Freitag, 26. Juli 2019

Agatha Oddly (1) Das Verbrechen wartet nicht, Lena Jones, gesprochen von Leonie Landa, Jumbo Verlag 3 CDs 4 Stunden



Agatha Oddly (1) Das Verbrechen wartet nicht, Lena Jones, gesprochen von Leonie Landa, Jumbo Verlag 3 CDs 4 Stunden

Agatha Oddlow ist 13 Jahre alt, 1,60 m groß, hat dunkelbraunes Haar, zum Bob geschnitten. Sie trägt am liebsten Vintage-Klamotten, bei denen sie Kleider ihrer verstorbenen Mutter mit Second-Hand Stücken kombiniert. Ihr Vater ist der Chefgärtner im Hyde Park, wo sie in einem Dienstcottage leben. Agatha wäre am liebsten Detektivin, wie ihr großes Vorbild Hercule Poirot, der  Meisterdetektiv aus der Feder von Agatha Christie. Bis sie dafür alt genug ist, besucht sie dank eines Stipendiums die elitäre Schule St. Regis. Dort wird sie von den Oberzicken der KS (Killerstyle, aber für Agatha nur Klonschwestern) spöttisch Oddly genannt. Mit Liam Lau hat sie wenigstens einen Freund dort, der ebenso schlau ist wie sie und auf den sie sich immer verlassen kann. Ihrer Leidenschaft folgend, ermittelt sie auch in der Schule, doch die von ihr aufgedeckten Skandale nimmt keiner ernst, was ihr jede Menge Ärger einhandelt. Doch dann beobachtet sie, wie im Hyde Park ein Motorradfahrer absichtlich eine ältere Dame anfährt. Als sie ihr hilft, entdeckt sie ein geheimnisvolles silbernes Tattoo. Sie erfährt, daß es sich um eine Wissenschaftlerin für Wasserkunde handelt. Ob da ein Zusammenhang zur plötzlich auftretenden Wasserknappheit durch ungenießbare Algen im Londoner Wassersystem besteht? Ärger hin oder her, dem muss Agatha auf den Grund gehen...

Den Einstieg in dem man Agatha und den lauernden Schatten des Hercule Poirot in ihrem Klassenzimmer kennenlernt, fanden wir etwas gewöhnungsbedürftig, allerdings hält sich Hercule fortan zurück. Meine Töchter kannten Hercule Poirot nicht und merkten daher auch nicht sofort, daß es ein fiktiver Charakter ist. Da hätte ein Blick ins wirklich schön aufgemachte Booklet geholfen: dort werden alle realen und fiktiven Charaktere inklusive Hercule Poirot und Agatha Christie vorgestellt. Agatha ist schon etwas durchgeknallt mit ihrer Fixierung auf Verschwörungen und Verbrechen, aber was soll sie tun? Wie sie später feststellen muß, liegt es ihr a) im Blut und b) hat sie recht! Außerdem verfügt sie über ein fotografisches Gedächtnis und ein unglaubliches Wissen, wovon sie immer mal wieder ein paar Happen mit einfließen lässt. Ja, Krimis können auch bilden!


Mit der Trinkwasserknappheit in europäischen Metropolen und der Vermarktung von öffentlichen Trinkwasserreserven widmet sich Agatha bereits in ihrem ersten Fall einem brandaktuellen Thema. Gerade für die „Fridays for future“- Generation ist das echt spannend und hat bei uns für viel Gesprächsstoff gesorgt. Auch wenn der Bösewicht, der hinter der ganzen Verschwörung steckt auch am Ende nicht gefasst ist und somit noch viel Stoff für weitere Bände besteht, etwas überzeichnet ist, haben die Kinder den ernst der beschriebenen Situation erfasst. Die Aufmachung des Falles mit einer top geheimen Geheimgesellschaft, unterirdischen Gängen und einem Wegenetz unter der Metropole schürt die Spannung und lässt die Bedrohung weniger persönlich erscheinen, dafür umso mysteriöser. Mit Liam hat Agatha einen treuen Freund, auf den jeder zeit Verlass ist und sehr zu ihrer beiden Verwunderung, wird im Laufe dieses ersten Falles ihr Ermittlerteam überraschend größer. Auch weitere Personen werden vorgestellt, von denen wir überzeugt sind, daß wir von ihnen noch mehr hören werden und bei denen wir noch nicht sicher sind, ob sie wirklich nur das sind, was sie vorgeben zu sein. Die Geschichte nimmt immer mehr Fahrt auf, bis sie in ihrem atemberaubenden Finale endet, dieses ist zwar nicht ganz realistisch, aber schlüssig und ein richtiger Kracher!

Lena Jones ist ein Pseudonym für ein junges Autorenteam, das die Reihe „Agatha Oddly“ entwickelt und geschrieben hat.

Leonie Landa, Jahrgang 1994 ist deutlich älter als Agatha und kann daher auch schon auf eine erfolgreiche Schauspielausbildung in New York und Hamburg zurückblicken. Dadurch spricht sie englischen Begriffe wunderbar korrekt aus und klingt dabei dennoch kein bisschen älter als Agatha und nicht minder neugierig und abenteuerlustig. Wir fanden sie sehr frisch und vielseitig und haben ihr sehr gerne zugehört, wie sie Agatha und Liam mit Leben erfüllt. Auch für Autofahrten mit der Familie geeignet, sofern die Kinder mind. 9 Jahre alt sind.

Eine sehr spannende, aktuelle und etwas abgedrehte Mischung!

Wir bedanken uns ganz herzlich beim Jumbo Verlag für dieses spannend-kuriose Rezensionsexemplar.

Hier findet Ihr die Hörprobe! http://www.jumboverlag.de/data/media/me2439.mp3

Donnerstag, 25. Juli 2019

Herzensbruder – Bruderherz, Andrea Schomburg, Illus. Dorothee Mahnkopf, Tulipan Verlag



Herzensbruder – Bruderherz, Andrea Schomburg, Illus. Dorothee Mahnkopf, Tulipan Verlag

Luise meint, sie wäre eine ganz normale Zwölfjährige, zwar Einzelkind, aber mit netten Freundinnen und liebevollen Eltern. Nun gut, sie sind etwas übervorsorglich, aber sie meinen es ja nur gut, auch wenn sie es manchmal übertreiben. Doch dann geschehen zwei Dinge die ihr Leben verändern: Ihre Mutter will, daß sie für den Besuch eines Freundes des Vaters das Haus aufräumen, wobei sie ein altes Fotoalbum findet. Dabei entdeckt sie, daß sie einen Zwillingsbruder namens Felix hatte, der wohl kurz nach der Geburt gestorben ist. Ist das der Grund für ihre Sorge um sie? Warum haben sie ihr nichts davon erzählt? Die Frage beschäftigt sie unentwegt. Auch noch als sie sich heimlich zum Jugendtheater-Workshop anmeldet, den ihre Eltern ihr aus Angst vor seltsamen Subjekten am Theater verboten haben. Als dort alle bei der Vorstellungsrunde nach Geschwistern gefragt werden, erzählt sie von ihrem coolen Zwillingsbruder Felix, dem Jugendtheaterstar und Hip-Hop-Champion. Alle wollen ihn kennen lernen und so gerät Luise in echte Erklärungsnot, aus der sie ausgerechnet Viktor, ihr verschlossener Klassenkamerad befreit.

Eine unglaublich einfühlsame und humorvolle Geschichte über den Mut zur Wahrheit und dem Mut seine Träume zu verwirklichen. Es ermuntert die Gedankenmauern einzureißen und als die Kreidestriche zu entlarven, die sie eigentlich nur sind. Ja, Luise lügt ganz schön viel, aber erst, nachdem sie merkt, daß ihre Eltern ihr etwas verheimlichen und sie fühlt sich dabei immer und immer unwohler, vor allem weil sie merkt, daß jede Lüge die nächste hinterher zieht. Meine Tochter (10) mag eigentlich keine Romanhelden, die lügen, betrügen oder stehlen, aber bei Luise geschieht dies mit so vielen Gewissensbissen und auch nur, weil sie etwas unbedingt machen möchte, daß ihr zwar verboten wurde, aber völlig zu unrecht. Sie ist eine gute Schülerin und erfüllt all ihre Pflichten, hat nette Freundinnen und eigentlich spricht nichts gegen eine Teilnahme. Das Schauspiel als solches ist weder verboten, noch hat es einen schlechten Einfluss, ihre Eltern machen sie nur Sorgen, weil die Gruppe nicht direkt in der Nachbarschaft probt. Doch wer in der Großstadt lebt, muss seinen Kindern auch mal etwas zu trauen, wenn sie älter werden. So erfüllt sich Luise ihren eigenen Traum, den vom Theater, den davon mal etwas ganz alleine auf die Beine zu stellen, und den von einem großen Bruder, auch wenn Viktor nicht älter ist als sie. Aber Viktor hat Lebenserfahrung und sie kann nicht nur ihn kennenlernen, sondern auch viel von ihm. Für beide ist es ein Gewinn und beide gewinnen durch den Anderen an Mut und Selbstvertrauen. Allerdings müssen sie feststellen, daß ehrlich doch am längsten währt, da selbst in der Großstadt man solch eine Posse nicht unendlich durchziehen kann, ohne aufzufliegen und es ist auch ganz schön anstrengend! Das hat uns beiden sehr gut gefallen. Kinder und Eltern werden ermutigt: miteinander zu reden, ehrlich zu sein, einander mehr zu zutrauen und die Ängste im Kopf zu besiegen!


Als Mutter musste ich mal wieder grinsen, über die schier unvermeidliche Unordnung im Akademikerhaushalt – zu gerne würde ich  mir diese Seiten einrahmen.

Dabei ist der Schreibstil von Andrea Schomburg wunderschön leicht und selbstverständlich, trotz des ernsten Themas. Meine Tochter wollte immer wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Wie das Theaterstück sich entwickelt und ob Luise und Viktor auffliegen. Die Autorin hat jahrelang als Gymnasiallehrerin gearbeitet, was sich an der guten Lesbarkeit der Geschichte zeigt. Kein unbekanntes Wort, nichts, was ein Kind nicht auf Anhieb versteht, dafür aber Gefühle, die direkt ins Kinderherz gehen. Diese Geschichte ist in Prosa geschrieben, was bei der Lyrik liebenden Autorin ungewöhnlich ist. Dafür sind die Liedtexte von dem selbstgeschriebenen Musical als Anhang abgedruckt, zu singen nach einer Melodie der eigenen Wahl!

Auch wenn dieser Roman schon für ältere Kinder ab 10 Jahren ist, ist er dennoch zweifarbig illustriert. Mit präzisen Strichen fängt Dorothee Mahnkopf die Stimmungen und Situationen ein, egal ob Kuscheltier oder die patente Nachbarin Frau Krauseminze, die uns richtig ans Herz gewachsen ist.
Ein kleiner Roman, der sich für uns zum Herzensbuch entwickelt hat.

Wir bedanken uns ganz herzlich beim Tulipan Verlag für dieses wunderbare Rezensionsexemplar.