Donnerstag, 21. November 2019

Interview mit Sandra Regnier



Interview mit Sandra Regnier
Liebe Sandra, dies ist Dein Abschlussband der „Anderwelt“ einem Spin-off Deiner erfolgreichen Pan-Triologie. Schließt Du es tatsächlich aus, Dich noch mal mit diesen Welten zu beschäftigen, oder ist nur ganz definitiv die Geschichte von Allison und Finn auserzählt?

Die Geschichte um Allison und Finn ist erzählt. Die Zeit der Anderwelt geht weiter, ganz bestimmt. Da gibt es noch so viele andere Ideen, die mit Avalon, Anderwelt, Drachen, Nymphen und Korrekturen der Zeit zu tun haben, dass ich noch lange nicht damit fertig bin. Aber vorerst müssen diese Geschichten und Figuren wieder reifen.

2. Wenn Du einen Tag in einer Deiner geschaffenen Welten verbringen dürftest, welche würdest Du Dir aussuchen und warum?
Ich würde wahnsinnig gern einen Tag auf Avalon verbringen. Zwischen den Apfelhainen spazieren, den Berg zum Steinkreis erklimmen, die Bibliothek aufsuchen und darin stöbern- nur zum Abendessen will ich wieder zu Hause sein. Ich mag warmes Wasser und gutes Essen.
  
3. Mit welcher Deiner fantastischen Gestalten würdest Du am liebsten mal den Tag verbringen und warum?
Wenn ich diese Gestalt jetzt aus der »Anderwelt«, »Pan«-Welt nenne, wisst ihr sofort, welche Geschichte mir am ehesten als nächstes vorschwebt. ?
Ich würde gern mal einen Tag mit Brandon aus der Zeitlos-Trilogie verbringen. Er müsste mir alles von seinem Zeitalter erzählen. Das wäre sehr spannend und lehrreich. Andererseits … wenn ich zu ihm reisen dürfte, wäre ich auch wahnsinnig gern mal für einen Tag bei Etienne. In Paris oder Versailles.

4. Welche Besonderheit aus diesen Welten hättest Du gerne für Dich in Deinem Leben?
In der Zeit springen zu können, wäre wundervoll. Man könnte so viel erfahren und lernen und ich stelle immer wieder fest, wie gern ich lerne und Neuigkeiten aufsauge wie ein Schwamm. Ich würde so gern einmal verschiedene Ären besuchen, die Menschen mir anschauen, erleben, wie sie zu diesen Zeiten sich verhalten, ihre Einstellungen erfahren, die Städte und Dörfer vor dem ersten und zweiten Weltkrieg sehen und auch riechen, das Essen probieren, ein paar Geheimnisse entlüften.
Erst vor ein paar Tagen wurde die Leiche eines napoleonischen Offiziers in Russland gefunden, der als verschollen galt. Seit dem Russlandfeldzug der Franzosen war dieser berühmte General spurlos verschwunden und jetzt erst fand man ihn und konnte ihn dank der DNA seiner Nachfahren identifizieren! Es gibt so viele Vermisste und egal ob im Krieg oder ohne Krieg, für die Angehörigen ist das immer schrecklich. Man könnte ihnen helfen, wenn man durch die Zeit springen könnte. Man könnte auch andere Dinge finden. Den Schatz der Templer zum Beispiel. Oder das Bernsteinzimmer. Oder die geheimen Briefe von Anna von Österreich an Kardinal Mazarin. Hach, die Phantasie geht da mit mir durch.

5. Hand aufs Herz, wer wäre eher Dein Typ: Lee oder Finn?
Ich hätte vermutlich viel Spaß mit Lee, weil er so humorvoll ist, andererseits ist Finn loyal und bodenständig. Ich mag bodenständig und loyal. Sehr sogar. Aber ich mag auch, wenn man mich zum Lachen bringt.

6. Du lebst in der Eifel, in der Nähe von Wäldern. Hat Dich die Natur bei der Beschreibung Deiner Welten inspiriert?
Ganz bestimmt sogar, denn Elfen sind ja Naturgeister. Ich mag diese zerklüfteten Schieferfelsen, die Bäche, die sich dadurch Richtung Mosel winden, Bäume mit überdimensionalen Wurzeln, die sich an den Felsen festhangeln und dann das Wissen, dass in diesen Bachtälern im dreißgjährigen Krieg oder zur Zeit Napoleons Räuberbanden sich in säumenden Höhlen und in abgelegenen Mühlen versteckten …
Ich würde auch gern mal einen historischen Krimi darüber schreiben. Mal sehen …

7. Hast Du schon konkrete neue Schreibpläne oder sammelst Du erst mal neue Kraft?
Ich bin schon wieder am Arbeiten. Die Anderwelt war ja im Juni abgeschlossen (die paar Korrekturlesungen danach zähle ich nicht mehr wirklich) und habe schon mit etwas neuem begonnen. Doch dann hatte ich im Urlaub eine andere Idee, die mich nicht loslässt und an der ich jetzt intensiv arbeite. Ich habe noch keinen Vertrag dazu und es wird noch etwas dauern, bis die Geschichte ganz ausgereift und fertig geschrieben ist, aber es macht mir wahnsinnig viel Spaß.

Vielen Dank für Deine Zeit
Danke für die netten Fragen!

Mittwoch, 20. November 2019

Das gestohlene Herz der Anderwelt, Sandra Regnier, Carlsen Verlag



Das gestohlene Herz der Anderwelt, Sandra Regnier, Carlsen Verlag

Dies ist der langersehnte zweite Teil der Anderwelt, eines Spinoff der Pan-Triologie

Schon der Start ist dramatisch, in einer längst vergangenen Zeit, mit einer dunklen Priesterin und einem Drachen, der nicht nur die Priesterin in Angst und Schrecken versetzt, sondern auch Elf Finn. Bei Alli kommen vage Erinnerungen hoch, da war was, aber was? Aber lange hat sie nicht Zeit darüber nachzudenken, denn sie wurden auch in dieser vergangenen Zeit aufgespürt und verfolgt. Finn packt sich Alli wieder über die Schulter und wirft sie durch die magische Pforte in die dahinterliegende Ruinenstadt. Doch Allison stirbt nicht, sie verfällt nicht zu Staub, allerdings sind die Elfenagenten noch immer hinter ihr her, so dass sie die Flucht nach vorn antritt. Dadurch findet sie den Bestimmungsort des Herzens der Anderwelt, in einer Stadt, die wohl einst von Drachen bewohnt war. Doch wie soll sie diesen Kelch in ihren Besitz bekommen, um ihn an seinen vorgesehenen Ort zu stellen? Wieder einmal ist es Nymphe Chloe, die ihr hilft, dieser unglaublich trockenen, heißen Welt zu entkommen. Aber die Zeit hat sich weiter gedreht, im Internat wurde sie mehrere Tage vermisst und auch von George fehlt jede Spur. Sie erhält Hausarrest, was nach Finns Meinung eh der sicherste Ort für sie ist.
 
Es war wunderbar alle Charaktere des ersten Bandes wieder zu treffen. Allerdings entwickeln sich diese in der Fortsetzung zum Teil anders als erwartet. Das fand ich super, da unvorhersehbar und doch in sich schlüssig. Langsam akzeptiert Allison ihre Schlüsselrolle für die ihr unerreichbare Anderwelt. Dennoch gibt es für sie viele Ungereimtheiten, zum Beispiel, wie Finn es wagen konnte, sie durch die lebensgefährliche Pforte zu werfen? Den langersehnten Reiterball muss sie leider verpassen, dafür geht ausgerechnet Valérie an ihrer Stelle hin, sie ist nun auch Internatsschülerin. Allison weiß gar nicht, was sie getan hat, um das zu verdienen... Allison erlebt eine Achterbahn der Gefühle. Sie taucht in eine völlig fremde, geheimnisvolle und eigentlich unglaubliche Welt ein und mit ihr die Leserin. Das ist spannend und faszinierend zugleich. Auch ihre Gefühle für Finn sind erschüttert und verwirrt, denn er scheint sie in den sicheren Tod geworfen zu haben. Wollte er sie umbringen? Auch die Erzählungen vom Reiterball irritieren sie noch weiter. Ganz klar ist aber, dass Valérie nervt! Doch ist gerade sie es, die die größte Wandlung durchmacht, sie und George. Das ist für mich unerwartet und hebt es aus der Masse romantischer Fantasy hervor. Die Charaktere dürfen zwiespältig sein, zweifeln und sind keine Abziehbildchen von Gut und Böse. Bei keiner Person ist stets sicher, wie man sie nun wirklich finden soll, es kommen immer wieder Zweifel auf, außer an Allison, die sich aber auch über sich bzw. ihren Körper wundert, der dieses Mal mit einigen Tücken zu kämpfen hat. Woran das wohl liegen mag?


Sandra Regniers Schreibstil ist flüssig, packend und emotional. Die Schreibpause hat ihrem Stil nicht geschadet, es ist packend und wirkt nicht wie ein Werk das man einfach mal so abliefert, um einen Vertrag zu erfüllen. Es ist mit Herzblut geschrieben und ins Detail durchdacht. Gerade wenn man fremde Welten erschafft, finde ich es wichtig, dass es schlüssig ist, damit die Welt vor dem eigenen inneren Auge erstehen kann, ohne Fragezeichen. Alle Handlungsstränge werden verwoben und zusammengeführt. Es gibt kleine Erinnerungen an die Pan-Triologie, die aber keine Vorkenntnisse erfordern. Diese Reihe ist sehr gut für sich alleine lesbar und die Pan-Triologie kann dann auch noch im Anschluss gelesen werden, ohne dass bereits zu viel verraten wurde.

Sehr gut fand ich, dass es kein reines Happy End gibt, ein kleiner Wermutstropfen bleibt. Ich werde seine Charaktere vermissen, denn mit diesem Band ist die Reihe abgeschlossen.

Vielen lieben Dank an Buchcontact und den Carlsen Verlag für das Rezensionsexemplar zur Befriedung meiner Sehnsucht nach der Anderwelt.