Samstag, 1. Juli 2017

Penny Pepper 5 – Spione am Strand, Ulrike Rylance, Illustraitonen Lisa Hänsch, dtv junior



Penny Pepper 5 – Spione am Strand, Ulrike Rylance, Illustraitonen Lisa Hänsch, dtv junior
Endlich Ferien, für uns und Penny Pepper! Während es hier regnet, darf Penny mit ihrer Familie und Ida nach Fiorento in Italien auf einen Campingplatz am Meer, mit Diktiergerät, aber ohne Handy! Nun Mama darf als Zahnärztin wegen Notfällen ihr Handy mitnehmen. Wie unfair. Flora und ihre wohlhabenden Eltern wollen mit Marie zum Gletscher-Abenteuer-Urlaub nach Island fliegen, aber so ein Vulkan mit unaussprechlichem Namen, legt die Flugroute lahm und so reisen sie auch nach Fiorento ins 5 Sterne Hotel Luxurioso. Dort gibt es neben dem schleimigen Kellner Luigi, dem geldgierigen Portier Alfonso auch einen geheimnisvollen Handtuch- und Bademantelschwund. Für diese Diebstähle wird ausgerechnet die Blutbachtocher (na so was! Wie kommt denn die Nachbarstochter als Zimmermädchen nach Fiorento?!) verantwortlich gemacht. Das trauen die Super-Detektivinnen selbst der Blutbachtochter nicht zu. Ganz klar, da müssen sie ermitteln! Wenn das kein aufregender Urlaub zu werden verheißt!
Mit vielen lustigen Illustrationen und witzigen Detektivtipps z.B. zu den besten Verstecken zum Observieren oder wie man am besten Fangfragen stelllt.
Da sich dieser Comicroman an sehr junge Leserinnen richtet, ist ihnen der typische Ermittlerslang ebenso unbekannt, wie die Sprache der Luxushotels. Kein Problem, derartige Begriffe werden mit Sternchen versehen und in kleinen Kästchen erklärt. Dies erfolgt so lustig und aus Kindersicht, daß es sich auch lohnt, diese Erklärungen zu lesen, wenn man Begriffe wie Suite schon kennt. Es ist einfach witzig, das sollte man nicht verpassen.
Aufgemacht ist das Buch wie eine Kladde, mit weichem Einband, fester als ein Taschenbuch, aber flexibler als ein Hardcover. Die angedeuteten Rechenkästchen am Seitenrand verstärken diesen Eindruck, daß es sich um ein Detektiv-Notizbuch handelt noch mehr, ebenso wie die handschriftlichen Notizen und Durchstreichungen (durchgestrichen werden stets Pennys ungeschminkte Einschätzungen, die dann in eine schmeichelhaftere Sprache korrigiert werden.).
Neben den vielen Illustrationen gibt es auch ganz viele verschiedene Schriftarten, die die Seiten zusätzlich auflockern und so auch kleine Lesemuffel vergessen läßt, daß sie tatsächlich gerade ein ganzes Buch verschlingen. Denn auch wenn es ein Comic-Roman ist, ist es vor allem ein wirklich witziges und originelles Kinderbuch, daß einen dreisten organisierten Handtuch- und Bademanteldiebstahl herrlich aus Kindersicht beschreibt. Dabei fließt jede Menge Eiscreme und bisweilen auch Chanel No. 5., denn Penny und Ida versuchen sich auch mit mäßigem Erfolg als Zimmermädchen.
Meine jüngste Tochter fand das so spannend, daß sie heimlich bis zum Ende alle Bilder betrachtete und mir dann immer die Täter verraten wollte, aber nicht mit mir. Auf jeden Fall kicherte sie ständig vor sich hin, während sie sich alle kleine und großen Zeichnungen anschaute, denn Lisa Hänsch versteht es trefflich mit relativ wenig Strichen Gesichtsausdrücke festzuhalten – von verschlagen, bis zum Tode betrübt hat sich alles auf dem (Tusch-)Kasten. Außerdem ist im Inneneinband noch ein Lageplan von Fiorento mit Strand, Campingplatz, Luxurioso und Piazza.
Dieses Camping-/Luxusressort-Urlaubs-Detektiv-Abenteuer bringt super in Urlaubsstimmung und lässt auch kleine Lesemuffel am Buch hängenbleiben. Auch wenn dies bereits der 5. Band der Serie ist, so kann man wunderbar mit diesem einsteigen, denn eigentlich wird alles so witzig erklärt, daß man sofort weiß, wer wer ist und Penny-Profis dennoch nicht durch Wiederholungen gelangweilt werden.
Tolle Urlaubslektüre oder Zeugnis-Belohnungsgeschenk für Mädels ab knapp 8 Jahren. Das Beste will ich zum Schluß nicht vorenthalten: Penny, Ida, Flora, Marie, Mailie und Dschastin ermitteln demnächst schon in ihrem 6. Abenteuer denn die Detektiv-Mädels gehen ab dem 4. August 2017 auf Klassenfahrt. Das ist sicher ebenso witzig und spannend.
Wir d.h. Franziska (fast 8 Jahre) und ich finden Penny super und legen sie allen Mädels an’s Herz die entweder Detektivinnen werden wollen, nicht gerne lesen oder auch gerne einen Hund hätten. Ein klarer Fall von 5 von 5 Sternen!

Donnerstag, 29. Juni 2017

Tod und Amore, (emons Sehnsuchtsorte) Andrea Süssenbacher, emons Verlag



Tod und Amore, (emons Sehnsuchtsorte) Andrea Süssenbacher, emons Verlag
Die junge erfolgreiche österreichische Krimischriftstellerin Alexandra Hüttenstätter zieht sich zum Schreiben in das malerische Örtchen Cormons zurück. Zuerst in eine schäbige kleine Wohnung, bis ihr kleines Traumhäuschen mit Garten am Ortsrand überraschend frei wird, warum erfährt sie zunächst nicht. Doch was sich so wunderbar zu fügen scheint, entwickelt sich schnell zum Albtraum. Der Frühsommer ist kalt, das Haus zugig, die Kaffeekanne zerbricht. Auf dem Weg zum Einkaufszentrum hat sie einen Unfall mit einem Unbekannten, schneidet sich die Hand an ihrer herunterhängenden Stoßstange auf, die sie wütend abreißt…… Als sie sich endlich in ihre Arbeit vertieft, wird sie überraschend festgenommen. Ihre Vormieterin ist angeblich plötzlich verschwunden und nun ist ihre Leiche im nahegelegenen Fluss gefunden worden, überfahren, unweit der Stelle, an der ihre blutige Stoßstange liegt. Commissario Medeot scheint sich auf sie eingeschossen zu haben und ihr etwas anhängen zu wollen. Als ihr Schwager, ein schmieriger Anwalt sie aus der Haft frei bekommt, will sie nun endlich schreiben, doch wird unversehens nachts in ihre Hütte eingebrochen. Alexandra schlägt einen der Eindringlinge nieder und kann gerade noch fliehen. Dank ihrer Krimirecherchen kennt sie in Grado einen ehemaligen Kunstdieb, der ihr helfen soll zu klären, was es mit dem geheimnisvollen Amulett auf sich hat, daß Alexandra in der Hütte fand.
Eine gnadenlose Flucht durch Norditalien beginnt, und es ist nicht nur die Polizei hinter Alexandra und dem verführerischen Angelo her.
Eine malerische Gegend und doch ist schon der Prolog finster und geheimnisvoll. Auch wenn dieser Krimi an einem Sehnsuchtsort spielt und die Schönheit Venedigs und des Friauls selbst auf der Flucht noch zu spüren sind, so ist dieser Krimi vor allem eins, unglaublich spannend, na gut, und emotional. Denn Alexandra ist auf der Flucht und weiß nicht vor wem und weshalb. Wem kann sie denn nun trauen, wenn schon die Polizei ihr anscheinend etwas anhängen will? Angelo Cherubini ist ein Frauenschwarm, doch Alexandra ist auf der Hut. Nicht umsonst wurde er verurteilt und ausgerechnet ihm soll sie Ihr Leben anvertrauen? Gerade diese ständigen Zweifel, bei der Frage wer denn nun gut und wer böse ist, haben einen besonderen Reiz, weil die Zweifel bis zum Ende erhalten bleiben und man mit Alexandra stets am Zweifeln und auf der Hut ist. Dennoch genießt sie den Adrenalin-Kick und auch in der höchsten Gefahr ist sie Angelos Schönheit und Charme gegenüber nicht immun. Sie hat das Gefühl endlich zu leben. Doch liegt das an Angelo oder an dem kniffeligen Rätsel, daß sie zu knacken hat. Denn das Amulett verbirgt viel mehr als es auf den ersten Blick scheint. Und so mischt sich unter die Amore noch eine Prise Da-Vinci-Code und Casanova. Nicht nur durfte ich auf der Flucht durch die Kanäle die Schönheit Venedigs genießen, ich habe auch eine Menge gelernt, nicht nur über Casanova, sondern auch, warum meine Schwester Venedig furchtbar stinkig und dreckig fand und ich hingegen wunderschön. Tja, zwischen unseren Besuchen lagen mindestens 15 Jahren, in denen wohl einiges unternommen wurde, um den früheren Glanz wieder herzustellen. Auch habe ich einiges über Codes und Vermessungsnormen gelernt. Leider ist mein Italienisch noch genauso mies wie zuvor, so daß ich die italienischen Sätze, welche nicht übersetzt wurden, nicht verstand. Ich konnte dem Buch dennoch folgen, aber es ärgerte meinen Wissenshunger.
Auch wenn ich ganz sicher nicht immer so gehandelt hätte wie Alexandra (ich bin ja keine Krimi-Autorin, sondern beizeiten Strafverteidigerin/Nebenklagevertreterin), so fand ich sie stets sympathisch, auch in ihrer Verwirrung und ihrer Schlaflosigkeit.
Der Stil ist wirklich sehr flüssig und nach den ersten Kapiteln sehr packend, so daß man nur so durch die Seiten rast. Die Perspektivwechsel schaffen es, den Leser immer weiter zu verwirren, bei der Frage, wer denn nun auf der Seite der Wahrheit steht und wer nicht.
Für einen Debütroman sehr beachtlich, denn auch wenn ich nicht immer gehandelt hätte wie Alexandra, fand ich das Ende sehr gelungen und nachvollziehbar. Keine losen Enden, keine emotionalen Ungereimtheiten und vor allem keine Dreiecksbeziehungen!
Daher vergebe ich gerne 4,5 Sterne, die ich auf 5 aufrunde.