Donnerstag, 2. April 2026

Villa Rivolta, Daniel Speck, Autorenlesung, Argon Verlag

 

Villa Rivolta, Daniel Speck, Autorenlesung, Argon Verlag

 

Mailand 1979: der 15 jährige Tonio beobachtet nachts, wie seine Mutter heimlich in den Hof schleicht und etwas in eine Baugrube wirft. Heimlich schleicht er hinterher und birgt einen alten Revolver aus der Nazi-Zeit. Er nimmt ihn mit in seine edle Privatschule, wo er als Sohn einer Alleinerziehenden der Außenseiter ist. Der angesagte Anwaltssohn bietet ihm dafür seinen echten Walkman. Ein Traum! Doch sie werden erwischt und natürlich bekommt der vaterlose Junge den Ärger und droht von der Schule zu fliegen. Seine Mutter, eine engagierte Journalistin ist entsetzt, packt ihre Sachen und fährt mit Tonio in die Ferienresidenz ihres Kindheitsfreundes Piero Rivolta, um ihn um Rat zu fragen. Er, ihr bester Freund seit Kindertagen sollte ihren Sohn beschützen und seine Zukunft retten. Doch so einfach lässt sich der Jugendliche nicht abwimmeln, als Journalistensohn bohrt er nach, bis seine Mutter ihm alles erzählt was sie ihm bisher verschwiegen hat und doch seine Wurzeln ausmacht, inklusive eines bitteren Familiengeheimnisses. Es begann mit der Hinrichtung ihres Vaters als Partisan durch die Nazis, ihrer Flucht zu Vertrauten ihres Vaters, der Industriellenfamilie Rivolta. Enzo Rivolta war entschlossen Italien zu mobilisieren und schuf dabei u.a. die legendäre Isetta. Doch während ihre Mutter die geschätzte Haushälterin war, wurde Valeria die beste Freundin des ein Jahr älteren Piero. Sie fühlte sich in dem Garten der Villa geborgen und war doch kein Teil der Familie....

 

Mit Bella Germania einer deutsch-italienischen Familiensaga über drei Generation und ganz viel Liebe zu den BMW-Werken wurde Daniel Speck bekannt. Ach hier spiegelt sich seine Liebe zu Italien und Autos und immer wieder die Isetta wieder. Denn ehe BMW die Rechte an der Isetta kaufte und sie zu einem Kassenschlager machte, hatte Enzo Rivolta sie in der Nähe von Mailand entwickelt. Dieses Mal steht die Familie Rivolta sowie die der früheren Haushälterin im Mittelpunkt und immer wieder begleitet von mobilen Innovationen, die sie natürlich auch auf die IAA in Frankfurt führen... Doch es geht nicht nur um Autos und Wohlstand. Es geht um das Erwachsenwerden, die Suche nach seiner eigenen Identität und seinen Wurzeln. Es geht aber auch um Überzeugungen und Visionen. Während Enzo Rivolta Italien mobilisieren will, will sein Sohn Piero dessen Erbe fortsetzen und sieht seine Verantwortung gegenüber seinem Vater aber auch gegenüber den Familien ihrer Arbeiter. Dem steht nahezu unerbittlich Flavio, Toninos Vater, ein Sizilianischer Student gegenüber. Er hat sich den Kampf gegen „das System“ auf die Fahnen geschrieben. Ein Kind war da eigentlich nicht geplant, aber da ist es nunmal....

 

Ein faszinierender Blick in die 50er, 60er und 70er Jahre in Italien. Ich kann mich noch ganz dunkel an Don Camillo und Peppone aus Kindertagen erinnern, in denen der Pastor Kommunist und der Bürgermeister Faschist war.... ich fand diese Extreme erstaunlich, aber so ähnlich war es damals wohl überall in Italien. Das Land war in zwei Extreme gespalten. Die einen trauerten Il Duce nach, die anderen fürchteten ihn und seine Anhänger und waren folglich Kommunisten... Statt den aufkommenden Wohlstand zu genießen entfachte ein gesellschaftlicher Kampf, der hier am Beispiel von Toninos Familie dargestellt wird. Eine Zeitreise, die uns auch an unsere eigene Wurzeln und unser Erwachsen werden erinnert und vielleicht Ansporn gibt, die eine oder andere Familienlegende zu hinterfragen... Tatsächlich fand ich allerdings die Episoden der Rivoltas und ihrer Fahrzeuge deutlich spannender, als Flavios Klassenkampf. Erstaunlicherweise ist es dem Autor letztendlich doch noch gelungen, mit etwas Sympathie für ihn abzugewinnen, ebenso für Valeria, die ich bisweilen zu distanziert gegenüber ihrem Sohn fand. Den konnte ich hingegen nur allzu gut verstehen!

 

Dabei erweist sich Daniel Speck als exzellenter Sprecher. Ich bin ja nicht unbedingt ein Fan von Autorenlesungen, meist können es ausgebildete Sprecher oder Schauspieler besser den Gefühlen und Gedanken der Protagonisten eine Stimme zu verleihen. Er klingt absolut überzeugend und lebendig.

 

Eine interessante Familiensaga, mit wenigen, kleineren Längen.

 

Hier könnt Ihr reinhören:

https://www.argon-verlag.de/hoerbuch/daniel-speck-daniel-speck-villa-rivolta-9783732488650

 

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Lady Grace Mysteries (1) Giftmord, Grace Cavendish, Knesebeck Verlag

 

Lady Grace Mysteries (1) Giftmord, Grace Cavendish, Knesebeck Verlag

 

London 1564 Whitehall, am Hof von Elisabeth I: Seit dem Tod ihrer Mutter vor knapp einem Jahr, lebt Lady Grace Cavendish (12) im Hofjungfern Zimmer von König Elisabeth I, ihrer Patentante. Als Jüngste teilt sie sich das chaotische Zimmer mit der koquetten Lady Sarah, deren Oberflächlichkeit Grace nervt und Mary Shelton, zu der ihr nichts einfällt... Sie stromert lieber mit Hausmädchen Ellie und dem jungen Gaukler Masou durch die Gegend und trifft sich mit ihnen heimlich im Garten, vor allem, wenn sie die Hunde der Queen ausführt. Vor dem Ball zum Valentinstag graut es ihr, denn es soll nicht nur ihr erster offizieller Ball werden, sie soll sich auch unter den drei von Elisabeth I gewählten Anwärtern ihren künftigen Verlobten aussuchen: Sir Charles, der zwar freundlich und gutmütig ist und ihr geduldig das Reiten beibringt, aber leider auch alt und dick, Lord Gerald Worthy, Neffe ihres Vormundes überheblich und auch für Grace Geschmack zu alt und vor allem zu gemein und letztendlich der stotternde Lord Robert, der arm ist wie eine Kirchenmaus, aber wenigstens erst 20 Jahre alt... Doch in der Nacht nach dem Ball wird Grace von lautem Getöse wach: Lord Gerald liegt erstochen in seinem Gemach und alle Spuren deuten auf Lord Robert, dennoch kann sich Grace nur über das seltsame Verhalten von Sir Charles nur wundern... Mit Billigung der Queen und Unterstützung ihrer Freunde, ist Grace entschlossen die Wahrheit herauszufinden. Wie aufregend!

 

Tatsächlich hat mir der Auftakt zu dieser neuen historischen Krimireihe für Kinder ausgesprochen gut gefallen! Lady Grace ist super sympathisch und auch wenn sie nun ein Waisenkind aus bester Familie ist, mag ich ihre Abenteuerlust, ihre Pfiffigkeit und ihren Eigensinn. Sie wählt ihre Freunde nach ihrem Charakter und ihren Interessen, nicht nach ihrem Stand. Ungerechtigkeit ist ihr zuwider, Ungereimtheiten erst recht!

 

Als Patentochter und einziges Kind der einst liebsten Hofdame ihrer Majestät, kennt sie die legendäre 1. Königin des Landes tatsächlich recht gut und durch sie, bekommen wir einen wirklich guten Blick auf eine der schillerndsten Frauen der britischen Geschichte. Nicht nur das, es haben sich für mich auch so einige Rätsel gelöst, wie: wie hat man damals eigentlich die Zähle geputzt? Irgendwas müssen sie doch gemacht haben! Ja, haben sie und auf die Antwort wäre ich nicht gekommen.... Sehr schön und verständlich finde ich auch einige Bräuche erklärt: warum muss sich Grace nun einen Verlobten aussuchen? Muss sie den dann auch sofort heiraten? Im Anhang wird die Geschichte historisch eingeordnet, auch seine Figuren und das Glossar verrät, was sich hinter so manchem unbekannten Begriff versteckt.

 

Die Geschichte ist als Tagebuch verfasst, in der direkten Ich-Perspektive und so könnten wir stets an Lady Grace Gedanken teilhaben darüber, worüber sie sich wundert, was sie fürchtet und auch, welche Bedeutung einige Dinge damals hatten und wie man sich kleidete. So ist sie stets in Sorge, ihre Kleidung mit Tinte zu bekleckern, da Kleidung wahnsinnig teuer war... und die Waschmaschine natürlich noch nicht erfunden. Das ist ebenso interessant, wie unterhaltsam und hat mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Die Kapitel sind natürlich die jeweiligen Tage, wobei Grace in ihrem Schreibfluss natürlich ständig unterbrochen wird und sie heimlich neu ansetzen muss... Die jeweiligen Tage und Abschnitte sind mit Schwungvollen Überschriften ganz im Tagebuchstil, aber ohne Kleckse verziert.

 

Der Kriminalfall ist in sich schlüssig und es lohnt sich aufmerksam zu lesen, denn dann kann man mit Grace schon auf so manche Spur gelangen, wobei die Infos von Ellie und Masou natürlich Gold wert sind...

 

Auch wenn Lady Grace und ihre Freunde am Ende den Fall natürlich lösen, so wird sicherlich so manche Leserin erstaunt über die Entwicklung zum Schluss sein. Fest steht nur: Lady Grace wird wachsam und neugierig bleiben und loyal zu ihren Freunden und der Queen stehen!


Unbedingte Leseempfehlung ab 12 Jahren!

 

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Knesebeck Verlag für mein Rezensionsexemplar!

 

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