Donnerstag, 16. Juli 2020

Im Zeichen der Zauberkugel (6) – Die Macht des magischen Zirkels, Stefan Gemmel, Carlsen Verlag



Im Zeichen der Zauberkugel (6) – Die Macht des magischen Zirkels, Stefan Gemmel, Carlsen Verlag

Bei dem Versuch Alex Großvater Aurelius zu befreien hat es diesen, die Zwillinge Sally und Liv,  und die mit hellseherischen Fähigkeiten ausgestatteten Tiere Katze Kadabra und Maus Bim in das ewige Eis verschlagen. Pal, Aurelius alter Freund wohnt dort und hält weitere wichtige Hinweise bereit. Doch die bösen Zauberer des magischen Zirkels, die mit Hilfe von schwarzer Magie die Welt beherrschen wollen, sind ihnen auf den Fersen. Nicht nur das, sie haben ein grauenvolles Wesen erschaffen, den Tupilait, der es auf Alex abgesehen hat und ihn wohl wittern kann. Die Freunde beschließen sich zu trennen, um ihre mächtigen Gegner abzulenken und um vor dem Tupilait zu flüchten. Während Alex dem grausigen Tier zu entkommen versucht, wollen die übrigen Aurelius und Kugelgeist Sahli befreien. Doch ihre Feinde haben andere Pläne und ihre Rettungsmission bereits vorhergeahnt. Sahli soll als Spion agieren, doch der magische Zirkel weiht ihn nicht in seine Pläne zur Freisetzung der Schale des Glücks ein, sondern nutzt ihn als Köder. Ein gefährliches Katz und Maus spielt beginnt, bei dem alles auf dem Spiel steht, denn nichts Geringeres als das Glück der ganzen Welt könnte von den schwarzen Magiern ausgelöscht werden, in ihrem Streben nach Macht.

Über Jahre folgen wir nun dieser magischen Abenteuergeschichte und hoffen auf die Wiedervereinigung von Alex und seinem Großvater. Wir haben erlebt, wie Alex mit seinen Stiefschwestern nicht nur einen Waffenstillstand geschlossen hat, sondern sie zu einem echten Team zusammenwachsen, gemeinsam mit Sahli, dem Jungen aus der Zauberkugel. Besonders die magischen Tiere haben es den Kindern angetan. Da diese wohl bei Kindern allgemein super ankommen, gibt es mittlerweile von der vorwitzigen Zauselmaus Bim sogar einen Spin-Off zum Lesenlernen. Irgendwie waren wir gleichzeitig total gespannt, wie denn nun das Abenteuer enden würde, wobei wir fest auf die Kraft der weißen Magie so wie dem Band der Freundschaft vertraut haben, andererseits war sogar meine große Tochter, die mit 13 Jahren der Geschichte eigentlich entwachsen ist, ein wenig wehmütig. Werden wir mit diesem Band nun für immer Abschied nehmen? So ganz sicher sind wir uns dessen nicht! Denn auch wenn das Gute siegt, weiß man ja doch: Das Böse ist immer und überall! Und so endet die Geschichte mit einem Hauch des Zweifels, ob es das nun wirklich gewesen ist....

Es ist schön zu lesen, wie die Kinder und Tiere, sowie ihre Unterstützer zusammenwachsen. Vor allen Dingen ist es aber sehr spannend und witzig! So spannend das man unbedingt weiterlesen muss und da die Schrift noch angenehm groß ist, ist das selbst für junge Leser nicht all zu anstrengend. Allerdings, hätte es ruhig mehr von den großflächigen Illustrationen von Katharina Madesta geben dürfen. Die Geschichte baut aufeinander auf. Man muss unbedingt die Reihenfolge einhalten, auch wenn die Bände in sich abgeschlossen sind. Dennoch nimmt man sich viel von der Spannung, wenn man sich nicht an diese Vorgabe hält. Aus jeder Seite sprüht die Magie und man wieder tiefer ins Reich der Fantasie und des Kampfes der Liebe gegen den Hass gezogen. Dabei geht dieser Abschluss der Reihe so rasant vor, dass die jungen Leser sich kaum die Mühe machen werden, bei ihren Eltern die unbekannten Begriffe nachzufragen. Denn nach dem ewigen Eis, führt es die Freunde in das nächste klimatische Extrem, in eine völlig andere Zivilisation, deren Begriffe vielleicht nicht jedem immer bekannt sind. Aber es sind nur wenige und Lesen soll ja auch schlau machen.

Meine Cousine wollte uns diese Reihe letztens als Geheimtipp empfehlen, auf die ihre Kinder 10,8 und 5 total stehen ;) Total spannend und witzig, meinte sie ;) Da können wir ihr nur zustimmen!

Zwei wichtige Lehren hat der mächtige magische Zirkel völlig verkannt: unterschätze nie deine Gegner und „Liebe ist stärker als Hass“ und weil dem so ist, hat sich Sahli eine ganz wundervolle Strafe für die Mächte der Finsternis ausgedacht! Aber lest einfach selbst. Für Jungen und Mädchen ab 8 Jahren, die Magie und Abenteuer lieben!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Stefan Gemmel, dass wir die Geschichte von Band 1 an begleiten durften und unsere Leseexemplare!

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Dienstag, 14. Juli 2020

Long Way Down, Jason Reynolds, gelesen von Julian Greis u.a., Hörcompany, 1 MP 3 104 Min. ungekürzt



Long Way Down, Jason Reynolds, gelesen von Julian Greis u.a., Hörcompany, 1 MP 3 104 Min. ungekürzt

Will ist 15 Jahre alt, als sein 20 jähriger Bruder Shawn auf dem Weg in den 9 Blocks entfernten Laden, in dem Revier einer anderen Gang erschossen wird. Dabei sollte er doch nur die spezielle Hautcreme für seine Mutter abholen! Es ist nicht der erste gewaltsame Tod in seinem jungen Leben. In ihrer Gegend ist das nicht ungewöhnlich und so lernen die Kinder von Kleinauf sich bei dem ersten Anzeichen für eine Schießerei sich flach auf den Boden zu werfen. Doch der Schuss galt Shawn und so gab es kein Entkommen. Nun ist Will mit seiner weinenden Mutter allein, die Trost in der Flasche neben ihr sucht. Will ist fest entschlossen, sich nun an die Regeln zu halten, die ihm Shawn bei gebracht hat, die er von Buck lernte, als ihr Vater Mikey erschossen wurde, wie auch schon dessen Bruder Mark... eine schier unendliche Spirale der Gewalt, dank der Regeln:
Nr. 1 Weinen (Tu's nicht. Egal was passiert)
Nr. 2 Jemanden verpfeifen (Tu's nicht. Egal was passiert)
Nr. 3 Rache (Finde den, der getötet hat. Und töte ihn)
Will nimmt sich die nunmehr herrenlose Waffe seines Bruders, entschlossen das Gesetz der Straße zu Ende zu bringen und steigt in den Fahrstuhl mit dem Ziel von der Lobby aus, sich auf den direkten Weg zu dem Mörder seines Bruders zu begeben. Doch der Weg nach unten ist lang, auf jedem Stockwerk steigt jemand aus seiner Vergangenheit ein, der erschossen wurde und erzählt von Gewalt, Ohnmacht, Rache und Tod. Wird Will den Mörder seines Bruders töten?

Ungeschriebene Gesetze werden oft viel genauer befolgt, als die geschriebenen. Will hat das Gefühl, dass er keine Wahl habe. Dass er tun muss, was ein Mann tun muss, denn nach dem Tod aller anderen männlichen Familienmitglieder ist er nun der Mann im Haus und seine Mutter nur noch ein Schatten ihrer selbst. Sie ist völlig übermannt von den anscheinend nie enden wollenden Morden und Will will dies nun auch fortsetzen. Doch mit jedem der in den Fahrstuhl einsteigt und ihm von seiner Geschichte, von seinem Tod erzählt, kommt er ins Wanken, kommt er ins Grübeln, noch immer an den Regeln festhaltend, innerlich aufgewühlt und zerrissen. Sie führen ihm vor Augen, was auf ihn wartet, wenn er aussteigt und seinen Plan zu Ende bringt, aber auch, wie er wirklich ist. Er, Will der Junge, der mit Sprache spielt und Anagramme liebt und ihnen Bedeutung beimisst.

Eine Ode über eine Spirale der Gewalt, frei nach dem alten Testament: Auge um Auge... Wer den Fahrstuhlpassagieren zuhört begreift sehr schnell, dass dies keine Lösung ist, eher das Ende bzw. der Anfang von noch mehr Leid und Verzweiflung. Wie sind sie alle in diese Lage gekommen? Ging es ihnen wie Will? Was raten sie ihm? Hat er das Zeug dazu? Sehr gut, finde ich, dass sich auf den Aspekt der nicht enden wollenden Spirale der Gewalt konzentriert wird. Die Polizei ist nicht wichtig, es geht nicht um sie, denn mit ihnen spricht man nicht. So bleibt die Geschichte ganz klar auf Will, seine Entscheidung und die unzähligen Todesschüsse fokussiert.

Anfangs sind diese Treffen für ihn so unvorstellbar, dass er die ihm bekannten Personen nicht erkennt, da es ja unmöglich ist, was ihm da gerade passiert. Jeder der einsteigt hat Will geprägt und für ihn eine Bedeutung. Jeder/jede hat daher auch seine eigene Stimme, denn er spinnt nicht, er hört sie nicht nur in seinem Geiste, sie sind in dem Moment real! Will wird von Julian Greis gesprochen, dem Ed Sheeran der Hörbuchbranche. Seiner Stimme entkommt man gerade nicht, man hört sie überall, doch ist sie so angenehm, so einnehmend, dass man sich nicht satt hört, sondern gerne lauscht. Er klingt jung, unerfahren, gleichzeitig verunsichert und entschlossen. Seine innere Zerrissenheit ist unüberhörbar und dennoch nicht monoton, dafür wird er zwischen den Stockwerken viel zu oft von neuen Gefühlen überflutet. Die Stimmen der übrigen Fahrgäste sind gut gewählt. Besonders Konstantin Graudus als Buck gefällt mir sehr gut, seine Stimme ist tief und sonor, als hätte er den Blues, als hätte sein Leben eine Chance, hätte er nicht die Regeln befolgt, sondern stattdessen gesungen...

Jason Reynold liebt es, den Ausgang seinen Lesern/Hörern zu überlassen. Sie sollen seine Geschichte beenden, mitdenken, selbst für sich über den „richtigen“ Ausgang entscheiden. So war ich von dem Ende überrascht und etwas unschlüssig, wurde mir Wills Entscheidung doch nicht präsentiert, sondern von mir eine Entscheidung für ihn erwartet. An Wills Liebe zu Anagrammen spürt man seine Liebe zu Sprache. Diese zu übersetzen ist eine echte Leistung, da ziehe ich auch vor der Übersetzerin Petra Bös den Hut.

Ein interessantes Hörbuch, über das Gesetz der Straße und dass es Leben retten kann, wenn man eigene Entscheidungen trifft, statt anderer Gesetze unüberlegt zu folgen. Von der sinnlosen Gewalt in vielen schwarzen Vierteln in Amerika und der Machtlosigkeit der Gesetzeshüter dort, mit denen niemand spricht.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Hörcompany für dieses Hörexemplar für meine Dienstagsreihe zum Thema #Blacklivesmatter

Hier findet Ihr eine Hörprobe:

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