Montag, 29. Mai 2017

P.F.O.T.E. – Ein (fast) perfekter Hund, Bettina Olbrecht, Barbara Scholze, cbj


PP.F.O.T.E. – Ein (fast) perfekter Hund, Bettina Olbrecht, Barbara Scholze, cbj
Janne und ihr jüngerer Bruder Flip wachsen in bescheidenen Verhältnissen auf. Daher können sie aus finanziellen Gründen auch in diesen Sommerferien nicht verreisen. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn sie wenigstens einen Hund haben dürften, das ist doch ihr sehnlichster Wunsch! Aber ihre Eltern sind strikt dagegen, die sind laut, machen Dreck und sind teuer!
Ganz in der Nähe wird in einem Forschungsinstitut von Pet-O-Lab an dem perfekten Hund gezüchtet. Er darf nur einmal am Tag bellen, es sei denn er erwischt einen Einbrecher, ist familienfreundlich, fröhlich,  und mittels eines Sprachhalsbandes kann er sich sogar mit Menschen unterhalten! Bei einem Exemplar genannt P.F.O.T.E. scheint dies geglückt zu sein, allerdings fühlt er sich im Versuchslabor in seinem Käfig nicht wohl. Als jemand aus Versehen seinen Käfig nicht richtig geschlossen hat, entkommt er und selbst der einzig nette Forscher Paul, der es sieht hält ihn nicht auf! Begeistert erkundet er die ihm völlig unbekannte Außenwelt! Was für ein Abenteuer, er weiß nicht ob er die Menschen oder die Tiere seltsamer finden soll. Klar ist nur, daß Zitroneneis, daß Janne heruntergefallen ist, schmeckt besser als alles was er bisher probiert hat und auch sonst sind die Kinder ausgesprochen sympathisch!
Welche Eltern kennen das nicht? Die Kinder wünschen sich sooooo sehr einen Hund oder wenigstens eine Katze! Aber nein, es gibt so viele gute Gründe dagegen! Nicht jedoch bei dem fast vollkommenen Hund. Es ist einerseits sehr witzig, wie P.F.O.T.E. die ihm völlig fremde Außenwelt erkundet, da er ja keinerlei Erfahrung hat und z.B. gar nicht weiß was eine Katze ist.  Er ist hin und hergerissen zwischen seiner Abenteuerlust und dem Pflichtgefühl ins Labor zu seiner Familie zurück zu kehren. Forscher Paul war ja auch immer sehr nett zu ihm, aber Zitroneneis schmeckt einfach besser, als das Laborfutter.
Sehr gut gefiel meinen Kindern mal einen Blick in den Hundekopf zu werden. Will P.F.O.T.E. eigentlich in einer Familie leben, wenn das Leinenzwang und geschlossene Wohnungstüren bedeutet? Der Gedanke, daß der Hund sich frei für seinen Lebensort entscheiden kann und dies vorrangig vor der Überzeugung der Eltern ist, ist wirklich mal ein schöner neuer Blickwinkel in dieser Geschichte.
Bettina Olbrecht erzählt die Geschichte schön kindgerecht, mal aus Sicht von P.F.O.T.E. mal aus der von Janne und Flip. Dabei geht es nicht nur um die Frage, was möchte der Hund, sondern auch, wie viel Perfektion ist wünschenswert? Wäre es nicht langweilig, wenn es nur noch perfekte Hunde gäbe? So können auch Kinder bereits für sie verständlich über Sinn und Grenzen von Forschung überlegen. Gut gefiel mir, daß die Sprache auf unnötige Anglizismen verzichtete und unbekannte Begriffe, erklärt wurden. Meistens erklärt Janne die Dinge für ihren jüngeren Bruder.
Selbstverständlich ist soll ein Forschungshund sehr wertvoll und kann nicht einfach abhauen, ohne daß nach ihm gesucht wird, daher wird dieses tierische Abenteuer auch noch ganz schön spannend, da es sich nicht nur um die Fragen dreht, ob P.F.O.T.E. sich für ein Leben bei den Kindern entscheidet, oder ob ihre Eltern zustimmen, nein, es stellt sich auch die Frage, ob P.F.O.T.E. dauerhaft vor dem Labor gerettet werden kann!
Aber natürlich trifft P.F.O.T.E. in Freiheit auch viele spannende tierische Helden, mit eigenwilligen Namen, die wunderbar von Barbara Scholz gezeichnet wurden, deren Illustrationsstil die Kinder sofort erkannten und andere von ihr illustrierte Bücher aus dem Regal zogen. Die Illustrationen sind wirklich schön gleichmäßig und farbig über das Buch verteilt. Auf Seiten ohne größere Illustration sind dann P.F.O.T.E.s Spuren am Rand zu entdecken und am Ende eines jeden Kapitels gibt es ein kleines Bild von Pfote.
Zuerst lauschten die Kinder ganz leise und ich befürchtete, es würde sie langweilen, aber dann zückte die Jüngste Papier und Buntstifte und malte drauflos! Sie gab sich so viel Mühe, daß es auch kein Geburtstagsgeschenk zum 92. Geburtstag von Oma werden durfte!
Ein wirklich vielschichtiges Abenteuer mit Spaß, Spannung, Herz und Grips für Jungen und Mädchen ab 8 Jahren, das zu begeistern versteht und das wir gerne mit 5 von 5 Sternen weiterempfehlen.
Wir bedanken uns ganz herzlich beim Bloggerportal für dieses wunderbare Rezensionexemplar.



Freitag, 26. Mai 2017

Lilo auf Löwenstein – Ab ins Schloss, Mara Andeck, Eleni Livanios, Boje Verlag



Lilo auf Löwenstein – Ab ins Schloss, Mara Andeck, Eleni Livanios, Boje Verlag
Lilo heißt eigentlich Lisa Lorenz, ist 11 Jahre alt und träumt von großen Abenteuern. Leider wohnt sie mit ihren Eltern und ihrem 10 Monate alten Bruder Ben in einer winzigen Stadtwohnung im gleichen Haus wie der stets schimpfende und brüllende Vermieter Herr Frenk. Als sie auf der Suche nach neuen Abenteuern vom Baum fällt, muß sie wegen einer Gehirnerschütterung ihr Hirn ausruhen und hat anschließend die besten Ideen: Sie müssen dringend weg von Herrn Frenk und brauchen eine neue Wohnung. Der Rest der Familie ist begeistert und Papa Flo hat als Architekt direkt das perfekte Objekt an der Angel: eine der drei Wohnungen auf Schloss Löwenstein die der Graf vermietet um den Unterhalt des Schlosses bezahlen zu können! Das Schloss liegt in einem riesigen Park mit Fluss, See, Wald, Schuppen und Scheuen und allem was so ein Abenteurerherz begehrt. Schon beim Umzug schließen Ben und Lilo Freundschaft mit David dem Sohn von Papas Freund, der beim Umzug hilft. Sie haben einfach riesen Spaß, bis die Töchter der neuen Nachbarn untendrunter die neue Harmonie stören. Aber nicht alle Nachbarstöchter sind so zickig wie die schöne Helena Lavendel, die eingebildete Älteste. Ein Sommer voller Abenteuer und Geheimnisse beginnt.
Lilo liebt Abenteuer und möchte später über sie schreiben! Daher müssen in dieser Geschichte natürlich Abenteuer vorkommen, allerdings sind es solche, die Kindern durchaus passieren könnten, ohne daß sie in unsinnige Gefahr gerieten. So ist es spannend, aber entstammt dennoch der realen Kinderwelt (auch wenn Kinder meistens nicht auf Schlössern wohnen). Aber es geht eben auch um Neuanfänge und Freundschaft. Lilo Schulferien beginnen, sie hat jede Menge Zeit aber ihre zwei besten Freundinnen sind erst einmal wochenlang verreist und wohnen nun ja auch nicht mehr direkt um die Ecke. Sie darf nun in einem Schloss mit Abenteuergarantie leben, aber sie muß sich auch neu positionieren, denn die neuen Nachbarn haben drei Töchter und David der Sohn von Papas altem Schulfreund, der aus Amerika zurück gekehrt ist, kommt nun auch ständig zu Besuch.
Gut gefällt mir, wie Lilo mit der ältesten Nachbarstochter Helli umgeht. Das erste Zusammentreffen ist eine Katastrophe, aber sie meistert die Situation ganz alleine und mit Bravour! Gut, sie verkriecht sich erst mal, aber vor allem weil sie Zeit zum Nachdenken braucht und ihr ist bewußt, daß sie sich nicht ewig verstecken kann. Das gefällt mir sehr gut, es ist eine sehr kindgerecht Situation und dennoch kann das Kind aus seinem eigenen scheinbaren Teufelskreis ausbrechen. Das macht Mut und stark. Sie schafft es, sich von Helli nicht unterkriegen zu lassen, obwohl diese sich echt Mühe gibt, sich auf Lilos Kosten zu profilieren. So ist es kein Buch über Mobbing, sondern über Stärke, Mut und Freundschaft. Denn natürlich findet Lilo Freunde, aber daß dies von Lilo erst mal selbst geheim gehalten wird, will ich es auch nicht verraten. Denn in diesem Buch beschreibt Lilo ihre Abenteuer von dem Moment an, als sie vom Baum fiel. Beim Erzählen der Geschichte hat sie Unterstützung von einer vorerst unbekannten Person, die ihren Namen in den Teilen, die von dem Erzählprozess berichten, immer mit böpppp wegzensiert wird. Das ist lustig, ebenso wie die in grün gedruckten Gespräche der zwei Kinder und Lilos Feelies. Während die Abenteuer in normalen schwarzen Lettern gedruckt sind, sind ihre Gefühle in grün gedruckt. Denn neben dem Schreibprozess, diktiert Lilo auch ihre Gefühle und Eindrücke in ihr Handy, um nicht zu vergessen, wie sie sich in besonderen Lebenssituationen gefühlt hat. Diese Kombination aus kindlichen Abenteuern und ihrer Gefühlswelt ist wirklich sehr gelungen. Ebenso wie die in den Text eingewobenen Erklärungen von für Kinder unbekannten Begriffen.
Da dieses Buch ja schon ab 8 Jahren ist, zieren Illustrationen von Eleni Livanios die Buchinnendeckel. Im Inneneinband sieht man Familie Lorenz mit ihren Kisten in der Eingangshalle eintreffen und im hinteren Buchinnendeckel ziert ein Plan des Schlossgeländes die Seiten und lädt zum Träumen und Nachschlagen ein. Im Textteil selber zieren vor allem Vignetten die Kapitelanfänge, ansonsten beschränken sich die Illustrationen vor allem auf Listen, Pläne und kleine Tierzeichnungen. Dies ist sehr hübsch, aber natürlich können Kinder immer noch mehr Illustrationen vertragen, ein zu viel ist für sie fast nicht möglich…
Die Autorin Mara Andack lebt mit ihrer Familie in einem Dorf bei Stuttgart und rettet dort gerne Tierbabys. Diese Liebe zur Natur und zu Tieren atmet diese Geschichte auch aus. Denn trotz Lilos Handy, das sie für ihre Feelies braucht, ist Mara Andrack vor allem eine Liebeserklärung an die unbeschwerte Kindheit in der Natur und die Freundschaft gelungen. Abwechslungsreich, witzig und sehr kindgerecht.
Wir sind schon sehr gespannt, ob Lilo im Herbst das große Cliffhanger-Geheimnis von Ende des ersten Bandes lüftet und ob auch Grafen Löwenstein und sein blasser Enkel noch eine größere Rolle spielen werden.
Wir freuen uns auf Band 2, dieses schönen noch relativ großgedruckten Buches für Kinder zum Selberlesen ab 8 Jahren und zum Vorlesen sicher schon ab 7 Jahren und empfehlen es mit 5 von 5 Sternen gerne weiter.