Montag, 20. Juli 2020

Wie man 13 wird und überlebt, Pete Johnson, Ars Edition



Wie man 13 wird und überlebt, Pete Johnson, Ars Edition

Zu seinem 13 Geburtstag bekommt Markus endlich das langersehnte Smartphone und kann nun den Blog starten, auf den er sich so lange gefreut hat und von dem er sich Ruhm und Beliebtheit versprach. Zu dumm, dass er nun geheim bleiben muss, denn genau an diesem Tag offenbaren ihm seine Eltern etwas, womit er nie gerechnet hat und woran er nie geglaubt hat. Als seine Eltern ihm große Veränderungen ankündigen, die in seinem Körper anstehen, denkt er, dass es peinlich und bekannt wird, aber nein, ihm steht die Verwandlung in einen Halbvampir bevor! Hey, er will doch nur ein ganz normaler Junge sein, der mit seinen lockeren Sprüchen andere zum Lachen bringt und Klassenkameraden beeindruckt. Diese Verwandlung kommt ihm völlig ungelegen und sicherlich lässt sie sich stoppen, das will er auf jeden Fall! In der Schule ist gerade ein neues Mädchen Tallulah in seine Klasse gekommen, die ziemlich übellaunig ist, mit ihrem Geheimbund M.I.D.S. Monster in der Schule, aber das Interesse vieler Klassenkameraden, insbesondere seines besten Kumpels Joel auf sich zieht. Das ist so streng geheim, dass dieser ihm noch nicht einmal erzählen darf, wo sie sich treffen, bis...

Als Teenager ist man ja peinliche Eltern gewöhnt, aber die von Markus schlagen dem Fass ja den Boden aus! Jahrelang wurde Markus über die Natur seiner Familie im Dunkeln gelassen und nun nach 13 Jahren lassen sie die Katze aus dem Sack! Ein harter Schlag, direkt auf der ersten Seite! Das fanden meine Töchter nicht gut, sie fanden, dass es zu viel von der Spannung wegnähme und es dadurch zu vorhersehbar würde.
Allerdings ist in dieser Geschichte der Weg das Ziel. Wie Markus versucht, die Verwandlung zu stoppen, um „normal“ zu bleiben. Die Erwartungen und Vorfreude seiner Eltern ist bisweilen so absurd und peinlich, dass es echt witzig ist. Mit einem Handbuch für Halbvampireltern wollen die Eltern alles richtig machen und greifen doch ziemlich oft daneben! Manchmal hilft das eigene Bauchgefühl besser weiter, als jeder Ratgeber! Ziemlich viele Szenen, in denen es um Markus Transformation und seine Bedürfnisse, seine Ängste, seine Mitschüler und sein Eltern geht, spiegeln wunderbar übliche Pubertätsprobleme und den Wunsch „normal“ zu sein und dazuzugehören wieder. Aber so einfach ist es nicht. Denn die Veränderungen in Markus sind so krass, dass er währenddessen aus Vorsicht zu Hause bleiben soll. Vorsicht wovor erfährt er allerdings nicht, dafür ist es nur zu seinem Besten! Die Eltern sind absolut übervorsichtig. Markus ist Einzelkind und alles konzentriert sich auf ihn. Allerdings hat er das dumme Gefühl, dass sie erstmals richtig stolz auf ihn sind, oder eben nicht. Mit seinen lockeren Sprüchen, versucht er die Situation für sich erträglich zu machen. Leider hören seine Eltern oft nicht auf seine Einwände, denn sie haben ja das allwissende Handbuch und holen sich auch noch Expertenverstärkung! Da kann Markus nur noch verzweifelt den Kopf schütteln und das Chaos und die Gefahr kommen gleichermaßen im Sturzflug auf ihn zu!

Mit Hilfe seines Blogs ist man minutengenau dabei, wenn sich bei Markus wieder etwas elementar ändert, peinlich wird oder er Erfolgserlebnisse hat. Dabei werden bekannte Pubertätserfahrungen mit allerlei bekannten und unbekannten „Fakten“ über Vampire, Halbvampire und die Gestalten der Finsternis kombiniert, allerdings jenseits der „Biss“- Romantik, sondern witzig im großmauligen Blogstil. Gregs Tagebuch trifft auf den kleinen Vampir.

Neben Tages- und Uhrzeitangaben (auf die Minute genau!) gibt es zwischendurch auch einige Kritzeleien, meistens in Feldermausgestalt, aber nicht nur!

Es liest sich wahnsinnig schnell, da die Veränderungen in Markus Leben rasant vor sich gehen und es schwer ist, da mitzuhalten. Wie schon der nächste Titel verrät (großer Kritikpunkt meiner Töchter), wird die Transformation natürlich erfolgen, aber kann Markus sich damit auch anfreunden?! Muss man wirklich normal sein? Das ist eigentlich die Hauptfrage dieser Reihe und eine ganz wichtige im Leben der Leserschaft: Bin ich normal? Will ich es sein? Warum ist das wichtig? Ist es das überhaupt? Pubertät mal anders, abgefahrener, gruseliger, spannender!
Es ist nie leicht 13 zu werden und zu sein, egal ob als Mensch, Halbvampir, Junge oder Mädchen, darüber zu lesen aber schon und vor allem sehr lustig! Ab 10 Jahren!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ars Edition für unser Rezensionsexemplar!

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Samstag, 18. Juli 2020

Eifelmord, Andreas J. Schulte, Eifel Krimi, Emons Verlag



Eifelmord, Andreas J. Schulte, Eifel Krimi, Emons Verlag

Dies ist der vierte Fall für den ehemaligen NATO-Sonderermittler Paul David, der bei einem Einsatz als Personenschützer in Afghanistan vier Leben rettete und dabei seinen Unterarm verlor. Daraufhin sollte er in den Innendienst versetzt werden. Nichts für ihn und so betreibt er nun gemeinsam mit seiner Tante Helga den Campingplatz Pönterbach in Andernach-Kell. Da ihm das Ermitteln im Blut steckt, hat er auf Drängen seines Freundes Kalle inzwischen eine Lizenz als Privatermittler beantragt. Die Homepage, von der er keine Ahnung hatte, hat ihm Freund Steffen, Multimillionär und Computerwiz erstellt und über diese findet ihn seine Bekannte Linda Becking vom CID der US Army in Kaiserslautern. Diese sucht nicht nur ihren jüngeren Bruder Ben, sie will auch wissen, wer ihre Wohnung verwüstet und eine eindeutige Warnung an diesen auf ihrer Wand hinterlassen hat. Ihre offizielle Quellen will Linda nicht einschalten, um weitere Schwierigkeiten für Ben zu vermeiden, aber irgend etwas stinkt da ganz gewaltig. Davon ist Paul nicht erst überzeugt, als er merkt, dass ihnen gleich zwei Fahrzeuge unterwegs folgen. Da haben die Beschatter die antrainierten Fähigkeiten der von ihnen Beschatteten nicht mit einkalkuliert und werden peinlichst eines Besseren belehrt.

Ja, die Eifel ist idyllisch, auch das Pöntertal zwischen Andernach am Rhein und dem Laacher See, auch wenn des dort keinen Campingplatz gibt, sondern nur an eben jenem am Doppelmaar am Fuße des Klosters. Wer diesen Sommer keine Unterkunft an der Deutschen Küste oder in den Alpen bekommen hat, sollte sich mal dort umsehen, es ist auch wirklich nicht gefährlich, aber schön. (Wirklich, die Staatsanwaltschaft Koblenz hat deutlich mehr im Westerwald zu ermitteln....)

Paul David konnte sich keinen Schreibtischjob vorstellen und die Abrechnungen sind auf dem Campingplatz wirklich überschaubar. Er genießt die Ruhe und die Nähe zu wirklich guten Freunden, mit bisweilen sehr speziellen Fähigkeiten, die nicht immer ganz legal sind. Für Datenschützer ist diese Reihe ein Gräuel, aber wer glaubt schon ernsthaft an Datenschutz? Mir machen Steffens technischen Spielereien auf jeden Fall richtig Spaß. Tja, die Rechtsstaatlichkeit, lassen wir da mal außer Acht, auch wenn sie mich beim letzten Fall störte. Das lag aber nicht an der Umgehung des Datenschutzes. Paul David ist eine ausgebildete Kampfmaschine, seit er auf einem US-Stützpunkt aufwuchs und schon in jungen Jahren von den besten Ausbildern der Army trainiert wurde. Er ist jahrelang Sonderermittler gewesen und hat Jura studiert, da passten einige seiner Aktionen im letzten Buch für mich nicht ins Bild. Denn Paul David ist kein Rächer, er ist Ermittler und hat sich immer auf Abwehr von Angriffen beschränkt und dies ist auch dieses Mal wieder der Fall. Das gefällt mir, denn Paul und seine Freunde sind ja die Guten. Und dieses Team, das immer näher zusammenwächst mit jedem Fall, wird auch stetig ergänzt. Dadurch kommt auch eine persönliche Note dazu, die auch mal romantische Töne aufweist und das nicht nur, weil Kalles und Tanjas Verlobung gefeiert wird. Keine Sorge, das macht die Reihe nur persönlicher, wer Liebesromane erwartet, soll zu den gemeinsam mit seiner Frau Christine unter dem Nom de Plume Barbara Erlenkamp verfassten Büchern greifen.

Paul ist ein Held mit Handicap, dass ihm selbst dank seiner bionischen Prothese aber meistens nur noch auffällt, sofern er morgendliches Aufwärmtraining macht, und seine Prothese noch auf der Ladestation steht. Das hat für ihn aber den enormen Vorteil, dass er stets und ständig unterschätzt wird und nichts ist gefährlicher für einen Angreifer... Ja, Paul fehlt ein Unterarm, aber mit seinen Reflexen und seinen Denkleistungen ist alles in Ordnung, ein Aspekt, der bisweilen vielen Menschen nicht so bewusst zu sein scheint.

Lindas Bruder Ben hat es so richtig versemmelt und um seinen Mist auszubügeln, hat er sich noch mehr Ärger eingehandelt. Daher gibt es zwei Verfolgerteams und eigentlich auch zwei aufzuklärende Fälle, die aus ganz unterschiedlichen Zeiten stammen. Die moderne organisierte Kriminalität, steht den korrupten Anfängen der Partei- und Rüstungspolitik der Ädenauer-Ära gegenüber. Gerade den historischen Part fand ich interessant, da der pragmatische Adenauer ein interessantes Schlitzohr war, immer wieder für eine Überraschung gut. Diesen Teil fand ich stringent und absolut schlüssig. Die Auflösung des Falls in der rheinischen Unterwelt ging mir dafür allerdings etwas zu schnell. Bei mir ploppten gleich sämtliche Alarmsignale wegen Beweisverwertungsverboten beim Lesen in meinem Schädel auf. Auch würde es mich nicht wirklich beruhigen, wenn ich wüsste, dass ich einen russischen Rädelsführer für lange Zeit hinter Gittern gebracht habe, wenn ich doch weiß, wie der Strafvollzug funktioniert. Aber na gut, Paul David als Rächer, der seine Gegner gnadenlos erschießt, gefiel mir nicht. So wird Paul sich in nächster Zeit wohl öfters mal umdrehen und vorsichtig über seine Schulter in die düsteren Schatten schauen müssen.

Eine spannende Reihe, flüssig geschrieben, die die militärische Vergangenheit dieses ungewöhnlichen Ermittlerhelden nie außer Acht lässt. Auch wenn die Bände jeweils in sich abgeschlossen sind, lohnt es sich aufgrund der persönlichen Entwicklungen des Teams rund um Paul David unbedingt die Reihenfolge der Bände einzuhalten.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Emons Verlag für mein Rezensionsexemplar und freue mich über weitere Neuigkeiten von Paul David.

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