder Markus, der sich ausschweigt und keinerlei Erklärungen für seinen ramponierten Zustand abgeben möchte, wird es schon zu Beginn mysteriös. Außerdem hatten sowohl Anne als auch Heiko sich ihr Wochenende völlig anders vorgestellt, immerhin haben sie sich nun seit Wochen nicht mehr gesehen. Doch dass irgendwann ausgerechnet der Lehrer in den Fokus der Ermittlungen gerät, damit hat nun wirklich niemand gerechnet. Daher wird dieser Fall sehr persönlich. Anne ist durch ihre Sorge um Heiko, aber auch durch die Rücksichtnahme auf dessen Bruder nicht unbefangen und muss abgezogen werden, da kommt es ihr gerade recht, dass eine Leiche gefunden wird, die seit rund 25 Jahren nicht vermisst worden zu sein scheint... Auch in diesem Fall stolpert Anne immer wieder über den Namen des Mannes, der sich für unantastbar hält. Darin sieht sie eine Herausforderung und Provokation und mit ihr der Leser. Man wünscht es Anne so sehr, dass sie diesem Unsympath das Handwerk legen möge. Doch wie, fragt man sich. Das ist sehr spannend und natürlich letztendlich auch sehr wagemutig. Voller Sauerländer Charme, bisweilen etwas barsch, aber immer mit dem Motorenlärm in der Natur. Anne passt dahin, wobei sie sich deutlich sanfter zeigt, als bisher zumeist. Interessant sind auch die Einblicke in Olivias Seelenleben, die von ähnlichen Ängsten beherrscht wird wie Anne. Anne versteht sie nur zu gut, aber es zeigt ihr auch, dass man manchmal mit Freundlichkeit weiterkommt, auf die sanfte Tour.

Für mich ist dies Anne Kirsch spannendster Fall. Man fiebert richtig mit und bisweilen ist die Spannung zum Greifen nah. Sehr kurzweilig und atmosphärisch, kann ich diesen Krimi nur empfehlen.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Mareike Albracht und Ullstein Midnight für dieses Leseexemplar.