Werbung/Reziexemplar: „Guten Morgen, schönes Wetter heute,“ Tanja Kokoska, gelesen von Ulrike Kriener, 10 h 30 min. ungekürzt, Der Audio Verlag digital
In der Siedlung „Am Kastanienbaum“ oder auch die amerikanische Siedlung in einer großen Stadt mit Ihren 1.583 Bewohnern,, leben die meisten neben einander her und grüßen allenfalls. So auch die alleinerziehende Ina, die sich und ihren 17 jährigen Sohn Henry mit Jobs im Tatoo-Studio und im Hotel durchschlägt und die immer hofft,dass es mit dem nächsten Mann anders sein wird, so wie mit Henrys Vater, dessen Namen sie nicht kennt. Henry träumt davon mit seinem besten Freund Jamal nach dem (sicherlich hervorragenden Abi) nächstes Jahr für ein FSJ nach Südamerika zu gehen und hat doch Angst seine Mutter alleine zu lassen. Samy, der Pächter der Gaststätte liebt nutzloses Wissen, genauso wie die Arslans, die den kleinen Laden betreiben. Dabei liebt Frau Arslan Gedichte von Rilke und versteckt sie heimlich in einigen Waren... Herr Bello, ein freundlicher, stiller Witwer, der viele Jahre neben Inas Eltern lebte, entdeckt seine Liebe zu Frauenkleider und die 95 jährige Frau Kaiser weiß nicht mehr, wann ihr Sohn Ronald sie das letzte mal besuchte.... Baggerfahrer Paca träumt davon endlich vor seiner Rente noch einen richtig großen Fund zu machen. Als er eine Weltkriegsbombe freilegt, entwickelt sich alles anders, als er sich erträumt hat...
Eine Siedlung voller menschlicher Schicksale mit unausgesprochenen Träumen und ganz viel Sehnsucht und Einsamkeit. Es könnte durchaus banal sein, aber Tanja Kokoskas Gefühl für Sprache und verborgene Sehnsüchte, macht dieses kurzen Episoden, die auf die Entschärfung oder Sprengung der Bombe zulaufen, tatsächlich bemerkenswert und lassen nicht nur so manchen nutzlosen Fakt und zufälliges Ereignis unvergesslich werden. Diese Charaktere sind auf den ersten Blick alle ganz gewöhnlich und dennoch sind sie alle ganz eigen und besonders. Am Ende ist man überzeugt, dass alles so kommen musste, um sich zu fügen. Eine wirklich runde Sache, auch wenn wohl das Weltgeschehen durch keines dieser Ereignisse verändert würde. Ich war unsicher, ob ich diese Geschichte faszinierend finden würde, oder banal. Dank der Erzählkunst von Tanja Kokoska und der einfühlsamen Stimme von Ulrike Kriener fand ich sie angenehm kurzweilig und ich bin mir sicher, dass mir so einige Episoden noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Ich fühlte mich sofort als Teil der Nachbarschaft.
Sprachlich hat mich Tanja Kokoska mit ihrem Sprachgefühl immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Schön finde ich, das wir gerade über die zugewanderten Nachbarn interessante Gedanken zu den Besonderheiten unserer Sprache erfahren, über die auch wir nachdenken können.
Ulrike Kriener verleiht den liebevoll gezeichneten Figuren mit ihrer starken Stimme zusätzliche Tiefe. Die Wärme ihrer Klangfarbe lässt sie uns ans Herz wachsen, mit einer Ausnahme, bei der ihre Stimme stets kalt, abweisend und feindlich klingt... Ja, auch in dieser sympathischen Geschichte, gibt es einen Unsympathen. Das schmälert das Hörvergnügen aber nicht im Geringsten.
Der Roman endet auch wirklich an der perfekten Stelle, ohne dass ich mal wieder denke „wie? Das war's?“ und ohne, dass Fragen offen bleiben. Eine runde Sache!
Ich bedanke mich ganz herzlich beim Der Audio Verlag für dieses erzählerische Kleinod.
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