Montag, 22. Juni 2026

Eisenblume, Frida Skybäck, gelesen von Tanja Geke, Der Audio Verlag, MP3 11 h 52 min ungekürzt

 

Eisenblume, Frida Skybäck, gelesen von Tanja Geke, Der Audio Verlag, MP3 11 h 52 min ungekürzt

 

Durch eine Art Mutprobe entdecken zwei Jugendliche eine Leiche in einer verlassenen Station eines großen Psychiatrischen Einrichtung in Lund. Die hinter einer Rigips-Wand versteckte Leiche ist inzwischen mumifiziert und keine offensichtliche Identität oder Todesursache erkennbar. Schnell kommen Erinnerungen an zwei verschwundene jugendliche Patienten Tommy und Marie-Luis aus dem Jahr 1987 zurück. Seit über 30 Jahren fehlt jede Spur von ihnen. Doch wo wäre die zweite verschwundene Person und war es Mord? Die Auffindesituation ist ja verdächtig, doch wer ist es? Die einflussreiche Familie von Marie-Luis macht Druck und die Presse stürzt sich auf die „unfähige“ Polizei, wie die Geier. Das ehemalige Personal macht fast identische Aussagen und ist wenig hilfreich. Irgendwie wird alles immer undurchsichtiger, da auch keine Patientenlisten mehr auffindbar sind. Wer will hier was vertuschen? Neben all dem versucht Kommissarin Fredrika Storm ihre frische Beziehung auf die Reihe zu bekommen, sich in der Mordkommission zu beweisen und ihre seit Ewigkeiten verschollene Mutter zu finden. Doch auch ihr Kollege Henry Calmant hat seine eigene persönlichen Probleme zu meistern.

 

Ganz schön tough die Frau Kommissarin und doch auch sehr greifbar. Auch wenn ich sicherlich nicht so schroff wäre, kann ich viele ihrer Sorgen und Nöte verstehen. Wobei mich immer wieder schmunzeln lässt, dass ihr Kollege aus wohlhabendem Hause ständig in der Mittagspause mit ihr Essen gehen will und Annika bei den Preisen die Ohren schlackern....

 

Lund im Süden Schwedens ist eine der wärmsten Gegenden des Landes und erleben wir auch das Erwachen der Natur, das natürlich immer noch nicht so früh ist wie bei uns. Die Vorstellung im Winter in Skandinavien obdachlos zu sein, kommt mir besonders hart vor. Denn auch dies wird hier thematisiert. Diejenigen, die für die Augen aller unsichtbar zu sein scheinen, bekommen oft viel mehr mit, als man ahnt... würde man ihnen nur zuhören...

 

Trotz der schwierigen Thematik (die Zustände in der stationären Psychiatrie in den 80ern) finde ich diesen Skandinavienkrimi nicht so düster. Das Ermittlerteam ist sympathisch, auch wenn Henry Calmant sicherlich der umgänglichere von beiden ist, aber er ist ja wohlbehütet aufgewachsen, während Fredrika mit einigen familiären Dämonen zu kämpfen hat. Die Geschichte ist komplex ineinander gewebt, aber nicht verwirrend. Ich habe beim Zuhören nie den Faden verloren und insbesondere hatte ich keine Probleme die jeweiligen Personen zuzuordnen.

 

Durch die privaten Nebenschauplätze der Ermittler, die wirklich ganz unterschiedlicher Natur sind, dennoch beide gleich gut nachvollziehbar, wird die Geschichte niemals verbissen, sondern menschlich aufgelockert. Dabei sitzen die Presse und die Familien der verschwundenen Jugendlichen den Ermittlern im Nacken.... der Druck und damit die Angst zu scheitern steigen immer weiter...

 

Tanja Geke passt mit ihrer ruhigen, etwas herben Stimme sehr gut zu dieser eigenwilligen Kommissarin und trifft stimmlich sehr gut die Stimmungsschwankungen im Laufe der Handlung und der jeweiligen Personen. Ihrer Wandlungsfähigkeit habe ich es wahrscheinlich zu verdanken, dass ich der Geschichte so gut folgen konnte, obwohl ich Band 1 der Reihe nicht kenne. Da freue ich mich umso mehr, dass mein Gewinn von der Sprecherin signiert ist! Sie ist auch der Grund, weshalb ich mich an diesen skandinavischen Krimi herangetraut habe.

 

Die Auflösung am Ende ist komplex und betrifft heutige Ereignisse, ebenso wie das Verschwinden 1987. Ein Handlungsstrang war für mich menschlich echt erschreckend.

 

Ein atmosphärisch dichter, logisch aufgebauter Cold Case mit einem sympathischen Ermittlerteam und sich langsam aufbauendem Spannungsbogen bis zum Schluss! Ich habe ihn wirklich mit Spannung gehört.

 

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Dtv und Der Audio Verlag für meinen Insta-Gewinn!

 

Hier könnt Ihr reinhören:

https://der-audio-verlag.de/hoerbuecher/eisenblume-ein-fall-fuer-fredrika-storm-skybaeck-frida-978-3-7424-3026-7/

 

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Mittwoch, 17. Juni 2026

Mutmurmeln für den ersten Schultag, Sarah Welk, Caroline Opheys, Ars Edition

 

Mutmurmeln für den ersten Schultag, Sarah Welk, Caroline Opheys, Ars Edition

 

Lolle und Linus sind beste Freunde, seit sie denken können. Sie sind beide 6 Jahre alt und nach den Ferien kommen sie gemeinsam in die Schule. Das ist ja schon toll, aber wenn Linus ehrlich zu sich ist, wird ihm bei dem Gedanken auch ein wenig murmelig, äh, mulmig. Was wenn er mal muss oder nach der Pause den Weg nicht zurück findet? Da hat Lolle eine prima Idee: sie machen sich gemeinsam Mutmurmeln! Murmeln, die sie während einer Mutprobe, gut festhalten und während sie besonders mutig sind, strömt etwas von dem Mut in die Murmeln. So werden sie aufgeladen und wenn man ihn dann mal braucht, nimmt man sie unauffällig in die Hand. Dann strömt der Mut aus der Murmel wieder zurück! Prima Idee, auch wenn es echt etwas gruselig ist, gemeinsam in den dunklen Keller zu gehen, sie an den Händen zu fassen und das Licht auszumachen, oder ganz hoch in den Kirschbaum zu klettern, bis auf den vierten oder fünften Ast! Nach den Mutproben fühlt sich Linus gleich schon besser, bis er am 1. Schultag feststellen muss, dass seine Mutter „aufgeräumt“ hat und dabei seine Mutmurmel in den Blecheimer, zu all den anderen getan hat! Da gibt es nur eine Lösung!

 

Ich finde die Idee, dass man Mut in Murmeln fließen lassen und sich bei Bedarf an diesen „auftanken“ kann, richtig klasse. So Murmeln sind ja auch klein und unauffällig, die kann man immer gut einstecken und schnell mal in die Hand nehmen. Dazu kommen die fröhlich-freundschaftlichen Illustrationen von Caroline Opheys, die sofort gute Laune machen. Der Umgang unter den Kindern ist sehr vertraut und wertschätzend und das sieht man sofort.

 

Sarah Welk erzählt diese Mut-Mach-Geschichte nicht nur sehr liebevoll und verständlich, sondern auch mit viel Humor. Da muss sich dann kein kleiner Zuhörer schämen, wenn er oder sie selbst mal Bammel vor etwas haben. Es sind alles ganz normale Kinder und es wird schon am ersten Schultag klar, dass es allen so geht, sogar der netten Lehrerin. Da sich die Geschichte bewusst an Vorschulkinder richtet, ist der Textanteil auch schon höher, so dass ihre Konzentrationsspanne trainiert wird, aber die Charaktere sich auch besser entwickeln können und mehr Kontur haben. So werden Lolle und Linus einem gleich sympathisch. Sie stecken voller Ideen, aber auch Zweifeln und haben viel Spaß gemeinsam.

 

Etwas schade finde ich nur, dass das Schriftbild so klein und zart ist. Das macht es älteren Vorlesenden schwierig, ohne Lesebrille spontan mal vorzulesen und nach der Einschulung können die Mutmurmelkids ihr neues Lieblingsbuch lange Zeit nicht selbst lesen, eventuell für jüngere Geschwister, weil die Schrift zu klein und fein ist. Dieses Buch hat nämlich definitiv das Zeug dazu ein Lieblingsbuch zu werden und immer wieder zur Hand genommen zu werden, wenn man sich mal murmelig fühlt. Ganz sicher wird es bei sensiblen Vorschulkindern ein Hit! (und bei ihren Eltern sicherlich auch).

 

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Sarah Welk und der Agentur Buchcontact für mein Rezensionsexemplar!

 

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