Sonntag, 31. Dezember 2017

Du spinnst wohl! Eine außergewöhnliche Adventsgeschichte in 24 Kapiteln, Kai Pannen



Du spinnst wohl! Eine außergewöhnliche Adventsgeschichte in 24 Kapiteln, Kai Pannen, gesprochen von Jens Wawrczeck, Felix von Manteuffel, Mechthild Großmann u.v.a, Inszenierte Lesung mit Musik und Geräuschen
Spinne Karl-Heinz hockt am 1. Dezember in seinem Netz und hofft auf einen guten Fang. Als ihm Fliege Bisy ins Netz geht, beschließt er, sie bis Weihnachten als Festtagsbraten aufzuheben und sich 24 Tage lang auf den kommenden Genuss zu freuen.
24 Tage mit einer Spinne auf den Braten warten? Das klingt ja höllisch langweilig! Wäre es auch ganz sicher, wenn sich diese Geschichten nicht Kai Pannen ausgedacht hätte. Denn Karl-Heinz und Bisy finden es eigentlich auch ganz schön langweilig und leiden können sie sich auch nicht! Da bleibt ihnen also nichts anderes übrig, als sich gemeinsam die Zeit zu vertreiben. Sie erzählen sich spannende oder faszinierende Spinnenmärchen, räumen das Netz auf, schmücken es adventlich, unternehmen Ausflüge (ein Graus für eine Spinne, aber Fliegen sind ja sehr gesellig und auf Kontakt aus). Langsam gewöhnen sich die zwei aneinander und Bisys Einfluß auf Karl-Heinz wächst, z.B. als der Pizza-Bote kommt, denn wer einen fetten Braten zu Weihnachten möchte, muß ihn auch anständig füttern! Aber auch noch andere Insektengesellen kommen vorbei, Telefonate werden geführt und Kochrezepte heraus gesucht.
Dieses Aufeinandertreffen zweier Welten aus der Nahrungskette ist sehr kurzweilig und amüsant. Eigentlich ist es nicht unbedingt nur ein Kinderbuch. Das merkt man daran, daß einem bei jedem Hören neue sprachliche Feinheiten auffallen, die einen zum Grinsen bringen: Mein liebster Spruch war als Karl-Heinz eine Verwünschung aussprach, absolut kindertauglich: „Karies sollst Du kriegen, Du!“. Ganz schön böse, Insekten mit Karies. Diese Fressfeinde muß man einfach lieben, schon wie sie die quengeligen Raupen verjagen, die nicht über ihren selbstgerechten Horizont hinausblicken können.
Es ist eine Geschichte über Feinde die einander unersetzlich und so zu wahren Freunden werden, trotz aller Differenzen und Instinkten.
Die drei Hauptrollen sind brillant besetzt auch wenn ich gestehen muß, daß ich Jens Wawrczeck alias 2. Detektiv Peter Shaw nicht erkannt habe. Erzählerin Mechthild Großmann ist unverkennbar, wenn ich auch einräumen muß, daß ich über die Wandlungsfähigkeit ihrer doch sehr markanten Stimme immer wieder sehr erstaunt bin. 
Balance und Ton sind sehr ausgewogen und auch die Musik, Geräusche, wie auch Stimmen der Nebenrollen wurden wirklich hervorragend ausgesucht.
Diese Geschichte ist nicht nur in der Weihnachtszeit toll. Uns erreichte dieses Hörbuch ungefähr zur Mitte der Adventszeit, als mal wieder eines der Kinder flachlag und so haben wir es nicht kapitelweise gehört, sondern einfach zur Ablenkung von den üblen Kopfschmerzen und auch später noch als Weihnachten ja eigentlich schon vorbei war. Es gibt aber Geschichten, die sind so schön, warum sollte man sie nur einmal im Jahr hören?
Die Fortsetzung „Mach die Biege, Fliege! Ziemlich beste Freunde“ ist übrigens mit der gleichen Besetzung eine Ganzjahresgeschichte, über die harte Probe, auf die die Freundschaft durch einen unfreiwilligen Umzug gestellt wird. Noch mehr von Bisy und Karl-Heinz gibt es auch unter www.duspinnstwohl.de.
Ein wirklich toller Spaß für die ganze Familie inklusive tierischer Hausbesetzer. 5 von 5 Sternen.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Headroom sound production für dieses zeitlos schöne Hörexemplar.

Samstag, 30. Dezember 2017

Inspector Swanson und das schwarze Museum, Robert C. Marley, Dryas




Inspector Swanson und das schwarze Museum, Robert C. Marley, Dryas
London 1894, eigentlich befindet sich Chief Inspector Donald Sutherland Swanson schon auf seiner Abschiedsrunde in Scotland Yard, um seinen 14-tägigen Familienurlaub in Schottland anzutreten. Doch die Pflicht ruft und er muß erst noch einen Abstecher zur heutigen Eröffnung des Kriminalmuseums, dem sogenannten „schwarzen Museum“ im Keller des Gebäudes machen, wo er auch den berühmten Schriftsteller Conan Doyle trifft und zahlreiche Journalisten. Dies ist im Zug schon fast wieder vergessen, als dieser unvermittelt hält. Ein wohlhabender Passagier in einem Schlafwagenabteil wurde ermordet und niemand hat es mitbekommen. Die Tat ist äußerst rätselhaft. Ehe er erdolcht wurde, explodierte eine Taschenuhr in seiner Weste und verletzte ihn schwer. In der Jackeninnentasche befindet sich ein Brief in einem Freimaurercode. Swanson ist der einzige Polizist vor Ort und selbst Freimaurer. Da muß der Familienurlaub erst mal warten, denn er muß vor Ort die Spuren bewerten und einem Verdächtigen folgen. Nicht lange und der Fall wird persönlich, wie persönlich ahnt Swanson aber vorerst nicht. Nicht nur die Freimaurer tauchen bei diesem kniffeligen Verbrechen immer wieder auf, auch der berühmte Kriminalautor hat immer wieder kurze Gastauftritte.
Schon bei der Wahl der Vornamen Donald Sutherland seines Inspectors hat Robert C. Marley Sinn für Humor bewiesen. So wie auch der berühmte Schauspieler ist auch der Chief Inspector ein beeindruckender Mann, aber ohne persönliche Skandale, er überzeugt durch sein können und seinen scharfen Verstand.
Dieser viktorianische Krimi überzeugt vor allem durch sein Zeitempfinden und seine Kniffeligkeit. Es gibt keine spektakulären Verfolgungsjagden, bis zum Schluß, denn selbst der Täter, den Swanson verfolgt, hat so viel Vorsprung, daß erst mal keine Gefahr droht. Es ist vor allem ein Whodunnit. Bis zum Ende tappte ich im Dunkeln, was die Identität des Täters anbelangte und das, obwohl ich eine Krimipause eingelegt hatte, weil mir der Täter in den letzten Krimis viel zu früh offensichtlich oder unlogisch vorkam. Während ich mir also den Kopf über die Identität des Täters zerbrach, erfreute ich mich an den kleinen Details am Rande. Der Möchtegern-Autor Abraham Stoker schleicht nachts über den Friedhof von Highgate, um für seinen geplanten großen Vampirroman, der die Literarturwelt revolutionieren soll, die Atmosphäre zu erspüren. Sir Arthur Conan Doyle, der vor Kurzem sein geistiges Kind Sherlock Holmes, das Fluch und Segen zugleich für ihn war, literarisch hat sterben lassen, um auch andere Romane schreiben zu können, hat immer wieder kurze, aber nicht unbedeutende Auftritte. Oscar Wilde, Jack the Ripper und andere Größen der damaligen Zeit finden Erwähnung am Rande. Zudem verschafft der Krimi Einblick sowohl in die geheime Welt der Freimaurer, als auch in den Verbreitungsgrad dieser Bruderschaft. Das Buch ist in 7 Teile unterteilt, die alle mit einem Vorsatzpapier, das eine alte Dampflok zeigt die von links nach rechts das Bild durchquert und einem jeweils wechselnden Zitat eines berühmten Freimaurers (?) eingeleitet wird z.B. „Jedes zu große Übergewicht von einer Seite stört die Freundschaft“ Adolph Freiherr von Knigge.
Dieser Band ist Teil der „Baker Street Bibliothek“, also der viktorianischen Krimis, dieses Verlages der auf Krimis spezialisiert ist, die in England spielen. Die Baker Street Bibliothek mag ich schon wegen ihrer wunderbar nostalgischen Aufmachung sehr gerne. Es gibt einen farbigen Schnitt, eine Vignette zu Beginn eines Kapitels, ein Glossar am Ende und oft auch Karten und Skizzen. Eine Karte war hier entbehrlich, dafür wird der Winkelcode der Freimauer skizziert und erläutert.
Robert C. Marley, Jahrgang 1971 ist Autor, Kriminalhistoriker, Goldschmiedemeister und Mitglied des Syndikats – der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren. Natürlich liebt er seit seiner Jugend Sherlock Holmes und Agatha Christie.
Ein kniffeliger Krimi mit Stil und Klasse, ein echtes Lesevergnügen, das 5 von 5 Krimisternen verdient.