Dienstag, 9. Mai 2023

Timi Travel (2) und die Feder des Phönix, Elisabeth Pfeffer, Illustration Lisa Stachnick, Fairyland Verlag

 

Timi Travel (2) und die Feder des Phönix, Elisabeth Pfeffer, Illustration Lisa Stachnick, Fairyland Verlag

 

Timi Travel (9 Jahre) liest gerne, ist schlau, hilfsbereit und eigentlich ein ruhiger Stubenhocker, ganz anders als seine quirlige beste Freundin Romina Redfox genannt Romi (8 ¾), die immer auf der Suche nach neuen Abenteuern ist. Dank Timis Tante Trude, die ihm eine geheimnisvolle Holzkiste geschenkt hat, durch sie sie in die geheime Welt von Newelia reisen können, haben sie gerade erst eines hinter sich und weil sie dort der Zauberer Finix um Hilfe gebeten hat, nun auch eines vor sich. Sie müssen zurück nach Newelia reisen und die Feder eines Phönix, die Wurzel einer Alraune, die Schuppe eines Basilisken, das Blut einer Riesenkrake und den Speichel eines Werwolfs sammeln... Das ist nicht nur aufregend und herausfordernd, sondern auch ziemlich gefährlich! Sie landen dieses Mal an einem friedlich aussehenden See und Romi verwandelt sich wieder in einen flauschigen Flugs mit Flügeln. Doch der Schein trügt und nicht nur ein Seeungeheuer macht ihnen Beine, sie geraten auch schon bald inmitten einen Drachenkampf, oder sind sie etwa hinter ihnen her?

 

Beim ersten Band sah ich noch Steigerungspotential, denn er war mir etwas zu düster für die junge Zielgruppe ab 2./3. Klasse. Dieser Band ist vor allem eins: rasant und aufregend, aber doch auch sehr Mut machend, denn es geht auch um Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Hoffnung! Zwischendurch gibt es auch Momente zum Schmunzeln. Ach ja, natürlich sind die zwei erfolgreich, aber ihre Mission ist noch lange nicht vorbei!  In einfachen, aber nicht eintönigen Sätzen, die auch für Kinder mit Leseschwäche gut zu bewältigen sind, wird hier in angenehm großer Schrift ein spannendes Fantasyabenteuer für Jungen und Mädchen und Drachenfans erzählt. Die Kapitel sind auch übersichtlich und auch für Kinder mit Leseschwierigkeiten gut zu schaffen, so dass sie erste Erfolgserlebnisse bekommen, die sie gleich noch bei Antolin durch das Sammeln von Punkten dort weiter ausbauen können! Anders als bei den meisten Leseanfängergeschichten, geht es nicht um Alltägliches, sondern um große Abenteuer, um der jungen Zielgruppe gleich zu zeigen, welch aufregende Welten sich in Büchern verstecken können. Damit es nicht bei diesem einen Buch bleibt, ist es eine fortlaufende Abenteuerreihe, die zwar in sich abgeschlossen ist, aber dessen Start mit Band 1 zu empfehlen ist. Elisabeth Pfeffer erzählt sehr aufregend, und doch kindgerecht und lässt sich so manche überraschende Wendung einfallen. Daher eignet sich diese Reihe bewusst nicht nur für Leseanfänger, sondern auch für ältere, leseschwächere Kinder, für die es auch extra konzipiert wurde, was ich super finde!

 

Die Doppelseiten sind alle vollfarbig mit fantasiereichen Illustrationen von Lisa Stachnick illustriert. Sie gehen manchmal über 2 Seiten, oder umranden eine Doppelseite, auf jeden Fall ergänzen sie nicht nur ganz eindrucksvoll dieses magische Abenteuer, sie lockern auch die Seiten auf und machen bereits neugierig auf die nächste Seite, als Appetitanreger so zu sagen. Dazu kommt in der vorderen Umschlagklappe je eine große Illustration von Timi und Romi, mit einer kurzen Charakterisierung und einem Notizzettel mit den Dingen, die sie für Finix suchen müssen. Nur falls man mal wieder was vergessen hat... In der hinteren Umschlagklappe findet sich hingegen eine Übersichtskarte über Newelia, wo man sehen kann, wo sie im 1. Band waren, das Vulkangebirge, in welchem dieses nicht nur Drachen tummeln in diesem Band und all die abenteuerlichen Orte, an die es die beiden in ihren nächsten Abenteuer verschlagen könnte. Das steigert zum Schluss noch mal so richtig die Vorfreude, auf die Fortsetzung.

 

Ganz herzlichen Dank an den Fairyland Verlag für mein wunderschönes Rezensionsexemplar!

 

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Montag, 8. Mai 2023

Das Schweigen in mir, Layla AlAmmar, gelesen von Katja Danowski, GoyaLiT, 1 MP3 ca. 9h

 

Das Schweigen in mir, Layla AlAmmar, gelesen von Katja Danowski, GoyaLiT, 1 MP3 ca. 9h

 

Sie ist „die Stimmlose“ eine junge Journalistin, die vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat Syrien floh. In Damaskus studierte sie englische Literatur und wählte daher das Land ihrer literarischen Vorbilder als Zufluchtsort, während es den Rest ihrer Familie nach Ägypten zog, in eine vertrautere Kultur. Die Traumata des Krieges und der Flucht haben sie in sich kehren lassen, ihre Stimme versagt den Dienst, sie kann sich nur noch schriftlich äußern und um sie herum hält man sie für stumm und taub. Doch sie bekommt alles mit, was in ihrer Nachbarschaft, in diesen sozial schwierigen Wohnblocks in einer Stadt mitten in England passiert. Wenn sie nicht gerade an einem neuen Artikel für eine Online-Zeitung schreibt, beobachtet sie ihre Nachbarn im Hof, auf der Straße und in ihren Wohnungen. Sie beschreibt deren Alltag, wie sie auch ihren Alltag in Damaskus und auf der Flucht beschreibt: detailliert, eindringlich und illusionslos. Sie nimmt nicht wirklich am Leben teil, sondern beobachtet nur. Die Stimmlose beobachtet nur von der Seitenlinie aus, glaubt aber alle bestens zu kennen. Zwischendurch setzt sie sich mit der Kritik ihrer Redakteurin auseinander, die sie in Frage stellt, ihre Erlebnisse, mit Emotionen und Tränen wünscht. Doch die Stimmlose hat ihre Emotionen in ihrem Inneren verschlossen, um sich zu schützen, analysiert lieber, bis ihr ihre neue Umgebung keine Wahl mehr lässt.

 

Eine sehr ungewöhnliche Geschichte, sehr eindringlich, auch wenn sie mehr auf Beobachtung und Analyse als auf Gefühlsausbrüche gründet. „Die Stimmlose“ erzählt vom Exil, der Flucht und der Heimat, schonungslos, aber ohne große Effekte. Es ist, als sähe sie ihr Leben in Slow-Motion an sich vorüberziehen. Stets um einen objektiven, analytischen Blick bemüht, fragt sich ihre Redakteurin, ob jemand, der all dies erlebt haben will, so rational, so emotionslos sein kann. Dabei hält sich „Die Stimmlose“ die ihren Namen nicht offenbaren will, noch zurück, eigentlich war es viel schlimmer, so schlimm, dass sie zu zerbrechen droht und ihre Stimme versagt. Doch ihre Gedanken sind nun endlich frei und wollen sich Gehör verschaffen. Eine Online-Zeitung bietet ihr ausreichend Anonymität und sie muss weder ihren Namen, noch ihr Gesicht preis geben. Wir erhalten einen Einblick in das Leben der intellektuellen Elite Syriens, vor dem Bürgerkrieg, wie es losging, nicht mehr aufzuhalten war und was Flucht eigentlich bedeutet. Wie schlimm muss es in einem Heimatland eigentlich sein, damit mal all das auf sich nimmt? Sie konfrontiert uns aber auch mit unseren eigenen Vorurteilen und dem Rassismus und Antiislamismus mit welchem sie und ihresgleichen in der vermeintlichen Sicherheit konfrontiert werden.

 

Ein Roman voller Beobachtungen und Gedanken, den man erst mal sacken lassen muss und der neben einer Flucht auch das Beziehungsgeflecht einer ganz normalen, durchwachsenen Nachbarschaft erzählt. Eine Nachbarschaft, die „Die Stimmlose“ immer mehr zu einem Teil von sich selbst macht. Auch wenn es zu Beginn keine Handlung zu geben scheint, merkt man bald, dass dies ein Irrtum ist.

 

Katja Danowski interpretiert dieses Schicksal, sowie das der Nachbarschaft dieser Exilantin nachdrücklich und nachdenklich. Es bleiben dadurch immer wieder einzelne Szenen im Gedächtnis haften und lassen es nicht los. Ihre scheinbare Emotionslosigkeit begreift man alsbald als Teil mehrerer tiefsitzenden Traumata, die „Die Stimmlose“ fest im Griff haben. Es scheint, als erzähle Layla AlAmmar ihre eigene Geschichte, doch stimmt dies nicht, sie wuchs in Sicherheit in Kuwait in der Heimat ihres Vaters auf und studierte kreatives Schreiben in Edinburgh, doch könnte solch ein Schicksal nicht jede treffen, ist es nicht eher Zufall, wem dieses Schicksal ereilt. Daher erzählt sie es exemplarisch, für all jene, die ihrem Schicksal keinen Ausdruck verleihen können...

 

Ein Hörbuch, das nachwirkt.

 

Ganz herzlichen Dank an GoyaLiT für mein Hörexemplar!

 

Hier findet Ihr eine Hörprobe:

https://www.jumboverlag.de/das-schweigen-in-mir/index.php?cNG=540d887c-f20c-11ea-948b-001c42406321&productId=3496

 

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