Dienstag, 19. November 2019

Agatha Oddly (2) – Die London-Verschwörung, Lena Jones, gesprochen von Leonie Landa, Jumbo Verlag, 3 CDs 237 Minuten, gekürzt



Agatha Oddly (2) – Die London-Verschwörung, Lena Jones, gesprochen von Leonie Landa, Jumbo Verlag, 3 CDs 237 Minuten, gekürzt

Worum es geht: Agatha Oddlow ist 13 Jahre alt, 1,60 m groß, hat dunkelbraunes Haar, zum Bob geschnitten. Sie trägt am liebsten Vintage-Klamotten, bei denen sie Kleider ihrer verstorbenen Mutter mit Second-Hand Stücken kombiniert. Ihr Vater ist der Chefgärtner im Hyde Park, wo sie in einem Dienstcottage leben. Agatha wäre am liebsten Detektivin, wie ihr großes Vorbild Hercule Poirot, der  Meisterdetektiv aus der Feder von Agatha Christie. Bis sie dafür alt genug ist, besucht sie dank eines Stipendiums die elitäre Schule St. Regis. Dort wird sie von den Oberzicken der KS (Killerstyle, aber für Agatha nur Klonschwestern) spöttisch Oddly genannt. Gemeinsam mit ihren Freunden Liam Lau und der reichen Brianna, die technisch mit allen Finessen ausgestattet ist, ermittelt sie.
Diese Folge: Agatha möchte endlich genau wie ihre Mutter in die geheime Torwächter Gilde aufgenommen werden. Während sie ihre Aufnahmeprüfung absolvieren soll, stolpert sie bereits über einen ungewöhnlichen Fall, den die Polizei unterschätzt: Im British Museum ist ein Wächter ermordet worden. Bei ihren Nachforschungen im Museum entdeckt sie einen geheimen Zugang im Keller zu den unterirdischen Tunneln der Stadt. Außerdem wundert sie sich, warum das alljährliche Feuerwerk jetzt schon stattfindet und dann auch noch an einem Sonntag. Auch wenn außer ihr, das niemanden zu wundern scheint, ist sie von einem Zusammenhang der Ereignisse überzeugt!

Kurz vor ihrem 14. Geburtstag erreicht Agatha das Ziel ihrer vermeintlichen Wünsche, muss dann aber feststellen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Die Regeln der Torwächer-Gilde sind streng und sie ist ein freier Geist und lässt sich nichts vorschreiben. Wenn die Torwächter sie nicht unterstützen wollen, dann verlässt sie sich eben auf ihre Freunde! So viel Renitenz mag ich ja ;) Auch privat läuft für Agatha nicht alles so, wie sie es sich wünscht. Ihr Vater denkt über einen Wegzug aus London nach, weg von ihren Freunden und den Erinnerungen an ihre Mutter! So wird die Spannung mit persönlichen Problemen Jugendlicher geschickt gepaart und das absurd witzige Detektivabenteuer gewinnt an Tiefe. Man muss die eigenwillige Agatha und ihre Freunde einfach mögen. Klar, es ist nicht unbedingt realistisch, aber welcher Kinder-/Jugendkrimi ist das schon, immerhin erwartet man eine aufregende Geschichte und so aufregend ist das Leben von 13/14-Jährigen meistens nicht. Agatha ist nicht nur clever und kennt jede Menge Codes, die ihr auch bei dem Lösen etlicher Geheimbotschaften helfen, sie hört auch immer wieder die weisen Ratschläge ihres Vorbilds Hercule Poirot in ihrem Kopf, des Meisterdetektivs aus der Feder der Frau, nach der  sie benannt wurde. Sie ist halt etwas eigen, aber dafür um so einfallsreicher. Immerhin ermittelt sie gegen die Zeit, wieder ohne Hilfe von Erwachsenen, die sie als eine fantastische Spinnerin abtun. Denn schnell merkt Agatha, dass gerade die Zeit in diesem Fall wieder gegen sie spielt. So legt die Geschichte neben Witz ein hohes Tempo an den Tag, ausruhen, kann man nach der Auflösung des Rätsels!


Leonie Landa klingt genau so, wie man sich Agatha vorstellt, jung, neugierig und offen für Abenteuer. Sie liest klar und deutlich, dabei aber so lebendig, dass man die Spannung förmlich knistern hört. Es macht einfach Spaß mit ihr Agatha durch das unterirdische London zu irren und auch so manche Panne zu überstehen.

Wie auch der Vorgänger ist es ein London-Krimi. Man folgt Agatha durch die Stadt, zumeist unterirdisch und lernt dennoch einiges über die oberirdische Stadt. Dennoch ist es unterirdisch natürlich viel gruseliger und unheimlicher! Man weiß nie, wer hinter welcher Ecke lauert... Es ist also wirklich spannend und auch humorvoll, britisch eben. Auch wenn Lena Jones keine reale Person, sondern der Künstlername eines jungen talentierten englischen Autorenteams ist.

Das Booklet enthält diesmal nicht nur die Kapitelüberschriften mit Trackliste, sondern auch eine Übersicht diverser Geheimcodes mit einem Tipp von Agatha persönlich. Außerdem stellen sich Lena Jones (inkognito) und Leonie Landa vor. Die Codes sind hier natürlich der Hit! Es ist wieder sehr schön gestaltet und auch jeder einzelne Tonträger hat ein anderes Design auf der Oberseite.

Rasant, spritzig, frech und spannend, wurde ich bestens von Agathas Jagd durch London unterhalten.

Vielen lieben Dank an den Jumbo Verlag für dieses kurzweilige Rezensionsexemplar.

Hier findet Ihr eine Hörprobe:

Montag, 18. November 2019

Wie ist das mit dem Krebs? Dr. Sarah Herlofsen, Dagmar Geisler, Gabriel Verlag



Wie ist das mit dem Krebs? Dr. Sarah Herlofsen, Dagmar Geisler, Gabriel Verlag

Krebs kann jeden treffen und sicherlich kennt jeder jemanden der Krebs hat, hatte oder daran starb. Auch Kinder. Doch für Kinder und deren Eltern ist es besonders schwierig, denn für sie ist es neu, unbekannt und unbegreiflich. Das macht ihnen besonders Angst. Diese Angst zu nehmen, durch Verständnis die Angst zu lindern und Kinderfragen beantworten und Eltern und anderen Bezugspersonen im Umgang mit der kindlichen Unsicherheit und Neugierde rund um das Thema Krebs zu helfen, hat sich Dr. Sarah Herlofsen mit diesem Buch vorgenommen. Die Idee kam ihr, als ihr eigener geliebter Großvater an Krebs erkrankte. Sie erinnerte sich an die Zeichenserie, die sie in ihrer Kindheit so faszinierte und prägte: Es war einmal das Leben. Im Zeichentrickformat wird Kindern verständlich und bildlich der Körper und seine Funktionsweise erklärt. Das war für sie der Anstoß Medizin zu studieren und später in die Forschung zu gehen.

Hier lernen Kinder die Ursachen von Krebs kennen, was es ist, wie es sich auswirkt und was man dagegen tun kann.
Dabei werden für Kinder die Vorgänge in den Zellen und was Zellen überhaupt sind anschaulich erklärt, auch anhand von Beispielen. Es geht um die Themen: Zellen, Kranke Zellen, Der Körper verteidigt sich, Der Körper braucht Hilfe, Gesund werden, Kann man an Krebs sterben? Die beliebte Illustratorin und Autorin Dagmar Geisler stellt die Zellen, DNA-Stränge und Kindersorgen farbig und freundlich dar. Es geht darum mit Verständnis Sorgen zu bekämpfen. So hatte ich den Eindruck, dass es für Kinder so klingen könnte, als könne man Krebs heutzutage sicher heilen. Diese Befürchtung erwies sich als unbegründet, der immer noch mögliche tödliche Ausgang der Krankheit wird nur weiter hinten im Buch sensibel angesprochen, nachdem zuvor Mut gemacht wurde, indem die Therapiemöglichkeiten besprochen wurden. Während der Erklärungen sind immer wieder typische Kinderfragen eingebaut, deren Beantwortung kursiv gedruckt werden, z.B. tut es weh die Haare zu verlieren? Kann ich wieder so werden, wie alle anderen? Kann ich mit meiner kranken Oma kuscheln? Einige dieser Fragen scheinen Erwachsenen banal, aber für Kinder sind sie es nicht, sie brennen ihnen auf der Seele. Die Autorin nimmt sie ernst, geht auf diese ein und beantwortet sie ernsthaft und sensibel. Das kann Eltern eine große Hilfe sein. Meine Tochter (10) fand es sehr interessant und verständlich. Schade fand sie es schade nur, dass das Buch schon so schnell zu Ende war, denn den Hilfeteil für Erwachsene habe ich ihr nicht vorgelesen. Die Illustrationen hat sie sich gründlich angeschaut und fand gerade die Zellzeichnungen besonders faszinierend. Auch wenn Dagmar Geisler am liebsten Menschen zeichnet, fanden wir auch die von ihr dargestellten menschlichen Einzelteile wie die roten Blutkörperchen mit ihren Sauerstoffblasen in den Blutbahnen klasse. Vorsicht, wer seinen Kindern nicht erklären will, woher die Babys kommen, der sollte nicht dieses Buch nehmen. Es wird ganz klar erklärt, das Kinder selbstgemacht von Mama und Papa sind und anschließend die Zellteilung uns zu dem macht, was wir sind. Da könnten weitere Fragen auf die Eltern zukommen. 

Natürlich ist jedes Kind anders und hat andere Sorgen und Nöte. Daher sind hier nur die häufigsten Fragen aufgeführt. Dafür ist am Ende des Buches ein Hilfestellungsteil für Erwachsene, z.B. mit Ratschlägen wie man auf Fragen von Kindern eingeht, auf die man selbst keine Antwort weiß: Was sage ich, wenn ich die Antwort selbst nicht weiß? Es geht auch auf andere ganz wichtige Punkte ein: Wie ehrlich soll ich sein? Wann sollte ich mein Kind informieren? Wie soll ich mit meinem Kind sprechen? Was sind normale Reaktionen? Sehr einfühlsam und vorausschauend deckt die Autorin viele potenzielle Problemfälle ab

Dieser Teil hilft sicherlich nicht nur betroffenen Eltern, sondern ist auch eine Stütze für Lehrer oder Erzieher, sollte ein Mitschüler oder ein Lehrer betroffen sein (das war bei uns der Fall, als die Lehrerin nach nur 2 Wochen die Klasse nach einer Krebsdiagnose verließ).


Sollte dies alles noch nicht ausreichen und man mehr Fragen oder andere Probleme haben, so nennt sie zum Schluss noch hilfreiche Adressen in Deutschland mit Internetseite und Email-Adressen. Dieses Buch ist unter der Schirmherrschaft der Deutschen Krebshilfe erschienen und mit einem sehr persönlichen Vorwort von Cornelia Scheel versehen. Da aber auch Kinder in Österreich und in der Schweiz diese Fragen und Probleme haben, finde ich es schade, dass noch nicht einmal eine Adresse pro Nachbarland aufgeführt wurde. Hilfreich ist das Buch im übrigen für alle deutschsprachigen Kinder und deren Bezugspersonen.

Vielen lieben Dank an die Deutsche Krebshilfe für dieses wunderbare Rezensionsexemplar.