
Julia und der Hai, Kiran Millwood Hargrave, gelesen von Birte
Schnoink, Sauerländer Audio 266 min, ungekürzt
Julia (10) lebt mit Katze Noodle und ihren Wissenschaftlereltern
in Cornwall. Doch diesen Sommer siedelt die Familie in einen Leuchtturm auf den
einsamen Shetlandinseln um, da ihr Vater ein Programm entwickeln soll, das den
Leuchtturm automatisch steuert. Ihre Mutter als Meeresbiologin ist begeistert,
hofft sie doch auf spannende Forschungen an ihrem Lieblingstier, dem Grönlandhai,
welcher nur ganz selten von Menschen gesichtet wird. Julia ist nur mäßig
begeistert von dem dortigen rauen Klima, den Ferien ohne ihre Freunde, aber sie
möchte sich ihrer Mutter zu liebe Mühe geben. Niemanden bewundert sie mehr, als
ihre fröhliche, enthousiastische Mutter, die voller Tatendrang und Begeisterung
die Bewilligung von Forschungsgeldern beantragt. Bis es soweit ist, zieht sie
auf eigene Kosten los und erzählt Julia die spannendsten Infos über die raue
See und die uralten Grönlandhaie. Während Julia langsam Freundschaft mit einem
gleichaltrigen Außenseiter schließt, dessen Eltern aus Indien stammen und eben
noch nicht seit Generationen auf den Shetlandinseln leben, verliert sich ihre
Mutter immer mehr in ihren Forschungsträumen.

Julia befindet sich zu Beginn der Pubertät, dem Alter in dem
Eltern beginnen peinlich zu werden. Aber irgendwie findet sie die Exzentrik
ihre Mutter immer bewunderswert und aufregend, während ihr vernünftiger, Zahlen
liebender Vater echt peinlich wird. Ein bisschen kann ich es verstehen, ja, er
macht schon mal „alte-Leute-Dinge“ aber er ist auch sehr vernünftig und
verantwortungsbewußt, gleichzeitig aber auch liebevoll. Ich mag den
Herrn-der-Zahlen, auch wenn Julia und ihre Mutter es mehr mit Worten haben. Ich
finde ja beides gleich wichtig. Auch wenn ich Worte liebe, verkenne ich nicht
den Reiz unbestechlicher Zahlen. Die Vorliebe für die Mutter empfinde ich als
ungerecht, da ich sie schon zu Beginn manchmal etwas überdreht finde und somit
mindestens so peinlich, wie den Vater mit seinen Muskellockerungsübungen. Die
Kontaktaufnahme zwischen den zwei jungen Außenseitern wird sehr senibel und
vorsichtig beschrieben und ich habe mich lange gefragt, was denn Adrian für ein
Problem mit ihnen hat, denn die Kinder werden nicht über ihre Optik, sondern
über ihre Worte und Taten beschrieben. Als Heransgehensweise finde ich es sehr
interessant. Während sich ein Mobbingszenario langsam zuspitzt, wird auch
Julias Mutter immer eigenwilliger und ihr Vater deutlich besorgter. Lange
fragte ich mich, ob es in einem Kinderbuch über Bi-Polare-Störungen wirklich
noch eines Mobbingthemas bedarf, oder ob das nicht etwas zu viel des Guten sei.
Hier kam dann allerdings eine interessante These im Umgang mit Mobbern von
Julias Mutter ins Spiel, die ich wirklich überlegenswert finde und deren
Umsetzung eine ungeahnte und unbeabsichtigte Eigendynamik auslöst, die die
Geschichte erst so richtig rund macht. Denn seien wir ehrlich, das Thema der
psychischen Gesundheit kann man Kinder nicht im vollen Umfang deutlich machen.
Man ahnt es und es nimmt eine gefährliche Wendung, geht aber gut aus. In all
seinen Facetten wäre das Krankheitsbild der manischen Depression für Kinder
auch zu viel, zu Mobbing finden sie einen anderen Zugang. Da aber nicht nur immer
mehr Eltern, sondern auch Kinder unter der Krankheit leiden, sind es zwei
wichtige Themen die miteinander verwoben werden und nebenbei lernen wir noch
spannnendes über Meereslebewesen und die klare Struktur von Zahlen.
Birte Schnöink mag ich eigentlich als Interpretin sehr gerne,
allerdings empfinde ich sie hier nicht auf der Höhe ihres Könnens. Sie spricht
mir teilweise zu teilnahmslos, obwohl sie ja auch Julias Perspektive erzählt,
so könnte sie die Schrullen ihres Vaters durchaus humorvoller präsentieren,
denn nicht Julia ist depressiv... Das würde dem Hörbuch bisweilen eine
erholsame Leichtigkeit verleihen. Ihr Stimme klingt angenehm und jung, durchaus
passend für ein Kind.
Die Atmosphäre auf den windumtosten Shetlandinseln passt sehr gut
zum Thema der inneren Kämpfe dieser Familie und macht die Stimmungen gut
spürbar.
Ein Hörbuch, das zum Nachdenken anregt und auch zum mehrfachen
Hören, weil es immer wieder neue Aspekte und Gedanken zu entdecken gibt. Es ist
für Kinder ab 10 Jahren auch verständlich, was die Krankheit der Mutter für die
Familie bedeutet, ohne die Zielgruppe zu sehr zu belasten. Dennoch empfehle
ich, das Hörbuch gemeinsam zu hören.
Das Buch ist mit zahlreichen, sehr emotionalen drei-farbigen
Illustrationen von Tom de Freston bereichert. Diese sind genau wie das Cover
ungewöhnlich emotional ausdrucksstark mit leuchtend gelben Elementen in einer
schwarz-grau-weißen Umgebung. Es gibt halt auch in den dunkelsten Momenten
immer einen Lichtschimmer. Je emotionaler die Szenen der Geschichte, desto
dichter und zahlreicher die Illustrationen, das finde ich wirklich
beeindruckend!
Ich bedanke mich ganz herzlich beim Argon Verlag für mein
Hörexemplar.
Hier findet Ihre eine Hörprobe:
https://www.argon-verlag.de/hoerbuch/hargrave-julia-und-der-hai-2009502/
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