Dienstag, 26. Dezember 2017

Bluma und das Gummischlangengeheimnis, Silke Schlichtmann, Ulrike Möltgen, Hanser



Bluma und das Gummischlangengeheimnis, Silke Schlichtmann, Ulrike Möltgen, Hanser
Die 9 jährige Bluma steht mit Mathe auf Kriegsfuß und wünscht sich sehnlichst ein Haustier. Doch ihre Eltern meinen, daß sie alle viel zu wenig zu Hause wären und keine Zeit für ein Tier hätten, das ginge nicht. Ausgerechnet als Bluma sowie schon grübelt, weil sie nicht weiß, wie sie ihren Eltern die 5 in der Mathearbeit beibringen soll, entdeckt sie ein Schild am Nachbarszaun, daß der süße Hund Flocki in gute Hände abzugeben ist, weil sein Frauchen ins Altersheim muß. Ein Hund mit allem Drum und Dran, für umsonst da könnten ihre Eltern eigentlich nicht nein sagen, wenn da bloß die 5 nicht wäre. Spontan besucht sie die Besitzerin und stellt sich vor, Flocki mag sie sofort. Ihre Freundin Rosa scheint ihre Sorgen jedoch nicht zu verstehen und will unbedingt mit ihr am Ameisenprojekt arbeiten, aber da hat Bluma keinen Kopf vor. Als sie zu ihrer Lieblingsnachbarin Alice geht, hat diese erstmals kein offenes Ohr für sie und hört nicht richtig zu. Als Alice kurz zum Telefonieren die Küche verlässt, nimmt sich Bluma heimlich eine von Alice magischen handgefertigten Gummischlangen aus dem Glas. Sie sind Alice spezielles Sorgenfressergeheimnis, wenn man sie ganz langsam kaut, findet man für jedes Problem eine Lösung. Nur bei Bluma klappt das nicht, kaum hat sie den Kopf von ihrem Diebesgut abgebissen, fühlt sie sich noch elender, da sie das schlechte Gewissen plagt. Sie sucht Rat bei ihrer Mutter, doch die hat keine Zeit, weil sie für eine 14-tägige Dienstreise packt und reist ab, ohne mit Bluma zu sprechen. Ihre Probleme scheinen unlösbar zu werden.
Dieses Buch stieß bei uns auf geteiltes Echo. Meine eine Tochter mag prinzipiell keine Bücher, bei denen ihr der Name der Heldin nicht gefällt und wir konnten uns auf keinen Alternativnamen einigen. Außerdem hat sie kein Verständnis für eine Fünf in Mathe, das ist doch einfach, Englisch ist schwer. Und was die Gummischlange anbelangte, da fühlte sie sich wohl noch ertappter. Für dieses Kind wäre das Buch eigentlich optimal gewesen, aber ich denke, da stand einfach das schlechte Gewissen im Weg.
Die andere Tochter mag keine Bücher, in denen gestohlen wird, das ist nicht das erste Mal, daß sie diese Bedenken gegen ein Buch hegt. Da dies der Grund ist, warum ich die „Unendliche Geschichte“ nicht weitergelesen habe, weil man doch keine Bücher stehlen darf, habe ich dafür Verständnis.
Mir hat das Buch eigentlich sehr gut gefallen, ich hatte allerdings ein Problem, das ich häufiger mal habe: Die Eltern haben überhaupt keine Zeit für ihre Tochter! Wie kann ich denn so naiv sein zu glauben, daß eine Neunjährige Mathe lernt, nur weil man schimpft und es quasi befiehlt?! Die schauen noch nicht einmal die Hausaufgaben nach und wundern sich dann, daß ein Grundschulkind, das schon sehr früh, sehr selbstständig sein muß, die Fächer meidet, die es nicht mag. Das ist vorprogrammiert. Auf die Idee ihrer Tochter Mathe zu erklären, kommen beide Eltern nicht, obwohl der Vater Psychologe ist und die Mutter Sprachwissenschaftlerin.
Sehr gerne mochte ich Alice, die Nachbarin, eine Rechtsanwältin im Ruhestand, die ihr Leben nun gestaltet, wie es ihr gefällt und daher malt. Sie ist eigentlich die Ruhe in Person und sehr einfühlsam. Sie macht sich die Sorgen und Beobachtungen, die Blumas Eltern anstellen sollten.
Das Buch behandelt das sehr wichtige Thema, daß Sorgen, Nöte und ein schlechtes Gewissen bis ins unermessliche zu wachsen scheinen, wenn man nicht über sie spricht. Gemeinsam lassen sich Probleme besser lösen und einige lösen sich sogar in Luft auf, weil sie sich im Gespräch als reine Missverständnisse entpuppen.
Sehr schön finde ich Blumas und Rosas Forschergeist, die sich für Insekten und die Natur interessieren. Leider zeigen auch hierfür Blumas Eltern nur wenig Verständnis. Vielleicht bin ich da etwas hart, aber da ich als Selbstständige vollberufstätig bin und mein Mann viel unterwegs, weiß ich, daß das man in solchen Situationen Prioritäten setzen muss, aber die sollten für mich beim Kind liegen und nicht beim Haushalt.
Sprachlich ist Blumas Geschichte sehr kindgerecht abgefasst und mit der nötigen Prise Humor verpackt. Die Erlebnisse von Vater und Tochter alleine zu Hause werden sicher für einige Lacher sorgen. Da ich auch die Geschichten von Pernilla kenne, war es für mich sehr schön, daß Bluma Pernillas Cousine ist, auch wenn diese Vorkenntnis für dieses Buch ohne Belang ist. Der kleine Hinweis zwischen den Zeilen ist nur ein nettes Bonbon für Pernilla Fans.
Zeitmangel zum Zuhören, ist für mich das eigentlich zentrale Problem, das dieses Buch behandelt und sehr wichtig. Denn auch Bluma nimmt sich zu wenig Zeit für ihre Freundin Rosa, weil sie viel zu sehr mit sich selbst und ihren Problemen beschäftigt ist. Sie erlebt es zu Hause selbst nicht anders. Zum Glück gibt es Nachbarin Alice und so findet das Buch noch ein gutes Ende, bei dem alle Beteiligten einsehen, daß sie an ihrem Verhalten arbeiten müssen und auch tatsächlich etwas daran ändern.
Die Illustrationen von Ulrike Möltgen sind sehr außergewöhnlich und erinnern mich an japanische Tuschezeichnungen. Mit wenigen Strichen werden Personen und ihre Stimmungen treffend eingefangen. Meine Töchter hatten leider dennoch keinen Blick für sie, obwohl sie ein japanisches Bilderbuch haben, dass sie sehr mögen, sie waren wahrscheinlich einfach schon zu voreingenommen gegen das Buch, weil ihnen der Name nicht gefällt.
Dieses Buch sollten Eltern unbedingt gemeinsam mit ihren Kindern lesen, damit sie sich von Zeit zu Zeit auch mal selbst an die eigene Nase fassen können und ihr eigenes Verhalten überdenken.
Ein gutes Buch, das zum Nachdenken und Diskutieren anregt und sicherlich die Leser nicht gleichgültig lässt. Ich überstimme diesmal meine Töchter mit 4 von 5 Sternen.

Montag, 25. Dezember 2017

Bim, die Zauselmaus: Eine tierische Rettungsaktion, Stefan Gemmel, Carlsen


Bim, die Zauselmaus: Eine tierische Rettungsaktion, Stefan Gemmel, Carlsen

Für junge Leseanfänger gibt es drei signierte Exemplare des ersten Bandes von Stefan Gemmels neuer Reihe für Leseanfänger, Bim die Zauselmaus, einem Spin off, der abenteuerlichen Zeitreiseserie „Das Geheimnis der Zauberkugel“ in der Nebendarstellerin Bim bei allen Kindern so gut ankam, daß sie hier nun ihre eigene Reihe, mit eigenen Illustrationen erhielt:
Bim, die kleine Maus, mit der neugierig schiefen Schnuppernase erwacht eines Nachts auf dem Dachboden des Hauses von Alex und Sahli, geweckt von geheimnisvollen Geräuschen. Was ist das für ein Heulen? Obwohl sie sich fürchtet steht Bim auf, schlüpft aus dem Haus und sieht nach, denn sie merkt, daß da jemand weint: In einem Gebüsch vor dem Haus trifft die hilfsbereite kleine Maus auf Lutz den Hamster, der die Backen voll hat und daher nuschelt (deshalb sollte man mit vollem Mund ja auch nicht reden!). Doch so ein Mund voller Schätze kann auch sehr praktisch sein, wenn man keine Hosentaschen hat. Lutz ist untröstlich, denn als er seine Freundin Sonett in der Zoohandlung besuchen wollte, hat er von ihr erfahren, dass die vergessliche Frettchendame an die Schlange verfüttert werden soll. Er ist verzweifelt, weil er sich nicht zu helfen weiß. Doch Bim weiß, daß man gemeinsam mit Freunden viel stärker und mutiger ist und will Lutz daher zu Sonett begleiten. Bei ihrer Rettungsaktion erhalten sie ungeahnte Unterstützung von dem starken Degu Arnie und dem verschlafenen Siebenschläfer Schnarchibald. Zu viert muß ihnen doch etwas einfallen!
Auch wenn Bim die Zauselmaus ein Spin off des „Geheimnis der Zauberkugel“ ist, ist diese Reihe doch eigenständig, da sie sich an jüngere Leser richtet. So hat Bims Leseanfängerreihe mit Elli Bruder eine eigene Illustratorin erhalten, die diese Reihe farbig und sehr fröhlich gestaltet, gegenüber den geheimnisvollen schwarz-weiß Illustrationen der längeren Abenteuerserie. Die Bilder sind wirklich süß, aber nicht kitschig, so daß sie sowohl Jungen, als auch Mädchen anspricht. Sollten die jungen Leser, genau wie Sonett ein bißchen vergesslich sein, so hilft ihnen die Vorstellungsgalerie im Einband, wo alle fünf Freunde mit Bild und Charakteristika vorgestellt werden.
Die Geschichte fängt gleich spannend und geheimnisvoll an, wobei Kindern vermittelt wird, das es völlig normal ist, Angst zu empfinden, es aber umso mutiger ist, dieser auf den Grund zu gehen und Freunden in Not zu helfen. Auch wenn es sich für Bim um neue Freunde handelt, so stellen sie sich doch gleich als sehr einfallsreich und verläßlich dar, echte Freunde, mit denen man Pferde stehlen, oder eben Frettchen in Not befreien kann. Denn Sonett ist eine ganz besondere Frettchendame, um nicht immer alles zu vergessen, was sie sich merken will, spricht sie in Reimen, bzw. Sonetten. Kinder mögen lustige Reime und auch ihnen fällt es viel leichter sich Reime einzuprägen, als reine Sachtexte. Auch das Lesen der Reime wie
„Die Gefahr ist gar nicht schlimm, wenn jemand bei dir ist wie Bim. Mit ihrem Mut und Arnies Kraft, haben wir den Sieg geschafft….“ fällt leichter, als schnöde Sachtexte und weckt so den Spaß an Sprachspielen und am Lesen. Hierbei zeigt es sich, daß es von Vorteil ist, daß es sich um einen Originaltext und nicht um eine Übersetzung handelt. Gerade Reime inhaltlich und metrisch gut zu übersetzen ist fast unmöglich und nimmt ihnen oft den Reiz.
Ach so, jetzt mag sich noch so manch einer fragen, was denn nun bitteschön eine Zauselmaus ist. Tja, das will ich Euch nicht wirklich verraten, denn das erfahrt Ihr am Ende dieses Buches und das soll ja spannend bleiben.
Die Geschichte rund um Bim, spricht viele kindliche Bedürfnisse an: Freundschaft, Zusammenhalt, der Wunsch ein Held zu sein, auch wenn man nicht über Superkräfte verfügt, Abenteuer und Spaß.
Neben der tollen Geschichte, die den Kindernerv trifft und den fröhlichen Illustrationen bietet diese Reihe weitere Hilfe beim Lesenlernen: Die Geschichte ist in kurzen einfachen Sätzen geschrieben, die durch einen hohen Bildanteil aufgelockert werden. Es wird extra eine große Fibelschrift, also der gleiche Drucktypus wie in der Fibel, dem ersten schulischen Lesebuch verwendet. Da aber einige Begriffe zwar erlesbar sind, wenn man alle Buchstaben und Silben schon kennt, nicht jedoch erratbar (der Name Schnarchibald, dürfte ja eher unbekannt sein, folgt aber den erlernten Leseregeln, ebenso das Genuschel mit vollen Hamsterbacken), sollten die Leseanfänger nicht mehr im Anfangsstadium sein, sondern bereits eine gewisse Textsicherheit erlernt haben. Sollte es noch etwas haken, macht das nichts, die Geschichte eignet sich auch super zum gemeinsamen Lesen oder zum Vorlesen. Kinder mögen ja auch bekannte Geschichten und diese ist lustig und spannend genug um noch ein zweites Mal gelesen zu werden, ehe am 30. April die Fortsetzung „Bim, die Zauselmaus: Das Freundschaftsfest“ erscheint.
Dafür gibt es 5 von 5 Sternen!
Ich bedanke mich ganz herzlich bei Stefan Gemmel für die Unterstützung unseres Adventskalenders!