Sonntag, 1. November 2026

Werbung/Rezensionsexemplar: „Freunde“ Eva Kranenburg, Fischer Sauerländer Verlag

 

Werbung/Rezensionsexemplar: „Freunde“ Eva Kranenburg, Fischer Sauerländer Verlag

 

Der Krieg ist vorbei, doch nichts ist mehr, wie es mal war. Die Anderen haben gesiegt und die Macht in der vollkommen zerbombten Stadt übernommen. Viele Gebäude sind zerstört, viele Eltern getötet. Die Freunde Tarek, Tuk, Nata und Ren haben überlebt und das nur dank der Voraussicht ihres Anführers Tarek, des ältesten von ihnen. Sie sehnen sich nach Freiheit und Liebe und vor allem Sicherheit und unverdorbener Nahrung. Was bleibt ist die unsägliche Erinnerung an unerträgliches Leid und ein Gefühl der Schuld, weil sie überlebt haben und doch auch unendliche Erleichterung. Ren mit seinem Engelsgesicht, wird natürlich von einem Fernseh-Team interviewtzu seinen Kriegserlebnissen, damit kann er Zigaretten, die geheime Tauschwährung, für sie alle verdienen. Er schafft es nicht, von den wirklich schlimmsten Erfahrungen zu berichten, bis Nata ihn mit einem Einfall rettet Doch der neue Reichtum bringt sie auch in Gefahr, denn ihr Handel wurde beobachtet. Auch wenn ihr geheimes Versteck auf dem Friedhof sicher scheint, müssen sie erst mal dorthin kommen... Sie sind nicht die Einzigen, die einfach nur, so gut wie möglich überleben wollen und mit allen Mitteln und die Vergangenheit verdrängen.... und dann gibt es die Anderen, die Besatzer, von denen der eine Ren immer so merkwürdig ansieht, dass ihm ganz anders wird.... Werden sie es schaffen, auch ihren inneren Frieden zu finden?

 

Diese Freundschaft wirkt unwirklich. Klar Ren und Nata sind in einem Alter, aber Tarek ist deutlich älter und die krasse Narbe in seinem Gesicht erzählt davon, dass er noch ganz andere dunkle Seiten des Krieges gesehen hat, von denen sie nichts ahnen. Um zu überleben, müssen sie bisweilen schweigen, auch gegenüber ihren Freunden. Tuk behauptet schon 15 zu sein, ist aber wenns hoch kommt allenfalls 9 Jahre alt, stinkt wie ein Iltis, und ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, ist auch nicht wirkich klar. .. dann ist da noch der Junge, mit seinen hypnotischen Augen, der sie stets im Blick hat und beobachtet. Vor ihm graust es Ren und die Jungs und Mädels vom Syndikat, einer Gang, die es irgendwie geschafft hat, immer oben mitzumischen und vor denen man sich unbedingt in Acht nehmen muss...

 

Diese Geschichte ist universell, für jedes Kriegsende, denn mit diesem beginnen ganz neue Probleme und nicht nur für die Erwachsenen, auch für die Kinder und Jugendlichen, deren Seelen tiefe Narben haben. Dabei ist keine Zeit sich um diese zu kümmern, es geht immer nur ums nackte Überleben...Wahrscheinlich bei den Siegern, ebenso wie bei den Verlierern. Im Krieg verlieren beide Seiten, bis auf wenige Kriegsgewinnler, die sich hemmungslos bereichern. Auch die werden hier gezeigt, Eva Kranenburg offenbart hier schonungslos, die volle Grausamkeit und Härte von Krieg, ohne, dass noch Bomben fallen. Sie zeigt die Wunden aller beteiligten Völker und da dies für alle gilt, haben sie bei ihr keine Namen, nur Wir und die Anderen. Doch sind die Anderen wirklich so anders? Ein Gedanke der absurd scheint, natürlich sind sie es! Sie sind böse, sie haben so viel Tod und Elend gebracht! Doch nach und nach geschieht so einiges und stellt alles in Frage, was die Freunde für Gewissheit hielten. Wer dennoch wissen will, wie es dort aussieht, findet eine Karte der hier erwähnten Orte in der Umschlagklappe, denn auf Wikipedia wird sie niemand finden. Sie sind universell.

 

Unglaublich faszinierend und spannend erzählt Eva Kranenburg nicht nur über Freundschaft, sondern vom Überleben und der Sinnlosigkeit jedes Krieges und verblüfft am Ende wahrscheinlich die Meisten... Diese Geschichte ist ab 14 Jahren unbedingt zu empfehlen und das nicht nur, weil einem diese seltsamen Freunde so ans Herz wachsen. Sie kennt keine Längen, wirft aber viele Fragen auf und regt zum Nachdenken an.

 

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Ich bedanke mich ganz herzlich beim Fischer Sauerländer Verlag für mein Reziexemplar!

 

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