Samstag, 6. Juni 2026

Lady Grace Mysteries (2) – Verrat, Grace Cavendisch, Knesebeck Verlag

 

Lady Grace Mysteries (2) – Verrat, Grace Cavendisch, Knesebeck Verlag

 

Greenwich, Mai 1569: Queen Elisabeth I wird nach Tilbury gebeten, um die königlichen Werften und ihren Zustand zu inspizieren. Selbstverständlich lässt sie sich dabei von ihren Hofjungfern, allen voran ihrem Patenkind, die abenteuerlustige 12 jährige Lady Grace Cavendish, aber auch die schöne, kurvige 15 jährige Lady Sarah begleiten. Natürlich eifern Lady Sarah und ihre neue Konkurrentin Lady Jane um die Aufmerksamkeit und Gunst der jungen, feschen Kapitäne, sehr zu Grace Entsetzen. Als Lady Sarah verschwindet und ein (gefälschter Brief) verkündet, sie sei mit Captain Frances Drake durchgebrannt, um zu heiraten, ist Grace entschlossen, ihrer (nervigen) Zimmergenossin zur Hilfe zu eilen, um ihren Ruf zu retten! Gemeinsam mit ihrem Freund dem Akrobaten Masou schleicht sie sich als Junge verkleidet auf das Schiff des Captains, während Wäschemädchen Ellie krank Grace Bett hütet und gemeinsam mit Mary Shelton Sarah und Grace Abwesenheit deckt. Auch wenn Grace Abenteuer liebt und Piraten faszinierend findet, verläuft diese Mission völlig anders als geplant und natürlich darf niemand davon erfahren, da sonst ihrer beider Ruf für immer ruiniert wäre.

 

Ja ja, die englische Seemacht, gab es nicht schon immer, erst unter Elisabeth I mauserte sich nicht nur die englische Marine, sondern auch dank deren Vormachtstellung die Bedeutung des Königreichs England zu einer bedeutenden Macht! Da mussten die Spanier sich aber mal warm anziehen! Dank der pfiffigen Konstruktionsänderungen von Captain Drake, gelangten die englischen Schiffe neuer Bauart schneller voran und auch in die neue Welt... dabei wurden nicht nur neue Handelsrouten entdeckt, sondern gnadenlos die Handelsschiffe verfeindeter Nationen (wie die der spanischen Papisten!) geplündert! Dafür haben die Herrscher (oder Herrscherinnen) dieser Länder ihre Seeleute mit Kaperbriefen ausgestattet, die sie berechtigten für ihren König/Königin die Feinde auszuplündern. Die Geburt der Freibeuter! Tatsächlich war mir überhaupt nicht bewusst, dass der legendäre Captain Drake ursprünglich nicht von edlem Geblüt, sondern ein Pirat war!

 

Hier wird wieder Krimi mit Geschichte gemischt und ich mag diese Kombi unheimlich. Ich lerne hier immer etwas, was ich schon immer wissen wollte (wie in Band 1, wie man sich früher die Zähne putzte) oder worüber ich noch nie nachgedacht hatte (wie man an Bord sein Geschäft erledigte, bzw. wozu die lange Stange oberhalb der Gallion war...). Es beginnt an Hof und geht weiter an Bord eines Kaperschiffes. Ein Kontrast, der größer nicht sein könnte für Grace und natürlich fragt sie sich schnell, ob die nervige Lady Sarah diese Anstrengung und Unannehmlichkeiten eigentlich wert sei...

 

Auch wenn Ellie krankheitsbedingt dieses Mal außer Gefecht ist, ist Masou unersetzlich und rettet Grace so manches Mal aus brenzligen Situationen. Doch auch Grace zeigt, dass sie als erste Persevantin der Queen es faustdick hinter den Ohren hat und nicht so leicht aufgibt.

 

Sieht nicht auch Band 2 wieder umwerfend aus? Es hat übrigens einen damenhaft pinken Farbschnitt! Außerdem einen Glossar mit allen Begriffen, die der Zielgruppe der heutigen 12 Jährigen nicht mehr so geläufig sind, oder es nie waren, denn auch Grace kann ja oftmals nur stauen und lernen. Im Anschluss an dieses verrät uns das Autorenteam, was hinter diesem Mix aus Fiktion und wahrer Historie steckt. Das Buch selbst ist wieder als Tagebuch von Grace gestaltet mit Eintragungen in Schönschrift und Datumsangaben..... und der Einband mit edlem Golddruck... Als Tagebuch ist die Geschichte natürlich in der Ich-Form verfasst und wir können direkt an Grace Gedanken teilhaben, selbst wenn sie gerade an Futterneid leidet...

 

Nach einer furiosen Schlacht geht natürlich alles gut aus und Grace, Sarah, Zofe Olwen und Masou kehren wohlbehalten zurück an den Hof, wo Elisabeth I vorgibt, nicht zu ahnen, was sich hinter ihrem Rücken abgespielt hat... Ganz schön cool, diese erste Queen, die es allen zeigte... sei es, dass Frauen regieren können, oder auch, dass sie keinen Mann brauchen..

 

Ein schwungvoller Genremix, der mir echt gut gefällt, ab 10/12 Jahren!

 

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Knesebeck Verlag für mein Rezensionsexemplar!

 

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Die Reisenden der Hankyu-Bahn Hiro Arikawa, gelesen von Rubina Nath, Goya Digital, 4 h 41 min ungekürzt

 

Die Reisenden der Hankyu-Bahn Hiro Arikawa, gelesen von Rubina Nath, Goya Digital, 4 h 41 min ungekürzt

 

Zwischen Kyoto und Osaka in Japan bringt die nostalgische Hankyu-Bahn mit ihren dunkelroten Regionalzügen ihre Passagiere regelmäßig und zuverlässig ans Ziel, auch wenn sie bisweilen stark überfüllt ist. Hier ereignen sich Schicksale und es kreuzen sich die Wege der Reisenden, wodurch sie erstaunliche Wendungen nehmen können. Ein Reisender entdeckt die junge Frau, die eigentlich voll sein Typ ist, ihm aber immer seine Lieblingsbücher in der Bibliothek vor der Nase weg schnappt, wieder und sie schafft es, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Eine sitzen gelassene, wunder schöne Braut, kommt gerade von der Hochzeitsfeier ihres Ex mit ihrer Ex-Freundin zurück, in einem eleganten weißen Kleid und einer edlen Hochsteckfrisur... War es diesen Aufwand wert, um sich zu rächen? Eine junge Studentin wagt es ihrem ebenfalls studierenden Freund zu belehren, was ihn wütend und aggressiv macht. Eine ältere Mitreisende ist entsetzt und tituliert ihn als Nichtsnutz... ein Denkanstoß für das Selbstwertgefühl der jungen Studentin. Eine Witwe beschließt ihrer Enkelin und sich eine Freude zu machen, die ihr Mann ihr nicht gewährt hätte und auch ihr Sohn und seine Frau ihrer Tochter nicht erlauben würden, doch sie, sie hat als verwitwete Rentnerin doch alle Freiheiten, was hindert sie daran, sich noch mal einen Wunsch zu erfüllen. Kleine scheinbar flüchtige Momente, die jedoch lange nachhallen, wie ihre gemeinsame Rückfahrt 6 Monate später zeigt....

Der Roman ist in Japan bereits vor 20 Jahren erschienen und seither ein Bestseller, kein Wunder, denn er verströmt absolute Wohlfühl-Vibes, Alle Menschen steigen eigentlich nur für eine Fahrt in diese Bahn. Es wird in der ersten Hälfte ihre Hinreise beschrieben, was die Leute dazu bringt, hier und jetzt diese Bahn zu nehmen. Wir lernen ihr aktuellen Sorgen und Nöte kennen und in welcher Verfassung sie einsteigen. Doch diese Fahrt wird keine der geschilderten Personen beenden, wie er oder sie sie begann. Diese Fahrt ist für sie wie der Aufbruch in ein neues besseres Leben oder eine neue, bessere Version ihrer selbst. In der Mitte der Geschichte sind dann 6 Monate vergangen und wir erfahren, wie sich das Leben dieser Zufallsbekanntschafen, in deren Seelen wir für kurze Augenblicke schauen konnten, und die uns für einen kurzen Moment an ihre Leben teilhaben ließen, verändert hat. Für sie war die Hinfahrt ein wichtiger Impuls und auf der Rückfahrt dürfen wir erleben, wie sehr sie ihn genutzt haben und was sie aus sich und ihrer Situation gemacht haben. Unsere Alltagsheldinnen und -helden von der Hinfahrt sind nun deutlich glücklicher und blicken zuversichtlich in die Zukunft.

Diese Geschichte hat mich wegen all der japanischen Namen und Orte anfangs etwas überfordert, denn ich hatte null Chance, sie mir wirklich zu merken. Aber ihre Geschichten waren so prägnant und von Hiro Arikawa so geschickt erzählt, dass sobald ich mich darauf einließ, es für mich kein Problem mehr den einzelnen Schicksalssträngen zu folgen. Sie bei der Rückfahrt alle wieder korrekt zu identifizieren war das etwas schwieriger, weil sie sich ja auch verändert hatten, aber auch das klappte beim genauen Zuhören, weil die Autorin auch immer wieder auf die Schlüsselerlebnisse zu sprechen kam. Sie fängt kleine feine Momente ein, die auch Denkanstöße für uns unsere Ziele, aber auch unser Benehmen in der Öffentlichkeit (im Zug) gibt und uns auch zeigt, wie Kleinigkeiten, wie die Rücksichtnahme sowohl auf Reisende, als auch auf Schwalben, einen Unterschied machen können. Kein Detail ist zu unwichtig, alles ist irgendwie von Bedeutung.

Diese kleinen Episoden sind einfach schön und machen sowohl glücklich, als auch Hoffnung und die eine oder andere, besonders die der jungen Frauen, die Kraft und Mut haben ihr Schicksal zu wenden, haben mich zum Schmunzeln gebracht.

Rubina Nath liest diese Geschichten mit viel Einfühlungsvermögen und schafft damit beim Hören ein noch stärkeres Wohlgefühl, als es wohl beim Lesen aufkäme. Ihre Aussprache all dieser japanischen Namen und Worte gelingt ihr sehr flüssig und für mich klingt es einfach super japanisch ;) aber was heißt das schon. Auf jeden Fall, klingen sie weich und angenehm, als würde man über dämpfende Kirschblütenblätter laufen.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Goya Verlag für meinen Rezi-Download!

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