Mittwoch, 18. November 2020

Anne auf Green Gables, Lucy Maud Montgomery, gelesen von Jessica Schwarz, cbj audio 6 CDs 6 Std. 45 min. gekürzt

Anne auf Green Gables, Lucy Maud Montgomery, gelesen von Jessica Schwarz, cbj audio 6 CDs 6 Std. 45 min. gekürzt

 

Dieser Klassiker ist über 100 Jahre alt und dennoch ein absoluter Publikumsliebling!

 

Das ältere, kinderlose Geschwisterpaar Marilla und Matthew Cuthbert bittet über Bekannte, eine andere Bekannte, ihnen für die Farmarbeit einen ca. 12 jährigen Jungen aus dem Waisenhaus mitzubringen. Durch ein Missverständnis erwartet den schüchternen, stillen Matthew die rothaarige, lebhafte Anne mit überbordender Fantasie, deren Mund nicht still zu stehen scheint... Anne ist so begeistert, von der Schönheit der Landschaft von Prinz Edward Island und dem unsagbaren Glück, dass jemand tatsächlich sie haben will, trotz ihrer roten Haare, dass Matthew es nicht übers Herz bringt, ihr den Fehler zu gestehen. Seine Schwester ist da deutlich direkter und möchte das Kind gleich umtauschen, doch als sie sieht, welches Schicksal dem Kind andernfalls blüht, bringt sie es doch nicht übers Herz Anne in eine so lieblose Familie zu geben. Anne ist clever, etwas lebensfremd, aber mit einem Herzen das so nach Liebe hungert und bereit ist Liebe zu schenken, dass selbst Marilla verblüfft ist, was dies in ihr auslöst. Dabei hat Anne nie eine gute Erziehung genossen und macht auf Anhieb eine Menge falsch. Doch wie sie betont, macht sie jeden Fehler nur einmal und dank ihrer Fantasie wird es mit ihr nie langweilig!

 

Trotz ihres Alters hat diese Geschichte nichts von ihrem Zauber und ihrer Schönheit eingebüßt. Anne ist ebenso zauberhaft, chaotisch und hinreißend wie eh und je. Diese ersten vier Jahre seit sie das Waisenhaus verließ und bei Marilla und Matthew endlich ein Heim fand, sind ebenso romantisch, wie witzig und auch traurig. Anne ist für mich immer ein Taschentuchgarant so bewegend und mitreißend finde ich ihre Erlebnisse, obwohl, oder gerade weil sie in einer Zeit ohne Handys, schnelle Autos und technische Geschwindigkeit lebt. Die Gefühle bekommen Zeit und Raum, um sich zu entfalten und dies lebt sie offen aus. Dabei liegt ihr Herz auf der Zunge, eine sehr ungewöhnliche Eigenschaft für das damalige Kanada. Doch ist es wohl ihr freundliches, offenes und überschäumendes Temperament, das die Menschen in ihrer Umgebung ebenso verzaubert, wie die Hörer. Ihre ständigen Pleiten, Pech und Pannen sind einfach unwiderstehlich, auch nach über 100 Jahren noch. Diese bleiben Anne auch noch treu, als sie älter wird, doch wie sie sagt, begeht sie jeden Fehler nur einmal. Darauf kann man sich verlassen! Anne ist eitel und leidet sehr unter ihrer Haarfarbe, ein Phänomen das auch heute noch auf viele Rothaarige zutrifft. Doch hat nicht jeder eine vermeintliche „Schwachstelle“ auf die er seine Eitelkeit fokussiert und mit der zu leben man einfach lernen muss? Auch wenn Anne ihre roten Haare auch später noch ein Dorn im Auge sind, lernt sie es sich auf ihre Stärken zu besinnen. Dabei ist es auch sicherlich hilfreich, dass Gilbert Blythe, der bestaussehende und klügste Junge der Schule, offensichtlich mit ihr befreundet sein möchte, denn er findet schlaue Mädchen interessanter, als hübsche. Dabei ist Anne tatsächlich auch hübsch, nur vielleicht nicht auf die klassische Weise, wie ihre beste Freundin Diana, um deren dunkle Lockenpracht sie sie beneidet. Allerdings ist Anne eine sehr gute Freundin und eine „Busenfreundin“ zu finden, was in Annes Jahren in Pflegefamilien und im Heim stets ihr größter Wunsch war, neben einer anderen Haarfarbe! Dank ihrer Fantasie hat sie sich ihr fröhliches und begeisterungsfähiges Wesen bewahrt. Übrigens ist Anne nicht nur mein Liebling, sondern auch der meiner jüngsten Tochter (11). Was hat sie mit Anne gelitten und gelacht!

 

Jessica Schwarz liest diese Liebeserklärung an die Fantasie, die Wissbegierde, Loyalität und Romantik mit der passenden Mischung aus Gefühlen. Sie klingt zwar nicht so jung wie Anne und nicht so tolpatschig, aber ebenso charmant und unwiderstehlich. Es macht ihr einfach Spaß zuzuhören und sich von ihr auf die ferne Prince Edward Island, mehr als 100 Jahre zuvor entführen zu lassen.

 

Trotz 6 h 45 min. Laufzeit sind Annes Erlebnisse leicht gekürzt, aber dennoch sehr nah am Originaltext, wodurch der Zauber erhalten bleibt. Dieser Band ist übrigens Teil der Reihe „Nostalgie für Kinder“ in der auch „Der Trotzkopf“, „Nesthäkchen und ihre Puppen“ und „Heidi“ veröffentlicht wurden, die Heldinnen unserer Kindheit und frühen Jugend. Sehr zu empfehlen um in Erinnerungen zu schwelgen oder wunderschöne Erinnerungen an die eigenen Kinder weiterzugeben.

 

Wir bedanken uns überschwänglich für dieses Herzenshörbuch bei cbj audio und dem Bloggerportal!

 

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Sonntag, 15. November 2020

Wildspitz, Monika Mansour, Emons Verlag

 

Wildspitz, Monika Mansour, Emons Verlag

 

Der zweite Fall für Sara Jung und Natalie Krieger: Just nach dem Ausstand von Harri Krieger beim Forschungslabor Rivoli wird dort eingebrochen. Die drei Täter richten großen Schaden an. Sie schlagen die Einrichtung und Geräte kurz und klein, befreien die Labortiere, öffnen den Schrank mit den gefährlichen Forschungserregern und erschlagen den Nachtwächter. Alle Spuren scheinen ganz klar auf Natalies Vater Harri zu deuten, doch Sara Jung, Leiterin der Kripo in Zug kann es nicht glauben. Dennoch ist sie gezwungen ihn festzunehmen, gegen ihre Überzeugung und ihr Bauchgefühl. Natalie ruft sofort ihren ehemaligen Bodyguard Tom um Hilfe, der die Vorwürfe ebenfalls nicht glauben kann. Der Fall tritt auf der Stelle, ein Motiv für diesen Vandalismus ist nicht nachvollziehbar, doch da überstürzen sich die Ereignisse. Ein tollwütiger Hund torkelt aus dem Wald auf einen Golfplatz und wird gerade noch rechtzeitig von einem golfenden Jäger erschlagen, ehe er jemanden verletzten kann. Dabei gilt die Tollwut seit Jahren in der Schweiz als ausgerottet. Es bleibt aber nicht bei diesem einen Fall, immer mehr verendende Tiere oder Kadaver werden gefunden und alles scheint auf einen Zusammenhang mit dem Laboreinbruch hinzudeuten.

 

Mit Sara Jung und Natalie Krieger sind Monika Mansour zwei sehr komplementäre Protagonistinnen gelungen. Während Sara eiskalt und kalkulierend scheint, ist Natalie ebenso emotional, wie auch als Schmetterlingskind verletzlich. So gerne würde sie als Superheldin gegen das Böse kämpfen, doch ein Gendefekt hält sie in ihrem Körper gefangen und alles was ihr zum Kämpfen bleibt, ist es die Tiefen des Darknets nach Verbrechern zu durchforsten. Klar ist dieser Fall für Natalie persönlich, immerhin hat Sara ihren Vater verhaftet, kaum, dass sie ihr gegenüber positiver eingestellt wurde, nach dem großen Showdown von „Höllgrotten“. Doch auch Sara scheint darin verwickelt, auch wenn sie keine Ahnung hat, weshalb man ausgerechnet sie bedrohen sollte. Neben all diesen Rückschlägen gibt es für Natalie einen Lichtblick: durch Tom lernt sie einen Kumpel von ihm kennen und Ricco scheint Sara ebenso feindselig gegenüberzustehen wie sie selbst und er nimmt Natalie wahr wie sie ist. Endlich fühlt Natalie sich als Frau und nicht nur als Objekt von Mitleid.

 

Den Gedanken des Bioterrorismus finde ich ebenso interessant, wie die inneren Kämpfe der Protagonistinnen mit ihren Dämonen. Tatsächlich findet sogar Covid 19 hier seine Erwähnung, auch wenn dies hier kein Corona-Krimi ist. Doch die Gefahr, die von Krankheitserregern in skrupellosen Händen ausgeht, wird hier eindrücklich vor Augen geführt, geschickt kombiniert mit den persönlichen Besonderheiten der Ermittler und der zu Unrecht ins Licht gezogenen Unschuldigen. Da diese Beziehungen durchaus sehr eigenwillig und komplex sind, werden diese persönlichen Abschnitte niemals langweilig, selbst wenn die Ermittlungen zu stagnieren scheinen. Allerdings finde ich diesen Fall nicht einfach nur komplex, sondern bisweilen einfach zu sehr konstruiert, was das Motiv und die Umsetzung des Rachefeldzugs anbelangt. Dennoch habe ich mich keinen Moment lang gelangweilt, auch wenn ich den großen Knaller zum Schluss schon lange vorher ahnte. Die Stärke liegt einfach in den persönlichen Beziehungen und die bleiben bis zum Schluss besonders. Ebenso besonders ist natürlich auch die Schweizer Landschaft in welcher sich die Verbrechen ereignen. Rau und wild, ist sie abstoßend und anziehend zugleich, ebenso widerstreitend, wie seine Protagonistinnen.

 

Ich mag diese eigenwilligen Einzelgängerinnen und bin gespannt, wie es mit ihnen weitergehen wird.

 

Ich bedanke mich ganz herzlich beim emons Verlag für mein Rezensionsexemplar.

 

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