Donnerstag, 6. November 2025

Die Spur der Vertrauten, Christelle Dabos, Rotfuchs Verlag

Die Spur der Vertrauten, Christelle Dabos, Rotfuchs Verlag

 

Claire und Goliath leben in einer Welt, in der das „Wir“ über allem steht und ein „Ich“ nichts wert ist. Jeder Mensch besitzt einen besonderen Instinkt, der dem Gemeinwohl auf die eine oder andere Weise nützt. Goliath ist ein Schützender, dessen Instinkt ihn dazu zwingt andere Menschen zu retten und sein eigenes dabei riskiert. Durch seinen Wagemut hat er schon 10 Menschen gerettet und nur noch eines fehlt noch, um ihn in den Stand eines „Heiligen“ zu erheben. Da der 2,40 m große Kerl allerdings zuletzt seine Arme einbüßte und nun stattdessen Prothesen nutzt, wurde er von der Feuerwehr zur Verkehrsüberwachung versetzt, was seine Chance, das fehlende 11. Leben vor seinem 18. Geburtstag zu retten, gegen Null sinken lässt. Doch da fällt ihm auf, dass einer seiner Mitschüler verschwunden ist und er forscht nach und er findet noch mehr spurlos Verschwundene. Er sieht seine Chance doch noch jemanden zu retten und trifft bei seinen Nachforschenden auf Claire, eine Vertraute. Diese hat in ihrer „Schule der Vertrauten“ sogar schon 8 derartige Fälle entdeckt. Eigentlich darf sie nicht auffallen, da sie ein Geheimnis hütet: sie hat keinen Instinkt, der sie zu guten Taten für das „Wir“ treibt, sie ist ein „Ich“, was keiner wissen darf. Trotzdem ist sie wild entschlossen gemeinsam mit Goliath diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen, auch wenn die Risiken unermesslich sind, denn Claire ist ein Killer auf den Fersen....

 

Was für eine abschreckende Gesellschaft und eine seltsame Religion. Goliath ist fast schon besessen von der fixen Idee noch ein Menschenleben zu retten, ehe seine Nachfrist abgelaufen ist. Absolut ehrgeizig und voller Konkurrenzdenken, hat er innerhalb seiner Schule keine Freunde. Ganz anders Claire, die aus echter Sorge um die Verschwundenen handelt und nicht aus Zwang. Sie hat eine recht eigenwillige Art die Welt um sich herum wahrzunehmen, was sie sehr sympathisch für mich macht, allerdings entstamme ich ja auch nicht ihrem Sektor.


Man spürt, dass diese Dystopie der Autorin der Erfolgsreihe „Die Spiegelreisende“ von einer Französin geschrieben wurde. Dieses Buch wird ab 14 empfohlen. Doch niemand in dem Alter in Deutschland weiß was ein Minitel ist, womit die Menschen im Südsektor Informationen sammeln und Nachrichten verschicken. Das hat sich in Deutschland überhaupt nicht durchgesetzt, war vor 30-40 Jahren in Frankreich aber sehr verbreitet (es ist so eine Mischung aus Videotext und Internet, für das man spezielle, mit der Telefonleitung verbundene Geräte benötigte).

 

Der Einband unter dem Schutzumschlag, gefällt mir sehr gut. In silbernen Lettern stehen auf der Vorderseite Claires Gedanken über Goliath, und auf der Rückseite seine Überlegungen über sie. Die ebenso schlichten, wie glänzenden Lettern haben ihren ganz eigenen Reiz.

 

Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt. Überwiegend aus der von Claire und Goliath, aber nicht nur. Dies wird jeweils zum Beginn eines neuen Kapitels/Abschnitts deutlich mit fettgedruckter Anzeige der Perspektive und quasi einer Losung des Kapitels kenntlich gemacht. Ohne diese Anzeige, wären diese recht sprunghaften und anfangs völlig unangekündigten Wechsel nur verwirrend. Man sollte sie daher stets im Blick behalten.

 

Durch die Perspektivwechsel erhält man ganz unterschiedlich Einblicke, doch es wird dadurch nicht unbedingt klarer, sondern fast noch geheimnisvoller und bedrohlicher, denn man spürt, dass das „Wir“ vielleicht doch nicht immer nur gut ist. Langsam und mit finsterer Vorahnung wird man in den Bann der Nachforschungen des Schützenden und der Vertrauten gezogen...

 

Am Ende kommt alles ganz anders... und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende ;) Denn es geht um Identität, Gemeinwohl, Freundschaft, Bestimmung, darum aus der Art geschlagen zu sein und mögliche künftige Staatsformen. Wirklich interessante Themen die hier, aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet und hinterfragt werden... das ist bisweilen etwas unheimlich, aber nicht nur. Bisweilen ist es auch ganz schön spannend.

 

Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Agentur Buchcontact und dem Rotfuchs Verlag für mein Rezensionsexemplar.

 

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Montag, 3. November 2025

Musenrausch – Nektar und Ambrosia, Milou Bichon, Aileen Wrozyna, Louis Friedemann Thiele, Hannah Schepmann, Pia-Rhona Saxe Lübbe Audio, 10 h 57 min. ungekürzt

Musenrausch – Nektar und Ambrosia, Milou Bichon, Aileen Wrozyna, Louis Friedemann Thiele, Hannah Schepmann, Pia-Rhona Saxe Lübbe Audio, 10 h 57 min. ungekürzt


Sie scheint in einem Albtraum gefangen! Immer wieder sieht sie vor ihren Augen wie ihr Schiff kenterte und ihre beiden besten Freunde ertranken. Die Fluten schlossen sich über ihr und seither ist alles anders. Ihr fehlt der Antrieb, ihre Energie, ihre Inspiration! All ihre Bilder sind trist und düster. Auch wenn sie ihre Arbeit in der Hamburger Kunsthalle liebt, so ist der Traum vom Kunststudium ausgeträumt, sie fühlt sich leer und kraftlos…


Doch dann kommt es wie ein Rausch über sie, sie greift zu ihren Farben und Papier und kann nicht mehr aufhören zu Malen, nach all den Monaten der inneren Leere und merkt plötzlich, dass ein junger gutaussehender Mann in ihrer Wohnung auf der Couch sitzt. Dieser ist völlig fassungslos, denn er ist Neo, Wandas Muse und eigentlich sollte sie ihn gar nicht sehen können. Auch diese Anziehung sollte zwischen ihnen nicht sein…. Je mehr er sie inspiriert, desto schwächer wird seine Magie und er muss zurück nach Ambrosia, um sich dort mit dem Nektar der Magie neu aufzuladen. Doch sie scheinen untrennbar miteinander verbunden, Wanda kann sich nicht von ihm entfernen und muss mit ihm nach Ambrosia, oder er wird verkümmern und immer schwächer. Kann sie als Mensch überhaupt dorthin? Ist sie jetzt für immer an ihn gebunden? Ist es ein Fluch, kann man ihn lösen? Sind die Gefühle echt oder nur der legendäre Musenrausch? Was dann folgt, hätte sie sich selbst in ihren kühnsten Träumen vorstellen können.

 

Welch eine Kombi: Kunst und Mythen und irgendwie auch Fantasy und dann noch so ein fantastisches Cover und vier Sprecher, die ich wirklich alle gerne höre! Da musste ich zuschlagen! Um den Einstieg zu erleichtern, wird erst noch kurz die Geschichte von Paris, der entscheiden sollte welche Muse die Schönste sei, zusammengefasst. Dabei werden sie aber leider nicht alle aufgezählt und benannt, was später wirklich hilfreich wäre, da wir tief in das Reich der griechischen Mythologie eintauchen.

 

Die Geschichte wird aus vier Perspektiven erzählt: 1. Wanda gesprochen von Aileen Wrozyna, 2. Neo gesprochen von Louis Friedemann Thiele und Hannah Schepmann als von Circe gefangen gehaltener Nymphe Galateia und Pia-Rhona Saxe als Leucosia, eine Sirene, deren Gesang ihre Tod bringende Macht verloren hat. Was mich immer wieder aus der Geschichte heraus riss, sind die relativ langen Sprechpausen, die wohl die Regie vorgegeben hat. Jedes Mal war ich irritiert und prüfte, ob ich versehentlich die Kopfhörer berührt und somit deaktiviert hatte. Jeder Perspektivwechsel wird durch die Nennung des Namens des jeweils Sprechenden eingeleitet. Da allerdings Galateia und Leucosia für mein Empfinden völlig unvermittelt übernahmen und die Namen ja auch recht ungewöhnlich sind, habe ich ihn erst nach Ewigkeiten der Verwirrung wahrgenommen. Eigentlich nur, weil ich mich schon seit rund 100 Tracks fragte, wo denn Hannah Schepmann und Pia-Rhona Saxe blieben, bis ich bemerkte, dass es sich nicht um Ortsangaben, sondern Namen der Erzählenden handelte. Hier hätte ich mir gewünscht, dass zumindest eine der Sprecherinnen eine deutliche rauere oder kratzigere Stimme hätte, um sie klarer voneinander abzugrenzen (Leucosia als betörende Sirene käme dafür allerdings nicht infrage). Auch hätte ich mir gewünscht, dass man mehr über diese Wesen der Mythologie erfährt, da sie nicht mehr so geläufig sind. So musste ich immer wieder googeln, um einen besseren Durchblick zu erhalten. Alle vier Sprecher klingen jung und frisch und verstehen ihr Handwerk. Sie sprechen lebendig und unterstreichen ihre jeweiligen Gefühle und Stimmungen. Da sie die vier „Guten“ sind, die zusammen ihrem Schicksal entrinnen wollen, klingen sie auch sympathisch. Die Liebesgeschichte ist für mich allerdings etwas unwirklich und geht mir irgendwie nicht unter die Haut.

 

Das Worldbuilding ist sehr dicht und komplex und wer sich mit griechischer Mythologie auskennt, ist klar im Vorteil. Die Annäherung zwischen Wanda und Neo ist gemächlich und zart, hängen beide doch noch an ihren verlorenen Lieben zuvor. Doch die Gefahren, denen sie sich gegenüber stehen lassen ihnen nur wenig Zeit, diese Momente auszukosten.

Leider konnte mich dieses Hörbuch nicht ganz so fesseln, wie ich es erwartet habe, vielleicht lag es an einem Übermaß an mythologischen Charakteren.

 

Ich bedanke mich ganz herzlich für meinen Hörbuchdownload bei der Bloggerjury.

 

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