Sonntag, 17. Januar 2021

Ein weißer Schwan in Tabernacle Street, Ben Aaronovitch, Dietmar Wunder, GoyaLiT, 4 CDs 340 Min. gekürzt

 

Ein weißer Schwan in Tabernacle Street, Ben Aaronovitch, Dietmar Wunder, GoyaLiT, 4 CDs 340 Min. gekürzt

 

Dies ist der 8. Fall des Londoner Polizisten und Zauberlehrlings Peter Grant, dem ersten Zauberlehrling seit 50 Jahren und daher Mitglied der streng geheimen, sagenumwobenen Abteilung für magische Angelegenheiten. Diese bestand bisher lediglich aus Peters Chef  und Ausbilders Chief Inspector Thomas Nightingale, der mit seinen geschätzt 90 Jahren aussieht wie 40 und einen legendären Jaguar Mark II mit XK6-Motor fährt, der als Analogfahrzeug keine Interferenzen mit magischen Vestigia bekommt. Doch leider hat Peter inzwischen Fahrverbot und ist mittlerweile von Schottland Yard offiziell suspendiert, um als Undercoveragent in die SCC, die Serious Cybernetics Corporation als Sicherheitsmitarbeiter eingeschleust zu werden. Deren CEO Terrence Skinner ist ebenfalls eine Legende, nicht nur unter Nerds und befasst sich mit geheimen IT-Projekten. Obwohl er von seinen Mitarbeitern verehrt wird, hat er den Verdacht, dass sich ein Maulwurf unter ihnen befindet, den Peter aufspüren soll. Schottland Yard hatte Peter zuvor auf einen scheinbar einfachen Fall eines Einbruchs auf einem Jahrmarkt angesetzt. Dort wurde eine Lochband-Musikpartitur für eine Dampforgel gestohlen, die jedoch über mehr Klaviaturen verfügt, als die Orgel selbst und daher noch nie benutzt wurde. Eigentlich eine Lappalie, doch spürt Peter das Vestigium, dass ihn ahnen lässt, dass ernsthafte Schwierigkeiten bevorstehen. Tatsächlich führen die Spuren der Orgelerbauer zurück zu niemand Geringerem als den ersten Nerds Ada Lovelace und Charles Babbage.... Kann da wirklich ein Zusammenhang bestehen?

 

Netterweise muss man nicht alle 7 Vorgängerbände kennen, um in diesen einsteigen zu können. Die Personen entwickeln sich weiter, aber es beginnt ein absolut neuer Fall. Für Neulinge werden sogar im Booklet die Bewohner des Follys, des alten Herrenhauses, dass die Zauberer von London und ihr Personal und Labore beherbergt aufgeführt. Das finde ich super, hätte mir sogar tatsächlich schon bei der Lektüre des ersten Bandes „Die Flüsse von London“ sehr geholfen. Allerdings kommt hier wegen Peters Suspendierung das Folly eher am Rande vor. Daher lebt Peter aktuell bei seiner von ihm, mit Zwillingen schwangeren Freundin Beverly, ihres Zeichens Flussgöttin und Tochter der Themse. Beverly wird leider in dem Kurzpersonenverzeichnis nicht erwähnt, da sie ja keine Bewohnerin des Folly ist. Anfangs war ich sehr enttäuscht über die erwähnte Suspendierung und befürchtete, dass Peter nun wohl nie seine Lehrjahre würde beenden können, aber schon schnell stellte sich heraus, dass das nur Tarnung ist. Tja, die Story ist etwas technisch, wovon ich ungefähr so viel verstehe, wie von Magie. Deswegen hört sich für mich alles sehr schlau an. Terrence Skinner erinnert mich ganz schwer an Elon Musk und es würde mich ganz schwer wundern, wenn er den Autor nicht zu dieser Geschichte inspiriert hätte! Wie Ada Lovelace und Charles Babbage zeigen, ist diese Anspielung wohl kein Zufall.

 

Die bevorstehende Elternschaft von Peter und Beverly ist erdend, erheiternd und aufregend zugleich. Denn dass die Kinder über magische Fähigkeiten verfügen werden, ist bei weitem nicht gewiss und die Schwangerschaft schon ein ziemliches Wunder und dann auch noch Zwillinge!

 

 Auf diese Reihe mit ihrem angepriesenen britischen Humor gepaart mit Magie und Krimi war ich ja schon sehr lange gespannt. Dann allerdings bei der Lektüre etwas enttäuscht, weil es mir zu langatmig war. Dietmar Wunder finde ich hier mit seiner sensationell angenehmen und ausdrucksstarken Stimme eine absolute Bereicherung. Selbst wenn ich nichts verstanden hätte, hätte mich die Stimme fürs Zuhören belohnt. Dass ich die Bände dazwischen nicht kenne hat mir nicht geschadet. Allerdings musste ich mich gegen des Tekkie-Themas und der Kürzungen schon deutlich beim Zuhören konzentrieren, denn das was als konzentrierte Essenz übrig geblieben ist, darf einem auf keinen Fall entgegen. Außerdem ist gerade der erste der vier Erzählteile in Rückblicken mit zwei Zeitebenen erzählt, die quasi die Vorgeschichte zu Peters neuem Einsatz erklären. Gerade beim Hören erfordern solche Zeit- und Perspektivsprünge echte Aufmerksamkeit.

 

Ich habe zuvor den Doppelband für Einsteiger begonnen „Die Flüsse von London & Schwarzer Mond über Soho“ und ich hatte das Gefühl, dass er unendlich sei und wenn man die fast 1000 Seiten betrachtet, ist er das fast auch. Die Kürzung des Hörbuches kam mir daher sehr entgegen. Lieber höre ich es zweimal, um alles mitzubekommen, weil bei Hören einem so manches Detail schon entgeht, als dass ich am Ende des Hörbuchs nicht mehr weiß, was am Anfang vorkam, weil es so lang ist. Das ist natürlich eine Geschmacksfrage.

 

Lobend möchte ich erwähnen, dass anders als bei der Buchvorlage, dieser Band als Hörbuch nicht von den Vorgängern abweicht, sondern sich wunderbar in die Sammlung im Hörbuchregal einreiht. Auch mich stört es ganz erheblich, wenn Bücher einer Reihe optisch im Regal nicht zusammen passen können, aus Willkür der Verlage. Beim Hörbuch ist alles wie gehabt!

 

Als Hörbuch werde ich dieser etwas abgedrehten Reihe wohl gerne weiter folgen.

 

Hier findet Ihr eine Hörprobe:

https://www.jumboverlag.de/ein-weiser-schwan-in-tabernacle-street/index.php?cNG=540d887c-f20c-11ea-948b-001c42406321&productId=3176&f=true&lId=3&cdId=202&backToShop=true

 

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Freitag, 15. Januar 2021

Der Ickabog, J.k. Rowling, gelesen von Heike Makatsch, der Hörverlag 1 MP3 7 h 51 ungekürzt

Der Ickabog, J.k. Rowling, gelesen von Heike Makatsch, der Hörverlag 1 MP3 7 h 51 ungekürzt

 

Das Königreich Schlaraffien war einst das schönste und glücklichste Land der Welt! Das Essen, die Backwaren, der Wein waren köstlich, die Kleidung betörend! Die Besten ihrer Zunft versammelten sich rund um den Königshof, wo sie glücklich und zufrieden lebten. Nur im nebligen kargen Marschland im Norden, da war das Leben für die Menschen nicht so rosig und dort lebte auch der sagenumwobene Ickabog. Niemand hatte ihn bisher gesehen, aber alle schon von ihm gehört und fürchteten ihn! Mit der bloßen Erwähnung seines Namens konnten Eltern ihre Kinder schrecken, aber eigentlich glaubten die Erwachsenen nicht wirklich an ihn. Doch dann kam der eitle König Fred, der stets bestens gekleidet war und um sich die eitelsten und vergnügungssüchtigsten Edelleute des Landes scharte. Da Fred der Furchtlose aber immer gut gekleidet war und freundlich lächelte, hielten ihn seine Untertanen für einen guten und gerechten Herrscher, denn ihnen fehlte es ja an nichts und so merkte auch niemand, dass er überhaupt nicht mutig oder gütig war. Erst als seine Lieblingsschneiderin erkrankte und dennoch unermüdlich an des Königs neuestem Outfit arbeitete und dann von Erschöpfung starb, bekommen die ersten Untertanen ihre Zweifel. Lara Lerchensporn, ihre Tochter ist völlig entsetzt, dass dem König der Tod seiner Lieblingsschneiderin egal zu sein scheint. So kommt es auch zum ersten ernsthaften Streit zwischen Lara und ihrem besten Freund dem Nachbarssohn Wim Wonnegleich. Sie ahnen jedoch nicht, das dies erst der Anfang von einem großen Abenteuer voller Verrat, falscher Berater und furchtlosen Kindern und einem verkannten Ungeheuer mit großem Herzen sein wird.

 

Heike Makatschs Interpretation finde ich sehr einfühlsam und abwechslungsreich. Ihre warme, lebendige Stimme passt sehr gut zu der märchenhaften Welt von Schlaraffien und nimmt den grausamen Szenen die Spitzen. Dabei ist sie sehr gut ausbalanciert und kann in einer Lautstärkeeinstellung komplett durchgehört werden.

 

Das neue Abenteuer wird als märchenhaftes spannendes Abenteuer für die ganze Familie ab 8 Jahren angekündigt.

Für Kinder ab 8 Jahren finde ich diese Geschichte trotz des märchenhaften Stils und auch Heike Makatschs Erzählweise einfach zu brutal. Als ich mit diesem Hörbuch begann, war ich erst einmal irritiert. Ich fragte mich, wer eigentlich die Zielgruppe sein könnte. Für Achtjährige fand ich es zu brutal, für ältere zu kindlich und märchenhaft. Die ausdrucksstarken Namen konnte ich mir unmöglich merken, und meine Gedanken schweiften immer wieder ab. Mir war es zu weitschweifig, ich hätte gut mit einer Kürzung der Geschichte leben könne; nicht so meine Tochter. Immer wieder fühlte ich mich angesichts der hinterlistigen Berater an „Des Kaisers neue Kleider“ erinnert, auch wenn in diesem Märchen kein Ungeheuer vorkommt. Fred der Furchtlose ist aber ebenso selbstverliebt und ignorant und hier zeigt es sich ganz klar, wie gefährlich dies für ein Land ist, wenn ein solcher Herrscher nicht gebremst wird. Das ist aber nicht die einzige kritische Stimme in diesem „Märchen“ denn auch der Ickabog ist nicht so, wie es sich immer wieder erzählt wird. Um wirklich zu erfahren, was ein Ickabog ist, muss man ihm mit offenen Herzen begegnen, nur so kann man ihn wirklich kennenlernen und verstehen. Es zeigt sich auch, wie sehr man etwas fürchtet, das man nicht kennt und von dem man sich ein falsches Bild gemacht hat, durch vorgefasste Meinungen. Ein offenes Herz und der Glaube an die Wahrheit bringt hier die Kinder am Ende weiter und löst dieses Abenteuer unverhofft auf. Ein Happy End, das nicht einfach vor einem Traualtar endet, aber die Untertanen glücklich aufatmen lassen wird, ganz besonders die heldenhaften Kinder Lara und Wim. Mit ihrer mutigen und entschlossenen Art haben sie meine Tochter (11 Jahre) sofort für sich gewonnen. Sie war von Anfang an begeistert, ist richtig tief in diese komplexe Geschichte eingetaucht, stellte alle Querverbindungen zwischen den Personen und ihren Familien her und dachte die Geschichte weiter. Ich hätte nichts gegen einen Überblick über die Personen des Reiches Schlaraffiens gehabt und habe mich dann mit der Kapitelübersicht begnügt. Ganz anders meine Tochter. Sie konnte stundenlang bei den Hausaufgaben zuhören. Sie hat sogar extra sorgfältiger und gründlicher ihre Kunst- und Bastelaufgaben erledigt, um weiter hören zu können. Die Länge des Hörbuchs hat sie zwar erstaunt, aber angenehm, denn nachdem es zu Ende war, hörte sie gleich noch mal von vorne und hat es auch sofort ihrer besten Freundin empfohlen, einer eingefleischten Harry Potter Verehrerin: „Das ist total spannend und richtig aufregend, wenn auch ganz anders als Harry Potter, das musst Du unbedingt lesen! Oder eben hören, wie ich“.

 

Ein sehr eigenwilliges neues Werk der Erfolgsautorin und ganz anders, als ihre bisherigen Romane. Meine Tochter liebt es und empfiehlt es unbedingt weiter. Ich empfehle unbedingt vorher hineinzuhören.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Hörverlag und dem Bloggerportal für unser Rezensionsexemplar.

 

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