Montag, 26. August 2019

Eifeldeal, Andreas J. Schulte, Emons Verlag



Eifeldeal, Andreas J. Schulte, Emons Verlag

Sprayer wollen die Wahrzeichen von Andernach am Rhein mit ihrem Tag versehen. Doch plötzlich bricht einer zusammen. Im Krankenhaus stirbt er mit Symptomen einer Tropenkrankheit, doch ohne Fieber. Im Blut finden sich keine Anzeichen von Drogen. Diese muss Hauptmann Paul David a.D. aber leider auf seinem idyllischen Campingplatz im Pöntertal, bei Andernach-Kell beobachten und wirft die Typen hochkannt vom Platz, da versteht er keinen Spaß. Auch nicht, als er plötzlich in der Nähe Schüsse hört, die von der Grillhütte seines Onkels kommen. Ein Jugendlicher hat das Blockhaus gestürmt, wirkt wie von Sinnen und erschießt einen vermeintlichen Zombie, ehe Paul die Hütte erreicht hat und sich ihm ein Bild des Grauens bietet. Auch in seinem Blut sind keine Anzeichen von Drogen zu finden. Das ist für ihn unerklärlich und nagt an ihm. Als ihn dann ein kleiner lokaler Radiosender ins Visier nimmt, ist es zu viel. Alle Ermittlersinne sind geschärft und er beantragt eine Privatermittlerlizenz. Wer immer für diese Gräueltat auf seinem Platz verantwortlich ist, dem wird das Lachen vergehen.

Dies ist der 3. Fall von Paul David, Nato-Sonderermittler a. D., nach einem Bombenanschlag in Afghanistan. Seit diesem Anschlag fehlt Paul der linke Unterarm, der inszwischen durch eine bionische Prothese ersetzt wird. Dieses Handicap führt dazu, daß der Träger mehrerer schwarzer Gurte in diversen Kampfsportarten gerne mal unterschätzt wird. Auch wenn er nun schon in jungen Jahren im Ruhestand im Pöntertal mit seiner Tante Helga einen Campingplatz im Naturschutzgebiet betreibt, kommen seine Kampfkünste erstaunlich oft zum Einsatz. Dabei liegt das noch nicht einmal an seiner Freundschaft zu POK Kalle Seelbach von der PI Andernach. Sein Ermittlerinstikt ist einfach zu sensibel, er riecht den Ärger, 7 Meilen gegen den Wind. Paul ist eine Art-Superheld, eine einarmige-Einmann-Kampfmaschine, die manchmal an die Marvelhelden erinnert. Allerdings ist er bei all seinen vermeintlichen Superkräften sympathisch, was auch an seiner Tante und seinen Freunden liegt. Auch dieser Fall ist wieder hart, rasant und sehr spannend. Mit kurzen Schnitten mit Perspektivwechseln, die z.T. In der Ich-Form aus der Sicht von Paul David und dann wieder aus der distanzierten 3. Person, aus Sicht der Bösen bzw. der Opfer geschildert wird. Das ist als Erzählweise interessant und kurweilig. Auch interessant finde ich nach wie vor den Kniff, der  Einspielung verschiedener Radiosender und ihrer unterschiedlichen Arten der Berichterstattung. Ich fand es super so viele bekannte Schauplätze mit zu besuchen und die Ermittlungen von Andernach nach Koblenz, Bonn, ins Ahrtal und in die Eifel zu begleiten. Immer spannend, nie langweilig. Allerdings habe ich immer so ein Problem mit Selbstjustiz und Rache. Gerade am Ende, als scharf geschossen wird, bekam ich Bauchgrummeln, das war Angriff, keine Verteidigung, denn da wo auf ihn geschossen wird, hat er nichts zu suchen, das ist Sache der Polizei. Gut, das kommt in fast jedem amerikanischen Krimi vor. Doch Freund Kalle betont, daß Paul in diesem Fall besonders gründlich ist, zum einen weil er im Visier der Medien gelandet ist und zum anderen weil er Jura studiert hat. Computernerd-Freund Steffen hat mittels inovativster Technik zuvor Unmögliches möglich gemacht, und auch sämtliche datenschutzrechtlichen Bestimmungen und Beweisverwertungsverbote über Bord geschmissen. Ich mag solche Gimmicks, auch wenn die Technik vielleicht noch nicht so weit ist, beim Hacking für einen guten Zweck bin ich mir immer etwas unschlüssig. Doch Paul David mag ich als unbewaffnete Kampfmaschine deutlich lieber, als als ballernder Schütze.

Der Fall ist spannend und leider realistischer als man meinen möchte, denn die Versuche in Militärlaboren der USA gab es früher tatsächlich und wahrscheinlich werden sie in einigen Ländern von bestimmten Regimen noch immer betrieben. Auch Hitler träumte von den Supersoldaten dank des LSD-Derivates Pervitin. Dennoch habe ich moralische Bauchschmerzen und ziehe trotz der tollen Schauplätze und der durchgängigen Spannung auf hohem Niveau einen Stern ab und komme auf gute 4 von 5 Sternen.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Emons Verlag für dieses heiß ersehnte Rezensionsexemplar.

Sonntag, 25. August 2019

Das Dach muss vor dem Winter drauf – Die Online-Omi baut ein Haus, Renate Bergmann, gelesen von Carmen-Maja Antoni, DerAudioVerlag, 3 CDs 3 h 35 Minuten.



Das Dach muss vor dem Winter drauf – Die Online-Omi baut ein Haus, Renate Bergmann, gelesen von Carmen-Maja Antoni, DerAudioVerlag, 3 CDs 3 h 35 Minuten.

Zur Person: Renate Bergmann 82 Jahre, geb. Strelemann wohnt in Berlin-Spandau, kommt aus dem Osten, Trümmerfrau, vierfach verwitwet, eine Tochter Kerstin, die in Köln lebt, aber sie hat ja noch Neffen Stefan mit Familie vor Ort, den Senioren-Club, ihre Schulfreundin Ilse und ihren Mann Kurt und die Nachbarn.... Da ist natürlich immer was los, denn eine Renate Bergmann ist organisiert und will was erleben und nicht den ganzen Tag auf dem Sofa vor dem Fernseher hocken!

Nun kann es jedem Mal passieren, daß er was vergisst, bei älteren Menschen schrillen dann aber immer gleich die Alarmglocken,weil alle immer sofort an Alzheimer denken! So kommt es, daß Renate Bergmann über einem kurzen Plausch (nur 40 Minuten!) an der Haustür mit einer lieben alten Bekannten, doch tatsächlich die Kartoffeln oben in der Wohnung auf dem Herd vergessen hat! Ein furchtbarer Gestank, aber kein großer Schaden, nur denkt sie nach, was denn später mal aus ihr werden soll, wenn sie nicht mehr so gut beeinander ist. Zu Tochter Kirsten will sie auf keinen Fall! Aber es gibt ja auch noch Stefan, den Neffen ihres ersten Gatten, daß ist doch ein ganz netter und er ist ja auch so hilfsbereit und seine Frau die Ariane ist eine ganz Patente, und die kleine Lisbeth, die liebt sie ja wie eine eigene Enkelin! Nun kommt es, daß Stefan und Ariane unangekündigt vorbei kommen und eine Renate Bergmann merkt gleich: die Ariane ist wieder schwanger! Eigentlich wunderbar, doch ihre Wohnung ist ja jetzt schon viel zu klein und mit noch einem Kind und Berlin ist doch jetzt schon fast unbezahlbar! Zum Glück fällt Freundin Ilse ein, daß Renate doch mal von Ehemann Nr. 3, dem Taugenichts ein Grundstück im Todesstreifen geebert. Es liegt optimal und da könnten doch Stefan und Ariane ein Häuschen mit Einliegerwohnung für sie bauen. Natürlich will sie da erst einziehen, wenn sie nicht mehr so gut beeinander ist. Sie will den jungen Leuten ja nicht zur Last fallen und sie hat ja auch noch so viel, worum sie sich in ihrem Haus und im Senioren-Club und überhaupt kümmern muss! Also bauen Stefan und Ariane ein Haus unter der gestrengen Aufsicht von Renate Bergmann und der Rentnergang!


Ein Haus zu bauen ist doch immer ein Abenteuer vor allem, wenn mehrere Generationen beteiligt sind. Und dann gibt es ja auch noch die wohlmeinenden Nachbarn, Passanten und die Kollegen, die mitanpacken wollen und sich alles ein bißchen einfacher vorgestellt haben. Natürlich lässt Renate Bergmann in ihre Anekdoten vom Bau auch immer wieder Erinnerungen an ihre Vergangenheit, ihre verschiedenen Männer, Tochter Kirsten auf der Suche nach ihrer inneren Mitte, die Emanzipation, die Nachbarn und alles was die Welt einer Renate Bergmann so bewegt mit einfließen. Dazu kommen ein paar DDR-Erinnerungen und Haushaltstipps, die der patenten Ariane sicherlich gut täten, aber die will ja nicht! Ariane will noch eine ganze Menge mehr nicht, aber so ist das halt und wir wollen ja auch nicht zu viel verraten! So erzählt Carmen-Maja Antoni als Renate Bergmann schön schnodderig frei von der Seele, mit viel Herz, Humor und Berliner Schnauze. Trotz ihrer bisweilen süffisanten Erinnerungen an die verstorbenen Gatten oder die geänderten Zeiten auch im Liebesleben, war dieser Band wieder familientauglich (zumindest ab 9 Jahren). Bei einigen Szenen war ich mir nicht ganz sicher, ob die Kinder alles so verstanden haben, ich ließ sie mal so stehen. Man kann den Witz ja auch wegdiskutieren. Hier liegt er in der Kombination aus der schnoddrigen Erzählweise, den stereotypen Floskeln dieser Generation und dem Blick fürs Detail, der uns bisweilen alle aufs Korn nimmt und bei dem man sich auch ein bißchen ertappt fühlt.

Auch wenn die Generationen nicht immer einer Meinung sind, so wird ganz deutlich, daß jede Generation ihre Vor- und Nachteile hat, und immer mal wieder jemand aus dem Rahmen fällt, so wie Kirsten. Carmen-Maja Antoni ist die ideale Besetzung mit Biss. Sie klingt so herrlich erdig, handfest, herzlich und bisweilen ein bißchen durchtrieben, wenn man da so an..... denkt.

Meine Kinder sind sehr froh, daß Renate Bergmann mit ihren 82 Jahren noch so fit ist, alleine in ihrer Wohnung zu wohnen und sich um ihre Freunde und die Nachbarn zu kümmern, so können wir noch viele neue Episoden aus der Feder von Torsten Rohde, Jahrgang 74, dem Kopf hinter der unverwüstlichen Online-Omi erwarten. Humorvolle, kurzweilige Unterhaltung, die Autofahrten mit der Familie für alle zum Spaß macht. Auch wenn mir nun wieder klar ist, was für eine schlechte Hausfrau ich doch bin ;)

Wir bedanken uns ganz herzlich beim Der Audio Verlag für dieses Rezensionsexemplar für die ganze Familie.

Hier findet Ihr die Hörprobe!